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Freelancing als Chance für eine erfolgreiche Fernbeziehung

Fernbeziehungen sind eine Herausforderung. Hier soll aber nicht von Fernbeziehungen zwischen Hamburg und Berlin oder Bremen und Osnabrück die Rede sein. Das sind Beziehungen, in denen sich beide darauf geeinigt haben, sich am Wochenende in verspätete und volle Züge zu setzen. Ich meine hier Beziehungsformen, die wochenlangen Verzicht und weite Reisen bedeuten können - also etwa acht Stunden Bahnfahrt oder auch mal einen Flug. Solche Beziehungen können eben kaum als Wochenendbeziehung realisiert werden. Aber wo die Liebe hinfällt, soll es ja einen Weg geben.

Du als Freelancer hast hier die besten Chancen, deinen Liebsten trotz Entfernung bei dir zu behalten. Denn wenn du zum Gros der Freelancer gehörst, machst du schließlich irgendetwas mit Digital, mit Kreativ oder mit Medien. Kurzum: Die meisten Freelancer brauchen keine großen Maschinen, kaum Arbeitsmaterial und machen ihre Geschäfte am Computer. Wenn du also zur glücklichen Gruppe der Graphikdesigner, Illustratoren, Texter oder sonstigen digitalen Nomaden gehörst, steht einer (fast) hindernislosen Fernbeziehung nichts im Wege.

Schließlich bist du als Selbstständiger ja besonders selbstständig und im besten Falle auch schon richtig gut darin, dich selbst zu organisieren. Entsprechend hast du Macht: Du kannst selbst entscheiden, wann du wo bist und wann du wo arbeitest. Und wenn dein Partner auch berufstätig ist und eben nicht so oft zu dir kommen kann, kannst du deine Beziehung durch deine Freelancer-Vorteile am Laufen halten. Und das am besten solange, bis das gemeinsame Haus steht, der Hund gekauft ist und die Familienplanung beginnt. Oder solange, wie ihr es eben miteinander aushaltet.

Nutze die Macht, Herr deiner Zeit zu sein und sei der Flexible von euch beiden

Stell dir vor, du säßest Montags bis Freitags zwischen halb neun und siebzehn Uhr in einem Büro. Das passiert jede Woche (mit Ausnahme der sechs Wochen Jahresurlaub) und deine Wochenenden beginnen somit am Freitagabend. Das bedeutet, dass du dir Urlaub nehmen musst oder deine Fernbeziehung in die Wochenenden schieben musst. Bei halbtägigen Reisezeiten ist dies wirklich frustrierend.

Glücklicherweise sind diese Menschen, die einer geregelten Arbeitszeit nachgehen, ja die anderen. Auch wenn du dir einen Rhythmus erarbeitet hast, der dich produktiv und finanziell abgesichert hält, musst du dir klar machen, dass du selbst diesen Rhythmus erstellt hast. Du kannst ihn also ändern. Das bedeutet, dass du vorarbeiten kann - etwas, was die meisten Angestellten nicht können - und du dir deine Freizeit durch Mehrarbeit verdienen kannst. Da du ja keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub hast, bleibt dir sowieso nur diese eine Option.

Das Schöne ist, dass du auch einfach mal ein paar Extrastunden einlegen kannst, weil du genau weißt, wann du deinen Partner wiedersiehst und du genau weißt, dass der erste Tag mit ihm dir vielleicht keine Zeit zum Arbeiten lassen wird. Schließlich gibt es nach Wochen des gegenseitigen Verzichts ein paar Dinge, die aufgeholt werden wollen. Und deinen Liebsten zum Essen einzuladen ist meistens auch keine schlechte Idee.

Außerdem kannst du - mit Ausnahme von Deadlines, die dir wichtige Kunden auferlegen - deine Arbeitszeit so timen, dass sie mit der deines Partners harmoniert. Du kannst immer versuchen, so viel Zeit mit ihm wie möglich zu verbringen, während du bei ihm bist. Während er arbeitet, hast du Zeit. Du hast aber auch Zeit zum Arbeiten, während er da ist. Ganz allgemein wird bei Beziehungen gern einmal vergessen, dass man trotz des Wunsches nach Nähe auch einmal Zeit für sich braucht. Wenn dein Partner also erst einmal entspannen möchte, dann setze dich doch noch eine Stunde an den Computer. Ein bisschen was ist immer zu tun.

Flexibilität ist hier das Zauberwort. Wenn du willst, dass ihr beide genug voneinander habt, dann richte dich nach den Arbeitszeiten deines Partners, so weit dies möglich ist. Das fühlt sich dann fast an wie ein Zweipersonenhaushalt mit Vollbeschäftigung. Je nachdem, ob du eher der Home-Office- oder Café-Typ bist , kannst du dich ja auch mal in der näheren Umgebung umschauen.

Zu guter Letzt trumpft Flexibilität noch mit etwas ganz Besonderem: Je nachdem, in welchem Land du dich befindest, sind Brücken- und Feiertage nämlich ganz unterschiedlich. Und wenn dein Partner dir eröffnet, dass er wohl drei Tage am Stück frei hat, ist es definitiv Zeit für einen Kurztrip. Wenig beflügelt eine Beziehung so sehr wie das gemeinsame Reisen - und wenn es nur ein paar Tage sind.

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Die richtige Planung

Wenn du bereits einen Kundenstamm hast, dann weißt du, wer wichtig ist und wer nicht. Solltest du während der Zeit bei deinem Partner nicht dazu in der Lage sein, allen Aufgaben nachzugehen (weil du beispielsweise doch auf Maschinen oder andere Menschen angewiesen bist), dann plane geschickt: Sorge schon Wochen vorher dafür, dass dir in deine Beziehungszeit möglichst nur Aufgaben fallen, die du auch währenddessen angehen kannst. Sprich mit Kunden und Kontakten und teile ihnen rechtzeitig mit, dass es eventuell für eine oder zwei Wochen zu Einschränkungen kommen kann. Sei dennoch pünktlich und halte dich an Gesprächstermine und Deadlines. Das erfordert eine Menge Disziplin, ist aber gut zu machen.

Plane auch mit deinem Partner: Was hat er vor in den Tagen, hat er Termine, will er bestimmte Dinge mit dir machen? Das sind Fragen, die deinen eigenen Arbeitsablauf beeinflussen - und umgekehrt. Sprich mit ihm darüber, an welchen Tagen du wichtige Aufgaben unbedingt erledigen musst, sodass er dich nicht ausgerechnet an diesem Tag mit einen Kurztrip in die Berge überrascht. Seid an dieser Stelle einfach beide pragmatisch und sprecht euch gut ab. Das hat mehrere Effekte: So kommst du dir nicht einfach vor wie ein Besucher oder Gast. Auch kannst du dich an deine dir selbst auferlegte Erwartung halten. Und außerdem erlernt ihr so, was die meisten Beziehungen bedeuten - nämlich das Teilen von Zeit und Lebensraum auf Augenhöhe.

Sieh deinen Aufenthalt beim Partner nicht als Urlaub

Wer verreist, denkt an Urlaub. Du bist aber Freelancer und als solcher bist du ja dein eigener Manager. Das mit der richtigen Urlaubsplanung ist schon schwierig genug. Tappe nicht in die Falle, deine Aufenthalte beim Partner als Urlaub zu sehen. Urlaub macht träge, Urlaub bedeutet, dass du dir Faulheit verzeihst und dass du nachgiebiger mit dir selbst wirst. Aber es können ja nicht alle Tage der zwei oder drei Wochen, die du in einem anderen Land bei deinem Partner verbringt, Urlaub sein. Das wäre auch irgendwo unfair, denn aller Wahrscheinlichkeit nach hat dein Partner eben nicht gerade dann durchgehend Urlaub.

Tue also so, als seist du zuhause und hättest einen normalen Rhythmus. Gehe weiter deinen Gewohnheiten und Ritualen nach, halte dich an deinen Rhythmus und vernachlässige dich und deine Arbeit nicht unnötig. Dazu zählt auch dein Kommunikationsverhalten: Beantwortest du Nachrichten von Freunden und deinem Partner normalerweise nicht schnell, während du arbeitest, solltest du das beibehalten. Trotz dessen, dass dein Partner näher an dir dran ist, musst du trotzdem nicht rund um die Uhr verfügbar sein. Es geht darum, sich trotz der höheren Verfügbarkeit an Liebe und Geborgenheit den Raum zu schaffen, den es für die Arbeit braucht.

Und nicht zuletzt ist Urlaubsstimmung das Gegenteil von Alltagsstimmung. Das Leben besteht allerdings - auch in Beziehungen - eher aus Alltag denn aus Urlaub, solange noch gearbeitet werden muss und die Millionen auf sich warten lassen.

Mache, dass es funktioniert und halte dir immer vor Augen, warum du es tust!

Wenn du deine Fernbeziehung und deinen Job unter einen Hut bekommen willst, dann brauchst du eine Infrastruktur. In den meisten Fällen wird diese aus einem Laptop, Papieren und einem Handy bestehen. Sorge dafür, dass du immer das gleiche Set bei dir hast. Mache mit deinem Partner aus, wo in seiner Wohnung du arbeiten kannst. Wenn genug Raum dafür vorhanden (und dein Partner einverstanden) ist, solltest du dir dauerhaft einen Platz einrichten, der gerade eben genügt. So wirkt die Situation weniger improvisiert und du kommst besser in den Arbeitsmodus.

Gehe selbstbewusst an die Situation. Du als Freelancer kannst beides: Arbeiten und eine Beziehung führen. Die einzige Herausforderung besteht allenthalben in Reisekosten und den Reisen an sich. Mach dir immer wieder bewusst, warum du mit deiner modernen Selbstständigkeit besser beraten bist.

Denn da gibt es jemanden, den du sehr selten sehen könntest, wenn es anders wäre. Da gibt es jemanden, bei dem du sein willst. Da gibt es jemanden, mit dem du daran arbeitest, dauerhaft ein tolles Team zu sein. Da gibt es jemanden, der dich auch trotz dessen liebt, dass du dich durch dich selbst und deinen Job stressen lässt.

Und nicht zuletzt gibt es da dich: Denn du hast die Freiheit, Entfernungen für dein Herz zu überwinden und dabei ganz auf eigenen Beinen zu stehen.