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Der erste eigene Mitarbeiter: Die Webseite. Was muss sie leisten - was darf sie kosten? 

Gastautorin

24. März 2021

 

Zögerst du noch, deinen ersten eigenen Mitarbeiter einzustellen? Damit bist du nicht alleine. 

Die Einstellung des ersten eigenen Mitarbeiters ist für jeden Gründer ein riesen Meilenstein und damit auch eine sehr große Herausforderung. Viele scheuen sich vor der Verantwortung und den Kosten, die dieser Mitarbeiter mit sich bringt und zögern viel zu lange.  

Dabei ist ohne Mitarbeiter ein Wachstum oft schwer möglich, denn wer alles allein macht, der hat nur begrenzt Zeit für neue Projekte. 

Wie wäre es, wenn jeder Gründer sich direkt zur Gewerbeanmeldung direkt die erste eigene Mitarbeiterin leisten könnte. Wenn du direkt zum Start eine verlässliche Partnerin an deiner Seite hättest, die dich massiv im Vertrieb unterstützt? Sozusagen in der Standardausstattung? 

Eine zuverlässige Mitarbeiterin, die locker das doppelte der eigenen Kosten erwirtschaften kann und zuverlässig auch in der 24 Stunden Bereitschaft arbeitet. 

Die eigene Webseite kann übrigens genau das leisten. Sie wird nur von den meisten Unternehmen nicht wie ein Mitarbeiter behandelt, sondern wie ein schönes Schild, das an der Straßenseite an das Geschäft gehängt wird. Statisch. 

Hidden Talents: Die Webseite als erster eigener Mitarbeiter

Die Webseite ist eine phantastische erste Mitarbeiterin, aber wie alle anderen Mitarbeiter auch kein Selbstläufer.  

Als Chef bist du für diese Mitarbeiterin zuständig und verantwortlich. Nimm dir Zeit für die Auswahl und noch mehr Zeit für die Einarbeitung. Übertragen auf deiner Webseite bedeutet das: Die Konzeption legt den Grundstein für die Leistung, die deine Webseite in deinem Unternehmen einbringen wird. 

Dabei ist es nicht zwingend besser, deine Webseite erstellen zu lassen. Meiner Erfahrung nach gibt es leider immer noch viele Webdesigner, die über die „Webseite als Aushängeschild“ nie hinaus gekommen sind. Achte also bei der Auswahl deines Webdesigners darauf, dass dein Verkaufsprozess berücksichtigt und abgebildet wird. 

Wenn du deine Webseite selbst erstellst: Wie deine Webseite aussieht ist erst lange nach dem Verkaufsprozess und Funktionalität ein Thema. Frei nach dem Motto „Form follows Function“.  

Hinter jeder Conversion steckt ein Mensch

Mach dich bei der Erstellung deiner Webseite völlig frei von „Online Only“. Denn das wir Menschen uns online bewegen und dort Geschäfte schließen ist noch so neu, dass es uns noch lange nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wir denken noch nicht nativ online. Wir denken und handeln in echten realen Beziehungen und Transaktionen und genau das solltest du auch tun. Menschen kaufen von Menschen. Auch online. 

Erstelle deinen Verkaufsprozess immer im Hinblick darauf, dass hier zwei reale Menschen miteinander interagieren. Auch wenn sie sich nie zu Gesicht bekommen und auch nicht persönlich miteinander sprechen. Stell dir bei jedem Kunden, der deine Webseite betritt einen Menschen in deinem Laden vor und behandle ihn auch so. 

Im E-Commerce dreht sich vieles um Conversions. Also die Transformation eines Interessenten in einen zahlenden Kunden. Diese nüchterne Definition beschreibt aber tatsächlich den magischen Moment, in dem dein Kunde den Kaufen Button drückt. 

  • Die Sekunde, in der sich deine Kundin dafür entscheidet, genau diese Tassen zu kaufen. Sie werden bei jeder Familienfeier auf dem Tisch stehen und sich für die Kinder immer nach zu Hause anfühlen. 
  • Den Moment, in dem sein Kunde sich nach langem zögern dafür entscheidet, dein Coaching zu buchen. Vielleicht hat er lange darauf gespart oder heute ist der Tag, an dem er genug Mut hat, diese überfällige Veränderung ENDLICH mit deiner Hilfe anzugehen.
  • Den perfekten Augenblick, in dem dein Kunde den Verlobungsring für die Liebe seines Lebens bestellt. 

Gute Verkäufer messen sich an Conversions. Hervorragende Verkäufer streben danach, genau diese perfekten Momente zu inszenieren.  Dabei hilft es deinen Mitarbeitern, wenn du als Chef diesen Prozess vorgibst. Und zwar unabhängig davon, ob diese Mitarbeiter tatsächlich existieren oder wir hier über die Webseite als erste Mitarbeiterin sprechen. 

Verkaufsprozess für deine Mitarbeiter formulieren

Dein Verkaufsprozess ist ein Schritt-für-Schritt-Plan, der detailliert beschreibt, was alles passieren muss, bis ein Interessent zum zahlenden Kunden wird. Und zwar vom Erstkontakt bis zur Weiterempfehlung. 

Erstelle deinen Verkaufsprozess bis ins kleinste Detail. Je mehr Liebe und Details du hier investierst, desto besser können deine Mitarbeiter verkaufen. Und desto besser wird deine Webseite performen. Je besser dein Verkaufsprozess ist, desto besser werden die Ergebnisse am Ende sein (ich spreche von Unternehmensgewinn). 

Welche Schritte muss dein Kunde unternehmen, um bei dir zu kaufen?

  • Wo kommt dein Kunde her? Was sucht er bei dir? Wie fühlt er sich während dieser Suche? 
  • Welche Informationen werden benötigt? 
  • Wie kann bei dir gebucht werden? Gibt es einen Shop? 
  • Oder hast du erklärungsbedürftige Produkte oder Dienstleistungen? Dann brauchst du viele vertrauensbildende Elemente wie ein Portfolio oder Kundenstimmen. Auch ein Newsletter kann helfen, zögernde Kunden Stück für Stück zu überzeugen. 
  • Muss ein Vorgespräch gebucht werden? Brauchst du dafür ein Terminbuchungstool? 
  • Was passiert nach der Buchung bzw. nach dem Kauf? 
  • Gibt es einen Versand? Wie wird der angestoßen? 
  • Gibt es Überraschungsmomente oder ist dein Prozess vorhersehbar? 
  • Wie kannst du den Prozess mit Emotionen anreichern und deinen Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern? 
  • Wie kannst du im Alltag deiner Kunden stattfinden?  

Geh deine Kundenreise Schritt für Schritt ab und erstelle deinen Verkaufsprozess. Der Verkaufsprozess wird in den meisten Fällen sowohl online als auch offline statt finden. Oder teilweise online und teilweise offline. 

Dieser Verkaufsprozess ist die Grundlage für die Erstellung deiner Webseite. 

Was muss deine Webseite leisten? 

Mach es dir einfach und verlange nicht zu viel. Bei deiner ersten Mitarbeiterin darfst du damit anfangen, einfache Tätigkeiten delegieren. 

Deine Webseite ist ein richtiges Multitalent. Sie arbeitet im Marketing und im Vertrieb. Sollte dir also Leads und Sales bringen. 

Welche Punkte aus deinem Verkaufsprozess kann deine Webseite übernehmen?

  • Die Terminbuchung vielleicht? 
  • Wie wäre es mit den Sales? Das kann ein eigener Online-Shop sein, aber auch eine Erweiterung wie Elopage oder Copecart, dass sich nahtlos integrieren lässt und den tatsächlichen Verkauf, Zahlungsabwicklung und Rechnungsstellung für dich übernimmt. 
  • Über eine Schnittstelle zu Lexoffice kann sogar deine vorbereitende Buchhaltung schon fix und fertig erstellt werden. Mit einer Erweiterung wie PayJoe werden die Buchungen und Rechnungen schon zugeordnet. Keinen Grund auch nur einen Finger zu krümmen. 

Was übernimmst du offline? 

  • Rufst du die Kunden zum Vorgespräch an?
  • Schreibst du das Angebot und die Rechnung händisch? 
  • Verschickst du handgeschriebene Postkarten zum Geburtstag deiner Kunden? 

Wo sind enge Absprachen nötig? Wie geschieht die Übergabe? Gibt es Mails oder Benachrichtigungen? 

Denke den Prozess ein mal detailliert durch. Es lohnt sich! 

Wenn du komplette Aufgabenblöcke an deine Webseite abgibst, kannst du die Kundengewinnungskosten massiv senken und Zeit für die tatsächliche Kundenbetreuung gewinnen. 

Plane mit deiner Webseite regelmäßige Teammeetings und schau dir an, wie es läuft. Dafür kannst du ein kostenloses Analysetool nutzen. 

Einen Mitarbeiter würde niemand für viel Geld ausbilden und dann unbeaufsichtigt vor sich hin werkeln lassen. Auf die Idee käme schlicht und ergreifend keiner. Mit der eigenen Webseite machen das aber tatsächlich viele. 

Die Seite wird erstellt als Status Quo und dann ist das Projekt beendet. 

Dabei kann die Webseite in deinem Unternehmen aktiv mitarbeiten, wenn du sie wie einen Mitarbeiter behandelst. 

Fordere aktiv ein, dass sie ihre Kosten mindestens doppelt rein verdient. Wenn deine Mitarbeiterin nicht performt, dann musst du als Vorgesetzer nachsteuern. 

Verbessere einfach den Prozess so lange, bis er perfekt ist und du satte Gewinne einfährst. 

Das ist gar nicht so schwer, denn die Investitionen halten sich tatsächlich in Grenzen. 

Wie viel wird dich diese Mitarbeiterin im Web kosten? 

Im Dienstleistungssektor gibt es eine Faustregel: Jede Mitarbeiterin muss das doppelte ihrer Kosten erwirtschaften, sonst ist sie nicht wirtschaftlich. 

Schauen wir uns also an, was unsere erste Mitarbeiterin kosten wird. 

Laufende Kosten

Hosting: Der Speicherplatz deiner Webseite im Netz. Zehn Euro im Monat reichen meist aus. 

Domain: Der Name deiner Webseite. Je nach Beliebtheit kostet eine Domain zwischen einem und zehn Euro im Monat. 

Webseite: Eine WordPress Webseite kostet gar nichts. Theoretisch. Denn das Basis-Programm ist tatsächlich kostenlos. Allerdings brauchst du ein bisschen Budget für ein gutes Theme und einen Page Builder. Die beiden sind für dein Design zuständig. Für 10 Euro im Monat bekommst du hier wirklich eine Premium Lösung. 

Das bedeutet für knapp 20 Euro im Monat hast du hier schon eine sehr gute Basislösung, mit der du starten kannst. 

Ich kenne keinen Arbeitnehmer, der für das Budget so zuverlässig arbeiten würde. 

Erstellung 

Einen professionellen Webdesigner, der dich dabei unterstützt, eine einfache Webseite zu erstellen, kannst du wohl ab 2000 Euro beauftragen. 

Dazu kommen die Kosten für hochwertige Branding Fotos, dafür kannst du mindestens 1000 Euro einplanen. 

Für die meisten Gründer stellt das einen immensen Kostenblock dar. 

Mit meiner Erfahrung als Webdesignerin rate ich dir, nie bei den Bilder zu sparen. Selbst wenn die Webseite technisch einwandfrei ist, wirkt das komplette Unternehmen mit schlechten Bildern schnell billig und unprofessionell, wenn hier gespart wird. 

Bei der Webseite an sich sieht es schon ganz anders aus. Hier sind große Einsparungen möglich. Du musst dir darüber im Klaren sein, dass es Zeit kostet, die eigene Webseite selbst zu erstellen. Die musst du im ganzen Gründungsstress erst mal aufbringen. Aber wenn diese Entscheidung einmal getroffen ist, dann ist es möglich, auch mit einer selbst erstellten Webseite erfolgreich zu verkaufen. 

Aus genau diesem Grund arbeite ich schon lange nicht mehr ausschließlich als Webdesignerin bei #TeamStreber mit meinen Kunden 1:1, sondern habe auch ein Buch veröffentlicht und jede Menge Tutorials auf YouTube hochgeladen. 

Meine Überzeugung: Webseiten, die dich aktiv beim Verkauf unterstützen brauchen keine teure Technik, sondern einen smarten Verkaufsprozess.

Fazit

Gönn dir den Luxus einer eigenen Vertriebsmitarbeiterin und nutze das ganze Potential deiner Webseite. Das bedeutet erheblichen Aufwand bei der Einarbeitung - also wenn du deinen Verkaufsprozess erstellst und auch die Systeme online so einrichtest, dass alles sauber ineinander greift. 

Aber behalte dein Ziel fest im Blick, denn die Arbeitserleichterung und Gewinnsteigerung hinterher macht so richtig Spaß!

Zur Autorin:

Ich bin Mareike Schamberger vom #Team Streber (https://teamstreber.de/mareike): leidenschaftliche Webdesignerin, Marketing Profi, Autorin, Verlegerin, Social Media Strategin, Perfektionistin, Ehefrau und Mama. 

Als Diplom Betriebswirtin bin ich im Eventmanagement gestartet. Bei einem großen internationalen Veranstalter war mein Einsatzgebiet die ganze Welt. Dort habe ich Online-Marketing gelernt, als das Internet fast noch analog war ;)
Diese Erfahrungen nutze ich inzwischen gewinnbringend für meine Kunden.  

Mein Herz schlägt für gute Strategien und saubere Verkaufsprozesse. Mit einer ausgefeilten Strategie als Grundlage, ist die Webseite nicht nur ein schönes Schmuckstück, sondern vor allen Dingen ein zuverlässiger Mitarbeiter. 

Ich liebe es zu schreiben. Wenn ich keine Webseiten erstelle, dann schreibe ich. Für mich oder für Kunden. Ich habe Spaß daran, die perfekten Worte zu finden.
Blogartikel, Interviews, Newsletter, Instagram: Meine Texte sind lesbar und immer mit einem Augenzwinkern.

Funfact: ich liebe Fachbücher, trockenen Rotwein und knisternde Lagerfeuer.