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Entspannt in den Urlaub als Freelancer – die richtige Planung und Ausführung

Marlon Thorjussen

Freelance Editor

15. Juni 2021

So um die 25 Urlaubstage hat der Angestellte hierzulande in etwa pro Jahr. Manchmal kommen noch Brückentage hinzu und natürlich sogar Urlaubsgeld. Das alles hast du als Freelancer nicht. Stattdessen musst du dir deinen Urlaub selbst einteilen und komplett selbst finanzieren. Wie du das einkalkulierst, steht beispielsweise hier

Viel wichtiger ist aber die Frage, wie du deinen Urlaub planst, sodass weder deine Kunden noch du darunter leiden. Denn als Selbstständiger, und gerade als mit verschiedenen Kunden arbeitender Freelancer, ist der eigene Urlaubsanspruch etwas, was irgendwie zwischen Kundenkommunikation, Projekt-Deadlines und den vielen kleinen Terminen – etwa zur Umsatzsteuervoranmeldung – passen muss.

Hier sind Planung und Kommunikation also alles. Einfach an einem Freitagnachmittag den Computer auszuschalten und zu wissen, dass man nun für zwei Wochen erst einmal keine Arbeit hat, funktioniert schlichtweg nicht. 

Im Voraus planen und wirklich an alles gedacht haben

Da du ja als Freelancer keinen arbeitsvertraglich geregelten Anspruch auf bezahlten Urlaub hast, musst du dir diesen Anspruch zunächst einmal selbst zugestehen. Erholung ist wichtig, Müßiggang ist es auch und vor allem ist es wichtig, den üblichen Verpflichtungen und der Kommunikation einfach mal für eine Zeit zu entkommen. 

Es beginnt damit, das optimale Zeitfenster zu finden. Folgende Fragen helfen dir dabei, dieses ausfindig zu machen:

- Zu welcher Zeit habe ich tendenziell weniger zu tun?

- Welche regelmäßigen Verpflichtungen habe ich so oder so? Setze ich meinen Urlaub dazwischen oder kann ich damit leben, ein oder zwei kleine Dinge auch im Urlaub zu erledigen?

- Wann sind meine wichtigsten Kunden im Urlaub?

- Wo will ich überhaupt hin und welche Saison kommt dafür in Frage?

Am Ende solltest du natürlich die Zeit auswählen, die dir passt. Allerdings kann es sein, dass deine absolute Wunschzeit mit Deadlines oder dringenden Wünschen deiner Kunden kollidiert. Dies kannst du verhindern, indem du deinen Urlaub schon viele Wochen oder gar ein paar Monate im Voraus planst und entsprechend die Projekte mit deinen Kunden alle davor zum Ende bringst (entsprechend Tage und Wochen davor die Deadlines setzen) – oder du eben schon zu Beginn kommunizierst, dass du zur fraglichen Zeit auf keinen Fall an der Sache arbeiten kannst. 

Oder kurz gesagt: Deinem Kunden inmitten eines Projektes zu sagen, dass du in drei Tagen für zwei Wochen weg bist, ist keine gute Option. 

Also: Plane voraus, sei konsequent mit der Planung und kommuniziere sie Wochen im Voraus, falls sich abzeichnet, dass deine Arbeit und Kundenwünsche sich mit deiner Urlaubszeit überschneiden könnten. 

Unerreichbar mit Abwesenheitsnotiz

Die Abwesenheitsnotiz bei E-Mails, möglicherweise in Social Media oder auf der Website gehört dazu. Stelle sie am besten schon ein paar Tage vor deinem Urlaub ein. So gehst du sicher, dass Menschen, die mit dir in Kontakt treten wollen, nicht mit einer schnellen Antwort rechnen. 

Nebst der Tatsache, dass Abwesenheit rechtzeitig und eindeutig kommuniziert sein sollte (falls du ein Berufsleben mit regem Austausch hast), gehört auch die geplante Unerreichbarkeit dazu. Das heißt: Lass E-Mails E-Mails sein, nimm keine beruflichen Anrufe entgegen und lass deine beruflichen Online-Aktivitäten ruhen. Das geht einige Tage lang problemlos. Und insofern du dich schon immer einmal mit „Digital Detoxing“ beschäftigen wolltest, hast du nun die Chance dazu.

Die Sache mit der Unerreichbarkeit ist dabei eine individuelle. Der eine muss alles abschalten, um sich wirklich erholen zu können und die Arbeit so weit von sich schieben wie es geht. Der andere wird nervös, wenn er nicht wenigstens gut informiert ist. Wie du es handhaben möchtest, ist deine Sache.

Dennoch sollte dein Urlaub nicht so aussehen, dass du einfach nur deinen Arbeitsplatz verschiebst. Die physische und terminliche Trennung von Privatem und Beruflichem ist die Grundbedingung dafür, sich wirklich erholen zu können. 

Wenn Unerreichbarkeit das Ziel ist, aber es wirklich noch diese eine, kleine Sache gibt, die unbedingt zu erledigen ist, dann kann es natürlich gut sein, dass du sie tun solltest. Gerade Dinge, die sich schnell abarbeiten lassen – wie beispielsweise ein Dokument zu lesen oder einen Entwurf zu überprüfen – können sich in ein wohl gesetztes Zeitfenster im Urlaub einfügen.

Wichtig ist dann aber die Abgrenzung: Stelle direkt klar, dass du nur dafür zur Verfügung stehst, weil es eben dringend ist. Aber im Grunde ist es für die umfassende Erholung besser, sich wirklich frei zu nehmen und berufliche Anfragen gar nicht erst zuzulassen. Oder du organisierst dir eine Vertretung, die einfache Anfragen für dich beantworten kann. 

Das Budget, die Zeit und der Ort

Unbezahlter Urlaub ist ein Ärgernis, aber umso mehr solltest du deinen hart verdienten Urlaub dann auch genießen. Wenn du über die Monate immer mal wieder etwas zurücklegst, dann kannst du dir im Laufe der Zeit eine nette Urlaubskasse ansparen.

Und die ist dann auch der Maßstab: Wo beim einen die Kreuzfahrt Standard ist, ist es beim anderen eher der Spreewald. Der Urlaub muss letzten Endes zu den Vorlieben (nichts tun oder Abenteuer?) und vor allem zu den finanziellen Möglichkeiten passen. 

Der Ort ist dann die Synthese aus Vorlieben und Budget. In Rumänien beispielsweise ist der Wandertourismus deutlich günstiger als in der Schweiz. Und touristisch wenig frequentierte Strände sind meistens auch von günstigeren Unterkünften umgeben. Und manchmal ist Urlaub ja auch die tagelange Beschäftigung mit Fast Food und der Konsole. Jedem, was ihm gefällt. 

Aktuell ist es zudem ratsam, etwaige Reisewarnungen und Quarantäneregelungen zu kennen, wenn man in ein anderes Land möchte. So sehr zu hoffen ist, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert, wird uns das Infektionsgeschehen in einigen Gebieten dieser Erde gewiss noch ein wenig erhalten bleiben. Falls also Dinge wie eine Quarantänepflicht bei Wiedereinreise auf deine Pläne zutreffen, musst du diese Zeit auch einplanen – oder dir bestenfalls andere Urlaubspläne machen. 

Mann in rotem Hemd arbeitet am Laptop in der Hängematte.

Den Wiedereinstieg in den Job als Freelancer vorbereiten

Teil der Urlaubsplanung eines Freelancer kann auch sein, alles für die Rückkehr vorzubereiten. Es gibt wenig Ärgerlicheres als halbgare Dinge, bei denen man nach zehn oder zwanzig Tagen kaum noch weiß, wohin es damit gehen sollte. Also:

- mach den nötigen Papierkram zu Ende

- erledige die Buchhaltung für den Monat (falls du erst im nächsten wieder da bist)

- beende Projekte, wenn möglich

- hinterlasse deinen Arbeitsplatz so, wie du in zu Beginn einer neuen Arbeitswoche vorfinden möchtest

- kommuniziere Dinge zu Ende. Die Aussage, man käme nach dem Urlaub darauf zurück, ist eine, die zum Verschleppen, Wiederholen und den-Faden-Verlieren einlädt

Generell ist es ratsam, mit neuen Dingen unmittelbar vor dem Urlaub nur anzufangen, wenn absehbar ist, dass du die Arbeit auch wirklich unterbrechen und dann wieder nahtlos aufnehmen kannst. Sich aber kurz vor der geplanten Abwesenheit mit einem neuen Kunden, einem neuen Projekt zu befassen und nicht recht zu wissen, ob einen das nun zwei Stunden oder vier Tage beschäftigen wird, kann dir deine Pläne ruinieren. Im Zweifel kannst du Dinge auch auf die Zeit nach deinem Urlaub schieben. 

Das gute Gefühl, nichts zu tun

Zugegeben: Als Mensch, der seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet, plagt einen in Phasen des Müßiggangs auch mal das schlechte Gewissen. Denn von nichts kommt bekanntlich nichts.

Aber das ist im Grunde Selbstbetrug: Da du ja in Sachen Finanzplanung und Stundensatzkalkulation gut aufgepasst hast, ist dein Urlaub ja in deinem Stundensatz drin. Das heißt, du hast nicht nur für deinen Lebensunterhalt gearbeitet, sondern explizit ja auch dafür, dir etwas zu gönnen – und das ist eben Urlaub. 

Das Anrecht auf Urlaub hat jeder und vor allem der, der sonst viel leistet. Es hat ja einen guten Grund, warum die Auszeit von der Arbeit so einen hohen Stellenwert bei den meisten hat: Sie tut einfach gut und gilt als notwendig. Wer keine Phasen der Erholung hat, die über ein verlängertes Wochenende hinausgehen, der geht irgendwann daran kaputt.

Die eigentliche Kunst besteht darin, herauszufinden, ob man eher mehrere kurze Pausen oder ein oder zwei lange Urlaubsreisen mag. Aber beides ist sinnlos, wenn man es nicht genießen kann. 

Schon die Tatsache, dass du deinen Urlaub planst und es dein verdientes Geld ist, dass da hineinfließt, ist aber ein sehr guter Grund, es auch voll auszukosten. Also schieb den Gedanken, dass Unproduktivität schlecht sei, zur Seite und erhol dich.