facebook-pixel

Arbeiten mit Kind - Alternative Formen der Kinderbetreuung

Arbeiten mit Kind: Alternative Formen der Kinderbetreuung Wenn ich den Newsfeed meiner Eltern-Kind-Netzwerke auf Facebook beobachte, dann lese ich oft von „typischen Elternproblemchen“, wie: „Mein Kind spielt nur im Wohnzimmer, das Kinderzimmer interessiert es gar nicht. Was kann ich tun?!“ oder „Mein Kind ist 2, wann darf es (endlich) auf den Topf?!“ Oft bringen mich die Fragen schon zum schmunzeln. Wir Eltern sorgen uns oft um die normalsten Dinge der Welt und fragen dazu gern mal schnell die Community. Aber es gibt auch ernsthafte Themen die sich in den Foren häufen. Wenn es um die Suche nach einem Kita-Platz geht, nutzen Eltern jede Gelegenheit, um sich umzuhören, ja manchmal sogar um verzweifelt zu betteln. Und das Dramatische daran ist, dass es nicht einmal verwunderlich ist, denn in vielen Ballungsgebieten sind fehlende Kindergartenplätze kein Randphänomen. Nicht selten hört man von meterlangen Schlangen vor den Einrichtungen, ellenlangen Wartelisten, die längst überfüllt sind, von Eltern, die sich mit Vorlage ihrer „Eltern-Lebensläufe“ der Kitaleitung engagiert, ja fast schon aufopfernd, präsentieren. Und alles nur, weil der Kampf um einen Kitaplatz fast härter geworden ist als der um eine Wohnung in der Innenstadt. Grund für die Lücke zwischen Run und rudimentärem Kita-Ausbau ist der steigende Betreuungsbedarf, vor allem in den alten Bundesländern. Zudem sind Fachkräftemangel und die Suche nach passenden Räumlichkeiten nicht außer Acht zu lassen. Die Kommunen sind bestrebt etwas zu ändern, hängen aber immer ein bisschen der Zeit hinterher und Eltern stehen mit ihren Kindern förmlich auf der Straße, wie letztes Jahr passiert in Leipzig. Im Mai 2017 sorgten 450 Menschen in einer meterlangen Schlange fast für ein kleines Verkehrschaos . Und alles nur, weil sie ihr Kind auf eine Kita-Warteliste schreiben lassen wollten - und das voraussichtlich sogar ohne Erfolg!

Trotz Rechtsanspruch zu wenig freie Kita-Plätze

Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz oder auf eine Betreuung durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater - und das ab dem ersten Geburtstag des Kindes. Der Staat zeigt sein Engagement für die frühkindliche Förderung und sorgt dafür Familie und Beruf besser zu vereinen. So viel zur Theorie. In Deutschland fehlen laut einer Studie des IW - Institut der deutschen Wirtschaft Köln rund 293.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige. Besonders ausgeprägt ist die Betreuungslücke in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Trotz Rechtsanspruchs und bundesweiten Förderungen können viele Eltern ihren Berufen nicht so nachgehen wie sie es gern möchten, weil es einfach keine Kita-Plätze gibt.

Was also tun?

Ein Rechtsanspruch bedeutet auch, dass sich Eltern den Platz für ihr Kind einklagen können. Das löst in der Regel wenig Begeisterung aus. Wie soll man etwas einklagen, was es gar nicht gibt?! Aber was wäre ein Problem ohne nicht auch ein paar gute Lösungen parat zu haben?! Wir wollen euch alternative Betreuungsangebote aufzeigen, wenn es bisher noch nicht mit dem Kita-Platz geklappt hat, oder ihr euch gar nicht vorstellen könnt, das Kind schon regelmäßig in einer Einrichtung betreuen zu lassen.

Alternative Betreuungsangebote

Tagesmutter oder Tagesvater

Wenn es mit einer regulären Betreuung bisher noch nicht geklappt hat, suchen viele Eltern (oft als Zwischenlösung) nach einer Tagesmutter oder einem Tagesvater. Bei der sogenannten Kindertagespflege betreut eine Tagesmutter oder ein Tagesvater ein bis maximal fünf Kinder, in der eigenen Wohnung, in angemieteten Räumen oder im Einzelfall auch bei dem zu betreuenden Kind selbst. Letzteres ist aber eher selten.

Die Kindertagespflege gilt als gleichwertige Form der Kindertagesbetreuung und eignet sich besonders für Kinder in den ersten drei Lebensjahren. Aufgrund der kleinen Gruppen können die fachlich ausgebildeten Betreuer*innen gut auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen. Tagesmütter und Tagesväter findet man zum Beispiel bei Betreut.de , in Facebook-Gruppen und Foren. Auch das Umhören im Freundes- und Bekanntenkreis lohnt sich.

Do your thing, not your taxes.
With Kontist.

Learn how
Kontist mobile app

Das Au-Pair

Wer eine größere Wohnung oder ein Haus hat und das nötige Kleingeld dazu, kann sich auch von einem Au-Pair unterstützen lassen. Au-Pairs sind junge Erwachsene aus dem Ausland zwischen zwischen 18 und 27 Jahren, die für einen längeren Zeitraum bei einer Gastfamilie wohnen. Der Deal: Die jungen Gäste können eine fremde Sprache und Kultur (kennen) lernen und die Gastgeber beim Haushalt und in der Kinderbetreuung unterstützen.

Wie sich das in der Familie gestaltet ist ganz individuell und sollte vorher detailliert mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Tipp: Kosten für Au-Pairs, Tagesmütter/Tagesväter lassen sich genau wie Kita-Gebühren steuerlich absetzen. Was du, wenn du selbstständig bist, noch alles absetzen kannst, erfährst du übrigens hier .

Kinderfrau/ Nanny/ Haushälter*in

Für Eltern, die es flexibel mögen und nicht jeden Pfennig zweimal umdrehen müssen, ist vielleicht eine private Betreuungsmethode, beispielsweise durch eine Nanny, Kinderfrau oder Haushälter*in genau das Richtige. Eine „Nanny“ ist in der Regel etwas teurer als eine Tagesmutter oder ein Tagesvater. Da die Betreuung in der Regel bei der Familie selbst stattfindet und die Nanny auch viele andere organisatorische Aufgaben übernimmt, ist die Verständigung schon sehr privat und individuell.

Babysitter

Wer sich nur eine flexible und kurzfristige Betreuung wünscht, die nur stundenweise einspringt, entscheidet sich häufig für den oder die klassische Babysitter in. Oft sind das Schüler innen und Student*innen, die sich nebenbei etwas dazu verdienen möchten. Eine pädagogische Ausbildung sollte man nicht erwarten, ist bei einer kurzen Betreuung aber auch nicht unbedingt notwendig. Gute Menschenkenntnis und eine gute Kommunikation sind hier Gold wert.

Patengroßeltern

Günstiger ist hingegen die Entscheidung für eine Leihoma oder einen Leihopa. Viele Pensionäre möchten ihre Zeit sinnvoll nutzen und soziale Kontakte pflegen. Was gäbe es da Besseres als einen Zieh-Enkel oder eine Zieh-Enkelin?! Viele Eltern, die aus ihrer Heimatstadt weggezogen sind oder auf ihre eigene Familie, wenn es um die Betreuung ihres Kindes geht, nicht zurückgreifen können, freuen sich, wenn ältere Menschen ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwandsentschädigung (zeitweise) die Elternaufgaben übernehmen.

Coworking-Spaces/ Eltern-Kind-Cafés

Was ist aber, wenn Eltern gern mit ihren Kindern zusammen arbeiten möchten? Sei es, das Kind ist noch so klein, dass es nicht lange ohne Eltern auskommt oder sich die Eltern noch nicht richtig lösen möchten?! Dann sind Coworking-Spaces eine tolle Alternative! Gerade für Eltern, die nicht an eine feste Arbeitsstätte gebunden sind, flexibel und selbstständig arbeiten, sind Eltern-Kind-Büros häufig ein Segen. Während die Eltern an ihren Laptops sitzen, können die Kids miteinander spielen und werden je nach Coworking-Konzept von Pädagog*innen oder von anderen Eltern liebevoll betreut. In Leipzig hat sich die Elterninitiative Rockzipfel bewährt und schon einige Nachahmer in anderen Städten gefunden.

In Berlin gibt es beispielsweise den Coworking Space Le Box , wo man sein Kind super flexibel nachmittags oder vormittags betreuen lassen kann. Coworking Toddler hat sogar eine eigene Kita, die Freelancer-Eltern essen mit ihrem Nachwuchs zusammen zu Mittag.

Die Elterninitiative

Wenn der Mangel an Kita-Plätzen besonders hoch ist, sich Eltern mit bereits bestehenden Konzepten nicht arrangieren möchten oder die Kita-Alternativen (beruflich und finanziell) so gar nicht in Frage kommen, schließen sich einige Eltern auch Elterninitiativen an oder gründen selbst welche, in Form einer Kindertagesstätte, Krippe oder Hort. In Deutschland gibt es über 7.500 Elterninitiativen in denen mehr als 200.000 Kinder betreut werden. Die Initiativen sind meist selbstverwaltete Dachverbände mit der Rechtsform eines Vereins. Hier ist ehrenamtliches Engagement und Verantwortung gefragt. Neben der aktiven Mitbestimmung und Mitgestaltung zum Wohle des Kindes haben Vereinskonzepte aber auch ihre Tücken. Interessenkonflikte, Mitgliederfluktuation, lange Elternabende und Strukturdiskussionen sind keine Seltenheit und bedeuten viel Investition und Ausdauer. Für Eltern, die sich immer schon sozial engagieren wollten, ist das vielleicht ein geeignetes Hobby mit Aussicht auf Nachhaltigkeit.

Fitnessstudio und Kinderhotel

Die etwas andere Alternative - und sie ist nicht allzu ernst gemeint und erst Recht nicht auf Dauer angelegt - ist die Kinderecke im Fitnessstudio. Viele Studios werben mit pädagogischer Betreuung fürs Kind und das sogar am Wochenende. Während des Trainings wird der Nachwuchs spielerisch beschäftigt und Eltern können eine kleine sportliche Auszeit nehmen, übrigens gut für die Work-Life Balance . Und wenn zufällig, während der Trainingszeit, ein Geschäftstelefonat eintrifft, ist sicherlich nichts dagegen einzuwenden, kurz vor die Tür zu gehen. Für das Kind wird ja bestens gesorgt. Etwas kostspieliger, aber dafür effektiver was die Arbeitszeit betrifft, ist der Ausflug ins Kinderhotel. Auch das Gastgewerbe hat den „Kindertrend“ erkannt und spezialisiert sich auf die Erholung von Eltern MIT Kind. Hier gibt es ein reichhaltiges Angebot an Sport, Spiel und Unterhaltung für den Nachwuchs, dass sich Eltern glücklich schätzen ihr Kind wenigstens beim gemeinsamen Essen zu sehen. Das ist etwas überspitzt ausgedrückt und der Urlaub ist ja zur Erholung da.

Fazit

Für Eltern, gerade wenn diese selbstständig sind, ist es nicht immer leicht zwischen Kind und Arbeit zu balancieren, um so weniger wenn der Betreuungsbedarf mit dem Angebot nicht mithalten kann. Dann ist Kreativität gefragt. Eine Form der Kinderbetreuung wäre es auch, sich mit anderen (selbständig arbeitenden) Elternteilen, ganz ohne Rechtsform, zusammenzutun und sich in der Betreuung abzuwechseln. Es gibt sicherlich eine Vielzahl von Alternativen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Und wenn gar nichts hilft, lässt es es ich mit diesen Tipps auch wunderbar zu Hause mit Kind arbeiten.