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Das (langsame) Werden einer Debit-Kreditkarte - Teil 1

Im September habe wir nach einer langen Marathonstrecke die Kontist Mastercard gelauncht. Wie ihr euch vielleicht erinnert, haben wir das Launch-Datum einige Male verschoben, den Beta-Test verlängert und einige nervige Probleme in der Benutzung noch lange mit uns rumgeschleppt. Woran lag es? Unsere vier Gründer nehmen in einer neuen Blog-Reihe zum Entstehen einer Bankkarte Stellung…

Heute erzählt: CTO Sebastian Galonska.

Warum seid ihr ohne Karte gestartet?

Wir sind mit der Prämisse gestartet, dass Firmenkunden das Kontist Geschäftskonto hauptsächlich zu Abrechnungszwecken benutzen würden. Die Karte würde also nicht sofort benötigt werden. Die Karte ist außerdem strikt getrennt vom Bankkonto. Es war also kein Problem, das Konto separat von der Karte vorab zu entwickeln.

Hattest du oder jemands anders im Team Erfahrung mit der Ausgabe von Kreditkarten und/ oder mobilem Banking?

Ich hatte Erfahrung im Online-Banking. Ich habe vor Kontist für ein Berliner Startup gearbeitet, das eine deutsche Vollbanklizenz der BaFin besitzt. Ich wußte also bescheid, welche Auswirkungen die Regularien für das deutsche Finanzwesen auf die Technik haben.

Dein Background?

Ich war Lead Developer von Bergfürst, einer Plattform für Crowdinvesting und davor war ich Developer Advocate beim vielleicht längst vergessenen StudiVZ.

Was passierte nach dem Konto-Launch im Februar im Hinblick auf die Karte?

Viele Kunden haben sofort nach der Bankkarte gefragt, und wann sie kommt. Das Interesse war von Anfang an gross. Wir haben außerdem viel darüber gelernt, was sich unsere Kunden wünschen und wie sie eine Karte genau einsetzen würden. Das hat uns später geholfen, den richtigen technischen Partner für die Karten-Entwicklung zu finden.

Warum war die Karte wichtig für Kontist?

Erstens, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Wir hatten mittlerweile gelernt, dass die Karte wichtig für die geschäftliche Ausgabenseite unserer Kunden ist. Kleinunternehmer und Selbständige setzen die Karte beispielsweise ein, um Online-Dienstleistungen, wie Amazon, Facebook Marketing oder Google AdWords zu kaufen.

Zweitens, als Einnahmequelle für Kontist. Über die Kartengebühr und die Interbankenentgelte, die für den Karteneinsatz anfallen, generieren wir Umsätze.

Was hat das Projekt Karte nach hinten geschoben?

Wir hatten es uns von vorne herein zum Ziel gesetzt, die Karte möglichst schnell zu launchen. Da unser Bankpartner solarisBank zu Beginn unseres Karten-Projekts noch keine eigene Kreditkarte auf dem Markt hatte und wir unseren Geschäftserfolg nicht von dem Launch eines externen Produkts abhängig machen wollten, haben wir uns entschieden, zweigleisig zu fahren und de Facto zwei Karten mit zwei potenziellen Partnern gleichzeitig zu entwickeln. Auf der einen Seite haben wir mit solarisBank an einer Integration gearbeitet, auf der anderen Seite mit Wirecard, einem Spezialisten für Zahlungsabwicklung.

Jeder der beiden hatte sein ganz eigenes System, seine eigene Plattform. Es mussten zwei komplett verschiedene Integrationen gebaut werden.

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Was waren dabei die größten Stolpersteine?

Die Erfahrungen, die die beiden Partner mitbrachten, waren ganz unterschiedlich. Und die Umsetzungs-Anforderungen an uns waren in beiden Fällen auch sehr unterschiedlich.

Bei Wirecard mußten wir aufgrund der Komplexität mehr Verwaltungsaufwand selbst übernehmen. In diesem Fall liegen die Bankkonten bei einem Partner, die Kartenkonten bei einem anderen… Das bedeutet, das Produkt kommt nicht aus einer Hand, sondern aus mehreren. Da mussten wir IT-Schnittstellen selbst bauen, so dass Systeme miteinander sprechen. Das beginnt bei Identifikationsdaten, die von einem Partner für den anderen zur Verfügung gestellt werden müssen. Oder die Akzeptanz verschiedener AGB. Es ging darum, ein System so aufzubauen, dass der Kunde nicht mit der Komplexität konfrontiert würde, bzw. darunter zu leiden hätte. Die Benutzer-Experience sollte für den Kunden trotzdem zusammenhängend und nahtlos sein, auch wenn im Hintergrund Knöpfe gedrückt werden mussten.

Zwischen welchen Optionen musstest du dich entscheiden? Und welche Vor- und Nachteile galt es dabei abzuwägen?

Bei unserem Bankpartner solarisBank war zwar der Verwaltungsaufwand für uns niedriger, aber die technische Unterstützung bei der Umsetzung des Projekts ebenfalls geringer. Beim anderen Partner war der Verwaltungsaufwand für uns höher, aber die technische Unterstützung bei der Umsetzung war aufgrund seiner Erfahrung besser.

Für welchen Lösungsansatz hast du dich entschieden und warum?

Wir haben uns letztendlich für die Zusammenarbeit mit Wirecard AG entschieden. Die Mastercard-Buchung wird tagesaktuell mittels einer Lastschrift vom Kontist Geschäftskonto des Kunden eingezogen.

Wie hat sich das während der nächsten Zeit entwickelt?

Um unseren Kunden eine ganzheitliche Nutzer-Erfahrung zu bieten, hatten wir viele Spezialwünsche an Wirecard, die sie dann auch technisch umsetzen mussten: beispielsweise, dass wir in Echtzeit über jede Karten-Buchung informiert werden würden, damit wir diese Info an den Kunden weiterleiten könnten.

Gab es während des Beta-Tests Überraschungen oder neue Schwierigkeiten?

Wir merkten, dass es eine Herausforderung war, eine Synchronisierung zwischen den Daten unseres Kartenanbieters und unseres Bankpartners herzustellen. Der Buchungs-Status auf Kartenanbieter-Ebene war anders als der, der für den Kunden relevant ist. Die Schwierigkeit dabei war, dass eine Buchung mit der Debit-Kreditkarte viel komplexer ist als eine normale Bank-Buchung. Bei Kreditkarten-Buchungen gibt es beispielsweise schwebende Buchungen, die zurück gebucht werden können, Reservierungen, die wieder aufgelöst werden, und viele andere. In all das mussten wir uns erst einmal reinfuchsen.

Die Karte wurde gelauncht - seither gibt es einige hartnäckige Issues. Für den Moment heißt es………?

Klar, es läuft immer noch nicht alles zu 100% rund. Wir haben festgestellt, dass die Datenqualität, die wir von den Anbietern bekommen, nicht immer unseren Qualitätsansprüchen gerecht wird. Das bedeutet für uns, wir müssen selbst Daten errechnen, um das wieder glatt zu bügeln. Dabei geht es wie erwähnt hauptsächlich darum, zu gewährleisten, dass es keine zeitliche Verschiebung mehr zwischen einem Karteneinsatz und der Anzeige auf dem Verrechnungskonto gibt.

Was ist dein größtes Achievement bei dem Karten-Launch? Und was würdest du heute anders machen?

Dass wir sie gelauncht haben!

Ich persönlich habe gelernt, dass, selbst, wenn du denkst, du weißt wie APIs funktionieren, du dir erst vollkommen sicher sein kannst, wenn die live Daten reinkommen. Deshalb ist jeder gut beraten, sich auf alle denkbaren Fälle vorzubereiten.

Welchen Rat würdest du einem FinTech-Unternehmen geben, das einen Bankkarten-Launch plant?

Wenn du ein geschäftskritisches Projekt planst, ist es extrem wichtig, einen Partner mit weitreichender Erfahrung in der Sache zu finden.