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Schulterklopfen statt Ellenbogen - Warum der Austausch unter Freelancern so wichtig ist

Als Freelancer arbeitet man für sich selbst. Ohne Mitarbeiter und ohne ein Team, ist man für seinen Erfolg ganz alleine verantwortlich. Das kann schnell einsam werden oder mit viel Druck verbunden sein. Viele Selbstständige rutschen dadurch in ein verstärktes Konkurrenzdenken ab und scheuen den Austausch mit anderen Freiberuflern. Dabei wird oft vergessen, wie sehr man von der Erfahrung und dem Wissen von Gleichgesinnten profitieren und lernen kann – und, wie gut es tut, sich mit jemanden auszutauschen, der die gleichen Ängste, Sorgen und Probleme hat, wie man selbst.

Konkurrenzanalyse

Eine erste Konkurrenzanalyse ist nicht nur hilfreich für die eigene Positionierung, sondern gibt auch einen guten Überblick über die Menschen, mit denen man beruflich in einem Boot sitzt. Im Idealfall sollte man sich schon vor der Gründung informieren, wie gesättigt der Markt ist, in den man einzudringen versucht. Oder genauer: Wie viel Konkurrenz gibt es in dem Bereich, den ich als Freelancer abdecken möchte? Eine Google-Suche mit den entsprechenden Schlagwörtern kann schnell einen ersten Überblick geben. Das ist nicht nur hilfreich um einschätzen zu können, mit wie vielen Mitbewerbern man um Kunden konkurriert, sondern auch um sich Inspiration zu holen und sich den ein oder anderen Tipp abzuschauen. Ist man selbst beispielsweise im Bereich Grafikdesign tätig, kann es sehr interessant sein zu sehen, ob die Konkurrenz eventuell noch weitere Zusatzleistungen anbietet. Sofern dies Skills sind, die man selbst auch beherrscht und anbieten möchte, könnte das helfen, das eigene Portfolio zu erweitern oder sogar schon einen ersten Einblick in die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden zu bekommen. Auch eventuell öffentliche Preislisten oder Paket-Deals können wichtige Learnings für die eigene Preisgestaltung sein. Das bedeutet nicht, dass man seine Konkurrenz ausspionieren oder kopieren soll, doch man sollte seine Augen und Ohren offen halten und nicht davor zurückscheuen, von etablierten Freelancern mit etwas mehr Erfahrung zu lernen – sei es auch im ersten Schritt nur durch ein schnelles Abchecken der Websites oder Social Media Kanäle.

Austausch statt Konkurrenzkampf

Als Freiberufler ist man für seine Bezahlung, seine Kunden und seinen Workload selbst verantwortlich. Allein durch die Tatsache, dass man sein eigener Chef ist, entfällt oftmals schon der Konkurrenzgedanke, der sonst unter Kollegen schnell aufkommen kann. Hat ein anderer Freelancer mehr Kunden oder verdient pro Auftrag mehr Geld, hat er sicher einige Tipps, wie man selbst auch an diesen Punkt kommen kann. Denn im Gegensatz zum Kollegen am Tisch gegenüber, sind wir beide nicht den Vorschriften des Chefs oder der Konzernstrategie unterworfen. Wie viel der Freiberufler nebenan verdient, hat nur insofern etwas mit mir zu tun, als dass ich es als Inspiration und Motivation sehen kann, das gleiche zu erreichen. Und das ist sicher schneller und einfacher umgesetzt, wenn man sich direkt miteinander austauscht und voneinander lernt.

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Gute Gründe für den Austausch

Es gibt verschiedene Gründe, den direkten Austausch mit seiner vermeintlichen Konkurrenz zu suchen:

Unterstützung bei Projekten

Freelancer haben gegenüber Agenturen einen entscheidenden Nachteil: Sie arbeiten alleine. Es gibt keine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung und keine Kollegen, an die Projekte kurzfristig abgegeben werden können. In solchen Fällen kann es sowohl die Kunden als auch das eigene Gewissen beruhigen, wenn man auf ein Netzwerk an Freelancern zurückgreifen kann. Wenn es mal nicht anders geht, kann man zum Telefon greifen und um Hilfe bitten. So können volle Kalender entspannt und Krankheitszeiten überbrückt werden, indem man die Arbeit an einen entsprechenden Freelancer abgibt. Dafür ist es allerdings besonders wichtig, dass man die Arbeit und den Leistungsumfang des aushelfenden Freelancers kennt. Bietet er die Dienstleistung, die ich abgeben muss, überhaupt an? Hat er Erfahrung in diesem Bereich? Und bin ich mir sicher, dass er qualitativ auf dem gleichen Level wie meine Arbeit liegt? Wenn diese Punkte alle geklärt und der auserwählte Freelancer das Projekt in seinem Kalender noch unterbekommt, steht dem erfolgreichen Projektaustausch nichts mehr im Wege.

Erweiterung des eigenen Portfolios

Je mehr Kontakte man hat, desto mehr Dienstleistungen kann man auch abdecken. Denn nichts ist ärgerlicher, als wenn man ein Projekt nicht annehmen kann, weil man selbst nicht alle geforderten Bereiche abdeckt. Ein Beispiel: Ein Webdesigner bekommt den Auftrag, eine neue Website zu gestalten. Dazu gehört jedoch auch das Verfassen von neuen Texten und Headlines, was nicht zu den Stärken und dem Angebot des Webdesigners gehört. Anstatt den kompletten Auftrag absagen zu müssen, können gut vernetzte Freelancer diesen spezifischen Teil des Auftrags einfach an einen dementsprechend aufgestellten Kollegen abgeben. So erweitert man sein eigenes Portfolio, indem man eine breitere Nachfrage abdecken kann.

Wissensaustausch

Gerade zu Anfangszeiten der Gründung oder bei den ersten eintrudelnden Projekten gibt es viele Fettnäpfchen und Fehler, die man machen kann. Hinzu kommt das viele Know-How, das man sich über seine Tätigkeit hinaus aneignen muss: Steuern , Versicherung , Rechnungen und so weiter. Mit diesen Themen muss sich jeder Selbstständige früher oder später auseinander setzen. Warum also nicht vom Wissen und der Erfahrung von anderen Freelancern profitieren – oder selbst derjenige sein, der junge Gründer auf dem Weg ins selbstbestimmte Arbeiten unterstützt? Natürlich gibt es viele offizielle Anlaufstellen, bei denen man seine Fragen platzieren kann. Doch wer sollte die Probleme eines Freelancers besser nachvollziehen und verstehen können, als andere Freiberufler? Dabei ist es egal, ob es um Ärger mit einem Projekt, Kundenakquise oder die nächste Steuererklärung geht. Jeder Freelancer hat sich schon mal mit diesen Themen auseinandergesetzt und weiß daher auch, wie nervig, zeitaufwendig oder kompliziert es sein kann, sein eigener Chef zu sein und wird sicher gerne helfen, wenn es geht.

Unterstützung und Inspiration

Schließlich braucht man manchmal nichts anderes, als jemanden, bei dem man seine Zweifel, Wut oder Unsicherheit auslassen kann. Natürlich kann man das auch bei Freunden, dem Partner oder der Familie tun, doch muss es manchmal einfach jemand sein, der genau versteht, wovon man spricht und vielleicht selbst schon einmal in der gleichen Situation war. Von einem anderen Freelancer wird man sicherlich mehr konstruktive Tipps bekommen, als von dem Partner oder dem Freund, der in einem komplett anderen Bereich arbeitet. Auch ein kreativer Austausch kann manchmal Wunder wirken. Wenn man in einer gedanklichen Sackgasse steckt oder generell auf der Suche nach Inspiration ist, sind Gleichgesinnte oft Retter in der Not. Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, weil man zu nah an einem Projekt dran ist, kann eine andere Perspektive helfen, wieder auf den richtigen inhaltlichen Weg zu kommen. Vermutlich wird es bei jedem Freelancer einmal zu dem Moment kommen, in dem man zweifelt und sich fragt, ob man alles richtig gemacht hat oder seine Ziele erreichen wird. Was könnte einen dabei mehr motivieren, als sich mit erfolgreichen und etablierten Selbstständigen zu umgeben, die der lebende Beweis dafür sind, dass man es durchaus schaffen kann, seine Ziele und Träume zu verwirklichen.

Anlaufmöglichkeiten

In Zeiten von Social Media ist es einfacher denn je, mit gleichgesinnten Menschen in Kontakt zu kommen. Daher lohnt sich ein Blick auf Facebook und die Suche nach entsprechenden Gruppen oder Veranstaltungen in deiner Nähe schon, um herauszufinden, ob es Stammtische oder sonstige Events gibt, bei denen Freelancer den Austausch suchen. Bei Business-Lunches oder Talkrunden kommt man schnell ins Gespräch und findet Anschluss. Auch Messen oder Seminare können ein guter Weg sein, um anderen Freelancern zu begegnen. Co-Working-Spaces sind ein Garant dafür, anderen Freelancern über den Weg zu laufen. Das Einmieten in geteilte Büroräumlichkeiten ist zwar mit Kosten verbunden, kann jedoch nicht nur für Menschen, die in solch einer Atmosphäre besser arbeiten können, von Vorteil sein. Man kommt schnell ins Gespräch und lernt viele neue Leute kennen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen ähnlichen Werdegang hinter sich haben, wie man selbst. Und schließlich hält einen auch nichts davon ab, die anfangs absolvierte Konkurrenzanalyse zu nutzen, um direkt auf andere Selbstständige zuzugehen und selbst das Gespräch zu suchen.

Was man beachten sollte

Natürlich sollte man nicht sofort jedem anderen Freelancer blindlings vertrauen und seine eigene Strategie, Preisgestaltung oder sogar die Namen von Kunden herausgeben. Wie auch unter Kollegen im Büro eines Unternehmens oder einer Agentur muss man sich Zeit nehmen um herauszufinden, mit wem man auf der gleichen Wellenlänge ist und mit wem nicht. Auch sollte man mit dem Herausposaunen von Ideen und Konzepten vorsichtig sein und hier erst dann den Austausch suchen, wenn ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut ist. Schließlich sollte man insbesondere dann, wenn man an einem gemeinsamen Projekt arbeitet oder Aufgaben an einen befreundeten Freelancer abgibt vorher ganz klar regeln, was die Konditionen sind und wie es sich auf die beteiligten Personen verteilt. Nichts ist schlimmer, als sich später um Geld oder Anerkennung für das Abschließen des Projektes zu streiten. Eine simple E-Mail, in der schriftlich festgehalten ist, wer für was wie vergütet und als Urheber genannt wird, kann einem dabei viel Ärger ersparen.