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Arbeit nach der Elternzeit - so gelingt dir der Wiedereinstieg

Intensive, gefühlvolle, turbulente und mitunter auch schlaflose Wochen oder Monate liegen nun hinter dir. Du hast einen kleinen Neuankömmling in die erste Zeit seines Lebens begleitet und das 24 Stunden am Tag. Du hast es zum einschlafen gebracht, es hin-und hergetragen, Kiezspaziergänge unternommen (ohne ein bestimmtes Ziel), hast im Stundentakt Windeln gewechselt und dabei die Wohnung kindersicher umgestaltet, du hast Tränen getrocknet und beim ersten Babylachen vor Freude und Glück fast selbst losgeheult. Ach, wie schön war sie doch, die Elternzeit - unwiederbringlich, manchmal hart und dennoch etwas ganz Besonderes.

Aber auch die schönste Zeit geht mal zu Ende. Die Familienkasse füllt sich nicht von allein und auch das Elterngeld wird dir nicht unendlich gezahlt und irgendwann, so erging es mir zumindest, möchtest du wieder raus aus der Mama- oder Papa-Kapsel, hinein in das alte Leben - zurück in deinen Job.

Arbeiten nach der Elternzeit: Selbstständig mit Kind

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird in der Familienpolitik zwar groß geschrieben und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, könnte es den berufstätigen deutschen Vätern und Müttern wirklich schlechter gehen. Allerdings liegt der Fokus für die Arbeit, der staatlichen Unterstützung nach der Babypause immer noch ganz klar bei den angestellten Arbeitnehmer/innen und gesetzlich versicherten Müttern und Vätern.

Als Freelancer/in, Selbständige/r oder Unternehmer/in, kannst du nicht einfach für ein paar Monate das Handtuch werfen und dich ersetzen lassen. Projekte wollen abgeschlossen werden, das Tagesgeschäft muss weiter laufen, Kunden müssen gehalten werden, um nach der Elternzeit nicht wieder von Null anzufangen.

Wie du deinen Wiedereinstieg gut vorbereiten kannst, damit du nach der Elternzeit nicht vor allzu vielen Herausforderungen stehst und dein Familienleben, trotz Wiedereinstieg, so richtig genießen kannst, zeige ich dir jetzt.

Arbeiten nach der Elternzeit: Der richtige Zeitpunkt

Wann es wieder Zeit für dich ist, nach der Babypause in die Arbeit zurückzukehren, ist ganz dir selbst überlassen und von mehreren Faktoren abhängig.

Die maximale Elterngeld-Bezugsdauer beträgt 14 Monate, wenn mindestens zwei Monate Betreuungszeit auf das andere Elternteil fallen. Mit dem Partnerschaftsbonus kannst du sogar noch 4 Monate on top Elterngeld bekommen. Je nach finanzieller Situation und persönlicher Einstellung kannst du natürlich so lange mit Kind Zuhause bleiben wie du möchtest, zumindest wenn du selbstständig bist. Viele Eltern nutzen aber auch die Elternzeit um sich beruflich neu zu orientieren und ein ganz neues Berufsfeld anzugehen oder sich dann erst selbstständig zu machen.

Bevor du wieder richtig in deinen Job einsteigen willst, solltest du dir bewusst machen, welchen Schritt es für dich und dein Kind bedeutet. Sei dir darüber klar, wie sich Berufs- und Privatleben jetzt neu vereinbaren lassen (müssen). Die Elternzeit kommt so nicht mehr zurück und es wäre schade, wenn du es später bereuen würdest, nicht genug Zeit mit deinem Kind verbracht zu haben. Genieße diese intensive Zeit so gut es für dich (finanziell) möglich ist und trete in die nächste spannende Lebensphase ein: Arbeiten und Kind.

Was braucht es für die Arbeit nach der Elternzeit?

Damit du dich nach der Elternzeit wieder voll und ganz deiner Arbeit widmen kannst, brauchst du natürlich erst einmal eine entsprechende Betreuung für dein Kind. Natürlich kannst du als Selbständige/r auch von zu Hause aus arbeiten und nebenbei dein Kind betreuen. Dass das aber nicht immer so einfach ist, habe ich bereits in dem Beitrag „7 Wege um besser mit Unterbrechungen zurecht zu kommen“ aufgeführt.

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Kita und Co. - Das A und O

Damit du dich voll und ganz auf dein (Tages-)Geschäft konzentrieren kannst, ist es unbedingt empfehlenswert, dein Kind einer Betreuungseinrichtung anzuvertrauen oder eine Tagesmutter in Anspruch zu nehmen, die dich für einige Stunden am Tag von deinen Elternpflichten befreit.

Sofern Großeltern oder andere Familienmitglieder in der Nähe wohnen oder sich zur Verfügung stellen, die ein oder andere Betreuungszeit zu übernehmen, ist das natürlich Gold wert. Sobald Kinder aus dem Nestschutz sind, sich viel mit anderen Kindern umgeben, tauschen sie auch gern schnell mal Bakterien und Viren untereinander aus, um kleinere und größere Infekte zu verbreiten. Sprich, Kinder sind zu Beginn oft krank und brauchen liebevolle Zuwendung bei Abwesenheit einer Betreuungseinrichtung.

Bist du angestellt, entlastet dich dein Arbeitgeber oder deine gesetzliche Krankenversicherung, zumindest zu einem großen Teil von finanziellen Einbußen, die du hättest, wenn du deiner Arbeit zwecks Kinderbetreuung fernbleibst.

Für Selbständige gilt das leider nicht. Du wirst dir wohl kaum selbst deinen Arbeitsausfall finanziell ausgleichen wollen bzw. können. Projekte, Kunden, Deadlines und Tagesgeschäft können auch nicht einfach so auf Eis gelegt werden. Deshalb ist eine Betreuung, für das Arbeiten nach der Elternzeit, das A und O.

Arbeiten nach der Elternzeit: Mit dem Partner sprechen

Mit einem Kind wachsen nicht nur die beruflichen Herausforderungen, auch für deine Partnerschaft bedeutet es einen ganz neuen Schritt. Genau deshalb ist es wichtig, dass beide Elternteile viel miteinander reden und sich darin abstimmen, wie ein Tagesablauf zukünftig aussehen kann, damit keiner auf der Strecke bleibt oder sich benachteiligt fühlt.

Wer übernimmt welche häuslichen Aufgaben, wer bringt das Kind in die Kita oder holt es ab? Je mehr ihr euch schon während der Babypause darüber austauscht und eventuelle Ausnahmefälle durchsprecht, desto entspannter wird der Einstieg in die Arbeit nach der Elternzeit gelingen.

Wie flexibel könnt und möchtet ihr sein? Welche Prioritäten möchtet ihr euch gegenseitig zusprechen? Welche Aktivitäten können hinten angestellt werden, wenn es um die familiäre Kooperation geht?! Manchmal ist es auch hilfreich, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören und nach den ganz persönlichen Herausforderungen zu fragen, die der Job mit Kind mit sich bringt.

Was du vor deiner Elternzeit machen kannst

Sobald du von deinem Nachwuchs weißt und öffentlich bekannt geben möchtest, dass dich das Familienglück ereilt hat, ist es auch wichtig mit deinem Arbeitgeber oder deinen Arbeitgebern in ein persönliches Gespräch zu gehen. Bist du in einem angestellten Arbeitsverhältnis, solltest du deinen Arbeitgeber oder deine Arbeitgeberin über deine Schwangerschaft sobald es geht informieren, damit er oder sie auch mit deinem Ausfall planen kann. Denn spätestens sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin wirst du dank Mutterschaftsurlaub von deiner Arbeit freigestellt.

Als Selbständige fällt dieser Mutterschutz leider weg. Du kannst dir diesen natürlich selbst ausstellen, aber finanziell entlasten wird er dich nicht. Als Selbstständige bist du deine eigene Chefin und entscheidest selbst, wann und wie lange du dich vor und nach der Geburt von der Arbeit freistellen möchtest. Mehr zum Thema, wie sich dein Freelancer-Leben verändert, erfährst du in unserem Blog Artikel: Wie verändert sich das Freelance Leben wenn Kinder kommen?

Mit dem Arbeitgeber sprechen

Bevor du in den Mutterschutz gehst, ist es durchaus sinnvoll, deinem Arbeitgeber mitzuteilen, wie lange du voraussichtlich in Elternzeit bleiben möchtest. Vielleicht kannst du dir auch gut vorstellen, bereits nach den ersten intensiven Wochen oder Monaten mit Baby, teilweise wieder in deinen Job einzusteigen. Hier bietet das ElterngeldPlus eine gute Alternative neben der Elternzeit den beruflichen Anschluss nicht zu verlieren. Möglich sind stundenweise Tätigkeiten im Büro oder im Homeoffice. Natürlich muss auch dein Arbeitgeber dafür aufgeschlossen sein. Auch wenn es diesen Fall in deinem Unternehmen bereits noch nicht gab, ein Gespräch gibt sicherlich Aufschluss und ein Versuch ist es allemal wert.

Mit den Kunden sprechen

Bist du während deiner Schwangerschaft und Elternzeit selbstständig, musst du keinem Arbeitgeber über deine Familienplanung unterrichten. Dennoch hast du sicherlich Kunden und Auftraggeber/innen, die auf deine Arbeit zählen und dich vielleicht fest in ihrem Tagesgeschäft einplanen. Was auch hier zählt, ist Transparenz. Teile deinen Kunden mit, welche neuen Herausforderungen auf dich warten und suche das Gespräch. Teile ihnen mit, wie du es dir beruflich während und nach deiner Elternzeit vorstellst. Wie flexibel bist du, neben der Elternzeit kleinere Aufträge anzunehmen? Welche Deadlines sind für dich möglich?

Wenn deine Auftraggeber deine Zuverlässigkeit bisher zu schätzen wussten, werden sie dies auch noch während bzw. nach deiner Elternzeit tun.

Am Ball bleiben

Ob selbstständig oder nicht, wenn du planst, nach der Elternzeit wieder in deine Arbeit zurückzukehren, ist es sicherlich von Vorteil sozial und thematisch am Ball zu bleiben. Halte Kontakt mit deinen Kunden. Mach weiter auf dich aufmerksam, versende regelmäßig einen Newsletter, Weihnachtskarten oder melde dich per Telefon und Email und informiere dich über eventuelle News. Es bietet sich auch immer an, mit Kollegen und Kolleginnen in Kontakt zu bleiben und Einladungen zu Betriebsversammlungen oder Agenturparties nicht auszuschlagen. Du bleibst im Gespräch und es ist auch für dich eine schöne Abwechslung neben der Elternzeit wieder unter Leuten zu sein, mit denen du dich beruflich austauschen kannst. Einige Arbeitgeber bieten sogar Weiterbildungen während der Elternzeit an. Nutze alles was dich interessiert und dir zeitlich möglich ist. Als Selbständige/r kannst du auch auf Online-Kurse zurückgreifen, um dich in einem neuen Themenfeld weiter einzuarbeiten oder dein bereits bestehendes auszubauen.

Nichts überstürzen

Sobald ein Kind oder Kinder da sind, ändert sich das Leben schlagartig. Auch wenn die Elternzeit vorbei ist, gibt es viel mehr Organisatorisches zu bewältigen als zuvor und Zeit, die du vorher für dich und falls du Workaholic bist, für deine Arbeit genutzt hast, wirst du hauptsächlich jetzt deiner Familie widmen. Das heißt zum Beispiel nach der Kita auf den Spielplatz, ins Kindercafé, Kino, Schwimmkurs, Geburtstagsvorbereitung, familiäre Sonntagsausflüge neben den alltäglichen To Do’s wie einkaufen, Berge von Wäsche waschen, Kochen, anziehen, baden usw. Elternsein bleibt ein 24 Stunden Job, mindestens so lange bis die Kinder flügge werden und ausziehen.

Ich empfehle daher für den Wiedereinstieg in den Job nach der Babypause: Langsam machen. Kenne dein Limit, deine Stärken und Schwächen. Wie flexibel kannst und willst du sein? Liebst du es eher chaotisch oder lieber durchorganisiert? Wie perfektionistisch bist du? Sind deine Ziele realistisch?

Nicht Zweiteilen

Als frischgebackene/r Mutter oder Vater weißt du, es gibt nichts Wichtigeres als ein glückliches zufriedenes Wesen, dessen essentielle und soziale Bedürfnisse erfüllt werden wollen. Das gilt ebenso für dich! Wenn es zu dir passt, starte langsam in den Wiedereinstieg. Es bringt nichts, deine in der Elternzeit eingefrorenen Aufträge, schlagartig nachzuholen. Ist dein Kind noch klein, braucht es immer noch viel Aufmerksamkeit und Hilfe im Alltag. Je älter es wird, desto selbständiger wird es auch, und du kannst deine Stundenanzahl pro Woche aufstocken.

Für den gelungenen Wiedereinstieg in die Arbeit nach der Elternzeit ist es wichtig, dass du dich nicht überforderst, dir auch kleinere Auszeiten nimmst, um wieder neue Energie zu schöpfen. Dein Kind und deine Familie wird es dir danken und am allermeisten du dir selbst!