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Du arbeitest als Mutter oder Vater von zu Hause? 7 Wege um besser mit Unterbrechungen zurecht zu kommen.

Wenn du Kindern sagst: „Kannst du bitte…?“ oder „Bitte tu das nicht…“, werden sie häufig erstmal ganz brav nicken, dir ein wundervolles Gefühl von Sicherheit geben und dann garantiert das Gegenteil tun. So wie neulich bei mir Zuhause, als mein Kind mitten ins Geschäftsgespräch platzte, nachdem ich es zuvor liebevoll bat, nur kurze 10 Minuten nicht zu stören, weil ich ein wichtiges Telefonat führen musste. Nachdem ich mich schon ganze 3 Minuten (eine gefühlte Ewigkeit) über die nächsten Steps mit meinem Telefonpartner austauschte, hörte ich es auch schon aus dem Nebenzimmer: „Mama, MAMA, MAAAMAAA“ rufen. Was nun? Ignorieren half nichts, und den Hörer kurz zur Seite legen war auch keine Option. Als mir mein Kind schon ganz kuschelig an den Beinen hing und auf mein undefinierbares und hilfloses Gestikulieren keine Reaktion zeigte, löste ich die Situation, indem ich meinem Gesprächspartner meine missliche Lage zu Verstehen gab, den Talk kurz unterbrach, meinem Kind den Lego-Turm wieder herrichtete und das Gespräch mit einem peinlich berührten Schmunzeln auf dem Gesicht und erleichtertem Atem weiter fortführte. Kind happy, Mama happy (mit Herzklopfen nach einem 1000m Lauf).

Wenn du von Zuhause arbeitest, hast du sicherlich schon die ein oder andere ähnliche Situation erlebt. Ich bin gern mit meinem Kind zusammen. Am liebsten hätte ich es immer um mich rum. Nur unterscheiden sich manchmal unsere Interessenlagen erheblich.

Damit dein Geschäftstelefonat nicht zum „plötzlichen Herzstillstand“ führt und du dich zwischen liebevoller Kinderbetreuung und seriösem Businesstalk nicht zweiteilen musst, helfen dir vielleicht diese sieben Tipps, um solche Situationen zu vermeiden oder sie elegant zu umgehen.

Auf das Alter kommt es an

Ob du dein krankes Kind zuhause betreust, gerade Ferienzeit ist, der Babysitter abgesagt hat oder du bereits in deiner Elternzeit von Zuhause aus arbeitest, es gibt viele Situationen, in denen du als Freelancer (mal) deinen Arbeitsplatz mit deinem Kind teilen wirst.

Ob dein Kind versteht, dass deine Arbeit für einen kurzen Moment gerade Vorrang hat, kommt natürlich auf das Alter deines Kindes an. Ein Baby von drei Monaten wird dich zwar hören, aber nicht verstehen was du genau von ihm willst. Jedem Erwachsenen mit gesundem Menschenverstand sollte das klar sein. Je älter das Kind, desto besser sein Einfühlungsvermögen und sein Bezug zur Zeit. Fünf Minuten können für ein dreijähriges Kind eine Ewigkeit sein!

Du solltest also genau abschätzen können: was kann dein Kind schon? Wie nimmt es seine Umgebung und Zeit wahr? Wann braucht es viel, wann eher weniger Aufmerksamkeit von dir?

1. Festen Arbeitsplatz und feste Arbeitszeiten vereinbaren

Sofern du ihn nicht schon Zuhause hast, richte dir deinen festen Arbeitsbereich ein. Hier bist nur du und gehst deinen Tätigkeiten nach. Wenn es aufgrund von Platzgründen nicht für ein eigenes Arbeitszimmer reicht, genügt auch ein definierter Bereich in deiner Wohnung, der in einer bestimmten Zeit nur dir gehört.

Sind die Kinder schon etwas älter, kann man ihnen erklären, dass Mama oder Papa zum Beispiel von 10 bis 12 Uhr dort still und konzentriert arbeiten wollen. Die Kinder können in der Zeit ihren eigenen Beschäftigungen nachgehen. Wichtig ist, dass deine Kids darüber Bescheid wissen und dass sich beide: Eltern und Kinder an die abgesprochenen Zeiten halten. Nur so kann sich eine verständliche Struktur einpendeln. Nach dem gemeinsamen Mittagessen, kann nochmal eine 1-2 stündige (hier kommt es ganz auf dich und dein(e) Kind(er) an) Arbeitszeit ausgemacht werden.

Trotz fest ausgemachter Arbeitszeiten kann es aber durchaus immer wieder zu Unterbrechungen kommen. Auch wenn du deinen Kids gesagt hast, dass sie dich nur im äußersten Notfall (das Haus brennt oder die Katze ist entlaufen) bei dir melden sollen, steckt doch einer den Kopf hinein, klopft an die Tür oder stürmt aufgeregt hinein. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der Malstift ist kaputt, das geliebte Spielzeugauto nicht auffindbar oder das schwere Puzzle endlich fertig. Kinder brauchen deine Hilfe oder möchten deine Aufmerksamkeit und diese steht ihnen auch zu.

Um zu vermeiden, dass sich ihr plötzlicher Wunsch mit deinem Business beißt, mache ihnen verständlich, dass sie nach dem Anklopfen kurz warten sollen. Du wirst zu ihnen kommen, aber eben nicht sofort in dieser Minute. Mach dir auch selbst verständlich, dass deine Kinder stark genug sind kurz inne zu halten, damit du deinen wichtigen Gedankengang oder ein wichtiges Gespräch kurz zu Ende führen oder in eine Unterbrechung einleiten kannst.

Sind deine Kinder schon etwas größer, kannst du sie bitten statt anzuklopfen oder hineinzustürmen, dir einen Zettel durch die Tür zu schieben. Du weißt was sie von dir wollen und deine Kinder üben sich in Kreativität.

2. Wichtige ToDo’s auf die richtigen Zeiten legen

In deinem Job gibt es sicherlich Dinge, die viel Konzentration von dir verlangen und Dinge, die sich auch mal gut nebenbei erledigen lassen. Leg’ dir die wichtigsten Sachen auf Zeiten, wenn deine Kinder schlafen, aus dem Haus sind, der Babysitter sich gerade kümmert oder du weißt dass deine Kids gerade ganz vertieft in ihrem Spiel sind und du nicht damit rechnest, dass sie plötzlich deine Aufmerksamkeit voll und ganz verlangen. In den anderen Zeiten kannst du dich dann einfacheren Arbeiten widmen, bei denen du mit Unterbrechungen besser zurecht kommst.

3. Auf dein soziales Netzwerk zurückgreifen

Wenn möglich versuche dir freie Zeiten zu nehmen. Gerade bei kleineren Kindern empfiehlt sich ein Babysitter. Oder Oma und Opa können mal für ein paar Stündchen in der Woche einspringen. Manchmal reicht es sogar, nur für zwei Stunden das Haus zu verlassen, und im Café um die Ecke weiterzuarbeiten.

4. Testlauf durchführen

Manchmal gibt es Vorhaben, bei denen dir selbst schon ohne Anwesenheit der Kinder die Knie schlottern. Ein wichtiges Gespräch, das du wirklich nicht vermasseln willst. Hier ist es wieder wichtig ganz klar zu kommunizieren, dass du wirklich nicht gestört werden möchtest. Liegt solch ein Gespräch an, empfiehlt es sich einen Pre-Test, zu machen, einen Probe-Feueralarm sozusagen, bevor es zum richtigen Gespräch kommt. Da kann die Freundin erstmal als vermeintliches Geschäftsgespräch hinhalten. Deine Kids wissen was auf sie zukommt und du kannst die Situation und deine Kinder besser einschätzen und gehst vielleicht dann auch entspannter in das reale Gespräch.

5. Der Zauber der MUTE-Taste

Du bist in einem wichtigen Telefongespräch oder Skype-Telefonat? Wenn du dir sicher sein möchtest, dass von dem Kindergarten-Sound deines Zuhauses nichts durchdringen soll, solltest du den Mute-Button deines Telefons genau kennen und deine Laptopkamera nicht unbedingt zur Tür gerichtet haben.

6. Ein guter Plan ist oft der Anfang einer Lösung

Stell dir die „heikelste“ Situation vor, die dir mit Business und Kindern passieren kann und mach dir einen Plan. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an Robert E. Kelly und sein Skype-Interview mit der BBC zur Lage in Südkorea. Erst platzte sein erstes Kind rein, dann sein zweites, dann seine Frau, die die Situation zu retten versuchte. Alles live. Wie hättest du reagiert?

7. Pausen nehmen

Vergiss deine Pausen nicht und am besten nimm dir die Zeit mit deinen Kindern. Lass’ sie spüren, dass du für sie da bist. In dieser Zeit solltest du alles stehen und liegen lassen. Kein Telefonat, keine Emails, kein WhatsApp, kein Instagram. Kocht zusammen, geht ein Eis essen oder lasst das Kinderzimmer zur Vorlesestube werden. Deine Kinder tanken Elternzeit und haben dann viel mehr Verständnis, wenn du wieder deine Zeit für den Job einforderst. Und auch für dich sind Pausen durchaus wertvoll. Ein paar Minuten genügen schon um wieder mit neuem Schwung konzentriert an die Arbeit zu gehen.

Dein Arbeitstag ist gerettet? - Ein Fazit

Wenn du von Zuhause arbeitest und gleichzeitig ein oder mehrere Kinder betreust, bleibt es nicht aus, dass deine Kinder deine Hilfe benötigen oder deine Aufmerksamkeit einfordern. Das dürfen sie auch und sollen sie auch. Leider geschieht es eben manchmal in recht unpassenden Gelegenheiten. Die sieben Tipps helfen dir vielleicht dabei, das nächste Mal etwas entspannter und vorbereiteter in diese Situationen zu gehen. Es gibt keine Garantie dass sie funktionieren. Vielleicht hast du noch weitere Tipps? Wie gehst du mit Unterbrechungen im Home-Office um?

Dass du damit nicht allein bist, zeigen zahlreiche Blogartikel von selbständigen Müttern im Netz, wie hier bei Frau&Frei oder Michelle Weber mit ihrem Mamablog Kamikazefliege .