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Was bedeutet das Konjunkturpaket für Selbständige?

Nach der Krise soll es mit der Wirtschaft wieder bergauf gehen. Dazu hat die Bundesregierung ein umfassendes Konjunkturpaket verabschiedet, das Verbrauchern, Unternehmen und auch Selbständigen zugutekommen soll. Doch was steckt konkret hinter den Plänen? Und welche Punkte betreffen dich als Selbständigen? Ich gebe dir einen Überblick über die, für dich relevanten Maßnahmen.

Kurz erklärt: Das Konjunkturpaket

Um die Wirtschaft in und nach der Corona Krise wieder in eine Aufschwungphase zu bringen, hat die Bundesregierung ein MaĂźnahmenpaket beschlossen. Das soll insgesamt rund 130 Milliarden Euro kosten. Was genau ist drin im Konjunkturpaket?

Zum einen wurden verschiedene steuerliche Änderungen wie die Umsatzsteuersenkung und die Möglichkeit der degressiven Abschreibung geplant. Zum anderen sind Förderungen wie ein Kinderbonus und der vereinfachte Zugang zu Grundsicherung im Konjunkturpaket enthalten. 

Keine Sorge – ich werde dir nun die einzelnen Punkte genauer erklären und zeigen, worauf du achten solltest. Die Änderungen laufen gerade erst an, daher kann ich an dieser Stelle noch nicht aus Erfahrung sprechen. Wir müssen also gemeinsam abwarten, wie die praktische Umsetzung des Konjunkturpakets aussehen wird.

Die Senkung der Umsatzsteuer

Die MaĂźnahme, die derzeit am meisten mediale Aufmerksamkeit bekommt, ist die Senkung der Umsatzsteuer, umgangssprachlich auch Mehrwertsteuer genannt.

Als Erinnerung: Die Umsatzsteuer ist eine Endverbrauchersteuer, wird also von Endkonsumenten bezahlt. Als Unternehmer kalkulierst du die Umsatzsteuer bereits in den Preis deines Produkts oder deiner Leistung ein. Die Steuer steht dann zum Beispiel auf dem Kassenbon im Geschäft oder auf deiner Rechnung. 

Was ist neu?

  • Der normale Umsatzsteuersatz sinkt von 19 % auf 16 %.
  • Der ermäßigte Umsatzsteuersatz sinkt von 7 % auf 5 %. (der ermäßigte Satz gilt beispielsweise fĂĽr Grundnahrungsmittel).
  • Die Umsatzsteuersenkung gilt ab dem 1. Juli 2020 fĂĽr sechs Monate.

Was bedeutet das fĂĽr dich?

Der Wunsch der Regierung ist es, dass die Steuersenkung an die Verbraucher weitergegeben wird. Unternehmen sollen durch die Steuereinsparung ihre Produkte zu niedrigeren Preisen anbieten können. Das wiederum soll Kaufkraft und Konsum anregen. Musst du jetzt deine Preise senken?

Ein kurzer Einschub: Wenn du durch die Kleinunternehmerregelung von der Umsatzsteuer befreit bist, betrifft dich die Senkung nicht. Du kannst deine Rechnung wie gewohnt schreiben.

Wenn du Umsatzsteuer berechnest, musst du ab Juli 2020 den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 16 % oder 5 % anwenden. Ob du die Steuersenkung zum Anlass nimmst, deine Preise zu senken, ist aber deine eigene Entscheidung. Mein Tipp: Wäge gut und gewissenhaft ab, ob du deine Preise senkst oder nicht. Solltest du stark von der Krise betroffen sein, kommt dir eine größere Gewinnmarge durch gleichbleibende Preise sicher gelegen. Andererseits können reduzierte Preise aber auch die Kaufkraft deiner Kunden stärken. Ich empfehle dir in jedem Fall, deine Entscheidung transparent zu kommunizieren. 

Achtung!

Auch wenn die Umsatzsteuersenkung auf den ersten Blick recht simpel erscheint, verbergen sich leider einige Tücken in ihr. Der gesenkte Umsatzsteuersatz gilt zum Beispiel nur für Leistungen, die ab Juli erbracht werden. Wenn du im Juli eine Rechnung schreibst, die Leistung aber schon im März erbracht hast, gilt der reguläre Satz. Besonders wenn der Leistungszeitraum unklar ist, zum Beispiel in einem über mehrere Monate andauernden Beratungsprozess, wird es richtig kompliziert. Auch beim Verkauf von Gutscheinen ist Vorsicht geboten. 

Ich rate dir dringend dazu, deine individuelle Situation mit einem Steuerberater zu besprechen, der sich in die Ă„nderungen eingearbeitet hat. So machst du mit Sicherheit alles richtig!

Steuerlicher VerlustrĂĽcktrag

Steuerlicher Verlustrücktrag klingt kompliziert, aber ich versuch’s dir so einfach wie möglich zu erklären: Wenn ein Unternehmen in einem Jahr Verluste macht, können diese Verluste mit den Gewinnen des Folgejahres verrechnet werden. Das Unternehmen muss im nächsten Jahr also entsprechend weniger Steuern zahlen. Diese Regelung ist nichts Neues, wird aber im Zuge der Krisenbewältigung ausgeweitet und vereinfacht.

Was ist neu?

  • Verluste aus 2020 können bereits in der Steuererklärung von 2019 berĂĽcksichtigt werden.
  • Dies ist möglich, obwohl das Jahr 2020 noch nicht abgeschlossen ist.

Für dich bedeutet das: Wenn du gerade Verlust machst, kannst du diesen Verlust bereits in deiner Steuererklärung von 2019 berücksichtigen (vorausgesetzt du hast sie noch nicht abgegeben). So kannst du eventuell hohe Steuernachzahlungen für das letzte Jahr umgehen. Eine Besonderheit ist, dass du dich dabei auf Prognosen stützen darfst, da das Jahr 2020 ja noch nicht vorbei ist und du deine endgültigen Zahlen nur schätzen kannst.

Ich fasse zusammen: Der steuerliche Verlustrücktrag kommt infrage, wenn du 2019 Gewinn gemacht hast und du außerdem stark davon ausgehst, 2020 Verluste zu machen. Besprich dich hier auf jeden Fall mit einem gut informierten Steuerberater! Als fachfremde Person ist eine derartige Berechnung nicht zu bewältigen. 

Degressive Abschreibung

Das Prinzip der degressiven Abschreibung ist eigentlich nicht mehr gängig, wurde aber für das Konjunkturpaket noch einmal aus der Schublade geholt. Das steckt dahinter: Eine Anschaffung, zum Beispiel ein Firmenauto, kann über mehrere Jahre verteilt als Aufwendung verbucht werden. So verrechnest du die Kosten des Autos über mehrere Jahre mit deinem Gewinn.

Was ist neu?

Diese Abschreibung erfolgt normalerweise linear, also beispielsweise über vier Jahre verteilt mit je 25 % des Anschaffungspreises. Im Gegensatz zur linearen Abschreibung bedeutet degressiv, dass der Abschreibungsanteil nicht gleichmäßig verteilt werden muss. Stattdessen kannst du einen größeren Anteil des Anschaffungspreises mit deinem Gewinn in 2020 und 2021 verrechnen. Konkret heißt das für dich, dass du deinen Gewinn für diese Jahre reduzierst und weniger Steuern zahlen musst. Vielleicht hilft dir das durch die Krise.

Die Möglichkeit der degressiven Abschreibung gilt für 2020 und 2021 und nur für bewegliche Wirtschaftsgüter, zum Beispiel Autos, Notebooks und sonstiges Equipment.

Ein konkretes Beispiel

Du kaufst ein Firmenauto für 60.000 Euro. Im Sinne der linearen Abschreibung würdest du die 60.000 Euro zum Beispiel auf sechs Jahre verteilt abschreiben, also jedes Jahr 10.000 Euro Betriebskosten ansetzen. Durch die degressive Abschreibung könntest du nun in 2020 und 2021 jeweils mehr abschreiben, in deinem Fall maximal 25 %, also 15.000 Euro. So reduzierst du deinen Gewinn und sparst Steuern – erstmal. Bitte bedenke, dass du in den Folgejahren weniger abschreiben kannst und somit mehr Steuern zahlen musst.

Ich halte fest: Durch die degressive Abschreibung kannst du deine Steuerlast für 2020 und 2021 reduzieren. Du könntest von diesem Mechanismus profitieren, wenn du eine größere Investition in Form von beweglichen Gütern tätigen möchtest. Auch hier gilt: Schau dir die Situation unbedingt mit deinem Steuerberater an. 

Insolvenzrecht

Ich hoffe sehr, dass das Thema Insolvenz für dich nie relevant wird. Trotzdem möchte ich die Neuerungen mit dir teilen. Schon zu Beginn der Corona-Krise wurde die Insolvenzantragspflicht unter bestimmten Bedingungen vorübergehend ausgesetzt. Diese Regelung betrifft die meisten Selbständigen aber nicht. Nun gibt es eine weitere Neuerung, die auch für Solo-Selbständige und Privatpersonen gilt.

Was ist neu?

Im Falle einer Privatinsolvenz gibt es ein sogenanntes Entschuldigungsverfahren, das normalerweise sechs Jahre dauert. In dieser Zeit darfst du nur einen bestimmten Betrag deines verdienten Geldes behalten. Alles über diesem Betrag geht an deine Gläubiger. Nach den sechs Jahren tritt in der Regel eine Restschuldbefreiung ein. Die Länge des Entschuldigungsverfahren soll jetzt auf drei Jahre verkürzt werden. 

Prämien für Ausbildungsplätze

Du hast Auszubildende oder überlegst, eine Azubi-Stelle neu zu schaffen? Das könnte sich jetzt für dich lohnen! Kleine und mittlere Unternehmen, die ihr Ausbildungsplatzangebot im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern, sollen für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag eine einmalige Prämie in Höhe von 2.000 Euro erhalten. Wenn du sogar mehr Ausbildungsplätze schaffst, erhältst du 3.000 Euro pro Vertrag. Diese Prämie wird nach Ende der Probezeit ausgezahlt. Auch die Übernahme von Azubis, die wegen Insolvenz ihres Ausbildungsbetriebs ihre Ausbildung nicht fortsetzen können, wird belohnt. 

Überbrückungsbeihilfen – die Fortführung der Soforthilfen

Die Soforthilfen des Bundes konnten bis zum 31.05.2020 beantragt werden und waren fĂĽr drei Monate vorgesehen. Da viele Unternehmer noch immer auf Hilfe angewiesen sind, soll die Soforthilfe nun in anderer Form weitergefĂĽhrt werden. Die konkrete Umsetzung steht noch aus.

Momentan habe ich diese Informationen für dich: 

  • soll besonders betroffenen Branchen wie Event, Tourismus etc. unter die Arme greifen
  • UnterstĂĽtzung fĂĽr die Monate Juni bis August
  • Antragsberechtigt sollen Unternehmer sein, deren Umsätze wegen Corona im April und Mai 2020 um mindestens 60 % gegenĂĽber April und Mai 2019 rĂĽckgängig gewesen sind und deren UmsatzrĂĽckgänge in den Monaten Juni bis August 2020 um mindestens 50 % fortdauern
  • Erstattet werden sollen bis zu 50 % der fixen Betriebskosten oder – bei extremem UmsatzrĂĽckgang – bis zu 80 % der fixen Betriebskosten
  • Der maximale Erstattungsbetrag richtet sich nach der Anzahl der Beschäftigten, zum Beispiel max. 9.000 Euro fĂĽr Betriebe mit bis zu 5 Beschäftigten und max. 15.000 Euro fĂĽr Betriebe mit bis zu 15 Beschäftigten
  • Daten mĂĽssen von einem WirtschaftsprĂĽfer oder Steuerberater bestätigt werden
  • Frist: 31.08.2020

Die Überbrückungsbeihilfe darf leider nach jetzigem Stand genau wie die erste Soforthilfe nicht für private Kosten wie einen Unternehmerlohn genutzt werden. Sobald mir mehr Informationen zur Umsetzung der Überbrückungsbeihilfe vorliegen, erfährst du es hier auf dem Kontist Blog.

Kinderbonus

Zusätzlich zum regulären Kindergeld zahlt der Staat einmalig einen Bonus von 300 Euro pro kindergeldberechtigtem Kind. Der Bonus wird automatisch überwiesen und mit dem Kinderfreibetrag verrechnet. Insbesondere Normal- und Geringverdiener profitieren von diesem Geld. Auch gut zu wissen: Der Kinderbonus wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Wenn du Grundsicherung beziehst, musst du also keine Abzüge fürchten.

Aktuelle Regelung zum Kurzarbeitergeld

Für den Fall, dass du Angestellte hast, die du wegen der Corona-Krise nicht mehr in vollem Umfang beschäftigen kannst, hast du eventuell bereits Kurzarbeitergeld beantragt. Der Zugang dazu wurde vereinfacht. Ein Entwurf zur Regelung ab dem 01.01.2021 soll bald vorliegen. 

In diesem Artikel bekommst du detaillierte Informationen zum Kurzarbeitergeld und erfährst, ob es für deinen Betrieb infrage kommt. Gute Nachricht: Wegen der Corona-Krise wurde das Kurzarbeitergeld vorübergehend erhöht. Beschäftigte, die nur noch weniger als 50 % arbeiten können, erhalten ab dem vierten Monat Kurzarbeit 70 % Kurzarbeitergeld (das heißt zusätzlich zum reduzierten Lohn erhalten sie 70 % der Differenz zwischen normalem Nettolohn und dem momentanen, verringerten Nettolohn). Ab dem siebten Monat steigt es auf 80 %. Beschäftigte mit Kindern erhalten 77 % bzw. 87 %. Wie genau Kurzarbeitergeld berechnet wird, erfährst du in dem Artikel über Kurzarbeitergeld.

Vereinfachter Zugang zu Grundsicherung

Solltest du die Corona-Soforthilfe beansprucht haben, darfst du davon – so die Regelung in den meisten Bundesländern – lediglich deine betrieblichen Kosten decken. Für private Kosten wie Miete, Krankenversicherung und Lebensunterhalt soll im Notfall die Grundsicherung, auch bekannt als Hartz 4 oder Arbeitslosengeld II, aufkommen. Während der Krise gelten einige Sonderregeln wie zum Beispiel das Aussetzen der Vermögensprüfung und die Übernahme der gesamten Miete. Diese Neuerungen wurden im Rahmen des Konjunkturpakets bis zum 30.09.2020 verlängert.

Detaillierte Infos zu den Bedingungen und der Antragstellung erfährst du hier. 

Ich hoffe, ich konnte dir einen ersten Überblick über die für dich relevanten Punkte des Konjunkturpakets geben. Wenn du mehr erfahren möchtest, empfehle ich dir diese Seite des Bundesfinanzministeriums. Dort findest du auch Informationen zu weiteren Beschlüssen wie der Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer und Kaufprämien für den Kauf von klima- und umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen. 

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