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Warum wir die Kontist Stiftung gegründet haben

Rund vier Millionen Selbstständige gibt es in Deutschland. Die jetzt gegründete Kontist Stiftung macht sich zukünftig für ihre Belange stark. Ohne Selbstständige kommt unserer Wirtschaft ein wesentliches Stück ihrer Innovationskraft abhanden. Kontist-Gründer Christopher Plantener erzählt, warum er zusammen mit Catharina Bruns und anderen Selbständigen die Kontist Stiftung ins Leben gerufen hat.

Eine moderne Stiftung für moderne Selbstständige

Mir ist wichtig, eine Sache gleich mal voraus zu schicken: die Arbeit, die Verbände und Gewerkschaften machen, ist richtig und wichtig. Als jemand, der sein ganzes Leben als Selbstständiger unterwegs ist, habe ich mir immer gewünscht, dass es so etwas auch für Menschen wie mich geben würde. Sicher, es gibt eine Menge von Berufsverbänden und anderen Vereinigungen; aber irgendwie hatte ich bei denen immer das Gefühl, dass diese Selbstständige, die sich ja oft immer wieder zwischen Selbständigkeit und Angestelltenjobs hin und her bewegen, überhaupt nicht auf dem Schirm haben.

Selbständige sind ein tragender Teil unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Durch den digitalen Wandel ergeben sich zahllose neue Möglichkeiten für dezentrales Arbeiten. Nicht nur in meinem Freundeskreis, überall kann man den klaren und immer stärker werdenden Trend zum selbständigen Arbeiten erleben. Die neue Arbeitswelt hat eben viele Gesichter. Auch große Unternehmen wissen das längst und versuchen sich dementsprechend darauf einzustellen. Sie versuchen ihren Angestellten beizubringen, wie Freelancer zu denken und zu arbeiten. Davon versprechen sie sich die Innovationskraft, die in dieser Form des Arbeitens liegt, für die Firma nutzbar zu machen. Das Modell “Selbstständigkeit” steht für Zukunftsfähigkeit und Innovation. Auch deswegen braucht es jemanden, der sich gegenüber Politik und Gesellschaft auf moderne Weise für moderne Selbstständige einsetzt. Was es braucht, ist ein grundlegender Mentalitätswandel, der den Wert und die Bedeutung von selbstständiger Arbeit anerkennt. Wir nennen dieses Selbstverständnis Citizen Entrepreneurship. Wir möchten damit ein gesellschaftliches Umfeld und Mindset schaffen, in dem sich jeder, der aus sich selbst heraus unternehmerisch aktiv werden und sich beteiligen möchte, jeder der die neue Arbeit und Wirtschaft mitgestalten will, entfalten und einbringen kann - und zwar weit über die Startup-Szene hinaus.

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Eine konkrete Forderung in diesem Zusammenhang ist der Bürokratieabbau. Das Beispiel Frankreich zeigt uns, dass positive Veränderungen möglich sind: In unserem Nachbarland ist alles, was mit Administration zu tun hat, extrem vereinfacht worden. Freischaffenden werden dort mittlerweile viel weniger Steine in den Weg gelegt. Ganz anders in Deutschland: Bei uns soll stattdessen die verpflichtende Altersvorsorge für Selbstständige eingeführt werden. Der Wunsch, uns Selbstständige fürs Alter abzusichern ist zwar generell richtig. Aber dennoch frage ich mich, ob es vom Staat richtig ist, sich dermaßen einzumischen? Was ist da der richtige Ansatz und welche alternativen Modelle könnte man ernsthaft diskutieren? Das ist nur eine der Diskussionen, in die wir uns mit der Kontist Stiftung einmischen. Wir möchten dafür sorgen, dass die gesellschaftliche Debatte sich verändert.

Unsere Stiftung beruht auf vier Säulen:

  1. Community. Um Wissen auszutauschen und Kompetenzen zu bündeln, schaffen wir neue Möglichkeiten für Selbstständige, sich zu vernetzen und auszutauschen - online und offline.
  2. Council. Um die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen für Selbstständige zu verbessern, setzt sich eine ausgesuchte Gruppe einflussreicher Multiplikatoren im Namen der Stiftung gegenüber Politik und Medien für Selbstständige ein.
  3. On- und Offline Events. Um den beruflichen Erfolg von Selbstständigen zu unterstützen, organisiert die Stiftung Events von Workshops über Meetups bis zu großen Veranstaltungen, wie das New Work Festival am 7. Juni (gleichzeitig offizieller Stiftungsauftakt) oder den Selbstständigentag am 28. November.
  4. Education. Weil es wichtig ist weiterzugeben, wie  entscheidend selbstständiges und kritisches Denken für jede Art von moderner Arbeit  ist, gehen wir deutschlandweit an Schulen und vermitteln im Rahmen von Projektwochen und Praxisunterricht den Spaß an Selbstständigkeit.
Kontist Stiftung Logo

Die Geschichte hinter der Stiftung

Die Idee, mich für selbstständige Arbeit einzusetzen, hatte ich eigentlich schon seit Jahren - seitdem ich (Buchhaltungs-)Softwarelösungen für Selbständige entwickle.  Mit der Gründung von Kontist wurde diese vage Idee aber konkreter. Ich träumte von einer Kontist Union, einer Art moderner Gewerkschaft (auch wenn ich diesen Namen überhaupt nicht mag), einem Zusammenschluss von Selbstständigen nach dem romantischen Bild “Alle für Einen, Einer für Alle”.

Aber dann mussten wir erst einmal unsere Bank aufbauen, das Produkt an den Markt bringen und die 1000 anderen Dinge bewältigen, die anstehen, wenn Du eine Banking App für Selbstständige erfolgreich machen möchtest. Als dann alles am Laufen war, war es an der Zeit für die Union. In einem Design-Thinking-Workshop baten wir damals unsere Kunden, uns etwas über ihre Bedürfnisse zu erzählen. Dabei kam heraus, dass die Community ein extrem wichtiges Thema ist. Der Austausch untereinander ist für Selbstständige essenziell. Als Konsequenz riefen wir unsere Online-Community ins Leben und starteten parallel dazu viele Offline-Events, die jeweils unterschiedliche Bereiche selbstständigen Arbeitens beleuchteten.

Um meiner Idee der Kontist Union näher zu kommen, habe ich versucht, zusammen mit anderen Unternehmen, die wie wir Produkte für Selbstständige anbieten, die „Freeliance” ins Leben zu rufen. Nach vielen Gesprächen und ein paar zaghaften Gehversuchen kam ich aber zu dem Schluss, dass die Zeit für diese Idee noch nicht reif ist. Ich glaubte aber weiterhin fest an den Grundsatz, die Selbstständigkeit zu stärken und entschloss mich deshalb dazu, dass wir diese Mission als Kontist mit unserer eigenen Stiftung alleine durchziehen müssen. So können wir langfristig an unserer Vision von einer innovativen und zeitgemäßen Interessenvertretung für Selbstständige arbeiten.

Ich freue mich wahnsinnig, großartige Menschen für die Arbeit in der Kontist Stiftung gewonnen zu haben. Den Stiftungsvorstand übernimmt  die erfolgreiche Unternehmerin Catharina Bruns, deren Bücher über die Zukunft der Arbeit zu den meistgelesenen Titeln zu diesem Thema gehören, und die sich seit vielen Jahren öffentlichkeitswirksam für einen Mentalitätswandel beim Thema Selbstständigkeit einsetzt. Unterstützt wird sie von Sophie Pester, Designerin und gemeinsam mit Catharina Gründerin des Craft-Startups “hello handmade”. Die Community der Stiftung betreut mein langjähriger Weggefährte Melchior Bläse.

Gestern erst haben wir die Kontist Stiftung gegründet. Ich bin voller Tatendrang und Ideen, denn wir haben viel zu tun. Am 7. Juni treten wir beim New Work Festival in Berlin erstmals offiziell in Erscheinung. Heute möchte ich aber mit diesem Beitrag feiern, dass wir einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu Citizen Entrepreneurship in Deutschland geschafft haben.