Wie du als Coach in die Selbständigkeit startest | Kontist
Selbstständigkeit

Wie du als Coach in die Selbständigkeit startest

Nina Sickinger

Freelance Editor

11. Nov. 2020

In welcher Phase deiner beruflichen Laufbahn auch immer du dich gerade befindest - wenn du vor der Frage stehst, was und wie möchte ich eigentlich arbeiten, ist das oftmals ganz schön überfordernd. Denn die Möglichkeiten sind heutzutage äußerst vielfältig. Neben der Frage nach deinen Interessen, deinen Talenten und Fähigkeiten spielt natürlich auch die Art deiner Ausbildung oder deines Studiums eine Rolle bei der Auswahl eines Berufs.

Oft hat man sich nach der Schule auch diesen einen, ganz bestimmten (Traum-) Beruf ausgesucht, nur um dann festzustellen, dass er in der Praxis eigentlich gar nicht zu einem passt. Oder du arbeitest fest und hast das Bedürfnis, endlich dein eigener Chef zu sein und dein eigenes Business zu gründen. Auch wagen es viele irgendwann, aus ihrer "alten" Tätigkeit auszusteigen, um ihr langjähriges Hobby zum Beruf zu machen. Oder du möchtest dich beruflich verändern, weißt aber nicht wie und andere sagen "arbeite doch als Coach. Das ist modern, liegt voll im Trend und geht ganz einfach. Wäre das nicht was für dich?"

Da bei uns der Fokus immer auf Themen bezüglich Selbständigkeit liegt, haben wir heute aus der Reihe "Selbständig machen als ..." dieses neue Themenfeld ausgesucht, das da lautet "selbständig machen als Coach". Wir erklären dir alle wichtigen Details und was du auf diesem Weg beachten musst. Und ob es wirklich so einfach geht, wie viele behaupten. 

Schon mal die guten Nachrichten vorweg: das Berufsfeld Coach ist ein sehr weit gefasstes, es gibt viele Bereiche, in denen du als Coach arbeiten kannst und die Hürden für diesen Beruf sind rein von staatlicher Seite eher niedrig. 

Doch solltest du dir im Vorfeld gut überlegen, ob du einen Bereich abdecken kannst, in dem man als Coach arbeiten kann, ob du dir das insgesamt zutraust und ob du die Voraussetzungen erfüllst, damit auch erfolgreich agieren zu können. Und hier kommen dann doch ein paar Hürden ins Spiel. Denn natürlich sind neben den reinen Formalien eine Reihe an persönlichen Qualifikationen gefragt, wie unter anderem Fachlichkeit, soziale Kompetenz oder auch Fingerspitzengefühl und Empathie. Dazu später mehr.

Allgemeines 

Zunächst eine kurze Definition bzw. die Herleitung des Wortes: Der Begriff Coach ist schon sehr alt, stammt aus dem Englischen und bedeutet Kutsche. In Anlehnung an die Aufgaben eines Kutschers, der seine Pferde anleitet und die Kutsche mit seinen Fahrgästen lenkt, schreiben einige Definitionen dem Wort seine heutige Bedeutung zu. Ganz banal gesagt: Der Kutscher bringt den Fahrgast (Kunden) ans Ziel. Wie heißt es im Volksmund so schön: Der Kutscher kennt den Weg. Ein grober Vergleich lässt sich hier zwar durchaus ziehen, aber etwas differenzierter muss man das Berufsbild Coach dann doch betrachten.  

Und zwar:

Die Tätigkeiten eines Coaches umfassen eine Vielzahl an Trainingsmethoden und  Beratungskonzepten, um Menschen bei den unterschiedlichsten Fragen, Problemen und Anforderungen zu helfen. 

Dazu zählt unter anderem:

Die Unterstützung von Menschen bei der Entwicklung und Umsetzung persönlicher (private Anliegen) oder beruflicher Ziele (Business-Fragen). 

Zu beachten: 

Die Aufgabe eines Coaches ist, einem Ratsuchenden, auch Kunde, Klient oder Coachee genannt, bei der Entwicklung eigener Lösungsansätze und auch durch konkrete Lösungsvorschläge auf seinem Weg zu unterstützen. Ein so genanntes Coaching umfasst z.B. ein Beratungs-Gespräch zwischen Coach und Coachee zu Fragen des beruflichen Alltags oder zu Themen des persönlichen Lebens. 

Ziele dieser Gespräche können u.a. sein: 

  • die eigene Einschätzung der Situation und die Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Perspektiven 
  • Anregungen zur Selbstreflexion 
  • Überwindung von Konflikten mit dem Lebenspartner, Kindern oder der Familie, ebenso wie mit Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten. 

Demzufolge sind die folgenden Bereiche, in denen du als Coach arbeiten kannst zum Beispiel:

  • Persönlichkeitsentwicklung / Motivationstraining 
  • Stärken-, Kompetenz- und Potenzialanalyse und -entwicklung
  • Gründungsberatung
  • Berufsberatung
  • Führungskräfte-Training in verschiedenen Bereichen wie z.B. Mitarbeiterführung und -motivation  
  • Kommunikationstraining
  • Verhandlungsführung
  • Mediation und Konfliktmanagement 
  • Charakterentwicklung 
  • und viele mehr

Auf was du achten solltest, wenn du in Betracht ziehst, dich als Coach selbständig zu machen

Es gibt weder eine vorgeschriebene, staatlich anerkannte Ausbildung für dieses Berufsbild noch wissenschaftlich fundierte Qualitätsstandards. Weiterhin ist "Coach" keine geschützte Berufsbezeichnung. Darin unterscheidet sich der Beruf Coach explizit von anderen beratenden Tätigkeiten wie z.B. Steuerberatern oder Rechtsanwälten.

Jeder darf sich also Coach nennen und so arbeiten. Jeder kann sich seine fachlichen Fähigkeiten und Qualifikationen selbst aneignen. Was die rein persönlichen Kompetenzen anbelangt, muss jeder wohl selbst entscheiden, ob er sich das zutraut oder nicht.

Dass der Gesetzgeber bisher keine einheitlichen Richtlinien und konkreten Vorgaben geschaffen hat, wirkt sich sowohl auf die Anbieter- als auch auf Nachfragerseite aus. Das Ganze ist zwar vorteilhaft in dem einen Sinne, da es dir so viele verschiedene Möglichkeiten bietet, als Coach zu arbeiten.

Doch ist auch Vorsicht geboten, denn eines ist klar: es kann Tür und Tor für Unprofessionalität und ähnliches öffnen. Denn allein nur eine professionell anmutende Website sagt rein gar nichts über die Qualifikation eines Coaches aus. Das gilt gleichermaßen für dich, wenn du dich als Coach selbständig machen möchtest als auch für jeden, der die Beratung eines Coaches in Anspruch nehmen möchte. 

Es ist in diesem Zusammenhang auch zu beachten, dass der Beruf Coach streng von den Berufen Psychotherapeut oder Heilpraktiker abzugrenzen ist. Diese Berufe werden im Psychotherapeutengesetz (PsychThG) und im Heilpraktikergesetz (HeilprG) geregelt. 

Ein wichtiger Grundsatz lautet auch: Coaches ohne Zulassung als Psychotherapeut dürfen grundsätzlich keine Trainingsinhalte anbieten, die auf die Diagnose und Behandlung von psychischen Krankheiten abzielen. 

Was noch:

  • Obwohl es keine vorgeschriebenen Coaching-Ausbildungen gibt, schießen die Angebote dafür schon seit längerem wie Pilze aus dem Boden. Und auch hier sind die Möglichkeiten so vielfältig wie die Coachingbereiche, in denen du arbeiten kannst. Es gibt beispielsweise kurze Trainingseinheiten von nur 4 Wochen bis hin zu umfassenden Ausbildungen von drei Jahren. Auch die Kosten variieren stark - von ein paar Hundert Euro bis mehreren Tausend ist alles möglich. 
  • Es gibt 20 Coaching-Verbände in Deutschland, die versuchen spezielle und einheitliche Ausbildungsstandards auf den Weg zu bringen. Auf der Anbieterseite z.B. arbeiten sie an der Durchsetzung von bestimmten Qualitätsstandards für die Aus- und Weiterbildung (etwa durch Zertifizierungen, Lizenzierungen, Qualitätskontrollen, etc.), auch um den gesamten, oft unübersichtlichen Coachingmarkt transparenter zu gestalten.

    In diesem Zusammenhang unterscheiden sich aber die Meinungen und auch die Empfehlungen für derartige Maßnahmen. Oft zählen lediglich Aspekte wie Lebenserfahrung, persönliche Eignung, sittliche Reife oder fachlich-professionelles Geschäftsgebaren als Voraussetzung - die allesamt einen großen Interpretationsspielraum ermöglichen. Auch wenn alle Empfehlungen einen rechtsverbindlichen Charakter vermissen lassen, sind sich die Coachingverbände doch einig, dass es eine Mindestanforderung an eine Aus- bzw. Weiterbildung als Voraussetzung für diesen Beruf geben muss.

    Auch damit sich Kunden bei der Auswahl eines Coaches, der ja immer auch eine Vertrauensperson ist, "einigermaßen" auf Qualität verlassen können. Zum Beispiel gilt bei den meisten Verbänden ein Mindestalter von 25 Jahren für einen Beitritt. Auch wenn das nicht verpflichtend ist und du dich also auch in jüngeren Jahren als Coach selbständig machen kannst, gilt die Mitgliedschaft in einem Coachingverband bei vielen Kunden als ein Qualitätszeichen.

Was du tun kannst und welche persönlichen Kompetenzen du als Coach haben solltest

Da es also rein von staatlicher Seite keine speziellen oder einheitlichen Anforderungen für diesen Beruf gibt, solltest du selbst aktiv werden, um deine Kunden bestmöglich beraten und unterstützen zu können. 

Welche Fragen du dir ehrlich beantworten solltest, bevor du dich entscheidest:

  • Hast du die Mittel und die Zeit eine Ausbildung zu absolvieren? Ja, es gibt zwar keine Vorschriften dazu, aber bedenke: Kunden suchen Fachlichkeit und Kompetenz. Mit einer entsprechenden Ausbildung bist du einfach besser aufgestellt.

  • Hast du genügend soziale Kompetenzen? Zu dir kommen Menschen, die zum Teil große Schwierigkeiten im Beruf oder im Privaten haben. Du brauchst Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und einiges mehr. Traust du dir das zu? 

  • Du solltest unbedingt Spaß, Freude und Begeisterung an der Arbeit mit Menschen haben. Wie sieht es damit aus?

  • Glaubst du, dass Menschen sich bei dir in guten Händen fühlen? Meinst du, du kannst zu deinen Kunden ein Vertrauensverhältnis aufbauen und ihnen das Gefühl geben, dass du sie sowohl bei beruflichen als auch bei privaten Aspekten unterstützen und weiterbringen kannst? 

  • Wenn du als Coach arbeiten möchtest, brauchst du Geduld und Durchhaltevermögen. Professionelle Ausbildungen dauern in der Regel länger. Der Einstieg in den Beruf und der Start in die Selbständigkeit klappen oft auch nicht im Handumdrehen (wie übrigens bei jeder anderen Selbständigkeit auch). Neben dem Erwerb der fachlichen Qualifikation und deinen eigenen persönlichen Kompetenzen (und vielleicht brauchst du in dem einen oder anderen Bereich anfangs ja selbst noch Unterstützung) birgt jeder Start ins eigene Business auch Risiken. Also, verfügst du beispielsweise über genügend Startkapital? Kannst du die erste Zeit überbrücken, wenn der "Laden" noch nicht gut laufen sollte? Du brauchst demzufolge auch eine gewisse Risikobereitschaft (wie übrigens bei jeder anderen Selbständigkeit auch). Du musst bekannt werden, dir einen Namen machen und brauchst Coachees, die deine Dienste in Anspruch nehmen möchten. Das erfordert wie oben schon erwähnt Geduld und Durchhaltevermögen. 

  • Bist du selber mental und seelisch für etwaige Startschwierigkeiten und eventuelle Rückschläge gewappnet? Kannst du damit umgehen? Bist du auch in der Lage aus Fehlern zu lernen und deinen Kurs zu ändern, falls nötig? 

  • Bist du selber mental und seelisch gewappnet, dass Menschen mit wirklichen Schwierigkeiten zu dir kommen? Kannst du damit umgehen?

Die Entscheidung ist gefallen - das ist wichtig

1. Absolviere eine fachlich und qualitativ hochwertige Ausbildung mit zertifiziertem Abschluss (wenn möglich). Hier kannst du dich bei den Coaching-Verbänden informieren. 

2. Wenn nicht sowieso schon vorhanden, spezialisiere dich am besten so früh wie möglich. Je klarer dein Bereich definiert ist, desto besser kannst du dich aus- und weiterbilden lassen und desto klarer kannst du deine gesamten Maßnahmen danach ausrichten. Manchmal, wenn Interesse und Talent dafür vorhanden sind, kannst du mit einer sehr speziellen Ausrichtung (Bereich) schneller durchstarten, weil die Konkurrenz eventuell kleiner ist.

Auch persönliche Erfahrung kann bei der Spezialisierung helfen (du musst dir das natürlich zutrauen, in der Lage dazu sein und die notwendigen Kompetenzen haben/lernen). Viele Menschen, die beispielsweise persönliche Traumata überwunden oder ganz bestimmte Erfahrungen in ihrem Leben gemacht und daraus gelernt haben, nutzen dies später, um als Coach anderen Menschen in gleicher oder ähnlicher Situation zu helfen. Das ist ein Pluspunkt bei der Identifikation mit deiner Zielgruppe und umgekehrt. Das unterstützt unter anderem die so wichtige Vertrauensbasis zwischen Coach und Coachee ("Ja, wenn der mit dieser Situation fertig geworden ist, dann kann ich das auch").

3. Um dich dann startklar zu machen, erstelle einen Business-Plan. Neben den üblichen Aspekten, die für einen Businessplan notwendig sind, sollte darin auf jeden Fall eine Standort-, Konkurrenz-, Markt- und Zielgruppenanalyse enthalten sein. Das gibt dir schon einmal einen Überblick, wie du mit deinem gewünschten Coachingbereich in deinem Umfeld etc. da stehst. Und es ermöglicht dir, schon zu Beginn, etwaige Kurskorrekturen vorzunehmen. Mehr zum Thema Businessplan findest du hier: Business-Plan für Selbstständige.

4. Wie sieht es mit deinen Finanzen aus? Hier hilft ein Finanz-Plan. Wie viel Startkapital hast du, wie viel brauchst du? Informiere dich über die üblichen Stundensätze, die ein Coach verlangen kann. Bedenke, maßgeblich dafür ist deine Berufserfahrung. Je mehr du noch am Anfang stehst, desto niedriger ist dein Honorar und es wird auch eine Weile dauern, bis du über genügend Kunden verfügst.

Kalkuliere deine Einnahmen und Ausgaben realistisch. Zu den Ausgaben zählen u.a. Miete (falls du eigene Räume hast), Anschaffung von Einrichtung eigener Räume und Equipment, Kosten für die Erstellung einer Webseite & Geschäftsausstattung, Kosten für Versicherungen, Telefon- und Internetkosten, Kosten für Werbe- und Marketingmaßnahmen. Plus dem, was du für deinen privaten Lebensunterhalt brauchst. Informiere dich auch über staatliche Zuschüsse bei Existenzgründung.   

5. Gerade größere Kunden (Unternehmen etc.) engagieren am liebsten erfahrene Coaches mit guten Referenzen. Klar, wenn du gerade am Anfang stehst, kannst du damit noch nicht punkten. Aber auf dem Weg dahin, halte deine Referenzliste stets aktuell. Versuche Kunden zu akquirieren, die sich gut als Referenz machen. Ich weiß leichter gesagt, als getan. Aber nie aufgeben. Auch etwaige Zusatzqualifikationen können sehr dienlich sein.  

6. Wenn du zunächst schauen möchtest, ob der Beruf etwas für dich ist, kannst du natürlich auch erst einmal nebenberuflich starten und bei Erfolg und Freude an dieser Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt hauptberuflich einsteigen. 

7. Achte stets auf professionelles Auftreten: Und zwar was dich als Person/Coach anbelangt wie auch deinen Aufritt als "Geschäft". 

8. Marketing- und Werbemaßnahmen solltest du immer individuell auf dein Business zuschneiden. Eine professionelle Website, die ein gutes Ranking hat, gut auffindbar und Suchmaschinen-optimiert ist, ist heute sicherlich das A und O. Ein weiteres Instrument ist das Weiterempfehlungsmarketing. Alle wichtigen Details dazu findest du hier: Weiterempfehlungen - Wie schaffe ich es, von meinen Kunden/Auftraggebern weiterempfohlen zu werden?. Wichtig natürlich auch: Visitenkarten und Flyer, die du und deine Kunden an andere Interessierte weitergeben können.

9. Überlege dir, ob du auch das Angebot von Online-Coachings in dein Portfolio aufnimmst. Dies liegt, nicht erst durch Corona, voll im Trend und rettet dich eventuell über die momentanen Kontaktbeschränkungen hinweg. Informiere dich über die Möglichkeiten wie z.B. Online-Seminare, Webinare etc. und die dafür nötigen Anforderungen. Unser Blogartikel zum Thema Wie du mit Webinaren, Onlinetrainings und -fortbildungen die aktuelle Krisenzeit für dich nutzen kannst hilft dir dabei vielleicht etwas weiter. 

Rechtliche Anforderungen 

Ob du als selbständiger Coach ein Gewerbe anmelden musst oder einen Bereich abdeckst, der zu den Freien Berufen zählt, hängt bei diesem Beruf unter anderem davon ab, in welchem Bereich du arbeiten möchtest. Informiere dich bei deinem zuständigen Finanzamt und/oder deinem Steuerberater. Wenn du beispielsweise als Freiberufler giltst,  musst du deine Tätigkeit lediglich beim Finanzamt anmelden. Du erhältst eine Steuernummer, und genießt einige steuerliche Vorteile gegenüber einem Gewerbetreibenden. Mehr zu diesem Thema findest du hier: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Selbständigen, Freiberuflern, Freelancern, freien Mitarbeitern & Co.?.

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