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Female Entrepreneurship - Traut euch was!

Eine neue Generation Gründerinnen rüttelt die Männerwelt auf

Die Digitalisierung hat längst alle Lebensbereiche erreicht und unsere Arbeitswelt grundlegend revolutioniert. Netzwerkverbindung, shared Clouds und unterstützende Projektmanagement Tools sind heute aus modernen Unternehmensstrukturen nicht mehr wegzudenken. Die Digitalisierung verändert gerade unsere Gesellschaft so umfassend wie zuvor die industrielle Revolution, die den Aufbruch in die Moderne markiert.

Aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten ist seit einigen Jahren weltweit die Zahl an neuen Startups rasant gestiegen, die regelmäßig mit kreativen wie innovativen Ideen für kleine und große Sensationen sorgen und die Digitalisierung in allen Bereichen weiter vorantreiben. Schneller Wachstum, eine hohe Risikobereitschaft sowie flexible Arbeitsstrukturen, die sich den neuen Gegebenheiten anpassen, unterscheidet sie dabei von bisherigen konventionellen Neugründungen. Schaut man auf die Statistik zur Gründungsrate in Deutschland springt allerdings unweigerlich sofort ein Punkt ins Auge: Mit gerade mal 14,6% gibt es immer noch weit weniger Gründerinnen als Gründer die in den deutschen Metropolen den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, auch wenn sich diese Zahl Jahr für Jahr leicht nach oben korrigieren.

Der weite Weg von einer fixen Idee zum eigenen Unternehmen

Dabei kommt es bei der Unternehmensgründung längst nicht nur auf einen genialen Einfall und den richtigen Moment an, wie uns die Filmindustrie verkaufen möchte, sondern auch darauf, die richtigen Leute zu finden, mit denen dieser Wirklichkeit wird. Zudem braucht es für eine erfolgreiche Gründung unbedingt Durchhaltevermögen, Führungskompetenzen, Risikobereitschaft und von Rückschlägen sollte man sich auf keinen Fall sofort entmutigen lassen. Denn was helfen schon der beste Businessplan und zahlungswillige Investoren, wenn das Ergebnis letztlich nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, nur weil man zu viele schlechte Kompromisse eingegangen ist oder man lieber auf Nummer sicher gehen wollte? Heute ist bei der Umsetzung der Ideen häufig das Wissen findiger Programmierer gefragt. Und auch hier fällt auf, dass es viel mehr Männer als Frauen gibt, die mit Codes komplexe Probleme lösen können.

Ein kurzer Blick in die Tech Branche

Gerade in der Tech Branche, die auch in Deutschland ein enormes Wachstumspotential aufweist, fehlt es auch am dringend benötigten weiblichen Einfluss. 93% aller Entwickler sind Männer, das ergab eine Studie von Stack Overview mit mehr als 50.000 TeilnehmerInnen weltweit und Deutschland passt mit seinen Zahlen voll in den erhobenen Durchschnittswert. Erstaunlich dabei ist, dass Mädchen in der Schule nicht schlechter in Mathe, Informatik und Naturwissenschaften abschneiden als ihre Mitschüler. Auch gibt es keine repräsentativen Studien die belegt, dass sich Schülerinnen weniger für die Inhalte dieser Fächer interessieren. Dennoch, Fakt ist, dass in Deutschland Frauen die Informatik studieren immer noch Ausnahmen sind.

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Gründerinnen gesucht

Während sich die geringe Zahl von Programmiererinnen mit dem veralteten und schlechten Ruf der späteren Tätigkeit noch erklären lässt, sieht die Sache bei den fehlenden Gründerinnen schon ganz anders aus. Immerhin belegt der Studiengang Betriebswirtschaftslehre seit Jahren in Rankings in Sachen Beliebtheit geschlechterüberreifend immer eine Top Platzierung in Deutschland. Eine Erklärung für den fehlenden Gründungsmut bei Frauen muss also anderswo gesucht werden.

Globale Ursachenforschung

Um die Ursachen für die starke Geschlechterdifferenz bei der Gründungsrate zu verstehen, lohnt sich ein Blick in den GEM - Globel Entrepreneurship Report - von 2016/2017, denn dort werden nicht nur global Zahlen miteinander verglichen, sondern auch gezielt Fragen zu den möglichen Ursachen gestellt. Aus dem Report lässt sich speziell für Deutschland ablesen, dass es sich überhaupt nur knapp jede dritte Frau zutraut ein Unternehmen zu führen. Als ausschlaggebendster Punkt für diesen geringen Wert wird mangelndes Selbstvertrauen und Misstrauen in die eigenen Fähigkeiten angeführt. Dabei belegt die Studie aber auch ganz eindeutig, dass Frauen nicht schlechter in den betriebswirtschaftlichen Studiengängen abschneiden als ihre männlichen Kommilitonen und damit die gleichen Grundvoraussetzungen gegeben werden.

Wann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fehlt

Frauen, so lässt sich aus den Umfrageergebnissen schlussfolgern, wagen selten eine Neugründung aus Angst zu versagen, denn gleichzeitig belegt die globale Studie, dass ein höheres Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten auch in Deutschland zu einer höheren Gründungsrate führen würde. In den Industriestaaten allgemein scheint aber ein Misstrauen in die eigenen Fähigkeiten überwiegend vorzuherrschen, weshalb sich Frauen mit betriebswirtschaftlichen Ausbildungen lieber für klassische Karrierewege entscheiden, während Frauen in Entwicklungsländern aus dem dort herrschenden Notstand heraus eher gewillt sind, das Risiko einer Gründung einzugehen und möglicherweise damit auch zu scheitern.

Hürden bei der Unternehmensgründung

Für junge Gründer und Gründerinnen insbesondere auch aus dem Ausland stellt aber auch das deutsche Steuer- und Wirtschaftssystem mit all seinen verworrenen Regeln und Vorschriften eine beinah unüberbrückbare Hürde dar ein Unternehmen zu gründen. Von der fixen Idee bis zum Eintragung in ein deutsches Amtsregister sind unzählige Behördengänge zu bewältigen und zukunftsweisende Entscheidungen vorab zu treffen, die z.B. bei der Rechtsform des Unternehmens und dem damit einhergehenden Verpflichtungen schon anfangen. Auch hier macht es der deutsche Staat gerade ausländischen Gründungswilligen besonders schwer, für die nochmal gesonderte Regeln gelten. Die relevanten Infos müssen sich Gründungswillige meist erst mühsam zusammensuchen. Und wie war das noch mit den Versicherungen und dem Geschäftskonto? Fragen über Fragen, bei denen eine fachkundige Community helfen kann, wenn die Lage aussichtslos erscheint.

Die Community hilft gerne

In digitalen Netzwerken von Frauen für Frauen haben sich die selbsternannten Fempreneurs, die ihren männlichen Kollegen in Sachen Know-How sowie Führungsqualitäten locker das Wasser reichen können und die deutsche Startup Welt selbstbewusst aufrütteln, zusammengeschlossen. Dort geben sie bereitwillig Tipps an Newcomerinnen weiter und tauschen Erfahrungen aus. Viele Gründerinnen berichten von ähnlichen Erfahrungen: Von den männlichen Kollegen wurden sie anfangs für ihre Ideen und ihren Mut nur müde belächelt und konnten nur selten mit deren Unterstützung rechnen. Genau um diese vermisste nötige Unterstützung einer neuen Generation Gründerinnen anzubieten, finden sich die Frauen in digitalen Communities zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Erfolg verbindet

Was in der bisher männlich dominierten Arbeitswelt fast undenkbar war, zeichnet sich heute als weltweiter Trend ab: Frauen sind eher bereit sich gegenseitig zu helfen, anstatt sich in Machtkämpfen zu verlieren. Fempreneur heißt das größte deutsche Online-Magazin speziell für Gründerinnen. Die Plattform entstand aus der Idee, ein digitaler Ort zu sein um spezifisches Wissen und Erfahrungen auszutauschen und die Möglichkeit zu bieten, sich gezielt zu vernetzen. Angehende Gründerinnen finden hier Erfolgsstories die Mut machen den Schritt selbst zu wagen sowie ambitionierte Mitstreiterinnen für ihre angestrebten Projekte. Die Mission von Fempreneur lässt sich in wenigen Punkten simpel zusammenfassen: Frauen ermutigen Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, an ihr Potential zu glauben und auch Männerdomänen wie beispielsweise den New Technology Sector mit der Rückendeckung der Community zu erobern. Männern kann angesichts dieses neuen Selbstbewusstseins nur raten, sich vor der neuen Generation Gründerinnen in Acht zu nehmen, die sich von einem müden Lächeln nicht mehr von ihrem Weg abbringen lassen.

Frauen, traut euch was!

Auf die Power der Community baut auch die Female Future Force Academy . In den digitalen Coachings, die von ExpertInnen angeleitet werden, geht es vor allem darum, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, das bei der Gründung von Unternehmen eine Schlüsselrolle spielt. Mit einer kämpferischen Haltung stehen hier Frauen für mehr Anerkennung ihrer Leistungen ein und vernetzen auch dort ihre Kompetenzen, allerdings sind hier die Schwerpunkte breiter gefächert. Themen wie die eigenen Kompetenzen erkennen und ausbauen, Führungsqualitäten entwickeln oder endlosen Gedankenschleifen zu durchbrechen, stehen hier exemplarisch auf dem Stundenplan. Zudem erfahren die Themen Glück und Selbstverwirklichung eine besondere Aufmerksamkeit, die insbesondere für Frauen sehr wichtig sind.

Verwirkliche dich Selbst

Gerade das Thema Selbstverwirklichung steht bei der neuen Generation gutausgebildeter weiblicher Millennials hoch im Kurs, die mitten in die Digitalisierung hineingeboren wurden. Immer häufiger werden von ihnen Rufe nach neuen Arbeitszeitmodelle und flexiblen Lösungen für Arbeitsorte laut, auch Kinder sollen der eigenen Karriere nicht mehr im Wege stehen. Die Life-Work-Balance muss heute stimmen, unabhängig davon, ob man sein eigener Boss ist. Ein eigene Unternehmen zu gründen, bedeutet auch, sich selbst die Regel zu setzten und mit den veralteten Konventionen zu brechen, die in vielen Köpfen noch existieren. Eine Unternehmensgründung bedeutet zwar auf der einen Seite immer noch viel Arbeit, Risiko und Verantwortung, auf der anderen Seite aber auch, sich selbst die Möglichkeit zu schaffen, nach den eigenen Vorstellungen Arbeits- und Privatleben miteinander zu verbinden. Im Selbstverständnis dieser neuen Generation ist es nicht mehr so wichtig, dass alle MitarbeiterInnen am selben Ort sind, sondern es geht viel mehr darum, Aufgaben entsprechend der Fähigkeiten zu verteilen, flexibel auf Gegebenheiten zu reagieren und die auf individuelle Bedürfnisse eingehen zu können.

Es wartet noch eine Menge Arbeit

Wenn man sich die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt der letzten Jahre anschaut, steht außer Frage, dass es zukünftig immer mehr Gründerinnen geben wird und sich die klassischen Männerdomänen nach und nach auflösen werden. Vielen Frauen fehlt es gegenwärtig zwar immer noch am nötigen Selbstbewusstsein, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, aber es gibt Anlaufstellen, wo sie die nötige Unterstützung finden. Communities, Coachings und Mentorings versprechen Abhilfe und werden immer häufiger in Anspruch genommen, trotzdem fehlt noch das große Umdenken in der Gesellschaft. Erst wenn die Leistungen von Frauen auch von Männern gleichermaßen anerkannt und entsprechend honoriert werden und Kompetenzen nicht mehr am Geschlecht festgemacht werden, kann sich unsere Arbeitswelt langfristig verändern. Man darf also gespannt sein auf die Einfälle der neuen Generation Gründerinnen, die eine Community im Rücken haben, auf die sie sich verlassen können.

Autorin: Lina Krämer