Coronakrise - Liquiditätstipps ohne staatliche Hilfe | Kontist
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Liquiditätstipps ohne staatliche Hilfe für die Corona-Krise

Melchior Neumann

Community Manager

7. Apr. 2020

Viele Selbständige und Unternehmer fühlen sich gerade sehr hilflos. Durch die Corona-Krise geraten sie in schwere wirtschaftliche Schwierigkeiten – unerwartet und ohne eigene Schuld. Es gibt zwar staatliche Hilfen wie die Sofortzuschüsse. Hier herrscht aber viel Verwirrung, weil jedes Bundesland eigene Anträge hat, die Programme sich ändern und darüber hinaus oft nicht zur Lebenswelt von Selbständigen passen. Doch ganz ehrlich: Wir wären doch keine Unternehmer, wenn wir nicht die Dinge selbst in die Hand nehmen würden, oder? 

Ich zeige dir in diesem Artikel verschiedene konkrete Schritte, die du jetzt gehen kannst, um deine Liquidität zu sichern. Ganz nach dem Motto #selbstwasmachen!

Ausgaben senken

Zunächst schaue ich mit dir auf die Ausgaben-Seite. Verschaffe dir einen Überblick, welche Zahlungen jetzt gerade und in den nächsten Wochen und Monaten anstehen. Alles, was nicht unbedingt notwendig ist, solltest du verschieben oder reduzieren. Hier ein paar Beispiele:

  • Steuern senken und stunden: Die Vorauszahlungen für die Einkommensteuer und Gewerbesteuer kannst du herabsetzen. Aktuell fällige Steuerzahlungen aus den letzten Jahren kannst du zinslos stunden. Wie das geht, erfährst du hier. Aber Achtung! Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Die Steuern musst du natürlich trotzdem zahlen. Plane das ein, sonst kann die Stundung zur Schuldenfalle werden.

  • Zahlungsziele verschieben: Überlege, welche offenen Rechnungen du verschieben kannst. Häufig ist das Verschieben bis zu 3 Monate möglich. Hier ist wichtig: Besprich deine Situation am besten mit deinen Geschäftspartnern. Oft werden Kompromisse gefunden. 

  • Gehälter einsparen: Wenn du Mitarbeiter hast, bietet sich eventuell das Kurzarbeitergeld an, um Entlassungen zu verhindern. Welche Voraussetzungen du erfüllen musst und wie du den Antrag stellst, erfährst du hier.

  • Miete senken: Sprich mit deinem Vermieter, ob eine vorübergehende Senkung der Miete möglich ist. Gerade für große Vermietergesellschaften ist dies oft kein Problem.

  • Abos etc. aussetzen: Behalte nur Kosten, die unbedingt notwendig sind und die dir Umsatz bringen. 

Einnahmen erhöhen

Liquidität hat immer zwei Seiten, die Ausgaben und die Einnahmen. Auch wenn dein Geschäft momentan geschlossen hat, du nicht produzieren kannst oder Veranstaltungen abgesagt wurden: Du solltest dich jetzt bemühen, fällige Zahlungen einzuholen und künftige Einnahmen zu generieren.

  • Zahlungen jetzt einfordern: Offene Rechnungen, die von deinen Auftraggebern erst nach mehrfachen Erinnerungen bezahlt werden? Kannst du in der aktuellen Situation nicht gebrauchen! Das kannst du konkret tun:
  • Konsequenter mahnen.
  • Vorkasse/Vorschüsse: Für den Fall, dass du noch Aufträge hast, kannst du auf Vorkasse oder mit Vorschüssen arbeiten, um deine Liquidität zu sichern.
  • Skonto gewähren, das heißt einen Preisnachlass bei zügiger Zahlung. Gerade bei Großunternehmen eine gängige und erfolgreiche Methode.
  • Factoring, das heißt das Geld durch ein Factor-Unternehmen einholen lassen.
  • Persönliches Gespräch: Das sollte gerade bei langfristigen Geschäftsbeziehungen die erste Wahl sein, um das Arbeitsklima auch für die Zukunft zu erhalten.
  • Fair bleiben: Denk dran, auch deine Geschäftspartner können von der Corona-Krise betroffen sein. Versuche am besten, im persönlichen Gespräch eine Lösung zu finden, die für alle in Ordnung ist.
  • Sale & Lease Back kann eine weitere Möglichkeit für schnelle Liquidität sein. Wenn du zum Beispiel Maschinen oder Immobilien besitzt, kannst du sie an eine Leasinggesellschaft verkaufen und anschließend von dieser Gesellschaft zurückleasen. 

Was kann ich noch tun?

  • Kunden genau analysieren: Häufig hat man gerade als Freelancer ein paar Kunden, mit denen man eher Geld verliert als Geld verdient. In Krisenzeiten gilt mehr denn je: Arbeite nicht unter Wert und überlege dir gut, wie die Aufträge aussehen müssen, damit sie sich für dich lohnen. 

  • New Business: Nach dem ersten Schock und dem Zurechtfinden in dieser für uns alle neuen Situation solltest du anpacken und weiterdenken. Wie kann ich mein Business anpassen oder weiterentwickeln? Was habe ich und was kann ich? Was braucht der Markt gerade? Welche Kunden kann ich gerade jetzt akquirieren? 

  • Vernetzen: Gemeinsam schaffen wir mehr! Vernetze dich mit anderen Selbständigen und Unternehmern, tausche Erfahrungen, Tipps und Hilfsangebote aus. Du bist mit deiner Situation nicht alleine. Werde zum Beispiel Mitglied in der Facebook-Gruppe “Selbstwasmachen” der Kontist Stiftung: https://www.facebook.com/groups/selbstwasmachen/