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Gehaltskosten reduzieren - Wie du Kurzarbeitergeld in der Coronakrise anmeldest

Die Corona-Krise trifft uns alle unerwartet und bringt viele von uns in finanzielle Schieflagen, auf die wir nicht vorbereitet waren. Das Team von Kontist und der Kontist Stiftung ist mit den aktuellsten Informationen über Maßnahmen und Hilfsangebote für dich da. In diesem Artikel geht es um die Möglichkeit, deine Mitarbeiter vorübergehend in Kurzarbeit zu schicken.

Weitere Sofortmaßnahmen, die für dich in Frage kommen könnten, sind:

Was tun, wenn ich meine eigenen Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen kann, weil mein Laden schließen musste, die Lieferkette gestört ist oder die Aufträge aufgrund der Krise ausbleiben? Eine Lösung lautet: Kurzarbeit beantragen. In diesem Artikel erkläre ich dir, welche Voraussetzungen du erfüllen musst, was Kurzarbeit für dich und deine Beschäftigten bedeutet und wo du den Antrag stellen kannst.

Die gute Nachricht: Die Bundesregierung hat am 23.03.2020 ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen, das Soforthilfen – wie zum Beispiel das Kurzarbeitergeld – schneller und unkomplizierter zugänglich machen soll. Wie das funktioniert, erfährst du jetzt.

Kurz erklärt: Was ist Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeit kann in Kraft treten, wenn du deine Mitarbeiter vorübergehend nicht voll oder sogar gar nicht beschäftigen kannst. Grund hierfür kann ein Brand in deiner Fabrik sein, ein durch eine weltweite Krise (wie bspw. Corona) verursachter Lieferengpass oder – ebenfalls aktuell – eine behördliche Anordnung, die dich zwingt, dein Geschäft zu schließen. Kurzarbeit kann dafür sorgen, dass die Arbeitsplätze erhalten werden – sie ist also deine Chance, die Krise ohne Entlassungen zu überstehen.

Praktisch sieht das dann so aus: Vorübergehend arbeiten deine Beschäftigten gar nicht mehr oder mit reduzierten Stunden. Sie erhalten dementsprechend weniger Lohn. Zusätzlich zu dem verringerten Lohn zahlst du ihnen Kurzarbeitergeld, das du von der Bundesagentur für Arbeiter erstattet bekommst (vorausgesetzt du hast die Kurzarbeit dort angemeldet). Das Kurzarbeitergeld beträgt 67% (bei Mitarbeitern mit mindestens einem Kind) oder 60% (bei Mitarbeitern ohne Kinder) der Differenz zwischen normalem Nettolohn und dem momentanen, verringerten Nettolohn.

Kurzarbeit kann fĂĽr bis zu 12 Monate und entweder im ganzen Betrieb oder auch nur in einzelnen Abteilungen gelten.

Corona-Krise: Was ist neu?

Die Bundesregierung hat für die Überbrückung der Corona-Krise eine flexiblere Kurzarbeitsregelung beschlossen. Sie gilt bis zum 31.12.2020 und soll das Kurzarbeitergeld unbürokratischer, schneller und für mehr Unternehmen zugänglich machen. Die Anpassungen sind zum Beispiel:

  • Die Beiträge fĂĽr die Sozialversicherung deiner Mitarbeiter werden fĂĽr die ausgefallenen Arbeitsstunden zu 100 % ĂĽbernommen.
  • Es muss nicht mehr ein Drittel der Belegschaft betroffen sein, sondern nur 10 %.
  • Kurzarbeitergeld ist auch fĂĽr Leiharbeiter möglich.
  • Auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden wird – falls es in deinem Betrieb eine derartige Regelung gibt – verzichtet.
  • Deine Mitarbeiter dĂĽrfen während der Kurzarbeit einen Nebenjob ausfĂĽhren. Bedingung: Der Job muss systemrelevant sein und sie dĂĽrfen so viel verdienen, bis sie die Höhe ihres regulären Lohns erreichen.

Übrigens: Für den Fall, dass du zwischendurch doch einen größeren Auftrag bekommst und deine Beschäftigten wieder brauchst, kann der Bezug des Kurzarbeitergeldes unterbrochen werden.

Komme ich in Frage? Voraussetzungen fĂĽr Kurzarbeitergeld

Um Kurzarbeitergeld beantragen zu können, muss dein Unternehmen von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sein. Das heißt im Klartext: 

Der Arbeitsausfall muss 

  • unvermeidbar sein (du musst also zuerst versuchen, deine Mitarbeiter anderweitig im Betrieb unterzubringen, zum Beispiel im Lager statt im Verkauf. Nur wenn auch das nicht möglich ist, kannst du Kurzarbeitergeld beantragen).
  • von einem unabwendbaren Ereignis ausgelöst sein (Beispiel: Dein Restaurant muss auf eine behördliche Anordnung hin vorĂĽbergehend geschlossen werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen).
  • vorĂĽbergehend sein.
  • wirtschaftliche GrĂĽnde haben (Beispiele: Folgeaufträge fallen weg, Material fehlt).
  • Mindestens 10 % der Beschäftigten betreffen, und zwar in Höhe von mindestens 10 % des Bruttolohns (wenn du die Anzahl deiner Beschäftigten ermittelst, zählst du Geringverdiener, beurlaubte Mitarbeiter und Mitarbeiter im Mutterschutz mit. Azubis zählen allerdings nicht).

DarĂĽber hinaus gilt:

  • Kurzarbeitergeld wird nur fĂĽr sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter gezahlt (nicht fĂĽr Geringverdiener wie Minijobber)
  • Deine Mitarbeiter mĂĽssen gĂĽltige Arbeitsverträge haben, die nicht gekĂĽndigt wurden. Ob die Verträge befristet oder unbefristet sind, ist egal.

Wie und wo beantrage ich Kurzarbeitergeld?

Direkt das Wichtigste vorab: Der Antrag muss spätestens am letzten Tag des Monats, in dem die Kurzarbeit eingetreten ist, bei deiner zuständigen Agentur für Arbeit eingehen. Wenn du also im März dein Geschäft schließen und deine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musstest, heißt es: Beeilung! Am besten beantragst du direkt das Kurzarbeitergeld. Wie? So:

  1. Mitarbeiter informieren. Wenn du eine Klausel zur Kurzarbeit in die Verträge deiner Mitarbeiter aufgenommen hast: super. Wenn nicht, musst du die schriftliche Zustimmung deiner Mitarbeiter einholen.
  2. Kurzarbeit bei der Agentur fĂĽr Arbeit anzeigen. Du musst Angaben zu deinem Betrieb machen und den Grund fĂĽr die Notwendigkeit der Kurzarbeit angeben. Am schnellsten geht das online. Alternativ kannst du die erforderlichen Vordrucke auch auf der Website der Bundesagentur fĂĽr Arbeit herunterladen und ausdrucken. Hier findest du das Formular zum Anzeigen der Kurzarbeit.
  3. Höhe des Kurzarbeitergeldes berechnen. Die Bundesagentur für Arbeit hat Übersichts-PDFs erstellt, die du hier und hier findest. Ansonsten kann dir auch ein Steuerberater helfen oder du verwendest einen Online Rechner.
  4. Deine Mitarbeiter bezahlen. Du zahlst ihnen ihren anteiligen Lohn (Beispiel: sie arbeiten nur noch 50 % der regulären Arbeitszeit, bekommen also 50 % des regulären Lohns) plus Kurzarbeitergeld aus.
  5. Auszahlung durch die Agentur fĂĽr Arbeit beantragen. Die Auszahlung beantragst du monatlich, und zwar ebenfalls online oder mit diesem Formular. DafĂĽr hast du nach Ablauf des Monats jeweils 3 Monate Zeit.
  6. Abschlussprüfung. Sobald die Krise überstanden ist und deine Mitarbeiter wieder voll ihrer Tätigkeit nachgehen können, findet eine Abschlussprüfung durch die Bundesagentur für Arbeit statt.

Fragen aus der Community

Müssen tatsächlich erst Urlaub und Überstunden abgebaut werden? 

Ja. Bevor du Kurzarbeit anzeigen kannst, musst du versuchen, deine Beschäftigten anderweitig unterzubringen. Dazu zählt auch, Resturlaub und Überstunden abzubauen. Aber in der derzeitigen Krise greift eine Sonderregelung: Negative Arbeitszeitsalden müssen nicht aufgebaut werden.

Wie wird die Anzahl der Mitarbeiter berechnet? In kleinen Unternehmen sind ja oft Minijobber und Teilzeitkräfte beschäftigt.

Wenn du die Anzahl deiner Beschäftigten ermittelst, zählst du Mini-Jobber, beurlaubte Mitarbeiter und Mitarbeiter im Mutterschutz mit. Azubis zählen allerdings nicht.

Ist Kurzarbeitergeld auch fĂĽr Mini-Jobber beantragbar?

Nein. Mini-Jobber, Beschäftigte mit gekündigtem Vertrag und Azubis haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Habe ich Anspruch auf Kurzarbeitergeld, wenn ich meinen Betrieb vorsorglich einstelle, um meine Mitarbeiter zu schĂĽtzen?

Nein. Der Arbeitsausfall muss unvermeidlich und wirtschaftlich bedingt sein, das heißt dass dein Betrieb zum Beispiel auf behördliche Anordnung hin schließen muss oder du durch die Krise nicht ausreichend Aufträge bzw. Material mehr bekommst.

Wie wahrscheinlich ist die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes?

Eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 80 %, wie sie derzeit in einer Petition von ver.di gefordert wird, ist unseren Informationen zufolge bisher nicht im Gespräch.

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