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Gewerbe anmelden - Schritt fĂŒr Schritt zum eigenen Gewerbe

Du hast eine GeschÀftsidee und möchtest dich damit selbstÀndig machen? Hast du vielleicht sogar schon einen konkreten Businessplan, Kunden die dich angefragt haben oder vielleicht bist du irgendwie in eine selbstÀndige TÀtigkeit hineingerutscht?

Dann hast dich bestimmt schon einmal gefragt, ob du dich nicht irgendwo anmelden musst. In diesem Artikel soll es genau darum gehen. Wir gehen gemeinsam den vollstĂ€ndigen rechtlichen GrĂŒndungsprozess durch und prĂŒfen, wo du dich anmelden solltest also dein Gewerbe anmelden solltest und welche Bescheinigungen und Nachweise du dafĂŒr brauchst.

Die meisten GrĂŒnder haben schon einmal etwas von der Gewerbeanmeldung gehört und denken deshalb zuerst daran ein Gewerbe anzumelden. Doch hier begehen Viele schon den ersten Fehler. Denn es gibt Situationen, in denen eine Gewerbeanmeldung schlichtweg falsch ist und spĂ€ter zum Nachteil fĂŒr dich werden kann.

Deshalb setzen wir in unserer Schritt fĂŒr Schritt Anleitung einen Schritt davor an.

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Rechtsformen bei der Gewerbeanmeldung

Bevor wir mit dem ersten Schritt mder Gewerbeanmeldung starten, sollte ich das Thema Rechtsformen ansprechen. Dieser Artikel richtet sich in erster Linie an Einzelunternehmer, die ihr Gewerbe anmelden möchten. Da die GrĂŒndungsprozesse bei den unterschiedlichen Rechtsformen sehr unterschiedlich verlaufen können, wĂŒrde dieser Leitfaden mehr verwirren als helfen, wenn ich versuchen wĂŒrde, alle Rechtsformen in einem Durchgang zu besprechen.

Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

Abweichungen bei den Personengesellschaften

Personengesellschaften sind fast immer GrĂŒndungsteams, in denen sich alle GrĂŒnder (= Gesellschafter) aktiv einbringen möchten und planen, gemeinsam ein Unternehmen aufzubauen. Die bekanntesten Rechtsformen sind die GbR (Gesellschaft bĂŒrgerlichen Rechts), die OHG (Offene Handelsgesellschaft) und die KG (Kommanditgesellschaft).

Der wesentliche Unterschied zum Einzelunternehmen ist - welch Überraschung - die Anzahl der GrĂŒnder. Der Prozess um das Gewerbe anzumelden Ă€hnelt dem Prozess der Einzelunternehmen sehr stark. Hinzu kommt aber noch die Einigung und Einbindung der GrĂŒnder. Oder kurz: Die GrĂŒnder brauchen vor der eigentlichen Gewerbeanmeldung einen Gesellschaftsvertrag, in denen Pflichten, Aufgaben, Risiken und Gewinnverteilung geregelt werden.

Je nachdem wie aufwendig die gewĂ€hlte Rechtsform ist (GbR = sehr schlank, KG = viele gesetzliche Bestimmungen), mĂŒssen dabei mehr oder weniger rechtliche Formalien erfĂŒllt werden.

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Abweichungen bei den Kapitalgesellschaften

Kapitalgesellschaften unterscheiden sich in ihrer rechtlichen Struktur deutlich von Einzelunternehmen.

Wenn du eine solche Gesellschaft grĂŒndest, erschaffst du rechtlich gesehen eine vollkommen neue Persönlichkeit. Aus diesem Grund werden Kapitalgesellschaften auch juristische Personen genannt. Diese Personen können selbststĂ€ndig am GeschĂ€ftsverkehr teilnehmen und du könntest sogar selbst mit deiner Kapitalgesellschaft RechtsgeschĂ€fte abschließen. So etwas wĂ€re mit einem Einzelunternehmen undenkbar.

Die am hÀufigsten verwendeten Kapitalgesellschaften in Deutschland sind die UG (Unternehmergesellschaft) , die GmbH (Gesellschaft mit beschrÀnkter Haftung) und die AG (Aktiengesellschaft) .

Um ein solches rechtliches Gebilde zu erschaffen, brauchst du auf jeden Fall einen notariell beurkundeten GrĂŒndungsvertrag und auch die Eröffnung eines GeschĂ€ftskontos und die Eintragung im Handelsregister beim örtlichen Amtsgericht sind deutlich aufwendiger. Wenn du planst, eine Kapitalgesellschaft zu grĂŒnden, wird dir der folgende Text nicht wirklich weiterhelfen.

Normalerweise hilft dir der Notar, der sich um die Beurkundung des Gesellschaftsvertrags kĂŒmmert, auch bei allen anderen GrĂŒndungsfragen. Wenn du gar keine Ahnung von der Thematik hast, solltest du dir am besten einen Notar suchen, der Teil einer Kanzleigemeinschaft ist, in der auch Steuerberater aktiv sind. Durch einen solchen Zusammenschluss hast du alle Ansprechpartner an einem Ort und kannst sichergehen, dass alle Aspekte der GrĂŒndung beachtet werden.

Schritt 1: PrĂŒfen, ob du ĂŒberhaupt eine Gewerbeanmeldung brauchst

Nicht jede SelbststĂ€ndigkeit erfordert eine Gewerbeanmeldung. Rein rechtlich betrachtet musst du nur ein Gewerbe anmelden, wenn deine zukĂŒnftigen Einnahmen vom Finanzamt als “EinkĂŒnfte aus Gewerbebetrieb” klassifiziert werden.

GrundsĂ€tzlich gibt es zwei GrĂŒnde, die das Finanzamt dazu veranlassen könnte, dein Unternehmen nicht als Gewerbe anzusehen. Das ist immer der Fall, wenn

  • die Art deiner TĂ€tigkeit keine gewerbliche TĂ€tigkeit ist oder
  • du mit deiner SelbstĂ€ndigkeit keinen Gewinn erzielen möchtest .

Art deiner TĂ€tigkeit

Freiberufliche TĂ€tigkeiten unterliegen nicht der Gewerbeordnung und mĂŒssen somit nicht als Gewerbe angemeldet werden. Wenn du also Freiberufler bist, kannst du hier aufhören zu lesen. Du musst weder ein Gewerbe anmelden noch musst du spĂ€ter Gewerbesteuer zahlen.

Doch welche Berufe als freiberufliche TÀtigkeit und welche als gewerblich eingestuft werden, lÀsst sich nicht immer ganz trennscharf voneinander unterscheiden. Im §18 EStG (Einkommensteuergesetz) sind einige Berufe aufgezÀhlt, die immer als freiberuflich gelten (sogenannte Katalogberufe):

  • Ärzte, ZahnĂ€rzte und TierĂ€rzte
  • RechtsanwĂ€lte, PatentanwĂ€lte und Notare
  • Vermessungsingenieure und Ingenieure
  • Architekten
  • WirtschaftsprĂŒfer, Steuerberater beratende Betriebswirte, vereidigte BuchprĂŒfer
  • Heilpraktiker und Krankengymnasten
  • Journalisten, Dolmetscher Bildberichterstatter
  • weitere Berufe

Dazu kommen Berufe mit Ă€hnlichen Aufgabenbereichen und TĂ€tigkeiten, die wissenschaftlich, kĂŒnstlerisch, schriftstellerisch, unterrichtend oder erzieherisch sind.

Wie dir sicherlich auffĂ€llt, lassen diese rechtlichen Regelungen einen großen Interpretationsspielraum zu und es gibt Berufe, die nicht ganz eindeutig als freiberuflich eingeordnet werden können.

Tipp : Bei der Frage, ob deine TÀtigkeit freiberuflich ist, hilft dir der Bundesverband der Freien Berufe gerne weiter. Eine weitere Möglichkeit wÀre es, das Finanzamt direkt anzuschreiben, ihnen den Sachverhalt zu schildern und um eine verbindliche EinschÀtzung zu bitten. Dabei solltest du unbedingt darauf achten, dass du um eine verbindliche Auskunft nach § 89 AO bittest, da das Finanzamt ansonsten seine Meinung Àndern darf.

Die Differenzierung zwischen gewerblicher und freiberuflicher TĂ€tigkeit ist vor allem wegen der Gewerbesteuer entscheidend. Freiberufler sind grundsĂ€tzlich von der Zahlung der Gewerbesteuer befreit und mĂŒssen somit auch keine GewerbesteuererklĂ€rung abgeben.

Das bedeutet aber nicht, dass Gewerbetreibende in Summe tatsĂ€chlich mehr Steuern zu zahlen haben. Da die gezahlte Gewerbesteuer fast vollstĂ€ndig auf die private EinkommensteuererklĂ€rung angerechnet werden kann, sorgt die Gewerbesteuerspflicht unterm Strich nur dafĂŒr, dass Gewerbetreibende Gewerbesteuer an die zustĂ€ndigen Gemeinden zahlen mĂŒssen und im Gegenzug den (fast) gleichen Betrag weniger Einkommensteuer zahlen.

Dieses ganze Vorgehen wirkt auf dem ersten Blick typisch deutsch und bĂŒrokratisch. Und tatsĂ€chlich hat das Ganze rein politische GrĂŒnde. Die Gewerbesteuer steht voll und ganz den Gemeinden zu, in denen der Gewerbetreibende seinen Sitz hat. Die Einkommensteuer steht hingegen dem Bund, den LĂ€ndern und den Gemeinden gemeinsam zu.

Da die Gemeinden in den kommenden Jahren wahrscheinlich nicht auf ihre wichtigste Einnahmequelle verzichten werden, wird sich an dem aktuellen System zeitnah auch nichts Àndern.

Anmeldung als Freiberufler

Dass Freiberufler kein Gewerbe anmelden mĂŒssen, heißt nicht, dass sie sich um gar nichts kĂŒmmern mĂŒssen. Sie können sich lediglich den Gang zum Gewerbeamt sparen.

Stattdessen solltest du direkt zu Schritt 5 springen und den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfĂŒllen und an das Finanzamt senden. Als Freiberufler musst du das eigenstĂ€ndig tun, da der Fiskus, anders als bei Gewerbetreibenden, ansonsten nichts von deiner NeugrĂŒndung erfĂ€hrt.

Eine Eintragung im Handelsregister ist fĂŒr Freiberufler ebenfalls nicht notwendig. Wenn das Unternehmen eines Freiberuflers so groß wird, dass es einen “in kaufmĂ€nnischer Weise eingerichteten GeschĂ€ftsbetrieb” erfordert, handelt es sich in der Regel nicht mehr um eine freiberufliche TĂ€tigkeit sondern um eine unternehmerische TĂ€tigkeit. In diesem Fall mĂŒsste ein Gewerbe angemeldet werden. Wann dies der Fall ist, erfĂ€hrst du weiter unten im Abschnitt ĂŒber das Handelsregister.

Meistens sind Freiberufler keine Pflichtmitglieder in der Industrie- und Handelskammer oder in der Handwerkskammer, da viele BerufsstÀnde eigene Kammern haben (Bsp: Rechtsanwaltskammer, Architektenkammer oder Steuerberaterkammer).

SelbstÀndigkeit ohne Gewinnerzielungsabsicht

Wenn du mit einem Hobby Geld verdienst, musst du nicht zwingend ein Gewerbe anmelden. Als Gewerbe wirst du erst angesehen, wenn du tatsĂ€chlich eine Gewinnerzielungsabsicht hast und deine TĂ€tigkeit auf Dauer ausĂŒbst.

Wenn du in deiner Freizeit also gerne schreibst und deine Texte in deinem privaten Blog veröffentlichst, bist du kein Gewerbebetrieb. Auch nicht wenn du gelegentlich Spenden oder andere Zuwendungen von treuen Lesern bekommst, diese aber nie deine Ausgaben decken.

Das Finanzamt spricht in diesem Fall von Liebhaberei und stuft die TĂ€tigkeit als Hobby ein. Wenn der ein oder andere Euro dabei erzielt wird, ist das grundsĂ€tzlich unproblematisch, solange du keine dauerhaften Gewinne erzielst. Allerdings darfst du im Gegenzug die Kosten fĂŒr das Webhosting, Programmierarbeiten oder Fotorechte auch nicht als Betriebsausgaben geltend machen.

Achtung: Du bist bereits selbstÀndig, wenn...

Gerade das Internet hat in den letzten Jahren viele Konstellationen möglich gemacht, in denen Menschen zunÀchst nur einem Hobby nachgegangen sind und spÀter nicht nur Einnahmen sondern auch (hohe) Gewinne erzielt haben.

GrundsĂ€tzlich kannst du davon ausgehen, dass du selbststĂ€ndig bist, wenn du eine TĂ€tigkeit dauerhaft ausĂŒbst und damit ein Einkommen erzielst. Du musst diese TĂ€tigkeit auf jeden Fall anmelden und die EinkĂŒnfte versteuern. Das gilt sowohl fĂŒr YouTuber, fĂŒr Blogger mit geschĂ€ftsmĂ€ĂŸig ausgerichteten Blogs, fĂŒr Instagram-KanĂ€le, die ĂŒber Werbebuchungen finanziert werden oder auch fĂŒr OnlinehĂ€ndler auf eBay, Amazon oder Nischenseiten wie zum Beispiel Kleiderkreisel.

Wenn du mit deiner OnlinetĂ€tigkeit selbstĂ€ndig bist, solltest du dich unbedingt mit dem Thema beschĂ€ftigen und deine SelbstĂ€ndigkeit anmelden. Eine SteuerprĂŒfung im Nachhinein kann richtig teuer werden.

Der große Irrtum mit dem Kleingewerbe

Ich höre und lese immer wieder die Frage, wie man Kleingewerbe anmeldet. HĂ€ufig wird die Frage dann von einer Diskussion ĂŒber Steuerbefreiungen oder -erleichterungen fĂŒr Kleingewerbetreibende begleitet.

Ich weiß nicht woher der Mythos kommt, aber ein Kleingewerbe ist kein anderes Gewerbe und die Anmeldung lĂ€uft genau wie bei jedem anderen Unternehmen auch. Es gibt grundsĂ€tzlich auch keine Steuererleichterungen.

Es geht sogar noch weiter: Das Wort Kleingewerbe gibt es so im Steuer- und Handelsrecht gar nicht.

Wenn man nach einer Definition fĂŒr Kleingewerbe sucht, findet man vor allem die Auslegung, dass Kleingewerbe Unternehmen sind, die nicht vom Handelsgesetz erfasst werden. Gemeint sind damit Unternehmen, die als Einzelunternehmen gefĂŒhrt werden und nicht kaufmĂ€nnisch gefĂŒhrt werden mĂŒssen. Davon kann man ausgehen, wenn dein Umsatz unter 250.000 Euro liegt und du weniger als 5 Mitarbeiter beschĂ€ftigst.

FĂŒr die Gewerbeanmeldung spielt das jedoch keine Rolle. Auch Kleingewerbe mĂŒssen ein Gewerbe anmelden und dieses beim Finanzamt anmelden. Lediglich auf die Eintragung im Handelsregister kann verzichtet werden.

Verwechslung mit der Kleinunternehmerregelung

Gelegentlich wird ein Kleingewerbe auch mit der Kleinunternehmerregelung verwechselt.

Die Kleinunternehmerregelung, die nur die Umsatzsteuer betrifft, hat aber nichts mit einer bestimmten Gewerbeform zu tun und darf auch nicht mit obiger Definition verwechselt werden.

Die Kleinunternehmerregelung befreit kleine Unternehmen von dem bĂŒrokratischen Aufwand, der im Zusammenhang mit der Umsatzsteuer-Abrechnung und den Umsatzsteuer-Voranmeldungen entsteht. Kleinunternehmer stellen keine Umsatzsteuer (= Mehrwertsteuer) in Rechnung und dĂŒrfen im Gegenzug auch keine Vorsteuer geltend machen.

Die Kleinunternehmerregelung kann von jedem Unternehmen in Anspruch genommen werden, das folgende zwei Voraussetzungen erfĂŒllt:

Der Umsatz im Vorjahr lag unter 22.000 (seit dem 01.01.2020, bisher lag die Grenze bei 17.500 Euro). Der Umsatz im laufenden Jahr liegt voraussichtlich unter 50.000 Euro

Beantragt wird die Kleinunternehmerregelung mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bei der Finanzamt-Anmeldung (siehe Schritt 5).

Zusammenfassung

  • Freiberufler brauchen keine Gewerbeanmeldung, sie mĂŒssen sich lediglich beim Finanzamt anmelden.
  • Alle anderen mĂŒssen sich als Gewerbebetrieb registrieren lassen, auch wenn es sich nur um eine nebengewerbliche TĂ€tigkeit handelt.
  • Du giltst schneller als Gewerbebetrieb, als du denkst. Sobald du mit einer TĂ€tigkeit nachhaltig Geld verdienst, solltest du prĂŒfen, ob du fĂŒr das Finanzamt als selbstĂ€ndig giltst.
  • Die Kleinunternehmerregelung hat nichts mit einem sogenannten Kleingewerbe zu tun. Auch Kleinunternehmer mĂŒssen ein Gewerbe anmelden.

Schritt 2: Der richtige Zeitpunkt - Wann muss das Gewerbe angemeldet werden?

Nachdem wir geklĂ€rt haben, wer ĂŒberhaupt ein Gewerbe anmelden muss, wenden wir uns der Frage zu, wann das Gewerbe angemeldet werden sollte.

GrundsĂ€tzlich wĂŒrden mehrere Zeitpunkte in Frage kommen, denn ein Unternehmen entsteht nicht ĂŒber Nacht und es ist schwer, den einen ersten Tag festzustellen. Denkbar (und leider auch in der Praxis zu beobachten) sind folgende Zeitpunkte:

  • Der Zeitpunkt, an dem die GeschĂ€ftsidee entstanden ist.
  • Der Zeitpunkt, an dem der Businessplan erstellt wurde.
  • Der Tag, an dem erste VertrĂ€ge abgeschlossen werden.
  • Der Tag, an dem die ersten Einnahmen fließen.
  • Der Tag, an dem die ersten Ausgaben getĂ€tigt werden.
  • Kurz bevor die erste SteuererklĂ€rung gemacht werden muss.
  • SpĂ€tere Zeitpunkte, an dem bestimmte Umsatzgrenzen erreicht werden.

Dabei sieht die Gewerbeordnung eine eindeutige Regelung vor: Ein Gewerbe muss angemeldet werden, sobald eine gewerbliche TĂ€tigkeit aufgenommen wird.

Die Gewerbeanmeldung hat also zwischen Punkt 2 und 3 zu erfolgen. Die GeschĂ€ftsidee und der Businessplan sind zwar wichtig, gehören aber noch nicht zur eigentlichen gewerblichen TĂ€tigkeit. Sobald du aber als SelbstĂ€ndiger in Erscheinung trittst, VertrĂ€ge abschließt oder Investitionen tĂ€tigst, bist du bereits gewerblich tĂ€tig. Du solltest also vorher dein Gewerbe anmelden.

Eine spĂ€tere Anmeldung kann zu Bußgeldern und Nachzahlungen fĂŒhren. Außerdem machst du dir das Leben unnötig schwer, da du in vielen Situationen einen Gewerbeschein brauchst oder deine Steuernummer angeben musst. So brauchst du zum Beispiel deine Steuernummer, um korrekte Rechnungen zu schreiben. Diese bekommst du aber erst nachdem du das Gewerbe angemeldet hast und nach der Anmeldung beim Finanzamt.

Achtung! Das Startdatum deiner SelbstÀndigkeit ist nicht der Tag der Gewerbeanmeldung sondern der Tag, an dem du deine selbstÀndige TÀtigkeit startest. Diesen Tag solltest du auch im Formular zur Gewerbeanmeldung angeben.

Ausgaben vor der Gewerbeanmeldung

Auch wenn es sinnvoll ist, möglichst frĂŒh sein Gewerbe anzumelden, entstehen hĂ€ufig bereits Ausgaben vor der Gewerbeanmeldung. Diese Kosten können GrĂŒnder in Form von vorweggenommenen Betriebsausgaben beim Finanzamt geltend machen und so ihre spĂ€teren Unternehmensgewinne drĂŒcken und Einkommensteuer sparen.

GrundsĂ€tzlich können alle Ausgaben abgesetzt werden, die im Zusammenhang mit der FirmengrĂŒndung und dem zukĂŒnftigen Unternehmen stehen. Dazu gehören beispielsweise Fahrtkosten, Messebesuche oder aber auch Fachliteratur und Beratungskosten, die durch GrĂŒndungsberater, RechtsanwĂ€lte oder Steuerberater entstehen.

Da Kosten steuerlich in dem Jahr geltend gemacht werden mĂŒssen, in dem sie entstehen, wĂ€re es am leichtesten, wenn du dein Gewerbe in dem Jahr anmeldest, in dem die ersten Kosten entstehen.

Doch der Bundesfinanzhof hat schon mehrfach bestĂ€tigt, dass auch Ausgaben angesetzt werden können, die bis zu drei Jahre vor der Gewerbeanmeldung liegen. DafĂŒr solltest du alle Belege und die Zahlungsnachweise (KontoauszĂŒge) aufheben und eine entsprechende Gewinnermittlung durchfĂŒhren (in der Regel eine EinnahmenĂŒberschussrechnung).

Zusammenfassung

  • Du solltest dein Gewerbe anmelden, bevor du mit deiner GeschĂ€ftstĂ€tigkeit beginnst.
  • Eine unterlassene Gewerbeanmeldung kann mit bis zu 3600 Euro Bußgeld geahndet werden. Tendenziell solltest du dein Gewerbe lieber zu frĂŒh als zu spĂ€t anmelden.
  • Auch vor der Gewerbeanmeldung kannst du alle Ausgaben absetzen, die im Zusammenhang mit der UnternehmensgrĂŒndung und deiner zukĂŒnftigen SelbstĂ€ndigkeit stehen. Bedingung dabei: Sie dĂŒrfen nicht Ă€lter als 3 Jahre sein.

Schritt 3: Was du vor der Gewerbeanmeldung erledigen solltest

Wer vollkommen unvorbereitet zum Gewerbeamt geht und glaubt, dass er seinen Gewerbeschein sofort erhÀlt, wird recht hÀufig enttÀuscht. In vielen Branchen und Bereichen brauchst du bestimmte Konzessionen und Genehmigungen, um ein Gewerbe zu eröffnen und tÀtig zu werden.

Um dir einen unnötigen Gang zum Gewerbeamt zu ersparen, solltest du dich vorher informieren, ob du fĂŒr deine GeschĂ€ftsidee bestimmte Zulassungen benötigst. Eine abschließende AufzĂ€hlung aller Zulassungen wĂŒrde hier den Rahmen sprengen, deshalb konzentrieren wir uns auf die hĂ€ufigsten Konzessionen:

  • Gastronomen benötigen neben einer Betriebserlaubnis des örtlichen Ordnungsamtes auch eine GaststĂ€ttenkonzession, um Alkohol ausschenken zu dĂŒrfen (frĂŒher: Schankerlaubnis). Auch ein Gesundheitszeugnis, dass beim Gesundheitsamt gemacht werden kann, sollte nachgewiesen werden.
  • Handwerker benötigen eine Handwerkskarte oder eine Gewerbekarte fĂŒr handwerksĂ€hnliche Betriebe, die du bei der Handwerkskammer bekommst.
  • Versicherungsmakler und Finanzanlageberater benötigen vor der Gewerbeanmeldung eine Erlaubnis der zustĂ€ndigen IHK
  • Auch fĂŒr die gewerbliche Personenbeförderung (zum Beispiel Taxifahrer und Busfahrer) wird eine Konzession benötigt, die du beim Gewerbeamt oder RegierungsprĂ€sidium beantragen musst.
  • Wenn du dich als Security-Service in der Objekt- und Personenbewachung selbstĂ€ndig machen möchtest, brauchst du eine Genehmigung bevor du dein Gewerbe anmelden kannst
  • Buchhalter
  • Pflegedienste
  • Personaldienstleistungen und ArbeitnehmerĂŒberlassung
  • Waffenhandel (inkl. Munition, Sprengstoff und Gifte)
  • Betrieb von Spielhallen
  • Makler

Die konkreten Zulassungsvoraussetzungen unterscheiden sich von Region zu Region. GrundsÀtzlich ist immer die Gewerbeordnung verbindlich, die aber durch Verordnungen lokal ergÀnzt werden können.

Im Großen und Ganzen handelt es sich um Nachweise der fachlichen Kenntnisse und persönlicher Eignung (zum Beispiel keine Vorstrafen). In einigen FĂ€llen mĂŒssen bestimmte rĂ€umliche VerhĂ€ltnisse nachgewiesen werden (Bsp: Gastronomie).

AuslĂ€ndische Staatsangehörige sollten zusĂ€tzlich beachten, dass sie eine Aufenthaltsgenehmigung von der zustĂ€ndigen AuslĂ€nderbehörde vorlegen mĂŒssen. In dieser Genehmigung muss ausdrĂŒcklich stehen, dass du die Erlaubnis hast einer GewerbetĂ€tigkeit nachzugehen (Arbeitserlaubnis).

Um im Vorfeld zu klÀren, welche Bescheinigungen und Genehmigungen du benötigst um dein Gewerbe anzumelden, wendest du dich am besten direkt an das Gewerbeamt oder nimmst eine Beratung der örtlichen Industrie- und Handelskammer in Anspruch.

Zusammenfassung

  • In vielen Branchen benötigst du Genehmigungen und Konzessionen, um ein Gewerbe anzumelden.
  • Informiere dich vorher, welche Voraussetzungen es in deiner Branche gibt und welche Konzessionen du fĂŒr eine SelbstĂ€ndigkeit benötigst. Ein kurzer Anruf bei der IHK oder beim Gewerbeamt sollte dir einen ersten Eindruck verschaffen.

Schritt 4: Die Gewerbeanmeldung

Wie in vielen Bereichen des Lebens ist eine gute Vorbereitung bereits die halbe Miete. Nachdem du geklÀrt hast, ob du ein Gewerbe anmelden musst und alle benötigten Konzessionen Bescheinigungen zusammengetragen hast, kommen wir zur eigentlichen Gewerbeanmeldung. Dieser Schritt ist sehr schnell erledigt, wenn du alles gut vorbereitet hast.

Es ist empfehlenswert das Formular zur Gewerbeanmeldung bereits vor dem eigentlichen Termin herunterzuladen und zu Hause auszufĂŒllen. Dann hast du mehr Zeit, kannst dir alles in Ruhe durchlesen und sparst im Amt wertvolle Zeit. Solltest du nicht alles verstehen, solltest du dir die Fragen im Vorfeld notieren und sie mit dem Sachbearbeiter im Gewerbeamt klĂ€ren.

Welche Behörde zustĂ€ndig ist, um dein Gewerbe anzumelden, solltest du vorher im Internet recherchieren. Je nach Bundesland wird die Gewerbeanmeldung von der Gemeinde oder der Industrie- und Handelskammer bzw. der Handwerkskammer ĂŒbernommen.

In Bayern, Hamburg und Rheinland-Pfalz sind beispielsweise die Kammern zustĂ€ndig, wĂ€hrend in den meisten anderen BundeslĂ€ndern die Gemeinden, in denen das Unternehmen gegrĂŒndet werden soll, zustĂ€ndig sind.

Das Gewerbe muss immer vom Gewerbetreibenden selbst angemeldet werden. Das bedeutet, dass du als Einzelunternehmen selbst zum Amt gehen musst. GrĂŒndest du eine Personen- oder Kapitalgesellschaft, mĂŒssen die jeweiligen Gesellschafter oder GeschĂ€ftsfĂŒhrer die Gewerbeanmeldung durchfĂŒhren.

Beim eigentlichen Termin gibst du das “Gewerbeanmeldung Formular” mit allen zusĂ€tzlich erforderlichen Bescheinigungen beim Sachbearbeiter des Gewerbeamtes ab. Deinen Gewerbeschein kannst du normalerweise sofort mitnehmen. Genau genommen handelt es sich bei dem Gewerbeschein nur um das Antragsformular, das unterschrieben und abgestempelt wurde. FĂŒr dich ist es die offizielle Erlaubnis, dein Gewerbe auszufĂŒhren.

Formular zur Gewerbeanmeldung

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Das Formular "Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO oder § 5c GewO" mit dem jeder GrĂŒnder sein Gewerbe anmeldet, besteht aus nur einer Seite ist recht selbsterklĂ€rend. Der GrĂŒnder muss vor allem zu folgenden beiden Punkten Angaben machen:

  • Angaben zum Betriebsinhaber (Name, Adresse, Staatsangehörigkeit usw.)
  • Angaben zum Betrieb (Adresse, Rechtsform, Kontaktdaten, GeschĂ€ftszweck usw.)

GeschÀftsidee bzw. angemeldete TÀtigkeit

Du musst,um dein Gewerbe anzumelden, Angaben darĂŒber machen, welche TĂ€tigkeiten du ausfĂŒhren möchtest. Als Beispiele werden genannt “Herstellung von Möbeln”, “Elektroinstallation und Elektroeinzelhandel”, “Großhandel mit Lebensmitteln” usw.

Aus eigener Erfahrung kann ich dir berichten, dass es sehr empfehlenswert ist, den GeschĂ€ftszweck möglichst allgemein und weit gefasst zu formulieren. Da du jede Änderung an deinem Gewerbe dem Gewerbeamt mitteilen musst, kann es sehr Ă€rgerlich sehr werden, wenn du in diesem Feld zu konkret geworden bist.

Statt des GeschÀftszwecks "Entwicklung und Verkauf der iOS-App Ping Pong Hero" wÀre es besser zu schreiben "Entwicklung und Vertrieb von verschiedenen Applikationen inklusive aller HilfsgeschÀfte". Durch eine solche weite Formulierung hast du spÀter bei deinen TÀtigkeiten mehr Freiheit und musst nicht so schnell wieder zum Gewerbeamt laufen, um den GeschÀftszweck zu Àndern.

Name des Unternehmens

Der Name deines Unternehmens spielt ĂŒbrigens keine Rolle, wenn du ein Gewerbe als Einzelunternehmer anmeldest und dich nicht im Handelsregister eintragen lĂ€sst. Dein Unternehmen heißt diesen FĂ€llen rein rechtlich immer wie du. Auf deinen Rechnungen hat also immer dein Name zu stehen und kein ausgedachte Fantasiename.

NatĂŒrlich kannst du dir trotzdem irgendeinen Brand ausdenken und zum Beispiel unter diesem Namen eine Domain registrieren oder ein Klingelschild erstellen. In der GeschĂ€ftspraxis hat dieser Name allerdings keine ernsthafte (rechtliche) Bedeutung. Halte dich also nicht zu lange mit der Namensfindung auf.

Kleingewerbe im Nebenerwerb anmelden

Im Formular um dein Gewerbe anzumelden musst du unter anderem darĂŒber Angaben machen, ob du dein Gewerbe als Nebenerwerb oder Vollerwerb grĂŒnden möchtest. Als Faustformel solltest du dir dabei merken, dass alles unter 18 Arbeitsstunden pro Woche als NebentĂ€tigkeit gilt. Außerdem darf die NebentĂ€tigkeit nicht umfangreicher werden als dein Haupterwerb.

Die Einteilung ist besonders fĂŒr die gesetzlichen SozialversicherungstrĂ€ger relevant, da du fĂŒr deine nebenberufliche SelbstĂ€ndigkeit keine PflichtbeitrĂ€ge zahlen musst. Die BeitrĂ€ge entrichtest du schon im Rahmen deiner HaupttĂ€tigkeit.

Gewerbe online anmelden

Ob du persönlich im Gewerbeamt erscheinen musst, hÀngt von deiner Gemeinde ab.

Bisher hat es lediglich Berlin geschafft, die komplette Gewerbeanmeldung online abzubilden. DafĂŒr musst du das dafĂŒr angebotene Onlineformular nutzen: Gewerbe online anmelden.

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In anderen Gemeinden ist es bisher lediglich möglich, das Formular um dein Gewerbe anzumelden online auszufĂŒllen. FĂŒr die persönliche Unterschrift brauchst du dann aber wieder einen Termin bei der zustĂ€ndigen Behörde. Wieder in anderen Gemeinden ist es möglich, das Formular per Post einzusenden. Du ersparst dir damit den Weg zum Gewerbeamt und kannst deine Zeit sinnvoller nutzen.

In Zukunft wird es wohl in jeder Gemeinde möglich sein, sein Gewerbe online anzumelden. Wie lange das jedoch noch dauert, ist bisher nicht absehbar.

Kosten der Gewerbeanmeldung

Wie teuer die Gewerbeanmeldung ist, ist abhÀngig davon, wo du wohnst. Die Kosten um dein Gewerbe anzumelden werden von deiner Gemeinde festgelegt und liegen zwischen 10 und 60 Euro.

Das beinhaltet allerdings nur die reine Gewerbeanmeldung bei der Gemeinde oder der IHK/HWK. Da du in vielen Branchen vor der Gewerbeanmeldung diverse Nachweise und Bescheinigungen einholen musst, können die Kosten der gesamten UnternehmensgrĂŒndung deutlich höher sein.

Zusammenfassung

  • Die Gewerbeanmeldung muss bei deiner Gemeinde oder der örtlichen IHK/HWK durchgefĂŒhrt werden.
  • In einigen Gemeinden ist es bereits möglich ein Gewerbe per Postweg oder online anzumelden. Der einfachste Weg ist aber meistens der persönliche Termin bei der zustĂ€ndigen Behörde.
  • Am besten fĂŒllst du das Formular zur Gewerbeanmeldung vorher aus und bringst es fertig zum Termin mit: Formular fĂŒr die Gewerbeanmeldung .
  • Um dein Gewerbe anzumelden musst du mit Kosten von etwa 20-60 Euro rechnen
  • Unterlagen: Du benötigst deinen Personalausweis bzw. Reisepass, alle nötigen Genehmigungen (siehe Schritt 3) und das ausgefĂŒllte Formular um dein Gewerbe anzumelden

Schritt 5: Was nach der Gewerbeanmeldung alles auf dich zukommt

Nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast ist noch nicht alles geschafft. Du hast lediglich deinen Gewerbeschein, benötigst aber noch unterschiedliche Nummern und Nachweise.

Sobald du ein Gewerbe anmeldest, werden zum Beispiel das Finanzamt und die zustĂ€ndige Industrie und Handelskammer (IHK) bzw. die Handwerkskammer (HWK) darĂŒber informiert, dass es einen neuen Gewerbebetrieb gibt. ZusĂ€tzlich erhĂ€lt das Statistische Landesamt und die Gewerbeaufsicht eine Benachrichtigung, dass du nun gewerblich tĂ€tig bist.

FĂŒr diese Anmeldungen musst du nichts tun. Die Behörden, die weitere Informationen von dir benötigen, werden sich per Post bei dir melden.

Anmeldung beim Finanzamt

Sobald das Finanzamt ĂŒber deine SelbstĂ€ndigkeit informiert wird, wird dir ein Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zugesendet, den du ausfĂŒllen und zurĂŒcksenden musst. Wenn du den ganzen Prozess beschleunigen möchtest, kannst du dir den Fragebogen auch schon herunterladen und ihn selbststĂ€ndig ausfĂŒllen und unaufgefordert an das Finanzamt senden.

Wenn das Finanzamt alle Angaben von dir hat, bekommst du eine Steuernummer fĂŒr deine Einkommensteuer, Gewerbesteuer Umsatzsteuer. Da du diese Steuernummer benötigst, um korrekte Rechnungen zu schreiben, sollte es in deinem Interesse sein, den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung möglichst schnell auszufĂŒllen und zurĂŒck an das Finanzamt zu schicken.

Sobald die Anmeldung beim Finanzamt abgeschlossen ist, ist dein Gewerbe angemeldet und du kannst mit deiner Arbeit loslegen.

Brauche ich einen Steuerberater?

Es gibt keine Steuerberaterpflicht und du darfst dich um alle steuerlichen Angelegenheiten auch selbst kĂŒmmern.

Ob es tatsĂ€chlich auch sinnvoll ist, die Unternehmensanmeldung, die Buchhaltung und die SteuererklĂ€rungen selbst zu machen, ist davon abhĂ€ngig, wie sehr du dich mit dem Thema auskennst und wie viel Geld dir zur VerfĂŒgung steht.

GrundsĂ€tzlich ist das Thema Steuern jedoch kein Hexenwerk und fĂŒr jeden nach einer gewissen Einarbeitungszeit recht leicht zu verstehen. Außerdem halte ich es fĂŒr sehr wichtig, dass du dich als SelbststĂ€ndiger mit deinen Zahlen auseinandersetzt und dein Finanzmanagement auf keinen Fall aus der Hand gibst. Und dazu gehört auch das Thema Steuern. Ein guter Steuerberater sieht das genauso und ist eine Art Sparringspartner, der dir den grĂ¶ĂŸten Ärger vom Hals hĂ€lt.

Wenn du beim Fragebogen zur steuerlichen Erfassung Fragen hast, musst du nicht zwingend einen Steuerberater kontaktieren. Manchmal hilft es auch, beim Finanzamt anzurufen und nachzufragen. Bei VerstĂ€ndnisschwierigkeiten helfen dir die Sachbearbeiter in der Regel sehr gerne weiter. Schließlich bedeutet eine falsch ausgefĂŒllte Finanzamt-Anmeldung auch fĂŒr sie mehr Arbeit.

Kammerzugehörigkeit bei der IHK/HWK

Nicht nur das Finanzamt wird benachrichtigt wenn du ein Gewerbe anmeldest. Auch die zustĂ€ndige Kammer erhĂ€lt vom Gewerbeamt eine Mitteilung und sendet dir anschließend einen Erfassungsbogen, den du ausfĂŒllen und einreichen solltest. In den meisten FĂ€llen ist entweder die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer (HWK) fĂŒr dich zustĂ€ndig.

GrundsĂ€tzlich gibt es in Deutschland eine Zwangsmitgliedschaft in der jeweiligen Kammer und du kannst dir nicht aussuchen, ob du Mitglied wirst. Diese IHK-Pflicht wird immer wieder heiß diskutiert und von vielen SelbstĂ€ndigen abgelehnt. Allerdings fĂŒhrt die Diskussion (bisher) zu nichts und du solltest gerade in der Phase der UnternehmensgrĂŒndung deine Energie auf etwas anderes fokussieren.

Die Industrie- und Handelskammer veranstaltet immer wieder Seminare fĂŒr ExistenzgrĂŒnder Networking-Veranstaltungen fĂŒr Unternehmer, bei denen du als SelbststĂ€ndiger kostenfrei teilnehmen kannst. ZusĂ€tzlich ist die IHK fĂŒr die DurchfĂŒhrung der Berufsausbildung zustĂ€ndig und sie ist dein erster Ansprechpartner, wenn du einen Auszubildenden suchst.

Die Höhe der IHK-BeitrĂ€ge richtet sich nach deiner UnternehmensgrĂ¶ĂŸe (Umsatz und Gewinn) und muss jĂ€hrlich gezahlt werden. FĂŒr Kleinbetriebe ist die Mitgliedschaft bei einem Gewinn von bis zu 5200 Euro pro Jahr kostenlos. Auch ExistenzgrĂŒnder mĂŒssen in den ersten zwei Jahren keine BeitrĂ€ge zahlen, wenn ihr Jahresgewinn unter 25.000 Euro liegt.

Eintragung ins Handelsregister

Im Handelsregister musst du dich nur eintragen lassen, wenn dein Unternehmen einen nach Art oder Umfang in kaufmÀnnischer Weise eingerichteten GeschÀftsbetrieb erfordert (Definition aus dem Handelsgesetzbuch).

Diese Formulierung lĂ€sst Interpretationsspielraum zu und sorgt dafĂŒr, dass nicht immer ganz klar ist, wer sich genau im Handelsregister eintragen lassen muss. Es muss also von Einzelfall zu Einzelfall entschieden werden, ob dein Unternehmen so groß ist, dass man von einem solchen GeschĂ€ftsbetrieb sprechen kann.

DafĂŒr wird vor allem auf folgende Kriterien geschaut:

  • Höhe des Umsatzes
  • Anzahl der Mitarbeiter
  • Umfang der GeschĂ€ftsprozesse, Produkte und Leistungen
  • GrĂ¶ĂŸe und Ausstattung der GeschĂ€ftsrĂ€ume
  • eventuell externe Finanzierung durch Kredite

Anhand dieser Kriterien wird beurteilt, ob dein Unternehmen kaufmĂ€nnisch gefĂŒhrt werden muss (und du damit ins Handelsregister eingetragen werden musst). Als Faustformel in der Praxis hat sich herauskristallisiert, dass du ein kaufmĂ€nnisch gefĂŒhrter GeschĂ€ftsbetrieb bist, wenn du einen Umsatz von ĂŒber 250.000 Euro erwirtschaftest und fĂŒnf Mitarbeiter beschĂ€ftigst. Liegst du unter diesen Grenzwerten, brauchst du dich nicht nĂ€her mit dem Handelsregister auseinandersetzen.

Wenn du dir unsicher bist und den Grenzwerten nahe kommst, kannst du dich an die zustÀndige Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer wenden und um eine Beurteilung bitten.

Achtung : Wenn du kein Einzelunternehmen grĂŒndest sondern eine OHG, KG oder Kapitalgesellschaften wie eine UG, GmbH oder AG, musst du dich immer im Handelsregister eintragen lassen - unabhĂ€ngig von deinen UmsĂ€tzen oder Mitarbeiterzahlen.

Sonstige Anmeldungen nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast (Gewerbeanmeldung)

Mit der Gewerbeanmeldung, der Anmeldung beim Finanzamt, der Mitgliedschaft bei der IHK bzw. HWK und der Handelsregistereintragung hast du die wichtigsten Punkte der GrĂŒndung abgedeckt.

Allerdings wirst du feststellen, dass auch hier noch nicht Schluss ist und sich weitere Institute, VerbÀnde und Behörden bei dir melden werden und von dir Anmeldungen und Informationen bekommen möchten.

Hier solltest du im Einzelfall immer prĂŒfen, ob es tatsĂ€chlich eine gesetzliche Pflicht gibt und ob du Vorteile durch eine Anmeldung hast. Denn es gibt durchaus Unternehmen, die die Verwirrung ausnutzen, die in vielen neu gegrĂŒndeten Unternehmen ausbricht, und dir gleich nach der GrĂŒndung irgendwelche kostenpflichtigen Mitgliedschaften aufzwingen wollen.

Berufsgenossenschaft - gesetzliche Unfallversicherung

Jedes Unternehmen in Deutschland muss sich bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Die Berufsgenossenschaft ist die gesetzliche Unfallversicherung und kĂŒmmert sich in Deutschland um alle ArbeitsunfĂ€lle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren.

Die meisten Branchen haben eigene Berufsgenossenschaften. Du solltest also zunĂ€chst einmal herausfinden, welche Berufsgenossenschaft fĂŒr dich zustĂ€ndig ist und dich, nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast, bei dieser Berufsgenossenschaft anmelden. Die Anmeldung sollte innerhalb von sieben Tagen nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast erfolgen.

Weitere Informationen, welche Berufsgenossenschaft fĂŒr dich zustĂ€ndig ist, findest du auf der Webseite der DGUV - Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.

Bundesagentur fĂŒr Arbeit

Wenn du Mitarbeiter einstellen möchtest, solltest du dich zusĂ€tzlich bei der Bundesagentur fĂŒr Arbeit als Arbeitgeber anmelden und eine Betriebsnummer beantragen. Diese Betriebsnummer benötigst du, um die Gehaltsabrechnung deiner Mitarbeiter zu erstellen. Du solltest also auch diesen Antrag nicht zu lange hinauszögern, da deine Mitarbeiter sonst auf ihr Gehalt warten mĂŒssen.

Weitere Informationen zur Vergabe von Betriebsnummern

Krankenversicherung

Als SelbststĂ€ndiger bist du nicht mehr Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenkasse. Auch wenn dieser Punkt nicht direkt mit der Gewerbeanmeldung zu tun hat, solltest du dir darĂŒber Gedanken machen, ob du dich von der gesetzlichen Krankenkasse befreien lĂ€sst und dich privat versichern lĂ€sst.

Da die BeitrÀge zur privaten Krankenversicherung nicht anhand deines Einkommens bemessen werden, könnte sich der Wechsel zur privaten Krankenversicherung finanziell lohnen.

Zusammenfassung

  • Mit einer einzigen Anmeldung beim Gewerbeamt ist es noch nicht getan. Neue Unternehmen mĂŒssen auch beim Finanzamt, bei der zustĂ€ndigen Kammer und bei der gesetzlichen Unfallversicherung angemeldet werden. Arbeitgeber sollten sich darĂŒber hinaus bei der Bundesagentur fĂŒr Arbeit anmelden.
  • Das Finanzamt und die Industrie- und Handelskammer (bzw. HWK) werden vom Gewerbeamt ĂŒber die NeugrĂŒndung informiert und werden sich ohne dein Zutun bei dir melden.
  • Da du eine Steuernummer benötigst, um Rechnungen zu schreiben, sollte es in deinem Interesse sein, die Anmeldung beim Finanzamt zu beschleunigen. Wenn du es eilig hast, kannst du hier den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung herunterladen und ihn unaufgefordert an dein Finanzamt senden: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung
  • Wenn dein Unternehmen eine gewisse GrĂ¶ĂŸe hat, musst du es im Handelsregister eintragen lassen.

Gewerbe ummelden oder abmelden

Zum Abschluss widmen wir uns noch einmal kurz dem Ende deiner SelbststÀndigkeit und klÀren, wie du dein Gewerbe ummeldest oder abmeldest.

GrundsĂ€tzlich musst du jede Änderung, die dein Gewerbe betrifft, dem Gewerbeamt mitteilen. Das betrifft sowohl die Beendigung deiner SelbstĂ€ndigkeit, als auch ein Umzug (Verlegung des Firmensitzes) oder eine Änderung des BetĂ€tigungsfeldes.

Die Ummeldung lĂ€uft fast genauso wie die Anmeldung deines Gewerbes. Die meisten GewerbeĂ€mter haben fĂŒr die Ummeldung oder Abmeldung bestimmte Formulare, die du ausfĂŒllen musst. Der einfachste Weg ist aber auch hier der persönliche Termin, zu dem du deinen Personalausweis bzw. Reisepass und deinen Gewerbeschein mitbringen solltest.

FĂŒr den Verwaltungsaufwand musst du mit einer GebĂŒhr von 20 bis 40 Euro rechnen. Viele GewerbeĂ€mter verzichten allerdings vollkommen auf GebĂŒhren und die Abmeldung ist kostenlos.

Wie auch bei der Anmeldung deines Gewerbes musst du das Finanzamt nicht separat informieren, da alle Informationen vom Gewerbeamt an das Finanzamt weitergegeben werden.

Hinweis : Du solltest beachten, dass in vielen FĂ€llen deine Konzessionen verfallen, wenn du dein Gewerbe abmeldest. Wenn du deine SelbststĂ€ndigkeit also nur pausieren möchtest, solltest du mit einer Ruhemeldung dem Gewerbeamt mitteilen, dass du eine vorĂŒbergehende Pause einlegst. Eine Abmeldung könnte deutlich mehr Aufwand verursachen, wenn du wenige Monate spĂ€ter alle Genehmigungen neu beantragen musst.

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