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ExistenzgrĂĽndung ist eine Frage des Mindsets

Dass der Schritt in die Selbstständigkeit vor allem Papierkram ist, wurde hier bei Kontist schon öfter erörtert. Hier zum Beispiel erfährst du alles, was du wissen musst, wenn du ein Gewerbe anmeldest. Hier erhältst du sogar einen ganzen Guide, der dich mit Informationen zum Business selbst, zu Rechnungen, zur Kundenkommunikation und vielem mehr beraten kann. 

Doch zuerst einmal wollen wir einen Schritt zurück gehen. Was kommt eigentlich vor dem Schritt in die Selbstständigkeit, vor der Anmeldung eines Gewerbes beziehungsweise vor dem Anmelden der Freiberuflichkeit beim Finanzamt? Was ist, abgesehen von rechtlichen Dingen, überhaupt die Voraussetzung fürs Gründen? 

Vor allem soll geklärt werden, warum Existenzgründung vor allem Einstellungssache ist. Und auch mit Möglichkeiten, Probleme schon vor der eigentlichen Gründung zu erkennen (und im besten Falle auszuräumen), soll sich befasst werden. Kurzum: Hier bekommst du Input für deine Einstellung zur Existenzgründung. Er kann dir dabei helfen, noch einmal alles zu durchdenken und dich hoffentlich in deinen Zielen bestärken. Vielleicht lässt er dich aber auch kurz innehalten und zeigt dir auf, wofür du jetzt noch nicht ganz bereit bist. 

Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit deiner Idee und deiner inneren Vorbereitung. Im zweiten Teil erfährst du, was sich für dich ändern wird, wenn du dich an die Existenzgründung machst. Außerdem werden mögliche Stolpersteine bei der Existenzgründung erörtert.

Am Anfang steht die Idee – und die ist nicht immer perfekt

Kein Business ohne Idee. Denn die Idee, was du eigentlich tun möchtest, ist der Grundstein für deine Selbstständigkeit. Ausgehend davon, dass du diese Idee haben müsstest (warum sonst solltest du das hier lesen?), solltest du dir selbst einige Fragen beantworten können. Darunter beispielsweise:

- Kann ich das so gut, dass ich mir zutraue, damit meinen Unterhalt zu verdienen?

- WeiĂź ich wirklich, was ich da tue?

- Habe ich eine gute Kenntnis von möglichen Kosten und anzustrebenden Preisen?

- Wird meine Dienstleistung beziehungsweise mein Produkt gebraucht?

- Wie bringe ich mein Business zum Kunden?

Diese und einige andere Fragen musst du beantworten können.

Ein Großteil dieser Dinge lässt sich über einen Business-Plan klären. Er zeigt auf, wie gut deine Idee überhaupt im geschäftlichen Sinne durchdacht ist. Er dient dabei nicht nur dazu, dass du dir einen konkreten Plan zurechtlegst. Er dient vor allem auch dazu, andere zu überzeugen – unter anderem Kreditgeber und andere mögliche Investoren. 

Die konkrete Aufstellung der von dir zu gehenden Schritte, um aus deiner Idee ein Geschäft zu machen, ist also ein Schritt, der ganz am Anfang steht. Inspirationen zu Business-Plänen findest du hier. Es handelt sich um eine kleine Fleißaufgabe, die dir abverlangt, dich grundlegend mit dem Thema Markt zu befassen. Da dies während deiner Selbstständigkeit dauerhaft tun wirst, ist es gut, früh damit zu beginnen. 

Das andere ist deine Idee an sich. Es steht außer Frage, dass es verschieden schwierige Starts in die Selbstständigkeit gibt. Die sogenannten digitalen Nomaden haben es da noch mit am einfachsten – denn sie sind vor allem Graphikdesigner, Texter, Illustratoren, Webdesigner und so weiter. Sie nutzen ihre Fähigkeiten, um als Freelancer Aufträge zu erhalten. 

In anderen Fällen ist es schwieriger. Gerade dann, wenn deine Existenzgründung nicht zwingend etwas mit deinem beruflichen Werdegang oder deinen Qualifikationen zu tun haben soll, muss es wirklich gut durchdacht sein. Und gerade dann, wenn deine Idee dich völlig überzeugt und du dir sicher bist, dass sie deppensicher ist, ist Vorsicht angesagt.

Die Idee bei der ExistenzgrĂĽndung hinterfragen (lassen)

Kritik kann weh tun. Aber bevor du dich in das Abenteuer Selbstständigkeit begibst, solltest du sicherstellen, dass du nicht etwas ganz Grundlegendes übersehen hast. Und deshalb ist es so wichtig, kritisch mit der eigenen Idee zu sein. 

Einige Dinge werden dir beim Schreiben des Business-Plans auffallen. Beispielsweise wirst du schnell dahinter kommen, dass Stundensätze für Dienstleistungen relativ hoch sein müssen (zumindest gemessen an durchschnittlichen Gehältern). Und zum anderen wirst du dich bei Produkten intensiv damit befassen müssen, in welcher Relation die Produktionskosten (Material, Maschinen, Zeit) und der Verkaufspreis zueinander stehen müssen, damit die Gewinnmarge stimmt. 

Andere Dinge sind, gerade bei durch Euphorie getrübter Sicht, nicht ganz so offensichtlich. Da ist etwa die Frage, wie du überhaupt an Kunden kommst. Oder wie du deine Tage strukturieren musst, damit du auch alles schaffst. Oder wie du deine Rücklagen und deine Altersvorsorge einzuplanen planst. 

Man kann natürlich auch einfach deine Idee an sich hinterfragen. Da du selbst darin vermutlich nicht so schrecklich objektiv sein wirst, solltest du mit anderen Menschen reden. Das heißt: Rede viel über deine geplante Existenzgründung. Sprich mit Menschen, die dich kennen und die vielleicht auch etwas von Unternehmen oder dem Inhalt deiner Idee verstehen. Sprich viel darüber, sprich gern darüber und bitte deine Gesprächspartner darum, dir Unklarheiten zu nennen. 

Das Schöne am Input anderer Menschen ist, dass sie dir diesen von ihrem Standpunkt aus geben können. Zum einen profitierst du so von erfahrenen Unternehmern und Menschen mit einem gesunden Gefühl für das Machen. 

Zum anderen hast du durch deiner Idee völlig fremde Menschen die Möglichkeit, scheinbar naive Fragen gestellt zu bekommen. Diese scheinbar naiven Fragen mögen sich intuitiv für dich geklärt anfühlen. Wenn du sie aber öfter gestellt bekommst – beispielsweise von deinen älteren Verwandten oder von komplett Fachfremden –, solltest du darüber nachdenken, ob dein Business auch zugänglich, also verständlich ist. Klar: Deine Zielgruppe wird schon verstehen, was du hast. Aber auch andere sollten das können. Schließlich wird deine Selbstständigkeit ja auch Teil von dir. 

Generell ist es gut, wenn du übst, deine Vorstellungen so zu formulieren, dass dir jeder folgen kann. So kannst du nicht nur mit anderen besser darüber sprechen. Auch übt klare und verständliche Kommunikation das spätere Sprechen (und Schreiben) mit Kunden. 

Lass alle Fragen zu und nimm an, dass einiges, was dir völlig klar scheint, es für andere nicht ist. In der Regel sind die Menschen, die du für intelligent und kritisch hältst, ein guter Gradmesser dafür, wie gut du deine Idee durchdacht hast. 

Warum du an ExistenzgrĂĽndung denkst

Die Motivation zur Existenzgründung ist mit das Wichtigste, wenn du dir gegenüber ehrlich einschätzen möchtest, wie gut deine Chancen sind. Denn: Nicht jede Motivation ist von Dauer und nicht jeder Grund rechtfertigt es, seine festen und bewährten Strukturen zu verlassen, um sich Hals über Kopf ins Abenteuer Existenzgründung zu stürzen.

So muss nicht nur deine Business-Idee sinnvoll und durchdacht sein. Auch deine Motivation muss dir klar sein. Und du musst überlegen, ob die Motivation von innen oder von außen kommt. Denn in der Regel ist innere Motivation langlebiger und damit sicherer. 

Typische BeweggrĂĽnde fĂĽr den ad hoc auftretenden Wunsch, einfach selbst etwas zu machen sind:

- Unzufriedenheit im Job und im Unternehmen

- der Irrglaube, als Selbstständiger hätte man mehr Zeit

- der Drang nach Selbstverwirklichung der Tätigkeit wegen

- der Glaube, man komme so schnell zu viel Geld

- der Glaube, anderen etwas beweisen zu mĂĽssen.

Spätestens mit der zweiten Betrachtung fällt auf, dass diese Gründe keine guten sind oder auf falschen Annahmen basieren. Ganz konkret: Wenn dein Job und dein Unternehmen dir nicht passen, solltest du darüber nachdenken, ob es an deinem Angestelltendasein liegt oder einfach am Arbeitsumfeld. Ersteres wäre ein gutes Argument für Selbstständigkeit – zweiteres hingegen für das Schreiben von Bewerbungen. Und auch mehr Zeit wirst du nicht haben. Und schnell viel Geld verdienen wirst du vermutlich auch nicht – doch mehr dazu im zweiten Blog Post zu diesem Thema.

 

Relevant ist immer die Frage nach der Selbstverwirklichung. Wenn du einfach nur deinem Traumjob nachgehen möchtest und auch alle Zeit nur damit verbringen willst, dann wird es mit der Selbstständigkeit schwierig. Denn zu ihr gehört eben sehr, sehr, sehr viel mehr als nur die eigentliche Arbeit. 

Wenn du hingegen wirklich dein eigener Chef mit Eigenverantwortung und selbst geschaffenen Strukturen sein möchtest, dann ist Selbstständigkeit das Richtige für dich. Existenzgründung ist eben auch die Bereitschaft dazu, vorher abgegebene Verantwortung wieder zu übernehmen und gestaltend einzusetzen. 

Wirklich aus deinem Inneren kommende Motivation ist also der Schlüssel. Du solltest in dich gehen und überlegen, ob du die Existenzgründung aufgrund eines Wunsches oder aufgrund von Unzufriedenheit angehen möchtest. Bei Unzufriedenheit ist es vielleicht ratsamer, den Quellen dieser erst einmal auf den Grund zu gehen.

Auf das Mindset kommt es an!

Zusammenfassen lässt sich sagen, dass Existenzgründung auch eine innerliche Vorbereitung braucht. Du solltest dir deiner Sache sehr sicher sein, einen Plan haben. Du solltest dazu in der Lage sein, das Risiko zu verstehen und dazu bereit sein, Rückschläge hinzunehmen. Die Existenzgründung sollte kein Plan B sein, weil es im Job schlecht läuft – sondern sie von dir als dein Projekt für deine Karriere betrachtet werden. 

Wichtig für diesen Denkprozess ist das Sprechen mit anderen. Sie können dir mögliche Probleme aufzeigen und dich in deinen Plänen bestärken, vielleicht sogar unterstützen. 

Was sonst noch bei der Existenzgründung auf dich zukommt, erfährst du im nächsten Blog Post

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