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5 Lektionen aus meinem ersten Jahr als Freelancer

Deine Gründe für das Leben als Freelancer sehen wahrscheinlich so ähnlich aus wie meine und die vieler anderer: Du willst die Zeit und Möglichkeit dazu haben, dich auf Wichtiges zu konzentrieren. Du möchtest selbst darüber entscheiden, wie viel Energie du in welchen Bereich deines Lebens steckst, dein eigener Herr sein und dir etwas aufbauen. Außerdem bedeutet das Freelancing auch zu einem gewissen Grad mehr Flexibilität, die dir bei Freunden, in Partnerschaften und mit der Familie zugute kommen wird.

Doch das Leben als Freelancer beginnt in der Regel hart und Fehler sind unvermeidlich. Während das Scheitern am Anfang durchaus häufiger vorkommen - und auch okay ist , lassen sich aus dem ersten Jahr des Freelancertums zumindest ein paar wertvolle Lektionen mit allgemeiner Gültigkeit ableiten. Und ganz egal, ob du gerade erst mit deinem Business begonnen hast, oder auch schon Monate dabei bist: Das Folgende gibt dir hoffentlich einen Eindruck davon, dass du nicht der einzige Mensch auf Erden bist, der sich erst in seine Selbstständigkeit einleben muss.

1. Sein eigener Boss zu sein ist härter als man glaubt - aber dafür umso besser

Zuerst ein Ausflug in die Psychologie an dieser Stelle: So wird zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterschieden. Die extrinsische Motivation bezeichnet im Grunde den Umstand, dass eine Tätigkeit aufgrund einer Belohnung ausgeführt wird - also etwa aufgrund einer Bezahlung. Die Tätigkeit selbst hat keinen motivierenden oder belohnenden Charakter, denn es geht nur darum, sie auszuführen, um zu einem Ergebnis zu gelangen. Die intrinsische Motivation erwächst hingegen aus deinem Inneren: Du tust die Dinge aus einem Gefallen an der Aufgabe heraus. Das Ziel motiviert - aber eben auch der Weg.

Zudem ist der Rahmen, in welchem extrinsische Motivationsfaktoren definiert werden, in nahezu allen Fällen fremdbestimmt. So lassen einen der Arbeitgeber oder Kunden wissen, was sie erwarten und was sie zu geben bereit sind. Du erfüllst deine Aufgabe und das ist es dann. Und wenngleich Geld und Anerkennung gute Motivationsfaktoren sind, genügen sie auf Dauer nicht. Du musst wirklich wollen, was du tust.

Und das ist auch schon die Krux an der ganzen Sache: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Ausüben eines geliebten Jobs in einer Firma und dem Ausüben eines geliebten Jobs für dich selbst. Wenn du selbst dein eigener Herr bist, entfallen die klassischen Kontrollmechanismen, die ein Unternehmen am Laufen halten. Es gibt keinen Vorgesetzten, der dich antreibt und auch keine festgefahrene Struktur, die dir Anfang und Ende des Tages bestimmt. Das musst du alles selbst erledigen. Du kannst noch so motiviert sein: Ohne Struktur arbeitest du wahrscheinlich dennoch nicht genug.

Eigenmotivation und Disziplin sind also die Kernqualifikation, die du dir als dein eigener Boss aneignen solltest. Es gibt dabei viele Fallen, die mit dem Gedanken "Ich bin mein eigener Chef, ich darf das" gerechtfertigt werden; etwa die Mittagspause um eine Episode einer beliebigen Serie zu verlängern, oder eben doch mal dreißig Minuten länger zu schlafen.

Du musst selbst herausfinden, wie viel Zeit du verschwenden kannst und welche Straffheit in der Organisation du brauchst. Denk einfach daran, dass auch ein extrem disziplinierter Tag dir noch immer die Freiheit lässt, aus ihm auszubrechen. Vielleicht passiert etwas, vielleicht braucht ein Freund deine Hilfe? Du hast die Freiheit zu reagieren, wenn es sein muss. Und das ist das Großartige an der ganzen Sache.

Halte dich selbst am Laufen, erhalte die Liebe zu deiner Arbeit und verschwende wenig Zeit. Das macht effizient und ist ganz nebenbei auch gut für die Finanzen.

2. Verträge und Erwartungen

Eine der ärgerlichsten Dinge im Freelancing sind die Überarbeitungen, weitere Sichtungen von Projekten und die kleinen Änderungswünsche, die angekündigt werden. An sich sind sie Teil der Arbeit. Blöd ist es nur, wenn sie nicht vertraglich geregelt sind. So passiert es schnell mal, dass Mehrarbeit aufkommt (ohne Bezahlung) und dass Zeit ins Land fließt. Und das ist kostbare Zeit.

Während du dich ohnehin vor jedem Auftrag fragen solltest, ob er wirklich passt , musst du schon recht früh im Gespräch klären, dass alles vertraglich wasserdicht sein sollte. So ersparst du beiden Seiten unangenehme Überraschungen und erzeugst keine falsche Erwartungshaltung.

Es ist keine Schande, einen für dich standardisierten Vertrag immer wieder zu verwenden, wenn er möglichst viele Eventualitäten abdeckt. Sorge auch bei spezielleren Aufträgen dafür, dass auch hier alles klar benannt und fakturiert werden kann. Beim Erstellen von Vorlagen kannst du dir gern Hilfe holen (irgendein Jurist für Vertragsrecht wird sich schon finden). So kannst du sicherstellen, dass deine Verträge rechtlich einwandfrei sind.

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3. Gutes Marketing ist der Löwenanteil am Business

Ganz egal, wie gut du bist - wenn dich keiner kennt, ist es irgendwie egal. Das klingt zwar fast schon gemein, aber es stimmt. Schau dich in der Welt um und denke mal darüber nach, wie oft Qualität mit Bekanntheit korreliert - (selten!).

Es mag ja sein, dass du deine Kunden von deiner Qualität überzeugt hast (das solltest du auch), aber das ist nur halb so viel wert, wenn es keiner weiß. Du musst also dafür sorgen, dass du eine gute PR hast. Da tragen die Rezensionen deiner Kunden zu bei, aber eben auch deine eigenen Aktivitäten in den Social Media-Kanälen, auf deiner Website und so weiter. Das eigene Marketing ist wichtig und ein Eckpfeiler der Kundenakquise. Denn nicht nur das direkte Ansprechen von potenziellen Neukunden füllt dein Auftragsbuch, sondern eben auch das reine Präsentsein.

Dein Marketing bestimmt darüber, ob und wie du wahrgenommen wirst. Auch wenn du der Beste deiner Art bist, kannst du das leider zu Grabe tragen, wenn keiner auf dich aufmerksam wird.

4. Neue Ausrüstung ohne neue Kunden = Schulden

Was wie eine Milchmädchenrechnung klingt, ist tatsächlich ein häufiger Grund für finanzielle Engpässe. Es steht außer Frage, dass du mit irgendeiner Ausrüstung anfangen musst. Aber dir sei hier einmal unterstellt, dass du dein Business nicht als kompletter Laie beginnst, sondern zumindest ein bisschen kannst, was du eigentlich anbietest. Und mit dieser Ausrüstung hast du hoffentlich auch schon neue - oder gar die ersten - Kunden gewonnen.

Die Frage ist ja, was schwerer wiegt: Die Ausrüstung oder das Talent? Ich persönlich glaube an dieser Stelle einmal an das Talent, spreche einer guten Ausrüstung aber auch nicht die Wichtigkeit ab. Die Kunst besteht darin, mit den verfügbaren Mitteln bestmögliche Ergebnisse zu liefern. Und dass das geht, haben dir ja deine ersten zufriedenen Kunden gezeigt, oder?

Wenn du also mit dem Gedanken spielen solltest, dir eine bessere Ausrüstung für dein Business zuzulegen, musst du sichergehen, dass die Ausgaben auch gedeckt sind. Ansonsten folgen Schulden und - im schlimmsten Falle - Kreditzinsen. Außerdem erfordert gerade technisches Equipment zuweilen ein wenig Einarbeitungszeit. Du musst also den finanziellen und zeitlichen Freiraum für solche Neuanschaffungen erarbeiten. Und das gelingt am besten, wenn du durch deine Qualität trotz imperfekter Ausrüstung neue Kunden gewinnst .

Gerade im ersten Jahr ist es sowieso von größter Relevanz, ein paar Kunden zu gewinnen, die dir treu bleiben. Und wenn sie dich auch schon mit deiner Startausrüstung geschätzt haben, werden sie dich mit einem besseren Equipment ja vielleicht sogar lieben - und weiterempfehlen.

5. Sich zu viel mit anderen zu vergleichen ist ungesund

Wer bin ich und wie viele gibt es von meiner Art? Wer ist alles besser und warum bin ich es nicht? Was ist mit meiner Reichweite und wer schaut sich mein Zeug überhaupt an?

Fragen über Fragen, die du sicherlich kennst. Aber erstens einmal: Vergleiche dich niemals - manch einer wäre dazu verleitet, hier "NIEMALS" zu schreiben - mit Leuten, die in deiner Branche und viel länger als du auf dem Markt sind. Natürlich sind die mitunter erfolgreicher als du, sind als Eigenmarke bekannter und haben mehr Follower bei Instagram, Facebook und wie sie allee heißt. Sieben Jahre sind halt mehr als eines und das waren wohl sieben Jahre, die diese Leute in ihre Arbeit (und ihr Marketing!) gesteckt haben.

Es gibt aber gute Dinge, die aus Vergleichen entstehen. Du kannst zum Beispiel von anderen lernen, du kannst auch sehen, was für Fehler so gemacht werden und du kannst dich inspirieren lassen. Aber wiege dein eigenes Dasein nicht gegen das von Leuten auf, gegen die du aufgrund ihrer Erfahrung einfach untergehen musst. Du kannst sie aber als Leuchtturm verwenden.

"Da will ich einmal hin" ist so ein Satz, der mir hier einfällt. Vielleicht ist der Weg ein anderer, aber das Feuer des Leuchtturmes ist stets an der gleichen Stelle. Am Leuchtturm erwartet dich das Ich, das du einmal (beruflich) sein möchtest. Aber auf dem Weg dorthin gibt es Wellen und ab und an lenken dich andere Leuchttürme ab. Aber immerhin weißt du, dass du im richtigen Gewässer schwimmst.

Und weil Poesie dir wahrscheinlich nicht hilft, einmal Folgendes: Wenn du dich schon vergleichen willst, dann mit Leuten, die auch mit dir vergleichbar sind. Da kannst du sehen, wie gut oder schlecht du abschneidest. Und vergiss nicht, dass du dein Ding selbst in der Hand hast. Vielleicht bist du ja in ein paar Jahren mal der Leuchtturm für einen frischen Freelancer?

Wichtig ist, dass du lernst und wächst. Gerade im ersten Jahr hast du dazu viele Gelegenheiten.