facebook-pixel

Als Freiberufler einen Mentor finden - so geht's

Irgendwann kommen wir alle an den Punkt, an dem wir uns fragen: „Mache ich das jetzt ernsthaft für die nächsten 30 Jahre?!“ Ja, das Berufsleben kann manchmal eindimensional wirken. Und für manche sogar wie eine Einbahnstraße aussehen. Andere denken darüber nach, wie sie sich fachlich oder persönlich weiterentwickeln können. Das geht Angestellten wie Freiberuflern so. Erst ackert man jahrelang wie wild, um die Traum-Position zu ergattern oder sich als Selbstständiger auf dem Markt etabliert zu haben – und dann stellt man sich erst mal die Sinnfrage. Aber hey, da gibt’s ne Lösung! Einen Mentor finden.

Der klassische Weg – so läuft Mentoring in Unternehmen ab

Ein erfahrener Manager (Mentor) trifft sich regelmäßig mit einem jungen Kollegen, häufig einem High Potential (Mentee) und gibt sein fachliches Wissen weiter. Darüberhinaus berät er den Jüngeren in Karrierefragen, öffnet Türen in andere Abteilungen, vernetzt mit Kollegen und hilft dabei, die aktuellen und vergangenen beruflichen Schritte zu reflektieren. Mentoring ist also ein klassisches Instrument der Personalentwicklung. Häufig gibt die Personalabteilung den Impuls und hilft dabei, die Tandems zu bilden. Unternehmen haben aber nicht nur das Interesse, die bestehenden Mitarbeiter zu formen und zu fördern. Sie wollen durch Mentoring-Programme auch künftige Fachkräfte rekrutieren.

Etwa der Autohersteller BMW. Weil man sich mehr weibliche Bewerberinnen aus technischen Fächern wie Elektrotechnik, Maschinenbau und Mathematik wünscht, kooperiert die Personalabteilung mit der Fachhochschule Landshut, um Mentoren zu finden. Erfahrene BMW-Mitarbeiterinnen werden die Mentorinnen von Studentinnen. Maike Dieckmann, Spezialistin Entwicklung Faserverbundwerkstoffe bei BMW in Landshut, hat Produktions- und Automatisierungstechnik studiert. Die 35-Jährige nimmt nun schon zum zweiten Mal bei dem Förderprogramm für junge Frauen teil und fungiert als Mentorin für eine junge Studentin. „Wir bilden über zwei Semester lang ein Tandem, treffen uns etwa alle 14 Tage, wobei die Initiative hier vom Mentee ausgeht. Wir sprechen viel über das Studium, über Konflikte im Job und wie ich meinen Arbeitsalltag gestalte“, erzählt Maike Dieckmann. Sie half ihrer Mentee auch schon, die Projektarbeit zu stemmen. Im Gegenzug fand es die Entwicklungsspezialistin spannend zu erfahren, was Studierende heute bewegt und wie sich technische Studiengänge verändert haben. „Mit so einem Programm lernt man die nächste Praktikantin oder eine qualifizierte Nachwuchskraft kennen. Außerdem ist es ein schönes Gefühl, jemandem helfen zu können. Und für die Selbstreflektion ist es auch nicht schlecht. Welchen Weg habe ich zurückgelegt, wo stehe ich eigentlich gerade?“, erzählt Maike Dieckmann. Sie fand auch offene Worte in den Gesprächen mit ihrer Mentee, die immer wieder Zweifel an der Wahl ihres Fachs hatte. Am Ende brach sie das Studium ab. Auch das kann Mentoring leisten: Den richtigen Weg für sich zu finden, angeleitet durch einen erfahrenen Mentor.

Und so geht Mentoring bei Freiberuflern

Sie genießen viele Freiheiten und müssen sich nicht in das enge Korsett eines Unternehmens zwängen. Ja, Selbstständige und Freiberufler haben es richtig gut! Allerdings sind sie eben auch Einzelkämpfer und müssen sich um sehr vieles selbst kümmern. Manchmal wäre es da schon schön, eine Personalabteilung zu haben, die einem Fortbildungen organisiert oder vorschlägt, an einem Mentoring-Programm teilzunehmen. Denn gerade als Selbstständiger ist es schwierig, einen Mentor zu finden. Bei uns läuft das mit den guten Ratschlägen ja eher unter dem Stichwort kollegialer Austausch. Man trifft sich zum Lunch oder zum Feierabend-Bierchen mit anderen Selbstständigen oder fragt im Coworking-Space nach, wenn man konkrete Fragen hat. Aber was ist mit dem großen Ganzen? Mit einer Vision, dem nächsten Karriereschritt, dem entscheidenden Impuls? Vielleicht würde hier ein Mentor die richtigen Gedanken liefern. Aber wie findet man einen Mentor? Berufsverbände wie beispielsweise der Bayerische Journalisten-Verband e.V. bieten Mentoring-Programme auch für freie Journalisten und selbstständige PR-Leute an. Da lohnt es sich, auf der Homepage des jeweiligen Berufsverbandes nachzulesen. Ansonsten hilft nur: Selbst aktiv werden: Einen Mentor zu finden und freundlich anfragen, ob derjenige bereit wäre, dieses „Amt“ zu bekleiden. Keine Scheu! Dabei hat man nun wirklich nichts zu verlieren. Fast jeder fühlt sich gebauchpinselt, wenn ein jüngerer Kollege nach Rat fragt. Und selbst wenn der Erfahrene aus Zeitgründen absagt: Allein, dass man sich die Frage getraut hat, lässt einen in der Achtung des anderen steigen.

Kontist - Banking for freelancers

Do your thing, not your taxes

Learn more

Mentor gefunden? Im Vorfeld über Ziele sprechen

Vorher sollte man sich natürlich genau überlegen, was man sich davon erhofft einen Mentor zu finden. Die Treffen kosten schließlich für beide Seiten Zeit. „Es ist enorm wichtig, dass klar ist, wer sich was erwartet. Hat der Mentee ein spezifisches Ziel vor Augen wie etwa, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern, ist ein Coach die bessere Wahl“, sagt Kim Christopher Birtel. Der 49-Jährige arbeitet in Hamburg als Mediator und Mentor – allerdings auf professioneller Ebene. Er wird also für seine Dienste entlohnt. Der klassische Mentoring-Weg ist hingegen unentgeltlich: Mentor und Mentee treffen sich, ohne dass der eine den anderen dafür eine Rechnung stellt. Ein Coach hingegen wird immer bezahlt. „Er ist mehr wie ein Trainer, der spezifisch auf Leistungssteigerung schaut oder dabei hilft, ein Defizit zu überwinden. Ein Mentor hat eine ganz andere Funktion: Er schaut mit viel Wohlwollen und Respekt auf die Biographie seines Mentees und begleitet dessen Weg, indem er die richtigen Fragen stellt“, sagt Kim Christopher Birtel. Den Weg müsse der Mentee dann aber selbst gehen, der Mentor öffnet lediglich die Tür. Natürlich kann das schnell psychologisch werden – ein Mentor hat also eine große Verantwortung, der er sich im Vorfeld bewusst werden sollte. „Wenn es therapeutisch wird, sollte der Mentor seinen Schützling an einen Psychologen vermitteln. Um die ganz großen Lebensthemen zu besprechen, ist ein Mentoring in den meisten Fällen nicht der richtige Rahmen“, sagt der Experte. Im Vorfeld muss also geklärt werden: Habe ich ein Problem mit meiner Kritikfähigkeit? Kann ich mich in der Konferenz nie durchsetzen? Dann braucht es einen Coach. Möchte ich mein Netzwerk erweitern? Würde es mir helfen, wenn mir ein erfahrener Kollege von seinem Karriereweg erzählt? Dann ist es der richtige Weg, einen Mentor aus dem Arbeitsumfeld zu finden.

Du willst auch ohne Mentor etwas für deine Networking-Qualitäten tun? Hier haben wir die besten Tipps für dich: Warum gute Netzwerker die besseren Freiberufler sind .

Was ein Mentor leisten kann

Gerade bei Selbstständigen ist ein Mentor eine richtig gute Sache. Schließlich hat man keinen Chef und somit keine jährlichen Perspektivgespräche. Dabei tut es ja gerade im Berufsleben gut, zu reflektieren und gemeinsam mit einer Vertrauensperson zu überlegen, wo man gerade steht. Ein Mentor kann also nicht nur die richtigen Fragen stellen, sondern auch wichtige Impulse geben. Etwa, sich endlich zu trauen, Kontakt zu der Agentur aufzunehmen, für die man lange schon gerne arbeiten möchte. Oder dabei helfen, eine wichtige Seilschaft zu knüpfen. Im Idealfall versucht man einen Mentoren zu finden, der über ein großes Netzwerk verfügt. Hier den einen oder anderen Kontakt zu Playern der Branche vermittelt zu bekommen, ist Gold wert. „Ein Mentor handelt uneigennützig, sein Dienst ist eine persönliche Hinwendung. Er möchte sehen, dass ein junger Mensch wächst. Er muss aber auch die Stärke haben, einem zu raten, einen anderen Weg zu gehen“, reüssiert Kim Christopher Birtel . Halten wir fest: Ein Mentor ersetzt keinen Coach und erst recht keinen Psychologen. Er nimmt sich unentgeltlich Zeit, seinen Mentee zu fördern und hilft ihm dabei, eine berufliche Identität zu entwickeln. Wenn man einen guten Mentor finden möchte, sollte man bedenken: Er soll Vertrauensperson sein: Was Mentee und Mentor besprechen, ist immer vertraulich. Wenn die Chemie stimmt, ist ein Mentor also ein echter Gewinn für jeden Mentee. Aber: Freiberufler müssen sich selbst um einen kümmern. Es kann Überwindung kosten, einen Menschen, den man fachlich und menschlich schätzt, zu fragen, ob er Mentor werden möchte. Man kann aber nur gewinnen. Im Idealfall eine neue Perspektive auf den eigenen Werdegang, berufliche Kontakte und eine Vision, wie es weitergehen kann. Deshalb: Mentoring for the win!