Kosten einsparen in Pandemie-Zeiten | Kontist
Selbstständigkeit

Kosten einsparen in schwierigen Zeiten

Marlon Thorjussen

Freelance Editor

17. Dez. 2020

H1: Als Selbstständiger Kosten einsparen – aufgrund der Corona-Pandemie und darüber hinaus

Dass das aktuelle Infektionsgeschehen nicht unwesentlich dazu beiträgt, viele Existenzen zu vernichten und finanzielle Kapazitäten an ihr Limit bringt, will ich gar nicht großartig ausbreiten. Du und ich wissen das. Und dass die sogenannten „November-“ und „Dezemberhilfen“ auf sich warten lassen, ist ein weiteres Problem. Nun mag sich die Situation vielleicht in einigen Monaten deutlich bessern, aber bis dahin kann es auch schon zu spät sein. Pleite ist, wer zahlungsunfähig ist. Und das hinauszuzögern, bis die eigene Tätigkeit wieder ungestört ausgeübt werden kann, ist das Gebot der Stunde. 

Es gibt viele, viele Möglichkeiten, in diesen für viele kargen Zeiten Kosten einzusparen. Einige Dinge wirken sofort, andere machen sich erst nach Wochen bemerkbar. Wenn die virale Pandemie überhaupt Vorteile hat, dann ja vielleicht den, dass ein jeder sich mal mehr mit seinen Finanzen und Ausgaben beschäftigen muss. So zwingt die Not zum Sparen und die Gewohnheit desselben senkt auf Dauer Kosten. Was können wir also tun?

Nun, die Fixkosten, die Lebenshaltungskosten sowie Möglichkeiten bei der Steuer können wir betrachten.

Fixkosten analysieren, verringern, tilgen

Fixkosten haben den unangenehmen Nebeneffekt, fix zu sein. Bei vielen Freelancern gehört ein Arbeitsplatz dazu, beispielsweise in Form eines angemieteten Büros oder Co-Working-Spaces. Jedoch: Wenn du nicht wirklich absolut auf einen Arbeitsplatz außerhalb deiner Wohnung angewiesen bist, kann der auch einfach weg.

Es gibt keinen Grund dafür, bei finanziellen Engpässen noch ein paar hundert Euro für einen Schreibtischplatz in einem anderen Gebäude auszugeben. Sich mit netten Menschen dort zu treffen und zu unterhalten, mittags im Café um die Ecke zu sitzen und Kundengespräche in einer professionelleren Atmosphäre zu führen, ist ja ohnehin nicht drin. Insofern kann das Büro beziehungsweise der Co-Working-Space weg. 

Falls du, insofern du hoffentlich bald wieder finanziell besser aufgestellt bist, das dringende Bedürfnis verspürst, wieder außer Haus zu arbeiten, steht dem erneuten Anmieten (vielleicht sogar günstiger) nichts im Wege. Wenn du Glück hast, sinkt infolge vieler Pleiten sogar die Nachfrage und die Preise fallen etwas. Soll heißen: Ein externer Arbeitsplatz, der nur dazu da ist, nicht zuhause arbeiten zu müssen, hat bei finanziellen Engpässen keine Berechtigung. Gleiches gilt für geleaste Fahrzeuge. 

Generell gilt für alles an Arbeitsmaterial (oder eben Mieten): Wenn die aufgewendeten Kosten nicht zu einem Mehrertrag führen, der die Kosten wieder deckt und auch noch Gewinn generiert, der auf Arbeitsstunden umgerechnet gut ist, ist es verlorenes Geld. Es ergibt ökonomisch betrachtet für einen Selbstständigen überhaupt keinen Sinn, Geld in sein Arbeitsumfeld zu stecken, wenn das nicht die Produktivität steigert.

Das gilt auch ausdrücklich für alles, was nur dem Prestige dienen kann: Wenn einer professionell gestaltete und durch einen Experten verwaltete Website nicht mehr Traffic erzeugt als deine selbst gebastelte für fünf Euro im Monat, dann ist das teurere Produkt sein Geld in deinem Fall nicht wert. Beispiele wie dieses gibt es zuhauf.

Andere Fixkosten fallen beispielsweise durch alte Verträge an. Wann, wenn nicht jetzt, möchtest du einen Vertrag mit einem nicht genutzten Streaming-Dienst kündigen? Und brauchst du wirklich jeden Monat 20 GB Datenvolumen? Warum es nicht mit zehn versuchen? Und vor allem: Hast du einen kosteneffizienten Internetanbieter? Nicht alle kosten gleich viel und wo du wählen kannst, solltest du das in Betracht ziehen.

Solche Beträge sind zwar Kleinkram, aber 20, 30 Euro mehr im Monat allein durch das Kündigen von überflüssigen Verträgen oder eben das Nutzen von günstigeren Angeboten herauszuholen, macht sich auf lange Sicht bezahlt. Nach drei Jahren hast du bei 30 Euro im Monat schon einen sehr stattlichen Urlaub zusammen. Aktuell helfen sie dir vielleicht, das Nötigste noch einkaufen zu können.

Außerdem kannst du Kosten vorübergehend aussetzen, indem du mit Lieferanten oder Vermietern sprichst. Zwar ist es riskant, sich auf spätere Zahlungen zu einigen. Jedoch kann eine vorübergehend ausgesetzte Miete für einen Produktionsraum beispielsweise dich über Wasser halten, bis es wieder halbwegs normal weitergeht. Selbstredend solltest du dann auch aushandeln, dass die Nachzahlungen entsprechend gestundet werden, damit dich nicht in drei oder sechs Monaten eine riesige Summe finanziell noch einmal erdrückt.

Ein letzter Punkt an dieser Stelle sind Sozialversicherungsbeiträge, insbesondere die Krankenversicherung. Hier werden die Beiträge aufgrund geschätzter Einkünfte berechnet. Das heißt: Du kannst bei deiner Krankenkasse in der Regel erwirken, dass diese die voraussichtlich niedrigen Einkünfte als Ermessengrundlage nehmen. Das ist etwas, was zügig geschehen sollte, denn rückwirkend geht dies meistens nicht.

Im Übrigen ist es auch deutlich schwieriger, zu viel gezahlte Beiträge zurückzukommen (meist geht das nicht) als einfach nachzuzahlen, wenn die Berechnung nicht stimmte. Du kannst also eine Verringerung der Beiträge beantragen und, wenn möglich, etwas Geld für eventuelle Nachzahlungen bereithalten. Besonders viele Einsparungen bringt dies, wenn sich deine Einkünfte wirklich drastisch reduziert haben. 

Bei den Lebenshaltungskosten Abstriche machen

Keine Sorge: Ich werde dir nicht raten, das Rauchen aufzugeben (falls du rauchst) oder auf deinen (teuren) Lieblingskäse zu verzichten. Jedoch gibt es im Alltag unendlich viele Kosten, die durch etwas mehr Aufmerksamkeit und Vorausplanung vermieden werden können. Und um direkt beim Rauchen zu bleiben: Zigaretten selbst zu drehen kostet, je nach Dicke des Filters, in etwa die Hälfte pro Zigarette im Vergleich zu fertigen Filterzigaretten. Es hat außerdem den Vorteil, dass das Rauchen etwas weniger spontan ist, weil der Griff in die Schachtel durchs Drehen ersetzt wird. Aber das nur am Rande...

Relevanter sind bei vielen aber eher die kleinen Kostenfallen im Alltag. Ein typisches Beispiel ist die Versorgung mit Getränken und Snacks. Energy-Drinks, Mate oder Cola kosten im Kiosk mehr als im Supermarkt. Trotzdem kaufen die meisten von uns gern etwas auf dem Weg. Wenn du Geld sparen willst, dann fang hier an:

Berechne mal, was dich eine bunte Dose koffeinhaltiges Getränk am Tag so im Monat kostet (vermutlich um die 70 Euro) und vergleiche das mit dem Supermarktpreis für die gleiche Menge (um die 45 Euro vielleicht). Im Falle dessen, dass das Zeug im Angebot ist, spricht auch nichts dagegen, sich einfach mal ein Dutzend Dosen auf Vorrat zuzulegen – trinken tust du es ja ohnehin. 

Bei Snacks außer Haus ist es ja genauso: Lecker ist das, aber eben nicht notwendig. Nichts spricht gegen mitgenommene Speisen, die gute alte Stulle oder eben den Verzicht. Geld, das einfach nur verkonsumiert wird und das auch noch zu zu hohen Preisen, lässt sich immer einsparen. Das ist übrigens nicht nur eine Maßnahme, die aufgrund von finanzieller Knappheit im Moment sinnvoll ist.

Generell ist Sparsamkeit sinnvoll, wenn es nicht in Askese und Geiz ausartet. Es geht ja nicht darum, immer auf den Frappucino zu verzichten. Aber muss es wirklich täglich einer sein? Ist es sinnvoll, dafür jedes mal 3,60 Euro hinzulegen?

Die Eigenschaft, zu viel Geld unterwegs einfach zu verschleudern, haben Menschen in unterschiedlichen Maßen. Ich weiß nur von mir, dass mehr Zeit unterwegs (und mehr Zeit mit selbst verordneten Pausen an der frischen Luft) dazu verleiten, sich selbst mit etwas Leckerem zu belohnen. Man kann es aber auch lassen. 

Andere Dinge bei den Lebenshaltungskosten musst du mit dir selbst ausmachen. Das ist stets eine Frage des eigenen Konsumverhaltens. Ich rate nur dazu, generell nicht über die eigenen Verhältnisse zu leben.

Vorsteuern aussetzen oder stunden als Freelancer

Eine weitere Möglichkeit, die allerdings schnell zu beantragen ist (bis zum 31. Dezember), ist das Aussetzen oder Verringern von Vorsteuern. Hierfür genügt ein formloses Schreiben, das dem Finanzamt am liebsten via ELSTER zugestellt wird (telefonisch ist dies nicht möglich). Du kannst damit zumindest erwirken, dass Vorsteuern verringert oder ausgesetzt werden. Auch die rückwirkende Erstattung von zu viel gesparten Steuern ist möglich. 

Alle Fragen hierzu werden im folgenden Dokument erörtert. 

Als Freelancer trotz Corona-Virus positiv in die Zukunft blicken

Die aktuelle Gesundheitskrise betrifft Selbstständige in sehr unterschiedlichem Ausmaße. Es ist eine Frage des Konsumverhaltens, der finanziellen Möglichkeiten von Kunden und natürlich der aktuellen Schließungen und Einschränkungen. Doch ausgehend von Hilfsversprechen, den eigenen Möglichkeiten zum Einsparen und der anlaufenden Impfung, darf man annehmen, dass dieser Zustand nicht von Dauer ist. 

Es wird für die meisten sicherlich wieder einen Normalzustand geben. Doch bis dahin müssen einige sich wirklich mehr Gedanken als sonst um ihre Finanzen machen. Es bleibt zu hoffen, dass die kargen Zeiten überbrückt und überstanden werden können.