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Das Jahr 2020 - RĂŒckblick, Einblick, Ausblick.

Liebe Freunde, Kunden und Kollegen,

2020 war ein besonderes Jahr fĂŒr uns alle. Es hat uns vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt, soviel steht fest. Aber in jeder Krise liegt immer auch eine Chance -  das ist wahrscheinlich mein grĂ¶ĂŸtes Learning aus diesem Jahr. 

RĂŒckblick, Einblick, Ausblick

Ich wĂŒrde Euch gerne einladen, mit mir das Jahr 2020 Revue passieren zu lassen, und bereits bekannte Highlights und weitere vielleicht noch unbekannte Themen fĂŒr das neue Jahr aufzugreifen.

FĂŒr Kontist hat sich 2020 alles geĂ€ndert. Und Corona war gewissermaßen ein Brandbeschleuniger dafĂŒr. 

2016 haben wir als erste Neobank fĂŒr Freelancer und SelbstĂ€ndige in Deutschland begonnen. 2018 ging es dann darum, Banking und Buchhaltung zu vereinen um Echtzeitbuchhaltung erstmalig möglich zu machen. Den krönenden Abschluss dieses zweiten Kapitels haben wir im Sommer dieses Jahres erreicht, als das Handelsblatt unser Duo Produkt, dass aus dem Kontist Konto in Kombination mit der Lexoffice Buchhaltung besteht, zum besten GeschĂ€ftskonto fĂŒr SelbstĂ€ndige gekĂŒrt hat - ich bin stolz auf diesen Erfolg! 

Damit waren wir bereit fĂŒr das dritte Unternehmenskapitel. Mit der GrĂŒndung der Kontist Steuerberatungsgesellschaft, einer Challenger-Steuerberatung fĂŒr Freelancer haben wir mit unserem neuen Partner wieder eine ganz neue digitale Produktkategorie geschaffen, die Banking, Buchhaltung und Steuern in einer App und in einem Angebot vereint, wie es von Anfang an meine Vision gewesen ist. 

Corona und wie Helfen glĂŒcklich macht

NatĂŒrlich hatten wir bei Kontist eigentlich ganz andere PlĂ€ne fĂŒr dieses Jahr 2020. Eine große Investitionsrunde war geplant und wir haben mit verschiedenen VCs und Banken ĂŒber Partnerschaften und internationale Expansion gesprochen - um nur einige Themen zu nenne. 

Dann kam der MĂ€rz und alles stand fĂŒr einen Augenblick lang still. Es war, wie wenn man eine Explosion in Zeitlupe erlebt. In meinem Kopf rasten damals die Gedanken, wie:  “Was wird das alles fĂŒr unsere Firma und Mitarbeiter bedeuten? Werden uns die Neukunden wegbrechen und die UmsĂ€tze abstĂŒrzen, was werden Investoren sagen?”

Die Situation war komplett unĂŒberschaubar, aber eins war uns schnell klar: FĂŒr unsere Kunden - fĂŒr SelbstĂ€ndige - war und ist diese Pandemie eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.

WĂ€hrend wir also also die Firma innerhalb von Tagen auf “Remote First” umstellten, wurde uns allen klar, dass wir etwas tun mĂŒssen, um unseren von der Pandemie betroffenen Kunden zu helfen.

Dann geschah etwas ganz besonderes, was ich so in meinem Leben noch nie erlebt habe: Von ĂŒberallher kamen Leute auf mich zu, die helfen wollten. Es ging dabei nicht um den eigenen Profit. Es ging darum, den Lebensentwurf “SelbstĂ€ndigkeit”, fĂŒr den wir alle schon so lange kĂ€mpfen, durch diese Krise hindurch und darĂŒber hinaus weiter zu ermöglichen.  Jetzt war die Chance gekommen, ganz konkret zu helfen und persönlich etwas beizutragen. Das habe ich auch ganz stark bei unseren Mitarbeitern sowie bei mir bemerkt. Es war ein gutes GefĂŒhl, das uns weit getragen hat.

 

Also fingen wir an, alle KrÀfte zu mobilisieren -  bei Kontist sowie bei der Kontist Stiftung. 

Wir haben konkrete Tools fĂŒr SelbstĂ€ndige gebaut, mit denen sie schnell und einfach  Corona-Hilfen beantragen und Steuern stunden konnten. Wir haben eine Legal Hotline fĂŒr Rechtsfragen eingerichtet, Hilfe- und FAQ-Artikel verfasst, mit Politikern gesprochen, fast tĂ€glich Experten-Webinare mit bis zu 2000 Teilnehmern organisiert, gemeinsam mit anderen SelbstĂ€ndigen-VerbĂ€nden eine Bundestagspetition fĂŒr bessere Hilfen zum Erfolg gefĂŒhrt, und so vieles mehr. 

Ich glaube die Möglichkeit, unseren Kunden zu helfen, ohne zuerst an den eigenen Profit zu denken, etwas tun zu können und nicht ohnmĂ€chtig dazustehen hat uns als Team und als Organisation unglaublich geholfen, den eigenen Corona-Schock zu ĂŒberwinden und die Situation fĂŒr uns ins Positive zu transformieren. Der Zuspruch, den wir  von Kunden und SelbstĂ€ndigen aus ganz Deutschland zurĂŒckbekommen haben, hat die MĂŒhe und die schlaflosen NĂ€chte wettgemacht. 

Wie durch ein Wunder hatte unser großer Einsatz auch fĂŒr Kontist ein Happy End. Es gab 2020 mehr Kunden und Umsatz als anfĂ€nglich erwartet und sogar frisches Kapital. Ein großes Dankeschön an alle, die uns dieses Jahr unterstĂŒtzt haben, als Freie, in der Stiftung, als Mitarbeiter oder Kunden!

Staatsreligion Festanstellung - SelbstÀndigkeit braucht eine starke Stimme

Wir haben uns bei Kontist seit Beginn an auf die Fahne geschrieben, SelbstĂ€ndige zu unterstĂŒtzen und uns fĂŒr ihre Interessen stark zu machen. Mit der Kontist GmbH und mit der Kontist Stiftung wollen wir SelbstĂ€ndigen eine Anlaufstelle geben und gemeinsam fĂŒr den Lebensentwurf “SelbstĂ€ndigkeit” kĂ€mpfen.

Dass die Politik an der “Staatsreligion Festanstellung” (so Sascha Lobo vor kurzem im Spiegel) festhalten wĂŒrde, war zu befĂŒrchten. Aber wie groß das Versagen an SelbstĂ€ndigen in der Krise sein wĂŒrde und wie ungleich die Behandlung ist, hĂ€tte ich mir Anfang des Jahres nicht vorstellen können. Kurzarbeit fĂŒr Angestellte wird großflĂ€chig gefördert und neu gestaltet, wĂ€hrend man gleichzeitig, Solo-SelbstĂ€ndige in die Grundsicherung durch Hartz IV schickt.

Die Corona-Krise hat uns allen nochmal deutlich vor Augen gefĂŒhrt: SelbstĂ€ndigkeit hat in Deutschland einen Stellenwert zweiter Klasse, von wenigen Berufsgruppen, wie Ärzte und RechtsanwĂ€lte einmal abgesehen. 

Ich bin meinen Kolleginnen und Kollegen, insbesondere Catharina Bruns von der Kontist Stiftung sehr dankbar, dass sie wĂ€hrend der Krise unermĂŒdlich in GesprĂ€chen mit Medien Politikern, VerbĂ€nden und Gewerkschaften dafĂŒr eingestanden ist, dass Solo-SelbstĂ€ndige besser verstanden und bei den Corona-Hilfen angemessen berĂŒcksichtigt werden. Wir konnten einiges erreichen, sicher aber nicht genug denn die MĂŒhlen der Politik mahlen langsam.

Corona - eine Chance das Thema Steuerberatung neu zu denken

Mit der Einrichtung der Beratungshotline fĂŒr Corona-Hilfen im April ĂŒbernahmen wir Beratungsaufgaben, die eigentlich in den Bereich eines Steuerberaters fallen wĂŒrden - und fĂŒr die ein Steuerberater in der nĂ€chsten Phase der ÜberbrĂŒckungshilfe auch zwingend notwendig war. Wir konnten so in erster Reihe miterleben, wie dringend Beratung benötigt wurde und wie es fast unmöglich fĂŒr Freelancer und SelbstĂ€ndige war, sie bei Steuerberatern zu finden - die grĂ¶ĂŸtenteils, so schien es, von Corona ĂŒberrannt wurden. 

Obwohl wir als Neobank begonnen haben, sind das Kontist Konto und die Karte eigentlich eher Mittel zum Zweck. Wie schon erwĂ€hnt ist meine Vision seit jeher gewesen, Banking, Buchhaltung und Steuer in einem einzigen Angebot zu vereinen und somit eine neue Produkt- bzw Service-Kategorie zu kreieren. Banking spielt als Zeitfresser neben Steuern eine untergeordnete Rolle, aber es ist der perfekte Ausgangspunkt fĂŒr uns, weil dort alle Daten sofort in Echtzeit zur VerfĂŒgung stehen.

Außerdem nutzen die meisten Kunden das Konto fast tĂ€glich, was es im Vergleich zu anderen Lösungen zum perfekten Cockpit zur Steuerung von Transaktionen, Buchhaltung, Belegen und im letzten Schritt auch der Steuern macht. Die Daten aus den Banktransaktionen können dann ganz einfach genutzt werden, um vollautomatisch die Buchhaltung fĂŒr die Kunden zu erledigen und ebenfalls automatisch die Umsatzsteuervoranmeldung zu erstellen. Ist man einmal so weit gekommen und hat die Schnittstellen zum Finanzamt, ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum großen Teils automatisierten Jahresabschluss und EinkommensteuererklĂ€rung.

Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, diese Vision umzusetzen. Ich merkte schnell, so einfach ist es nicht. All das darf eine Bank in Deutschland nĂ€mlich nicht anbieten. Als Neobank sind wir es gewohnt, bestehende Strukturen herauszufordern, und so wurde eine unabhĂ€ngige Challenger-Steuerberatungsgesellschaft gegrĂŒndet, mit der wir gemeinsam diesen Service als eine Art “Steuerberater in deiner Hosentasche” anbieten können.

Die Kontist Steuerberatungsgesellschaft ist eine vollwertige Steuerberatung, sie darf persönlich beraten, den Kunden am Telefon unterstĂŒtzen, Entscheide prĂŒfen und Mandanten gegenĂŒber dem Finanzamt vertreten und natĂŒrlich auch JahresabschlĂŒssen und EinkommensteuererklĂ€rungen einreichen. Der einzige Unterschied zu einer klassischen Steuerberatung ist, dass sie dank der technischen Schnittstelle zum Kontist Konto die Finanzbuchhaltung viel schneller vorbereiten kann und somit in der Lage ist, eine viel grĂ¶ĂŸere Zahl an Mandanten zu betreuen. 

Die GrĂŒndung des Kontist Steuerservice - der heißeste Ritt meines Startup-Lebens

WĂ€hrend die Welt im FrĂŒhjahr stillstand, haben wir also beschlossen, den Kontist Steuerservice - der frĂŒhestens fĂŒr Ende 2020 geplant war - vorzuziehen. Als achtfacher GrĂŒnder habe ich einige Erfahrung - aber dies war der heißeste Ritt, den ich bis jetzt in meinem Startup-Leben erlebt habe. In weniger als 4 Monaten von der ersten Zeile Code bis zu den ersten 200 zahlenden Kunden, das soll uns erstmal jemand nachmachen.

Heute, nur 4 Monate spÀter, hat die Kontist Steuerberatungsgesellschaft schon mehr Kunden als 3 durchschnittliche Steuerkanzleien in Deutschland. Ein Rekord, den wir in den nÀchsten Jahren sicher noch öfters brechen werden.

Obwohl man sich wegen Corona nicht physisch sehen durften, wurden mehr als 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Das Produkt- und Entwicklerteam hat in wenigen Wochen ein neues Backend inkl. automatischer Buchhaltung und AI gebaut. Eine neue Firma wurde gegrĂŒndet, eine Steuerberatungskanzlei als Partner gewonnen, unzĂ€hlige VertrĂ€ge ausgehandelt, Kunden als Beta-Tester angeworben, Webseiten gelauncht und was alles sonst noch so ansteht, wenn man einen komplett neuen GeschĂ€ftszweig grĂŒndet. 

So viel Commitment und Begeisterung habe ich selten gesehen.  Dieses Jahr konnten wir allen zeigen, dass wir es ernst mit unserem Auftrag meinen. Wir stehen fĂŒr SelbstĂ€ndige ein und wollen mit unserem Angebot das Leben von SelbstĂ€ndigen drastisch vereinfachen. Wir wollen gemeinsam mit euch SelbstĂ€ndigkeit neu denken, ob es nun Banking, Steuern oder Politik ist. Corona hat dieses Jahr vielen von uns SelbstĂ€ndigen einen KnĂŒppel zwischen die Beine geworfen. Ich bin stolz darauf, wie unser Team bei Kontist genau wie viele von Euch die Zeit trotzdem als Chance begriffen und sich und das Unternehmen weiterentwickelt hat. 

Abschiede und und Neubeginn

Mit der starken VerĂ€nderung in unserer strategischen Ausrichtung kommen natĂŒrlich auch oft personelle VerĂ€nderungen einher.  

Ich möchte mich herzlich bei Sibylle Strack bedanken, mit der ich zusammen  die GeschĂ€fte von Kontist wĂ€hrend der letzten zwei Jahre gefĂŒhrt habe. Gemeinsam haben wir das Unternehmen von  30 auf nunmehr fast 100 Mitarbeiter vergrĂ¶ĂŸert. Sibylles Auftrag war es, Strukturen und Prozesse in einem schnell wachsenden Unternehmen aufzubauen und das Thema Banking zu konsolidieren.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich Sibylle an Bord hatte, besonders als der Wirecard-Sturm ĂŒber uns hereinbrach. Wer weiß, wo wir ohne ihre FĂŒhrung gelandet wĂ€ren. Jetzt, da  der Wechsel von Wirecard zur Solarisbank abgeschlossen ist und Kontist sich voll auf das Thema Steuern konzentrieren wird, war es Zeit fĂŒr die Vollblut- Bankerin Sibylle weiterzuziehen. Ich werde sie vermissen.

Einen weiteren Abschied gab es, und zwar von meinem Freund, Co-Founder und CTO Sebastian Galonska der mit mir vor fast 5 Jahren in meinem Wohnzimmer Kontist gegrĂŒndet hat. Ohne ihn wĂ€re diese Reise nicht möglich gewesen. Sebastian möchte nach 5 sehr intensiven Jahren mehr Zeit fĂŒr die Familie und fĂŒr das Reisen haben. Wer kann es ihm verĂŒbeln.

Wenn der Vorhang fĂŒr den einen fĂ€llt, geht er fĂŒr den anderen auf. Ich freue mich sehr, Zhao Lu als neuen CTO bei Kontist begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen. Zhao kommt ursprĂŒnglich aus China, hat aber lange im Silicon Valley gearbeitet und bringt viel Erfahrungen mit Unternehmen in der Wachstumsphase mit. Außerdem wird seine Expertise im Bereich AI und Machine Learning sicher von großem Nutzen fĂŒr die weitere Automatisierung unseres Angebots sein.

Last but not least freue ich mich besonders, dass ich einen alten Freund und WeggefĂ€hrten, Benjamin Esser, ĂŒberzeugen konnte, als neuer Co-CEO gemeinsam mit mir Kontist zu fĂŒhren. Besonders das neue Thema Tax-Tech hat ihn ĂŒberzeugt. Benjamin bringt viel Erfahrung mit:  als Startup-GrĂŒnder, im Management grĂ¶ĂŸerer Unternehmer sowie als strategischer Berater. Bei Kontist wird er u.a. die Bereiche Finanzen und Marketing ĂŒbernehmen. 

Ich freue mich sehr darauf, im nĂ€chsten Jahr mit Benjamin und dem Kontist Team an meiner Seite, die MarktfĂŒhrerschaft im Banking fĂŒr Freelancer weiter auszubauen. Gleichzeitig wollen wir zeigen und beweisen, dass man, wenn man Banking, Buchhaltung und Steuern komplett neu denkt, fĂŒr den Freelancer endlich das herausbekommt, von dem wir alle schon lange trĂ€umen - einen Autopiloten fĂŒr alle Finanzen und Steuern. 

Auf diesen nĂ€chsten Meilenstein freue ich mich. Vor allem hoffe ich, dass wir 2021 endlich diese Pandemie ĂŒberwinden und dass wir uns beim SelbstĂ€ndigentag 2021 wieder persönlich sehen dĂŒrfen. 

Do your thing, not your taxes