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Selbstständigkeit

Gibt dir deine Arbeit Sinn?

Nina Sickinger

Freelance Editor

25. Jan. 2022

Um gleich mal ein paar wichtige Kriterien vorweg zu nehmen: Hast du dir eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie es dir mit deinem Beruf beziehungsweise mit deiner Arbeit so geht? Fühlst du dich glücklich mit dem, was du tust? Erfüllt dich deine Arbeit? Gibt dir deine Arbeit einen Sinn? Diese und ähnliche Fragen sollte sich meiner Meinung nach jeder Berufstätige stellen.

Wobei der einzelne Begriff nicht so wichtig ist, denn letztlich ist es egal, ob von Zufriedenheit, Freude, Erfüllung, Bestimmung oder Sinn die Rede ist - sie gehören alle irgendwie zusammen und meinen das gleiche. Denn wenn du beispielsweise unglücklich mit deiner Arbeit bist, wird sie dich wahrscheinlich auch nicht erfüllen. Und Sinn geben eher auch nicht. 

Heute möchte ich dir als selbständig Tätigen diese konkreten Fragen stellen. Warum ich das tue? Weil sie wichtig sind. Wichtig dafür, dass wir erfolgreich sein können. Dass wir uns begeistern können, für das, was wir tun. Dass wir angespornt sind, weiter zu machen, besser zu werden und vielleicht sogar Großes zu vollbringen. Ja, in der Tat große Worte.

Und nicht an jedem einzelnen Tag werden wir so agieren können. Denn es gibt Hochs und Tiefs, gute Tage, schlechte Tage, produktive Phasen und weniger erfolgreiche. Nicht immer ist man mit vollem Enthusiasmus dabei oder kann stets 100 Prozent geben. Aber es geht letztlich um das grundsätzliche Gefühl dahinter, dass uns entweder stärkt und aufbaut oder stagnieren und zweifeln lässt. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Wir verbringen insgesamt ziemlich viel Lebenszeit mit unserer Arbeit. Die Berufstätigkeit ist also ein Riesenaspekt in unserem Leben. Und da das so ist, sollten wir doch das, was so viel Zeit kostet, doch mit Freude, Erfüllung und Wohlbefinden tun, oder? Sollten wir uns nicht zufrieden fühlen und das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun? 

Also, wie sieht es bei dir aus? 

Wie zufrieden bist du mit deinem Job? 

Ich habe mich entschieden, das Wort Zufriedenheit als Oberbegriff zu nehmen - du bist natürlich frei darin, jedes andere Synonym zu wählen, was an dieser Stelle vielleicht besser für dich beziehungsweise zu deiner Situation passt. Dazu kannst du dir die folgenden Fragen stellen:

  • Wie sehen meine Bedürfnisse in Bezug auf meine Tätigkeit aus?
  • Werden sie erfüllt?
  • Fühle ich mich wohl mit meiner Tätigkeit/Selbständigkeit
  • Liebe ich, was ich tue?
  • Bin ich erfolgreich? Und was bedeutet Erfolg für mich?
  • Sehe ich einen Sinn darin?
  • Finde ich meine Tätigkeit interessant?
  • Macht mich mein Job glücklich?
  • Würde ich meinen Beruf als Berufung bezeichnen?
  • Bin ich stolz darauf, was ich tue/was ich schon erreicht habe?
  • Gibt es etwas, das mich unglücklich macht? Was wäre das?
  • Bin ich (noch) mit Leidenschaft dabei? 
  • Habe ich noch Ziele?
  • Ist in dir in Bezug auf deine Tätigkeit schon mal die Frage aufgetaucht "was tue ich hier bloß"?
  • Mache ich das, was ich wirklich will? Und wenn nein, was will ich eigentlich? 
  • Gibt es etwas, das ich (eigentlich schon lange) verändern möchte?
  • Wenn ich mich trauen würde, wie sähe diese Veränderung aus?
  • Und - traue ich mir das zu?

Dieser Fragenkatalog ist ein Auszug und kann natürlich um weitere ergänzt oder durch andere Fragen ersetzt werden. Sie sind allgemein gehalten und jeder kann sie sich stellen - das dürfte erst einmal keine Schwierigkeiten machen. Suchst du dann aber die Antworten, wird es ganz schön persönlich. Denn jeder Mensch ist anders und wird demzufolge die einzelnen Aspekte individuell beantworten. Für den einen bedeutet "sinnvoll", dass er eine berufliche Tätigkeit ausübt, die für etwas Großes / Ganzes steht, wie beispielsweise fürs Klima, die Gesundheit oder politische Belange.

Für den anderen ist die Frage vielleicht rein subjektiver Natur, das heißt dass sich dieser Mensch gut dabei fühlt, weil er für sich etwas gefunden hat, das für ihn ganz persönlich  Sinn ergibt. Deswegen wird es natürlich nie allgemein gültige Antworten geben. Jeder Berufstätige muss für sich selbst herausfinden, ob und wie die oben genannten Kriterien auf ihn zutreffen oder nicht.

Wenn du dies für dich herausfinden möchtest, musst du neben der Beantwortung der Fragen für dich also persönlich definieren, was dich in deinem Unternehmertum erfüllt oder ob du mit Leidenschaft dabei bist. Je nachdem was dabei herauskommt, kannst du dich zufrieden zurücklehnen und genauso weitermachen. Denn dann bist du auf einem guten Weg.

Oder du musst dir Gedanken machen, wie und was du verändern solltest. Und das ist in der Tat nicht unbedingt einfach. Denn haben manche vielleicht schon Schwierigkeiten, diese Fragen für sich ehrlich zu beantworten, sind die etwaigen Veränderungsmaßnahmen noch komplizierter. 

Tipp: Lasse dir hierfür wirklich Zeit. Wenn du sowieso schon unter Druck stehst, weil du instinktiv spürst, dass etwas nicht rund läuft mit deinem Business, kannst du zusätzlichen Druck ganz und gar nicht brauchen. Gut Ding braucht Weile, wie man so schön sagt. Nicht immer zu Hundert Prozent anwendbar, weil manchmal drängt auch die Zeit bzw. eine Entscheidung. Aber grundsätzlich ist es immer ratsam mit Ruhe und kühlem Kopf an derartige Dinge heranzugehen.

Warum es so wichtig ist, zu lieben, was man tut

Ich habe dazu ein wunderbares Zitat gefunden - besser als Steve Jobs hätte ich es nicht in Worte fassen können: "Die einzige Möglichkeit Großes zu leisten ist, das zu lieben, was man tut. Wenn du das noch nicht gefunden hast, dann suche weiter. Gib dich nicht zufrieden. Wie bei allen Herzensangelegenheiten wirst du wissen, wenn du es gefunden hast. ….. Und am Wichtigsten ist: habe den Mut deinem Herzen und deiner Intuition zu folgen. Sie wissen irgendwie bereits, was du wirklich werden willst. Alles andere ist zweitrangig".

Ich habe es eingangs schon erwähnt, jeder Berufstätige wird es für sich selbst mit anderen Worten ausdrücken. Gemeint ist immer dasselbe. Uns allen wohnt der Wunsch nach einer sinnvollen Tätigkeit inne. Es sollte immer auch eine Herzensangelegenheit sein. Vielleicht oder eher wahrscheinlich ist dies die wichtigste Voraussetzung für Kreativität, Motivation, Engagement, Erfolg  und letztlich auch dafür, dass wir uns (dass sich die Welt) stetig weiterentwickeln können. Dieser Prozess nennt sich Fortschritt. Den haben wir seit Jahrhunderten den Menschen zu verdanken, die mit Leidenschaft ihrem Herzen gefolgt sind und so wahrlich große und auch kleine Dinge vollbracht haben.  

Studien zufolge ist vielen Berufstätigen eine sinngebende Arbeit viel wichtiger als tolle Honorare oder noch ein schickes Auto in der Garage. Schenkt man diesen Angaben Glauben, wird deutlich, welchen Stellenwert dies in der Berufswelt wirklich hat. Andere Studien untermauern das. Denn umgekehrt wurde herausgefunden, dass es Berufstätige, die nicht lieben, was sie tun, viel leichter mit einer Burnout-Symptomatik zu tun bekommen.

Aus meinem Umfeld und meiner Erfahrung kann ich sagen, dass eine Tätigkeit mit Sinn zudem glücklicher macht, dafür sorgt, sich motiviert, Energie geladen und fitter zu fühlen. Was mir allerdings auch aufgefallen ist: je länger ich im Job bin, desto wichtiger wird mir das. Habe ich kurz nach meinem Studium noch über jedes beliebige Thema geschrieben, einfach weil die "Kohle" wichtig (er) war und ich recht unbedarft daran gegangen bin, ist es heute ein Aspekt, der immer mehr in den Vordergrund rückt. Und so achte ich sehr darauf, im Wesentlichen zu schreiben, was mich in meinem Herzen bewegt. Das klappt natürlich nicht immer, aber Tendenz steigend.

Lösungen und Alternativen

Auch wenn du dich mit deinem Business wohl fühlst, schadet es nicht von Zeit zu Zeit eine Bestandsaufnahme zu machen. Eigentlich gibt es immer Dinge zu verbessern. Ein weiterer Aspekt ist auch - obwohl er zunächst nach einem Widerspruch klingen mag: Wenn man es sich in seinem erfolgsverwöhnten Bürosessel zu bequem macht, kann auch eine Stagnation folgen. Man wird unbeweglich, weil man denkt, ach es läuft doch prima!  Also, raus aus dem Sessel, rein in die Bestandsaufnahme. Wenn du dich an den Fragenkatalog setzt, gibst du dir selbst die Chance alle offensichtlichen und eben auch nicht so deutlichen (vielleicht auch bisher unbewussten) Aspekte ans Licht zu bringen und zu klären:

  • Oft liegen die Gründe für Schwierigkeiten lediglich in Nebensächlichkeiten, die sich schnell und unkompliziert verändern lassen. 
  • Manchmal betreffen etwaige Unzufriedenheiten auch gar nicht den Job selbst, sondern eher äußere Faktoren oder Bedingungen. Das würde beispielsweise bedeuten, dass du dir gar nicht Gedanken zu einem neuen Business machen, sondern eher an einigen Stellschrauben drehen musst. Zum Beispiel kann es einfach am ungünstigen Arbeitsplatz (zu laut, zu viel Durcheinander, zu weiter Weg etc.) liegen, dass dir Leidenschaft für den Job flöten gegangen ist. 
  • Wenn es dein Business selber betrifft, reicht es eventuell, wenn du dir neue Aufgabenbereiche suchst, dein Angebot neu ausrichtest oder neue, reizvollere Projekte in Angriff nimmst. 
  • Bist du allerdings grundsätzlich (vielleicht auch schon länger) unglücklich mit deiner Tätigkeit, ist Handlungsbedarf definitiv geboten. Dabei gibt es natürlich eine breite Palette an Möglichkeiten: denn vielleicht gibt es auch in derartigen Fällen einfache Lösungen über etwas aufwändigere Veränderungen bis hin zu einer kompletten Neuausrichtung deines Unternehmens oder gar eine Geschäftsaufgabe beziehungsweise Neugründung. Hier findest du ein paar Fakten, wenn du deine Selbständigkeit wechseln möchtest: Veränderungen und Wechsel im Rahmen deiner Selbständigkeit.
  • Stellst du fest, dass deine Tätigkeit (momentan) keine oder nur wenig Veränderung zulässt - sprich du einfach die Durststrecke überwinden musst - kann die Problembeseitigung für den fehlenden Sinn oder die mangelnde Leidenschaft auch darin liegen, abseits von Beruf und Karriere etwas zu finden, dass dir Sinn gibt. Das kann zum Beispiel ein ehrenamtliches Engagement oder ähnliches sein.
Bestandsaufnahme. Bist du noch zufrieden mit deiner Selbständigkeit? Erkennst du den Sinn?

Noch etwas zum Schluss

Gerade wenn es den Job betrifft, bist du vielleicht schnell mit Ängsten und Unsicherheiten konfrontiert. Es geht ja immerhin um die Existenz und um finanzielle Belange. Aber auch andere Ängste können mit ins Spiel kommen. Wie in einem der letzten Blogartikel dargelegt, auch Angst vor Misserfolg oder vor dem Scheitern der beruflichen Karriere machen einem unter Umständen zu schaffen. Deswegen möchte ich noch einmal betonen: Je nachdem wie ehrlich und detailliert du dich den betreffenden Fragen stellst und auch bereit bist, dir die Antworten darauf zu geben, desto besser wirst du in der Lage sein, etwaige Schritte einzuleiten und zu gehen.

Setze dich also ehrlich und klar mit deiner Situation auseinander und wäge die Möglichkeiten ab. So wirst du alle Hindernisse und Herausforderungen leichter bewältigen. Lass dich auf jeden Fall nicht entmutigen. Es gibt eigentlich immer für jedes Problem eine Lösung. Außerdem bist du als Selbständiger nicht allein mit derlei Angelegenheiten und Ängsten. Vernetze dich mit anderen Unternehmern und tausche dich aus. Gerade wenn du erfahren kannst, dass andere ihre Herausforderungen gemeistert und den Sinn im Business wieder gefunden haben, kann das auch für dich eine Initialzündung sein. Netzwerken kann vielfach Gold wert sein: Der Wert des Netzwerkens – vor allem in schwierigen Zeiten.