facebook-pixel

Warum fällt es uns oft so schwer Entscheidungen zu treffen? Was erleichtert uns die Entscheidungsfindung?

Entscheidung werden im Alltag so oft gefällt, dass ein Zählen und Reflektieren einer jeden einzelnen Entscheidung sich erübrigt. Allein, das morgendliche Brot von oben links oder unten rechts her zu schmieren, ist bereits eine Entscheidung. Im Folgenden soll es daher um die wirklich wichtigen Dinge gehen; um Entscheidungen, die weit reichendere Konsequenzen haben können. Solche Entscheidungen begegnen dir zuhauf in Form von Projektbesprechungen, Problemlösungen und weiteren Dingen in deinem Berufsleben und Alltag. Aber auch zwischenmenschliche Beziehungen erfordern - auch im Bezug auf den Kundenkontakt - Entscheidungen.

Das Fällen von Entscheidungen ist erfahrungsgemäß schwierig. Es gibt bei ausreichend langer Betrachtung oftmals eine ganze Bandbreite an Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen könnten. Bauchgefühl und Verstand versuchen, sich gegenseitig zu manipulieren und auch Zeitdruck spielt eine erhebliche Rolle. Dennoch gibt es einen möglichen Leitfaden, der dir die Entscheidungsfindung erleichtern kann.

Was die Entscheidungsfindung erschwert - ein kurzer Exkurs in die Entscheidungstheorie

Problematisch ist - in der Entscheidungstheorie fernab von Emotionen formuliert - die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Information und der sachlich notwendigen Informationen. Der Quotient dieser beiden Faktoren entspricht einem Prozentwert. Liegt er bei 100, liegt der Fall einer absoluten Information vor - du kannst also objektiv die richtige Entscheidung treffen. Liegt er geringer, ist dies nicht möglich. Es ergibt sich die Schwierigkeit, dass die sachlich notwendige Information für das Treffen der Entscheidung in der Lebensrealität niemals mit der maximal verfügbaren Information bezüglich eines Sachverhaltes übereinstimmen wird.

Außerdem spielt das berühmte Bauchgefühl bei dieser Betrachtung keine Rolle. Es lässt sich also zu dem Schluss kommen, dass eine Entscheidung nicht leichter dadurch getroffen wird, dass du möglichst viele Informationen einholst - das ist schlicht nicht praktikabel.

Der weitere wichtige Faktor ist, dass Entscheidungen Konsequenzen hervorrufen. Die Kunst besteht darin, die besten Konsequenzen für dich oder alle unmittelbar Beteiligten zu erzeugen - ohne alle Konsequenzen tatsächlich abschätzen zu können.

Für den Freelancer ergibt sich zudem noch das Problem, dass die Gedankengänge zu einer Entscheidung nicht unmittelbar reflektiert werden. Wenn um dich herum niemand ist, der dir bei der Entscheidungsfindung zeitig helfen kann, bist du auf dich allein gestellt.

Leitfaden, um schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen

Damit du in Zukunft schnellere und bessere Entscheidungen fällen kannst, soll dir hier ein kleiner Leitfaden präsentiert werden.

1. Entscheidungszeitpunkt festlegen

Entscheidungen aufzuschieben, gehört zu den schlimmsten Dingen, die es diesbezüglich gibt. Eine Entscheidung aufzuschieben, bedeutet immer, ein schlechtes Gewissen zu haben und unter Zeitdruck gerät man auch. Du tust also gut daran, Entscheidungen gezielt - an einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens - zu fällen. Der Satz "Ich lasse Sie morgen gegen zehn wissen, wie wir das machen.", ist eine Verpflichtung. Wenn du also weißt, dass du ein wenig Zeit brauchst, um eine Entscheidung zu fällen, dann nimm sie dir. Aber setze dir einen Zeitpunkt fest, bis zu welchem du dich entschieden haben wirst.

Außerdem können Entscheidungen im Bezug auf die Arbeit selten lange warten. Besser ist es also, dich zügig zu entscheiden. Das zügige Entscheiden verlangt, dass du erlernst, welche Überlegungen einer Entscheidung vorausgehen sollten - und welche nicht.

2. Komplexität reduzieren

Entscheidungsfindungsprozesse sind schwierig, denn sie sind komplex. Es gilt das Beachten aller Akteure, der möglichen Konsequenzen, der eingesetzten Ressourcen usw. Allerdings gelangt man so sehr schnell in die Position, dass es für absolut jeden Aspekt ein Für und Wider gibt. Und das macht es nicht leichter. Versuche also, die wesentlichen Punkte zu benennen und in deine Entscheidungsfindung miteinfließen zu lassen.

Deshalb soll nun einmal dargestellt werden, welche Informationen für die Entscheidungsfindung wirklich vonnöten sind und welche dich tendenziell eher blockieren.

Dinge, die wichtig sind (Sachzwänge):

  • Wie ist es durchführbar, meiner Entscheidung auch ein entsprechendes Handeln folgen zu lassen?
  • Kann ich das tun?
  • Darf ich das tun?
  • Ist es unter den gegeben Umständen möglich, diese Option zu verfolgen?
  • Wen muss ich noch involvieren, damit es mir möglich ist, meiner Entscheidung entsprechend zu handeln?

Dinge, die wichtig sind (subjektive Faktoren):

  • Wie geht es mir mit der Entscheidung und den zu erwartenden Konsequenzen?
  • Kann ich das mir selbst gegenüber vertreten?
  • Will ich das wirklich?
  • Ist die objektiv beste Option wirklich die subjektiv beste für mich?
  • Ist meine Entscheidung übermäßig stark von anderen abhängig?

Dinge, die (zumeist) keine größere Rolle spielen sollten:

  • Was denkt XY darüber?
  • Gibt es einen Kompromiss aus allen Optionen?
  • Kann ich die Entscheidung jemand anderem übertragen?
  • Ist meine Entscheidung so, dass alle damit zufrieden sein werden?
  • Was würde "man" an meiner Stelle tun?

Dazwischen gibt es noch zahlreiche andere Dinge, bei denen sich auch nicht sagen lässt, ob sie eine wichtige Rolle spielen dürfen oder nicht. Inhaltlich gilt nur grob: Eine Entscheidung wird am besten unter Berücksichtigung der Sachverhalte, der eigenen Bedürfnisse und der erwartbaren Konsequenzen gefällt. Dennoch darf gerade der letzte Punkt nicht ausarten. Wird eine Option einer anderen vorgezogen, bedeutet das indirekt manchmal einen Schaden für andere Personen (weil sie in der anderen Option eine Rolle gespielt hätten beispielsweise).

Wenn du aber eine Entscheidung treffen musst, geht es ja primär darum, ob die Konsequenzen deiner Entscheidung für dich tragbar sind. Ob du also das, wofür du dich entscheidest, auch tun kannst und willst. Du musst mit deiner Entscheidung leben können. Bei der Frage "Marmelade oder Schinken?", bedeutet dies zumeist keine Konsequenzen, aber bei der Frage, für wen du arbeitest, schon.

3. Bauchgefühl berücksichtigen

Wenn du beim Gedanken an eine Option ein ungutes Gefühl hast, dann kannst du darauf gerne hören. Gerade dann, wenn es sich trotz reichlicher Überlegung nicht verflüchtigen will, muss es sich um etwas Ernstes handeln. Das Gefühl kann aus deinem Unwissen gespeist sein, unbegründete Ängste können die Ursache sein oder du hegst einfach eine persönliche Abneigung. Aber all diese Dinge sind wichtige Faktoren. Denn wenn du dich schlecht fühlst, dann kann das Ergebnis selten gut ausfallen. Außerdem haben die meisten Menschen eine gewisse Intuition, auf die zu hören es sich in den meisten Lebenssituationen lohnt. Eine rein emotionale Entscheidungsbegründung ist nicht gut, aber wenn der Gedanken an die Konsequenzen Unwohlsein bereitet, dann muss zumindest länger über andere Optionen nachgedacht werden.

Außerdem kennst du sicherlich den Ausdruck "eine Nacht darüber schlafen". Er benennt, was die Wissenschaft auch mittlerweile weiß: Das Gehirn sortiert sich im Schlaf neu. Erinnerungen und Gedanken werden umsortiert und können entsprechend nach dem Aufstehen neu wahrgenommen werden. Hier spielt das Unterbewusstsein eine Rolle. Nur so viel: Eine Nacht darüber zu schlafen, ist bei wichtigen Entscheidungen sinnvoll, denn es bewahrt dich davor, Entscheidungen im Affekt zu treffen oder gänzlich unreflektiert an etwas heranzugehen. Das Unterbewusstsein weiß meistens ganz gut über uns Bescheid und kann entsprechend durch das Lenken auf bestimmte Aspekte behilflich sein. Vertrau dir diesbezüglich selbst.

4. Die gewohnten Denkmuster verlassen

Häufig werden Entscheidungen danach gefällt, was wir wissen und was wir für erfolgreich befinden. Daraus ergibt sich, dass der Mensch eine Komfortzone entwickelt, innerhalb welcher er denkt und handelt. Sicherlich hast du auch ein paar altbewährte Rezepte, nach welchen du überdurchschnittlich oft handelst. Gemeint sind hier nicht deine ethischen oder gesellschaftlichen Maßstäbe. Vielmehr geht es hier um Verhaltensweisen und Denkmuster , die dein Handeln (und Entscheiden) aufgrund von Gewohnheit bestimmen.

Es mag gut sein, dass sich diese Dinge für dich bewährt haben. Aber nach einigem Nachdenken ergibt sich oft, dass ein anderer Weg eventuell zu einem noch besseren Ergebnis (der besseren Konsequenz) führen kann. Warum solltest du das nicht einfach mal versuchen? Gelegentlich die gewohnten Pfade zu verlassen, befreit den Geist und lässt zu, dass du deine Fähigkeiten besser kennenlernst.

Die Optionen abwägen

Zuerst musst du dir natürlich ein Bild vom Sachverhalt machen. Was ist die Lage? Worum geht es überhaupt und was ist das Ziel des Ganzen? Was kannst du hinsichtlich der verschiedenen Optionen erwarten?

Dann gilt es zu eruieren, was du an Informationen hast. Welche Informationen sind dir bekannt, welche sind unbekannt? Welche Informationen musst du noch einholen, da sie relevant sind und welche sind absolut verzichtbar oder gar hindernd bei der Entscheidungsfindung?

Dann gilt es, die Optionen gegeneinander abzuwägen. Eine Entscheidung erfordert per Definition mindestens zwei Optionen, oftmals sind es aber noch mehr. Entsprechend musst du alle Optionen betrachten. Optionen, die sich schon sofort "schlecht" anfühlen, oder die dir absolut unmöglich scheinen, kannst du zumeist verwerfen. Aber oftmals sind die beiden Optionen gar nicht vergleichbar oder - das andere Extrem - unterscheiden sich nur im Detail. Es liegt an dir, dich mit beiden Optionen zu beschäftigen und dich mit einer mehr anzufreunden als mit der anderen.

Dabei hilft es dir, die Konsequenzen vor Augen zu haben. Was kannst du erwarten, wenn du dich für Option A entscheidest und was, wenn du dich für Option B entscheidest? Was bedeutet dies für andere Beteiligte? Hat es sachliche oder zwischenmenschliche Konsequenzen? Wird es dir eher schaden oder nutzen? Kannst du das, was anschließend erwartet wird, leisten?

Entscheide dich!

Entscheide dich! Und hab dabei stets vor Augen, dass es immer besser ist, wenn du dich überhaupt entscheidest. Fehler passieren und sind ärgerlich! Aber verpasste Chancen aufgrund von nicht gefällten Entscheidungen sind noch viel ärgerlicher.Denn wie heisst es so schön: “Entscheidungen. Wenn du sie nicht fällst, fällen sie dich”