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Willkommen in der Gender Pay Gap

Die Koffer sind gepackt. Du hast genug von deinem Alltag im kalten, grauen Deutschland und möchtest ein neues Abenteuer wagen. Doch wohin soll es für dich gehen? Hitze macht dein Kreislauf nicht mit und sowieso hast du dich mit deinem Vitamin-D Mangel schon abgefunden. Dann möchte ich dir folgende Ziele empfehlen: Wie wär’s mit einer Karriere als Fußballer*in in Norwegen? Oder einem frischen Start auf der geheimnisvollen Insel Island? Neben umwerfender Natur überzeugt, für alle Frauen unter uns, vor allem ein Argument: Das Schließen der Gender Pay Gap. Denn in Island schreibt ein Gesetz seit Anfang des Jahres Lohngleichheit vor, also gleiches Gehalt für gleichwertige Tätigkeiten vor. Vor weniger als 50 Jahren noch Utopie, ist dies in Island nun Wirklichkeit und setzt ein starkes Zeichen für Gender Equality weltweit. Bravo Island. In Deutschland sind wir hiervon leider noch Meilensteine entfernt, denn bei uns ist der Gender Pay Gap, trotz Kanzlerin, besonders hoch: Mit einer Differenz von 22 Prozent liegt Deutschland auf Platz 26 von 28 EU-Ländern. Ein Ergebnis, das zum Nachdenken anregen sollte. Ein Gender Pay Gap in Zeiten von Gender Mainstreaming und Gender Diversity Management - wie kann das denn möglich sein und was soll das alles überhaupt sein? Um keine Verwirrung zu stiften und dich mit der nötigen Expertise (beliebig einsetzbar in der Stammkneipe, beim Familientreffen oder natürlich in der Lohnverhandlung ) auszustatten, folgen nun einige Definitionen und Facts für dich.

Wo Mainstream cool ist: Gender Mainstreaming

Hinter dem Begriff des Gender Mainstreamings verbirgt sich eine Art Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit. Das soll bedeuten, dass bei “allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedliche Auswirkungen auf die Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern grundsätzlich und systematisch” berücksichtigt werden sollen. Seit 1997 ist Gender Mainstreaming Teil des Amsterdamer Vertrages und ein erklärtes Ziel der Europäischen Union. In Deutschland verpflichtet das Grundgesetz in Artikel drei den Staat dazu “die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern” zu fördern und “auf die Beseitigung bestehender Nachteile” (Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG) hinzuwirken.

Der moderne Schlüssel zum Erfolg: Diversität

Der Name verrät es bereits: Gender Diversity Management ist ein Teilbereich des Diversity Managements. Hinter dem smarten englischen Namen verbirgt sich eine Strategie im Personalwesen, die auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends eingeht, die unsere Arbeitswelt verändern. Die Philosophie des Diversity Management möchte die Diversität der Mitarbeiter*innen positiv hervorheben und für den Erfolg des Unternehmens nutzen. Wie zum Beispiel Diversität eines Teams den Arbeitsalltag neu definiert, kannst du hier lesen. Um die bewusste Anerkennung, sowie Förderung geschlechtlicher Parität, geht es also im Gender Diversity Management. Angekommen ist dies bei den meisten deutschen Unternehmen jedoch noch nicht. Laut einer Studie von McKinsey gehört Gender Diversity lediglich in 28% der Unternehmen zu den zehn wichtigsten Prioritäten. Luft nach oben ist da allemal.

1 x Island ohne Rückflug, bitte.

Brand aktuell ist dank Island natürlich das Thema der Gender Pay Gap, also der Geschlechter-Einkommenslücke. Bis 2019 möchte die EU diese Gap schließen - und da gibt es einiges zu tun. Nicht nur denken sieben von zehn Europäern, dass es eine Gender Pay Gap in ihrem Land gibt, tatsächlich verdienen Frauen 16,3% weniger als Männer in der EU. Die Gründe dafür sind breit gestreut und reichen von Stellung, Branche und Stundenzahl bis zu institutioneller Diskriminierung. Dieser Gender Pay Gap ist in allen Bereichen der Arbeit zu finden: Sowohl in großen, internationalen Unternehmen wie der BBC, wo eine Moderatorin kürzlich wegen der ungleichen Bezahlung kündigte, als auch unter Freelancer*innen.

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Freelancer*innen in Deutschland: Eine Übersicht

Und spätestens hier wird es für dich als Freelancer*in interessant. Ob Weisheiten aus dem 19. Jahrhundert noch so aktuell sind, sei dahin gestellt. Sicherlich schreckt dich aber auch dieses Zitat des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard “Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit” nicht vor dem ab, was gleich kommt. Vergleichen liegt nämlich in der Natur des Menschen und falls du mal wieder Lust auf einen Vergleich hast, der dich in deiner persönlichen Entwicklung schätzungsweise nicht weiterbringt, aber interessant ist, dann bist du hier richtig. Der Freelancer Kompass 2017 ist eine Marktstudie der freelancermap mit Fokus auf Freelancer, Selbstständige und Freiberufler. Hier die wichtigen Hardfacts der Studie:

  • 1.112 Teilnehmende
  • 46 Fragen mit den Schwerpunkten: Einkommen, Auftragslage, Herausforderungen und die Marktentwicklung im Berufsfeld Freelancer
  • der durchschnittliche Stundensatz von Freelancer*innen in Deutschland liegt bei 87,36€ , damit ist der Satz im Vergleich zum Vorjahr um 5,23€ gestiegen. Weiter so!
  • den höchsten Stundensatz mit 105€ bekommen Freelancer innen aus dem SAP Bereich, während Freelancer innen aus dem Bereich Grafik, Content und Medien mit 65,85€ das Schlusslicht bilden. Hier scheint “Irgendwas mit Medien” wohl nicht die profitabelste Wahl zu sein.
  • 73,11% aller Befragten sind mit ihrem Einkommen zufrieden. Da geht doch noch was, oder?
  • das Durschnittsalter der Freelancer*innen liegt bei 48,9 Jahren
  • durchschnittlich arbeiten Freelancer*innen 47,15 Stunden pro Woche

Der erste Überblick ist geschaffen und nun wird es nochmal mit Bezug auf die Geschlechterverteilung richtig interessant:

  • nur 9,7% der befragten Freelancer*innen sind weiblich, während die restlichen 90,3% männlich sind, wieso das so ist und wieso sich Frauen etwas trauen sollen, könnt ihr in diesem Artikel über Female Entrepreneurship lesen.
  • im Durchschnitt verdienen Frauen 3,02€ weniger als Männer . Was zunächst nach peanuts klingt, ist hochgerechnet ein ganz schönes Sümmchen: Ausgehend von der oben genannten Stundenanzahl pro Woche, verdienen Frauen über 500€ weniger im Monat

Gender Equality sieht anders aus

Erklären könnte man diese Differenz natürlich mit individuellen Faktoren wie z.B. der Arbeitserfahrung oder einem Blick auf den Stundensatz in der jeweiligen Branche, doch so einfach ist es nicht. Denn auch, wenn Männer und Frauen die gleiche Tätigkeit ausüben, erhalten Frauen einen niedrigeren Stundensatz. So zeigt die Bitkom Research der Etengo AG, dass jedes zweite größere Unternehmen in Deutschland angibt dass ihre IT-Freelancerinnen einen niedrigeren Stundensatz erhalten als die männlichen Kollegen. Fair Play? Fehlanzeige!

Was nun?

Strategien wie Gender Mainstreaming oder Gender Diversity Management betreffen jede*n von uns und vermitteln wichtige Werte unserer Gesellschaft. Im besten Fall schafft es die EU den Gender Pay Gap tatsächlich bis 2019 zu schließen, so dass wir alle wieder in Frieden (und Gleichheit) unserer Arbeit nachgehen können. Wenn du selbst von der Gender Pay Gap betroffen bist, dann findest du hier drei Tipps von Edition F, wie du selbst etwas gegen den Gender Pay Gap tun kannst . Doch auch, wenn du nicht von der Einkommenslücke betroffen bist, sollte dir diese nicht gleichgültig sein. Im Gegenteil hast du auch hier die Möglichkeit dich für mehr Gender Equality einzusetzen und so Ungerechtigkeit step by step abzubauen. Los gehts!