Jahresrückblick 2020 | Kontist
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Das Jahr 2020 - Rückblick, Einblick, Ausblick.

Chris Plantener

Co-Founder & CEO

27. Dez. 2020

Liebe Freunde, Kunden und Kollegen,

2020 war ein besonderes Jahr für uns alle. Es hat uns vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt, soviel steht fest. Aber in jeder Krise liegt immer auch eine Chance -  das ist wahrscheinlich mein größtes Learning aus diesem Jahr. 

Rückblick, Einblick, Ausblick

Ich würde Euch gerne einladen, mit mir das Jahr 2020 Revue passieren zu lassen, und bereits bekannte Highlights und weitere vielleicht noch unbekannte Themen für das neue Jahr aufzugreifen.

Für Kontist hat sich 2020 alles geändert. Und Corona war gewissermaßen ein Brandbeschleuniger dafür. 

2016 haben wir als erste Neobank für Freelancer und Selbständige in Deutschland begonnen. 2018 ging es dann darum, Banking und Buchhaltung zu vereinen um Echtzeitbuchhaltung erstmalig möglich zu machen. Den krönenden Abschluss dieses zweiten Kapitels haben wir im Sommer dieses Jahres erreicht, als das Handelsblatt unser Duo Produkt, dass aus dem Kontist Konto in Kombination mit der Lexoffice Buchhaltung besteht, zum besten Geschäftskonto für Selbständige gekürt hat - ich bin stolz auf diesen Erfolg! 

Damit waren wir bereit für das dritte Unternehmenskapitel. Mit der Gründung der Kontist Steuerberatungsgesellschaft, einer Challenger-Steuerberatung für Freelancer haben wir mit unserem neuen Partner wieder eine ganz neue digitale Produktkategorie geschaffen, die Banking, Buchhaltung und Steuern in einer App und in einem Angebot vereint, wie es von Anfang an meine Vision gewesen ist. 

Corona und wie Helfen glücklich macht

Natürlich hatten wir bei Kontist eigentlich ganz andere Pläne für dieses Jahr 2020. Eine große Investitionsrunde war geplant und wir haben mit verschiedenen VCs und Banken über Partnerschaften und internationale Expansion gesprochen - um nur einige Themen zu nenne. 

Dann kam der März und alles stand für einen Augenblick lang still. Es war, wie wenn man eine Explosion in Zeitlupe erlebt. In meinem Kopf rasten damals die Gedanken, wie:  “Was wird das alles für unsere Firma und Mitarbeiter bedeuten? Werden uns die Neukunden wegbrechen und die Umsätze abstürzen, was werden Investoren sagen?”

Die Situation war komplett unüberschaubar, aber eins war uns schnell klar: Für unsere Kunden - für Selbständige - war und ist diese Pandemie eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.

Während wir also also die Firma innerhalb von Tagen auf “Remote First” umstellten, wurde uns allen klar, dass wir etwas tun müssen, um unseren von der Pandemie betroffenen Kunden zu helfen.

Dann geschah etwas ganz besonderes, was ich so in meinem Leben noch nie erlebt habe: Von überallher kamen Leute auf mich zu, die helfen wollten. Es ging dabei nicht um den eigenen Profit. Es ging darum, den Lebensentwurf “Selbständigkeit”, für den wir alle schon so lange kämpfen, durch diese Krise hindurch und darüber hinaus weiter zu ermöglichen.  Jetzt war die Chance gekommen, ganz konkret zu helfen und persönlich etwas beizutragen. Das habe ich auch ganz stark bei unseren Mitarbeitern sowie bei mir bemerkt. Es war ein gutes Gefühl, das uns weit getragen hat.

 

Also fingen wir an, alle Kräfte zu mobilisieren -  bei Kontist sowie bei der Kontist Stiftung. 

Wir haben konkrete Tools für Selbständige gebaut, mit denen sie schnell und einfach  Corona-Hilfen beantragen und Steuern stunden konnten. Wir haben eine Legal Hotline für Rechtsfragen eingerichtet, Hilfe- und FAQ-Artikel verfasst, mit Politikern gesprochen, fast täglich Experten-Webinare mit bis zu 2000 Teilnehmern organisiert, gemeinsam mit anderen Selbständigen-Verbänden eine Bundestagspetition für bessere Hilfen zum Erfolg geführt, und so vieles mehr. 

Ich glaube die Möglichkeit, unseren Kunden zu helfen, ohne zuerst an den eigenen Profit zu denken, etwas tun zu können und nicht ohnmächtig dazustehen hat uns als Team und als Organisation unglaublich geholfen, den eigenen Corona-Schock zu überwinden und die Situation für uns ins Positive zu transformieren. Der Zuspruch, den wir  von Kunden und Selbständigen aus ganz Deutschland zurückbekommen haben, hat die Mühe und die schlaflosen Nächte wettgemacht. 

Wie durch ein Wunder hatte unser großer Einsatz auch für Kontist ein Happy End. Es gab 2020 mehr Kunden und Umsatz als anfänglich erwartet und sogar frisches Kapital. Ein großes Dankeschön an alle, die uns dieses Jahr unterstützt haben, als Freie, in der Stiftung, als Mitarbeiter oder Kunden!

Staatsreligion Festanstellung - Selbständigkeit braucht eine starke Stimme

Wir haben uns bei Kontist seit Beginn an auf die Fahne geschrieben, Selbständige zu unterstützen und uns für ihre Interessen stark zu machen. Mit der Kontist GmbH und mit der Kontist Stiftung wollen wir Selbständigen eine Anlaufstelle geben und gemeinsam für den Lebensentwurf “Selbständigkeit” kämpfen.

Dass die Politik an der “Staatsreligion Festanstellung” (so Sascha Lobo vor kurzem im Spiegel) festhalten würde, war zu befürchten. Aber wie groß das Versagen an Selbständigen in der Krise sein würde und wie ungleich die Behandlung ist, hätte ich mir Anfang des Jahres nicht vorstellen können. Kurzarbeit für Angestellte wird großflächig gefördert und neu gestaltet, während man gleichzeitig, Solo-Selbständige in die Grundsicherung durch Hartz IV schickt.

Die Corona-Krise hat uns allen nochmal deutlich vor Augen geführt: Selbständigkeit hat in Deutschland einen Stellenwert zweiter Klasse, von wenigen Berufsgruppen, wie Ärzte und Rechtsanwälte einmal abgesehen. 

Ich bin meinen Kolleginnen und Kollegen, insbesondere Catharina Bruns von der Kontist Stiftung sehr dankbar, dass sie während der Krise unermüdlich in Gesprächen mit Medien Politikern, Verbänden und Gewerkschaften dafür eingestanden ist, dass Solo-Selbständige besser verstanden und bei den Corona-Hilfen angemessen berücksichtigt werden. Wir konnten einiges erreichen, sicher aber nicht genug denn die Mühlen der Politik mahlen langsam.

Corona - eine Chance das Thema Steuerberatung neu zu denken

Mit der Einrichtung der Beratungshotline für Corona-Hilfen im April übernahmen wir Beratungsaufgaben, die eigentlich in den Bereich eines Steuerberaters fallen würden - und für die ein Steuerberater in der nächsten Phase der Überbrückungshilfe auch zwingend notwendig war. Wir konnten so in erster Reihe miterleben, wie dringend Beratung benötigt wurde und wie es fast unmöglich für Freelancer und Selbständige war, sie bei Steuerberatern zu finden - die größtenteils, so schien es, von Corona überrannt wurden. 

Obwohl wir als Neobank begonnen haben, sind das Kontist Konto und die Karte eigentlich eher Mittel zum Zweck. Wie schon erwähnt ist meine Vision seit jeher gewesen, Banking, Buchhaltung und Steuer in einem einzigen Angebot zu vereinen und somit eine neue Produkt- bzw Service-Kategorie zu kreieren. Banking spielt als Zeitfresser neben Steuern eine untergeordnete Rolle, aber es ist der perfekte Ausgangspunkt für uns, weil dort alle Daten sofort in Echtzeit zur Verfügung stehen.

Außerdem nutzen die meisten Kunden das Konto fast täglich, was es im Vergleich zu anderen Lösungen zum perfekten Cockpit zur Steuerung von Transaktionen, Buchhaltung, Belegen und im letzten Schritt auch der Steuern macht. Die Daten aus den Banktransaktionen können dann ganz einfach genutzt werden, um vollautomatisch die Buchhaltung für die Kunden zu erledigen und ebenfalls automatisch die Umsatzsteuervoranmeldung zu erstellen. Ist man einmal so weit gekommen und hat die Schnittstellen zum Finanzamt, ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum großen Teils automatisierten Jahresabschluss und Einkommensteuererklärung.

Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, diese Vision umzusetzen. Ich merkte schnell, so einfach ist es nicht. All das darf eine Bank in Deutschland nämlich nicht anbieten. Als Neobank sind wir es gewohnt, bestehende Strukturen herauszufordern, und so wurde eine unabhängige Challenger-Steuerberatungsgesellschaft gegründet, mit der wir gemeinsam diesen Service als eine Art “Steuerberater in deiner Hosentasche” anbieten können.

Die Kontist Steuerberatungsgesellschaft ist eine vollwertige Steuerberatung, sie darf persönlich beraten, den Kunden am Telefon unterstützen, Entscheide prüfen und Mandanten gegenüber dem Finanzamt vertreten und natürlich auch Jahresabschlüssen und Einkommensteuererklärungen einreichen. Der einzige Unterschied zu einer klassischen Steuerberatung ist, dass sie dank der technischen Schnittstelle zum Kontist Konto die Finanzbuchhaltung viel schneller vorbereiten kann und somit in der Lage ist, eine viel größere Zahl an Mandanten zu betreuen. 

Die Gründung des Kontist Steuerservice - der heißeste Ritt meines Startup-Lebens

Während die Welt im Frühjahr stillstand, haben wir also beschlossen, den Kontist Steuerservice - der frühestens für Ende 2020 geplant war - vorzuziehen. Als achtfacher Gründer habe ich einige Erfahrung - aber dies war der heißeste Ritt, den ich bis jetzt in meinem Startup-Leben erlebt habe. In weniger als 4 Monaten von der ersten Zeile Code bis zu den ersten 200 zahlenden Kunden, das soll uns erstmal jemand nachmachen.

Heute, nur 4 Monate später, hat die Kontist Steuerberatungsgesellschaft schon mehr Kunden als 3 durchschnittliche Steuerkanzleien in Deutschland. Ein Rekord, den wir in den nächsten Jahren sicher noch öfters brechen werden.

Obwohl man sich wegen Corona nicht physisch sehen durften, wurden mehr als 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Das Produkt- und Entwicklerteam hat in wenigen Wochen ein neues Backend inkl. automatischer Buchhaltung und AI gebaut. Eine neue Firma wurde gegründet, eine Steuerberatungskanzlei als Partner gewonnen, unzählige Verträge ausgehandelt, Kunden als Beta-Tester angeworben, Webseiten gelauncht und was alles sonst noch so ansteht, wenn man einen komplett neuen Geschäftszweig gründet. 

So viel Commitment und Begeisterung habe ich selten gesehen.  Dieses Jahr konnten wir allen zeigen, dass wir es ernst mit unserem Auftrag meinen. Wir stehen für Selbständige ein und wollen mit unserem Angebot das Leben von Selbständigen drastisch vereinfachen. Wir wollen gemeinsam mit euch Selbständigkeit neu denken, ob es nun Banking, Steuern oder Politik ist. Corona hat dieses Jahr vielen von uns Selbständigen einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Ich bin stolz darauf, wie unser Team bei Kontist genau wie viele von Euch die Zeit trotzdem als Chance begriffen und sich und das Unternehmen weiterentwickelt hat. 

Abschiede und und Neubeginn

Mit der starken Veränderung in unserer strategischen Ausrichtung kommen natürlich auch oft personelle Veränderungen einher.  

Ich möchte mich herzlich bei Sibylle Strack bedanken, mit der ich zusammen  die Geschäfte von Kontist während der letzten zwei Jahre geführt habe. Gemeinsam haben wir das Unternehmen von  30 auf nunmehr fast 100 Mitarbeiter vergrößert. Sibylles Auftrag war es, Strukturen und Prozesse in einem schnell wachsenden Unternehmen aufzubauen und das Thema Banking zu konsolidieren.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich Sibylle an Bord hatte, besonders als der Wirecard-Sturm über uns hereinbrach. Wer weiß, wo wir ohne ihre Führung gelandet wären. Jetzt, da  der Wechsel von Wirecard zur Solarisbank abgeschlossen ist und Kontist sich voll auf das Thema Steuern konzentrieren wird, war es Zeit für die Vollblut- Bankerin Sibylle weiterzuziehen. Ich werde sie vermissen.

Einen weiteren Abschied gab es, und zwar von meinem Freund, Co-Founder und CTO Sebastian Galonska der mit mir vor fast 5 Jahren in meinem Wohnzimmer Kontist gegründet hat. Ohne ihn wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Sebastian möchte nach 5 sehr intensiven Jahren mehr Zeit für die Familie und für das Reisen haben. Wer kann es ihm verübeln.

Wenn der Vorhang für den einen fällt, geht er für den anderen auf. Ich freue mich sehr, Zhao Lu als neuen CTO bei Kontist begrüßen zu dürfen. Zhao kommt ursprünglich aus China, hat aber lange im Silicon Valley gearbeitet und bringt viel Erfahrungen mit Unternehmen in der Wachstumsphase mit. Außerdem wird seine Expertise im Bereich AI und Machine Learning sicher von großem Nutzen für die weitere Automatisierung unseres Angebots sein.

Last but not least freue ich mich besonders, dass ich einen alten Freund und Weggefährten, Benjamin Esser, überzeugen konnte, als neuer Co-CEO gemeinsam mit mir Kontist zu führen. Besonders das neue Thema Tax-Tech hat ihn überzeugt. Benjamin bringt viel Erfahrung mit:  als Startup-Gründer, im Management größerer Unternehmer sowie als strategischer Berater. Bei Kontist wird er u.a. die Bereiche Finanzen und Marketing übernehmen. 

Ich freue mich sehr darauf, im nächsten Jahr mit Benjamin und dem Kontist Team an meiner Seite, die Marktführerschaft im Banking für Freelancer weiter auszubauen. Gleichzeitig wollen wir zeigen und beweisen, dass man, wenn man Banking, Buchhaltung und Steuern komplett neu denkt, für den Freelancer endlich das herausbekommt, von dem wir alle schon lange träumen - einen Autopiloten für alle Finanzen und Steuern. 

Auf diesen nächsten Meilenstein freue ich mich. Vor allem hoffe ich, dass wir 2021 endlich diese Pandemie überwinden und dass wir uns beim Selbständigentag 2021 wieder persönlich sehen dürfen.