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Freelance Chronicles in Zeiten von Corona

#01 - Chiara Bachmann

Chiara ist Gründerin von Fräulein Finance und unterstützt selbständige Frauen dabei, ihre Finanzen mit Leichtigkeit zu meistern. Mit Chiara sprechen wir über den Sprung ins kalte Wasser, aber auch darüber, wie essenziell Rücklagen für unvorhergesehene Dinge sind. Sie gibt grundsätzliche Tipps, die euch helfen, wenn Geld derzeit eine Belastung ist.


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Chiara Bachmann, 26 Jahre

Unternehmen: Fräulein Finance

Sitz: Aschaffenburg

Selbständig seit: 2018

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Chiara, was hat dich dazu bewogen, speziell Frauen zu unterstützen?

Ich glaube, da muss ich ein kleines bisschen ausholen. Ich habe einen Bachelor und Master im Bereich Finance gemacht und da waren Frauen eh schon unterrepräsentiert. Und wenn ich mich dann mit meinen Kommilitoninnen über Finanzen ausgetauscht habe, habe ich festgestellt, dass da eine gewisse Zurückhaltung herrschte: “Naja, ich gucke irgendwann mal, was ich da machen kann”. Mit männlichen Kommilitonen habe ich mich über Börse, Kapitalmarkt usw. ausgetauscht. Und dieser Unterschied hat mich natürlich stutzig werden lassen.

Ich habe mich gefragt: Wie muss das dann erst sein bei Frauen, die keinen Finanzmaster studieren und erstmal gar nichts mit dem Thema zu tun haben? Ich habe mich umgehört und herausgefunden, dass den Finanzen tatsächlich relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. 

Das hat natürlich auch historische Gründe. Es ist noch gar nicht so lange so, dass Frauen selbständig ein Konto eröffnen können. Doch gerade bei Themen wie Familienplanung ist es sehr wichtig, dass Frauen ein besonderes Augenmerk auf das Thema Finanzen legen. Aus einer Women Empowerment Perspektive heraus habe ich entschieden, etwas zu verändern. Ich habe mein Netzwerk signifikant erweitert und viele tolle Frauen mit tollen Visionen und Herzensprojekten kennengelernt. Das Thema Finanzen spielte für die meisten Frauen eher eine untergeordnete Rolle oder war mit Stress verbunden. So habe ich mich Schritt für Schritt in die Richtung Finanzen für selbständige Frauen entwickelt. 

"Das Thema Finanzen spielte für die meisten Frauen eher eine untergeordnete Rolle oder war mit Stress verbunden."

Welche Blockaden und Gedanken erlebst du rund um die Themen Geld und Unternehmenspläne?

Es gibt einen ganzen Blumenstrauß an Gedanken und Blockaden. Ich erlebe oft, dass das Thema Geld sehr eng mit dem eigenen Selbstwert verbunden wird. Da tauchen Fragen auf wie: “Kann ich das überhaupt verlangen für meine Dienstleistung oder mein Produkt? Bin ich gut genug? Und sind andere bereit, das zu bezahlen?” Das ist für viele ein großes Thema.

Ich nehme auch wahr, dass viele sich gern in Finanzen reinfuchsen wollen, aber nicht wirklich wissen, wo sie anfangen sollen. 

Und dann kursieren unter vielen Selbständigen richtige Horrorszenarien. Zum Beispiel höre ich immer wieder von Selbständigen, dass sie Panik haben, zum Briefkasten zu gehen, weil da ein Brief vom Finanzamt dabei sein könnte. “Dann muss ich alles einstampfen und unter der Brücke schlafen”. Das wird oft scherzhaft gesagt, aber ich habe schon das Gefühl, dass da eine große Angst ist. Davor, dass man hinwerfen muss, weil man an irgendwas nicht gedacht hat. Manche fahren deshalb eher die Strategie: Kopf-einziehen und das Kuddelmuddel ignorieren.

Das sind Ängste, die am Anfang einer Selbständigkeit stehen können. Je weiter man auf der eigenen Journey von Selbständigkeit ist, desto mehr merkt man, dass das doch nicht so furchteinflößend ist wie gedacht. Und ja, da ist auch mal ein Brief vom Finanzamt dabei. Dann fragt man nach und informiert sich und merkt vielleicht, dass das Finanzamt auch mal Fehler macht. Und dann wächst man in das Thema Finanzen rein.

Was würdest du Menschen raten, die sich selbständig machen möchten? Ab welchem Punkt sollten sie sich mit ihren Finanzen beschäftigen?

Mein Tipp ist, das Thema Finanzen mitwachsen zu lassen, von der Pike auf. Natürlich geht es meistens mit der Vision los. Was möchte ich anbieten? Wie mache ich mein Produkt bekannt? Wie gestalte ich mein Marketing? Klar, am Anfang darf der Fokus auf dem Produkt an sich liegen und auf der Kommunikation mit potenziellen Kunden. Aber das Thema Finanzen geht in dieser Anfangsphase meistens ganz schön unter.

Ich vergleiche das Thema Finanzen immer gerne mit einem Holzblock, den es zu durchbohren gilt. Am Anfang ist dieser Holzblock noch kein dicker Block, sondern eher ein kleines Brettchen an Wissen, was man sich aneignen darf. Dieses Brettchen kann man relativ schnell durchbohren und das Thema abhaken. Je weiter man das aber vor sich herschiebt im Laufe der Selbständigkeit, desto mehr Bretter kommen obendrauf. Und irgendwann ist das kein kleines Brettchen mehr, sondern ein dicker, fetter Holzblock. Um den zu durchbohren, braucht man richtig viel Kraft – im übertragenen Sinne ist es zu diesem Zeitpunkt sehr viel Arbeit, Struktur in die Finanzen zu bringen. Und wenn es dann noch darum geht, Mitarbeiter an Bord zu holen, muss man einfach einen Überblick haben. Dann ist man nicht mehr alleine, sondern hat die Verantwortung, seine Mitarbeiter bezahlen zu können. Deswegen ist mein Tipp, das Thema Finanzen von Anfang an mitlaufen zu lassen. 

Der allererste Schritt, den ich jedem empfehle, ist ein Geschäftskonto zu eröffnen. Das ist wirklich nicht viel Aufwand und dauert nicht länger als 10 Minuten. Und damit vermeidet man schon ganz viel Kuddelmuddel. 

Gerade am Anfang hör ich oft “Ich hab ja noch meinen Hauptjob und meine Selbständigkeit läuft erstmal nebenher, das kann ja alles über mein Privatkonto laufen”. Aber dann hat man schon Lastschriftmandate über das Privatkonto, Tools über die private Kreditkarte gebucht – ein Wechsel zum Geschäftskonto ist dann aufwändiger. Und richtig Arbeit wird es, wenn es um die Steuererklärung geht. Dann müssen die privaten und geschäftlichen Kosten auseinander gezogen werden. 

Wenn man diese Trennung von Anfang an macht, spart man sich ganz viel Stress.

Du bist ja selbst Kontist Kundin. Wie unterstützt dich das Kontist Konto in deiner Selbständigkeit?

Was für mich ein riesengroßer Vorteil von Kontist ist, ist die automatisierte Separierung von Einnahmen, die ich behalten kann, und Geld, das für Steuern beiseite gelegt wird. Es ist super, Klarheit darüber zu haben, was mir wirklich zur Verfügung steht. Wenn dann das Finanzamt die Umsatzsteuer einzieht, muss ich mir keinen Stress machen, weil ich weiß, dass das Geld auf einem separaten Konto liegt und dort reserviert ist. Auch die Einkommenssteuernachzahlung für 2019 war easy. Auf meinem Konto war sogar noch ein bisschen mehr zurückgelegt, als das Finanzamt dann eingezogen hat. 

Für mich ist es so: Die Unterkonten bei Kontist sind in meiner finanziellen Wahrnehmung gar nicht mehr vorhanden. Ich behandle dieses Geld so, als hätte ich es nicht, weil es mir de facto auch nicht angezeigt wird. Und deswegen habe ich mich tatsächlich ordentlich gefreut, als der Steuerbescheid kam, weil ich damit gefühlt wieder etwas “zurückbekommen” habe, was ich bereits mental weggebucht hatte. Das macht es unfassbar easy.

Ich persönlich habe mir nie großartig Stress um Steuern und das Finanzamt gemacht, weil ich weiss, ich zahle nur dann Steuern, wenn ich auch Umsätze und Gewinne erwirtschaftet habe. Und wenn ich einigermaßen haushalte, kommt das auch alles ganz gut hin. Trotzdem macht es meinen Alltag ein ordentliches Stück einfacher, wenn ich weiss, das Haushalten passiert automatisiert. Ich muss so nicht einmal im Monat Geld zwischen mehreren Unterkonten hin- und hertransferieren. Die Zeit kann ich anders nutzen, finde ich. 

"Ich persönlich habe mir nie großartig Stress um Steuern und das Finanzamt gemacht, weil ich weiss, ich zahle nur dann Steuern, wenn ich auch Umsätze und Gewinne erwirtschaftet habe. Und wenn ich einigermaßen haushalte, kommt das auch alles ganz gut hin. Trotzdem macht es meinen Alltag ein ordentliches Stück einfacher, wenn ich weiss, das Haushalten passiert automatisiert."

Dieses Jahr ist ein sehr außergewöhnliches Jahr, das viele Selbständige vor unglaubliche Herausforderungen gestellt hat. Wie hast du als Unternehmerin das erlebt? Und wie bist du damit umgegangen?

2020 war definitiv ein herausforderndes Jahr für einige von uns. Ich kann wirklich von Glück sprechen, dass ich schon seit langem auf dem Radar hatte: Ich möchte finanzielle Mittel zur Seite legen, für unvorhergesehene Dinge.

Ich nehme da als Maßzahl die finanzielle Reichweite, sprich: Wie lange kann mein Business überleben, wenn ich ab morgen keine weiteren Umsätze erwirtschafte? 

Bei dieser Maßzahl ist es ganz wichtig, so etwas wie Rückstellungen fürs Finanzamt oder Sozialversicherung nicht mit einzuberechnen. Diese Ausgaben muss ich früher oder später bezahlen. Für meine finanzielle Reichweite kann ich sie also nicht einkalkulieren. Um die Reichweite zu berechnen, muss ich solche Dinge wie meine geschäftlichen Fixkosten berücksichtigen – alles, was ich nicht mit einem Knopfdruck runterfahren kann, wenn ich von jetzt auf gleich keine Umsätze mehr erwirtschafte. Dazu kommt natürlich das, was ich mir selbst als Unternehmerinnengehalt ausbezahle, um meine Lebenshaltungskosten usw. zu decken. 

Die Untergrenze der finanziellen Reichweite sollte bei zwei bis drei Monaten liegen. Das gibt mir die Freiheit, auch mal umzunavigieren, den Raum für Kreativität aufzumachen und Neues zu schaffen. Wenn ich unbedingt Umsatz reinholen muss, bleibt meistens kein Raum für neue Ideen. Meine besten Ideen entstehen, wenn ich Zeit habe, mit dem Hund rauszugehen oder in der Badewanne zu liegen. Deswegen rate ich zu mindestens zwei bis drei Monaten finanzieller Reichweite. Noch besser sind sechs Monate. Wenn man Mitarbeiterverantwortung hat, muss man die eigene Risikobereitschaft natürlich entsprechend anpassen.

Ich hatte Anfang des Jahres eine Workshop-Tour zum Thema Geld und Finanzen geplant. Die musste ich natürlich auf Eis legen. Weil ich wusste, dass ich an der Krisensituation nichts ändern kann, habe ich mir den Raum genommen, ein komplett neues Konzept zu entwerfen. Ich habe Kreativsessions gemacht, die Wände mit Post-its voll geklebt und mir Meinungen von potenziellen Klientinnen eingeholt. Heraus kam das Overflow Money Mentoring Programm für selbständige Frauen. Von der Pike auf arbeiten wir zum Thema Geld und Finanzen in der Selbständigkeit. Wir sprechen über emotionale Aspekte, über Money Mindset, aber auch über die strukturellen strategischen Themen und über Fragen wie: Was kann ich in Bezug auf meine Finanzen automatisieren? Welche Prozesse und Routinen brauche ich? 

"Meine besten Ideen entstehen, wenn ich Zeit habe, mit dem Hund rauszugehen oder in der Badewanne zu liegen. Deswegen rate ich zu mindestens zwei bis drei Monaten finanzieller Reichweite. Noch besser sind sechs Monate."

Wie sehen deine eigenen Finanzroutinen aus?

Ich nehme mir immer am Freitag Vormittag Zeit für meine persönliche Money Routine. Dann arbeite ich alles zum Thema Geld und Finanzen in meinem Fräulein Finance Universum ab. Ich gucke dann, wie die konkrete Lage ist und ob die vergangene Woche mit meiner Cashflow Planung übereinstimmt. Dafür habe ich feste KPIs definiert und ein eigenes Controlling System entwickelt. Auch wenn ich meinen Steuerberater oder das Finanzamt kontaktieren will, lege ich mir das als Termin in diese Zeit. Weil auch bei mir, bei Fräulein Finance, sind diese Aufgaben nicht der hauptsächliche Teil meiner Arbeit – das ist der Kontakt mit Klientinnen. Deswegen schaffe ich mir bewusst Zeit für meine Money Routine.

"Weil ich wusste, dass ich an der Krisensituation nichts ändern kann, habe ich mir den Raum genommen, ein komplett neues Konzept zu entwerfen. Ich habe Kreativsessions gemacht, die Wände mit Post-its voll geklebt und mir Meinungen von potenziellen Klientinnen eingeholt. Heraus kam das Overflow Money Mentoring Programm für selbständige Frauen."

Gibst du auch Aufgaben ab?

Ja, ich habe einen Steuerberater. Und die vorbereitende Buchhaltung habe ich an meinen Partner abgegeben. Mit Kontist geht das ja super smooth: Die Verknüpfung mit Lexoffice ist meine Dream Connection! Im Bereich Beratung und Wirtschaftsprüfung, wo ich ursprünglich tätig war, wird noch viel beleghaft gemacht, mit Papier und Ordnern und dem ganzen Krimskrams. Davon bin ich überhaupt kein Fan. Mit Kontist und Lexoffice geht das automatisch, so ist das überhaupt keine Rocket Science mehr. Zusätzliche physische Belege kann ich einfach über die App einscannen und – zack – hochladen. Und ich habe die Möglichkeit, meinen Steuerberater mit reinzuholen. Ich habe zwar durch mein Studium eine sehr gute Grundlage, aber hole mir trotzdem gern Experten zur Hilfe.

Das Thema Rücklagen ist für viele Selbständige relevant, gerade in einem Jahr voller Herausforderungen. Es ist oft eine Gratwanderung zwischen “Ich habe gerade so genug Geld, um meinen Alltag und mein Business zu bestreiten” und “Ich lege bewusst Geld zurück”. Hast du einen Tipp für unsere Community?

Der erste und sehr wichtige Schritt ist zu akzeptieren, dass das Thema Rücklagen nicht mit einem Fingerschnipp erledigt ist. Das ist ein Prozess, auf den man sich einlassen darf. Da darf man jeden noch so kleinen Schritt feiern. Am Anfang sind es nur 20 Euro im Monat? Super, dann startest du mit 20 Euro im Monat. 

Wenn es um Geld und Finanzen geht, beruht viel auf Gewohnheiten. Gewohnheiten etablieren wir, indem wir irgendwann anfangen und kleine Schritte gehen. Wenn wir uns daran gewöhnt haben, 20 Euro zurückzulegen, können wir aufstocken. Dann sind es vielleicht 30 oder 40 Euro. 

Was es allerdings braucht, ist ein Ziel, zum Beispiel: “Ich möchte bis zum Zeitpunkt y die Summe x auf meinem Konto liegen haben.” Und dieses Ziel sollte aktiv umgesetzt werden und nicht einfach nur auf einem Visionboard landen.

Eine weitere wichtige Sache ist, Rücklagen auch mit einzupreisen. Ich erlebe es leider immer noch oft, dass sich beim Pricing an dem orientiert wird, was man vorher als Angestellter verdient hat. Das passt meistens hinten und vorne nicht, weil man als Selbständiger für alles selbst verantwortlich ist und die Umsätze oft schwanken. Da langt es einfach nicht, wenn ich zum Beispiel 2.000 Euro netto Umsatz erwirtschafte. Das mag am Anfang genügen, wenn ich ganz frisch aus dem Studium komme, noch in meiner Studenten-WG wohne und sehr niedrige Fixkosten habe. Trotzdem kommt viel auf einen zu: Sozialversicherungen, Steuern, je nach Business Case auch betriebliche Versicherungen. Aufgrund dieser Fülle von Dingen, die wir zahlen dürfen, ist das Upleveln des Money Mindsets und auch des eigenen Selbstwerts umso wichtiger. So können wir für Preise einstehen, die es möglich machen, ein nachhaltiges Business aufzubauen.

"Der erste und sehr wichtige Schritt ist zu akzeptieren, dass das Thema Rücklagen nicht mit einem Fingerschnipp erledigt ist. Das ist ein Prozess, auf den man sich einlassen darf. Da darf man jeden noch so kleinen Schritt feiern. Am Anfang sind es nur 20 Euro im Monat? Super, dann startest du mit 20 Euro im Monat."

Hast du einen Tipp, wie man mit weniger Schwere und Angst an das Thema Geld herangehen kann?

Ich glaube, dass wir uns ganz viel Stress selbst in unserem Kopf machen. Da hilft es, finde ich, einfach mal aufzuschreiben, was einen so stresst. Ich bin grundsätzlich ein großer Fan von Journaling, also davon, Gedanken einfach aufzuschreiben, auf Papier zu bringen – das sorgt oft schon für ganz viel Klarheit. 

Und daran angefügt muss man sich irgendwann den Ruck geben, sich trotz der Angst im Kopf hinzusetzen und anzufangen. Wenn man erst einmal ins kalte Wasser gesprungen ist, merkt man meistens, dass es gar nicht so schlimm ist und man sich vielleicht sogar weiter reintraut. 

Das Thema Finanzen muss nicht super langweilig sein und aus irgendwelchen schnöden Excel-Tabellen und Cashflows bestehen. Wir können es uns schön machen. Ich mache mir zum Beispiel eine leckere Tasse Kaffee und setz mich an einen Platz, wo ich mich wohl fühle und genug Licht habe. Wenn ich mich neu an Dinge wage, nehme ich gerne einen riesengroßen DIN A3 Block und eine Box mit ganz vielen bunten Filzstiften. Und dann kritzel ich erstmal alles hin, was mir durch den Kopf schwirrt. Das artet meistens in eine Mindmap aus, die ich dann strukturieren kann. Es muss am Anfang keine Excel-Tabelle, kein Tool und kein Taschenrechner sein – wir können es uns schön machen, wenn wir uns drauf einlassen.

So kann man die erste Hürde überwinden. Und wenn man ein Stück weiter im Prozess ist und einem ein Thema super schwer fällt, kann man sich auch durchaus Unterstützung dazuholen. Ich erlebe das oft bei Frauen, und will mich da gar nicht ausnehmen, dass wir alles alleine auf die Kette kriegen wollen. Es lohnt sich aber auch, über den eigenen Schatten zu springen und zu sagen: “In diesem Feld bin ich nicht so spitze, da hole ich mir jemanden dazu – und es gibt ganz viele andere Felder, in denen ich einsame Spitze bin.” Es ist absolut okay, sich Unterstützung zu holen, um die nächsten Schritte gehen zu können und der Vision näherzukommen.

"Ich erlebe das oft bei Frauen, und will mich da gar nicht ausnehmen, dass wir alles alleine auf die Kette kriegen wollen. Es lohnt sich aber auch, über den eigenen Schatten zu springen und zu sagen: “In diesem Feld bin ich nicht so spitze, da hole ich mir jemanden dazu – und es gibt ganz viele andere Felder, in denen ich einsame Spitze bin.""

Was hast du aus der Krise mitgenommen?

Ich war glücklicherweise nicht in der Situation, dass meine Umsätze komplett ausgefallen ist. Auch unter meinen Klienten hatten einige schon Online-Präsenz und konnten darauf aufbauen. 

Ganz unabhängig von Corona, aber gerade in diesen Zeiten lohnt es sich, die Frage nach dem Input-Output-Verhältnis aufwerfen. Wenn man selbständig ist, hängt da natürlich auch das ganze Herz dran – man liebt, was man tut. Aber manchmal braucht es auch einen rationalen Blick auf die Zahlen: Was sind die Dinge, die mich am weitesten bringen? Das kann auch weh tun, nach dem Motto “kill your darlings”. Vielleicht muss man Tätigkeiten oder Ideen, die nicht für das gewünschte Ergebnis gesorgt haben, zurücklassen. 

Ich denke, dass es auch wertvoll ist, die Augen nach Förderungen offenzuhalten. Man muss sich nicht davor verschließen, in einer solchen Krise auch Hilfsgelder anzunehmen.

"Ganz unabhängig von Corona, aber gerade in diesen Zeiten lohnt es sich, die Frage nach dem Input-Output-Verhältnis aufwerfen. Wenn man selbständig ist, hängt da natürlich auch das ganze Herz dran – man liebt, was man tut. Aber manchmal braucht es auch einen rationalen Blick auf die Zahlen: Was sind die Dinge, die mich am weitesten bringen?"

Wenn du dir etwas wünschen könntest, von Kontist oder der Kontist Community, was wäre das?

Ein Thema, an dem wir ja quasi schon gemeinsam arbeiten, ist die Vernetzung. Ich bin kein Fan von Ellenbogen und Konkurrenzdenken, sondern von gegenseitigem Support. Den erlebe ich auch zum Beispiel auf Instagram. Man macht mal ein Insta Live zusammen, man tauscht sich in einem Podcast aus und kreiert Win-Win-Situationen. Dieses Miteinander, diesen Austausch nehme ich als wahnsinnig wertvoll wahr. Wenn ich zurückblicke auf die ganzen Jahre meines Austauschs mit anderen Selbständigen, sind daraus sogar echte Freundschaften entstanden. Wenn Kontist noch mehr eine Plattform für den Austausch schafft, sehe ich das als ganz großen Zugewinn!

Dankeschön, Chiara, dass du heute unser Gast warst und dass du uns Einblick gegeben hast in deine Reise als Selbständige.

Ihr wollt auch dabei sein? 

Ihr seid selbständig und Kontist Kunde? Dann freuen wir uns auf eure Geschichten! Kontist featured euch jeweils in einem Video-Beitrag, einem Artikel sowie als Teil unserer Kampagne in unseren anderen Kanälen.

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