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Jahresrückblick, persönliche Gedanken und Pläne für das kommende Jahr 2018

Liebe Kontisten,

es war ein erlebnisreiches Jahr und als einer der Gründer und Geschäftsführer von Kontist habe ich mir einen ganz persönlichen Traum erfüllt. Wer ein paar tiefe Einblicke hinter die Kulissen von Kontist werfen und erfahren möchte, was dieses Jahr alles passiert ist, welche Ziele wir uns gesetzt und welche wir erreicht haben und natürlich was wir uns für das nächste Jahr vornehmen, den lade ich jetzt zu einem ganz persönlichen Jahresrückblick ein.

Vorsicht, es wird persönlich, lang und die ein oder andere Firmeninterna wird Preis gegeben.

Der Traum vom eigenen Konto wird wahr

Mit einer Handvoll Selbständigen ging es Anfang 2016 los und ehrlich gesagt wussten wir nicht, welche Klippen auf uns warten. Allein die Vertragsverhandlungen für unser Konto haben ein knappes Jahr gebraucht - damit hatte ich niemals gerechnet. Anfang 2017 war es dann soweit und wir sind mit unserem Konto gestartet. Mein Traum wurde wahr, nach mehr als 15 Jahren Selbständigkeit endlich unabhängig von den Banken zu sein, die uns nie verstanden haben. Ein tolles Gefühl.

Aber es war nur ein kurzer Moment, um Luft zu holen. Denn wer das Startup-Leben kennt wie ich (Kontist ist meine achte Firma), der weiß, die wirkliche Herausforderung im Produktaufbau liegt nicht darin, zu entscheiden, welche Features es braucht, sondern zu priorisieren und zu entscheiden, was man alles nicht machen kann und welche der wichtigen Funktionen leider noch warten müssen. Einfach nur weil ein Startup nie genügend Geld und Leute hat, um alles umzusetzen. Obwohl völlig klar ist, was noch fehlt. Startups scheitern nie daran, dass man nicht weiß, was man tun sollte, sondern daran, dass man sich verzettelt bzw. auf das falsche Pferd setzt. Denn man hat nicht genügend Geld, um auf mehr als Eins zu wetten.

Es sind ehrlich gesagt dieses Abwägen und Zurückstellen von Aufgaben, die mir als Gründer und CEO am schwersten fallen. Ich spreche täglich mit meinem Team, vielen Kunden und Partnern und alle haben ihre berechtigten Wünsche und Mindestanforderungen. Man möchte sie alle möglichst sofort erfüllen. Die Frage ist aber, wie?

Wann ist ein Produkt marktreif?

Man könnte jetzt natürlich sagen “Dann wartet doch einfach noch und entwickelt im Stillen weiter bis das Produkt den Anforderungen der meisten Kunden entspricht.” Diese Methode, auch “Waterfall” genannt, hat man früher oft gewählt. Das Resultat war oft ein Produkt komplett an den Kundenwünschen vorbei entwickelt. Ich glaube mehr an den MVP-Ansatz (Minimum Viable Product), bei dem man definiert, was ein bestimmter Kunde in einem bestimmten Segment als minimale Anforderungen an ein Produkt stellt und danach entwickelt man das Produkt in enger Zusammenarbeit mit den Kunden weiter.

Genau diese Strategie verfolgen wir bei Kontist. Nicht allen unseren Kunden können wir vom ersten Tag an das perfekte Produkt liefern, aber dafür können wir Kontist besser an die Bedürfnisse von euch Selbständigen anpassen. Deswegen kann unser Konto heute bereits automatisch Steuern berechnen und zur Seite legen, aber leider noch keine Daueraufträge durchführen.

Das stimmt so nicht ganz, denn wie die Meisten von euch wissen, arbeiten wir mit zwei Partnerbanken, der Solaris Bank und der Wirecard Bank, zusammen und wir sind oft darauf angewiesen, dass gewisse Funktionalitäten auch von der Partnerbank unterstützt werden. Die Solaris Bank ist selbst noch ein Startup, es muss also alles neu entwickelt werden und wird dann bei Kontist oft zum ersten Mal im Produkt eingesetzt. Es ist toll, mit einer jungen Bank zusammenzuarbeiten, die wie wir den Anspruch hat, die Sachen besser zu machen als die klassischen Banken. Allerdings kommt man beim Produkt auch an Grenzen, weil auch die Solaris Bank noch viele Funktionen nicht hat. Genau so war es bei der Karte.

Das Großprojekt Mastercard

Somit haben wir uns für unser zweites großes Projekt diese Jahr - die Mastercard - einen weiteren Partner mit viel Erfahrung im Bereich Karten und Payment ins Boot geholt - die Wirecard AG. Ehrlich gesagt wäre es mir eigentlich lieber gewesen, Konto und Karte aus einer Hand zu beziehen, aber die Solaris Bank war gerade erst im Begriff die eigenen Karte herauszubringen und ihr, als unsere ersten Kunden, hattet uns einen klaren Auftrag gegeben. Ihr brauchtet dringend eine Karte, um auch im Laden oder online bezahlen zu können.

Naiv, wie ich manchmal bin (vielleicht auch typisch für einen Gründer), habe ich mir gedacht, dass es nach dem erfolgreichen Start unseres Kontos nicht zu schwer sein kann, eine eigene Karte zu launchen.

Oh, wie man sich irren kann!

Ein Konto ist eigentlich recht trivial, eine Karte ist es nicht. Warum? Weil an einer Karte sehr viele Parteien beteiligt sind. Vom Issuer (der Bank) zum Processor, über Mastercard, der Firma, die die physischen Plastikkarten herstellt, bis hin zum Vertrieb (in unserem Fall Kontist). Und dann darf man auch nicht die ganzen technischen Auslagerungsunternehmen und Zulieferer vergessen wie z.B. IDnow, die sich um die Verifikation der Kunden kümmern etc. All diese Player gilt es zu koordinieren, hunderte Seiten Vertragswerk aufzusetzen und natürlich ein Produkt für euch zu entwickeln, das so einfach erscheint und so perfekt integriert ist, als wäre es eine Kleinigkeit.

Vom Team und den richtigen Zielen

Ich muss gestehen, dass ich stolz darauf bin, dass wir es trotzdem geschafft haben. Es war ein harter Kampf! Und nicht nur von euch, auch von Seite der Investoren, war der Druck hoch. Wir mussten aufgrund externer Probleme den Launch der Karte zwei Mal verschieben, obwohl wir euch versprochen hatten zu liefern - aber wir haben es am Ende doch noch geschafft!

Rückblickend frage ich mich, was den Ausschlag dafür gegeben hat, dass wir es geschafft haben? Meine Antwort ist eindeutig: Es war unser Team! Ich bin ein großer Anhänger der These, dass nur das Team den Unterschied macht und das man sich als Gründer mit Menschen umgeben sollte, die smarter sind als man selber. Ich denke, dass habe ich vom ersten Tag an getan. Aber erst Projekte wie diese, zeigen dir, ob du mit deiner Wahl richtig gelegen hast.

Vielleicht sind das schon die ersten Früchte unsere Arbeit, denn wir haben uns bei Kontist Anfang des Jahres drei Ziele gesteckt, die wir dieses Jahr noch erreichen wollten. Wir wollten 8.000 Kunden erreichen, einen NPS von 50+ (dieser Wert zeigt, wie zufrieden ihr mit unserem Produkt seid) und unser drittes Ziel war es, Berlins beliebtestes Startup für Talente zu sein.

Unser drittes Ziel: Das beliebtestes Startup Berlins zu werden

Ich möchte heute nicht sagen, dass wir dieses Ziel bereits erreicht hätten. Im Gegenteil glaube ich, dass wir gerade erst damit begonnen haben, die richtigen Schritte in diese Richtung einzuschlagen. Aber ich finde es wichtig, dass hier in Berlin, wo die Startup-Szene von Firmen wie Rocket Internet geprägt ist, auch mal ein anderer, menschlicherer Geist einzieht. Ich glaube nicht an die Hire und Fire Mentalität, die dort herscht, an das Ausnutzen von Menschen, um den eigenen Profit zu erhöhen.

Das mag jetzt kitschig klingen, aber ich glaube, es geht auch anders. Ich glaube, nein aus meiner langjährigen Skandinavien-Erfahrung weiß ich sogar, dass man eine Firma aufbauen kann, in die Jeder gerne zur Arbeit geht, die mehr ist, als nur ein Ort, um Geld zu verdienen. Sowohl was die tägliche Arbeit angeht, als auch was die Sinnstiftung in unserem Leben angeht. In unserem Fall bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für uns alle - die Selbständigen - zu schaffen.

Unser zweites Ziel: Unsere Kunden sollen unser Produkt lieben

Wir haben uns vorgenommen, dass euch unsere Banking Lösung wirklich begeistert.

Für die, die es nicht kennen: Es gibt eine Methode, die Net Promoter Score (NPS) genannt wird und bei der man alle Kunden fragt, wie wahrscheinlich sie das Produkt auf eine Skala von 0-10 an Freunde und Familie weiterempfehlen würden. Daraus ergibt sich ein Wert von -100 (sehr schlecht) bis +100 (sehr gut). Die meisten Banken haben einen negativen Wert. Auf der anderen Seite kommt eine Firma wie Apple mit dem iPad oder iPhone typischerweise auf einen Wert um die 60.

Wir hatten uns einen ambitionierten Wert von 50+ als Ziel gesetzt und waren dann umso glücklicher, als wir bei unser letzten Umfrage, an der ca. 650 Kunden teilgenommen haben, tatsächlich einen Wert von 51 erhielten. Ich konnte es kaum glauben, hatten wir doch dieses Jahr viele Kunden mit dem ein oder anderen Bug sehr unglücklich gemacht.

Klar, auf so einem NPS kann man sich nicht ausruhen und ich sitze direkt neben unserem Support und weiß, dass wir Vieles noch massiv verbessern müssen. Aber nach zwei Jahren harter Arbeit ohne viel Feedback (denn zumeist erreichen einen immer nur die Probleme) ist es wirklich gut zu wissen, dass es eine große Anzahl von euch da draußen gibt, die nicht nur an unsere Vision der Selbständigkeit glaubt, sondern auch unser Produkt weiterempfiehlt!

Und noch ein kleiner, nicht ganz uneigennütziger Tipp: Bitte tut es. Empfiehlt Kontist an eure selbständigen Freunde und Bekannte und alle, die es werden wollen, weiter. Denn um ehrlich zu sein, tut ihr uns und dem Produkt damit den größten Gefallen. Wenn wir beweisen können, dass ihr Kontist toll findet und, dass es immer mehr Kunden werden, werden wir nächsten Jahr noch mehr Geld einsammeln können, um ein größeres Team aufzubauen und das Produkt noch besser zu machen. Sprich, mit jeder Weiterempfehlung helft ihr euch und allen Selbstständigen, die nach einer guten Banking-Lösung suchen.

Unser Erstes Ziel: Neue Kunden

Das bringt uns zu unserem ersten Ziel, den 8.000 Kunden bzw. Kontoeröffnungen, die wir bis Jahresende erreichen wollten. Warum diese Zahl? Am Anfang ist es immer ein Ratespiel, denn bevor das Produkt auf dem Markt ist, weiß man nie, wie es läuft. Aber man muss sich ja ein Ziel setzen. Nur soviel: Wir haben es leider noch nicht ganz erreicht, aber wir sind auf einem sehr guten Weg und jetzt, da unser Produkt auch nicht mehr als MVP gelten kann, sehen wir Woche für Woche mehr von euch, die ein Konto eröffnen - das freut mich.

Was haben wir uns fürs nächste Jahr vorgenommen

Ich bin kein Freund von allzu vielen öffentlichen Versprechungen, denn Eins habe ich in den letzten 15 Jahren Selbständigkeit gelernt: Man braucht ein Ziel und eine Vision, aber der Weg dorthin verläuft immer anders als man denkt.

Trotzdem, es gibt ein paar große Themen, die es lohnt angegangen zu werden. Ganz oben auf dieser Liste ist das Thema Buchhaltungsintegration. Wir haben dieses Jahr nur eine Integration mit meiner letzten Firma Debitoor hinbekommen, aber das hat gezeigt, wie viel administrative Zeit dadurch gespart werden kann. Wir sehen, dass Kunden die mit beiden Systemen arbeiten, deutlich zufriedener sind. Somit eine allgemeine Empfehlung an die 50% von euch, die immer noch Word und Excel für die Rechnungsstellung und Buchhaltung benutzen: Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Ihr verlangt von den Banken, dass sie sich modernisieren, dann geht doch selber bitte mit gutem Beispiel voraus, da ist noch ein enormes Potential zur Zeiteinsparung für euch drin und die paar Euro, die das kostet, sind schnell wieder eingespart.

Wir werden im nächsten Jahr daran arbeiten, noch weitere Buchhaltungssystem bei uns zu integrieren. Unser größter Kunden-Pain-Point ist momentan HBCI, sprich die Exportmöglichkeit der Daten im Standardformat an die Buchhaltung. Wir wissen, wie dringlich ihr euch eine Lösung hierfür wünscht, da wir aber selber keine Bank sind, können wir die Sache leider nicht so lösen, wie es andere Banken tun. Aber wir arbeiten an einer schnellen und komfortablen Lösung.

Neben vielen anderen Features, von der Dauerüberweisung bis Datenexport und der Möglichkeit auch für UGs und kleine GmbHs ein Konto bei uns zu eröffnen, wird sicher das Thema Kredite, sei es via Factoring, Dispo oder Kurzzeitkrediten, ein wichtiger nächster Schritt für Kontist im nächsten Jahr sein.

Die Kontist Union kommt im Januar

Erinnert ihr euch noch an die Kontist Union Card, die ADAC Karte für Selbständige, die ihr alle zusammen mit euer Mastercard zugeschickt bekommen habt? Wir haben euch gefragt, was ihr euch von der Union erhofft und eines der meist gewünschten Themen war eine Anlaufstelle für Selbständige, um Hilfe zu finden für all die Themen, mit denen wir uns täglich herumschlagen müssen, eine Community aus kompetenten Ansprechpartnern eben.

Also haben wir einen gemeinnützigen Verein gegründet - die Kontist Union - die sich auf die Fahne geschrieben hat, diese Community ins Leben zu rufen und das Thema Selbständigkeit besser in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Community wird Anfangs aus Kontist-Spenden betrieben, aber auch andere Firmen, Organisationen und Individuen sind eingeladen, sich finanziell oder aktiv am weiteren Ausbau der Union zu beteiligen.

Damit schließt sich für mich persönlich der Kreis, denn ich habe Kontist gegründet, um das Leben für Selbständige zu vereinfachen. Kontist ist ein Geschäftskonto und kann sicher dabei helfen. Aber es gibt noch so viele andere Themen, die wir Selbständige angehen sollten z.B. einmal mit all den Vorurteilen aufzuräumen, die uns so oft sogar von Freunden und Familie entgegenschlagen.

Und was können wir als Selbständige besonders gut? Richtig, uns selbst helfen! Lasst es uns gemeinsam tun, denn dann ist uns der Erfolg sicher!

Wie immer gibt es noch 1.001 weitere Ideen, aber was hatte ich anfangs gesagt? Wer Erfolg haben will, muss sich auf das Wesentliche konzentrieren.

In diesem Sinne wünsche ich euch, liebe Kontisten, ein erfolgreiches neues Jahr und zum Schluss kann ich es mir nicht verkneifen, nochmal einen nicht ganz uneigennützigen Tipp zu geben: Ich würde mich freuen, wenn ihr auch nächstes Jahr für alle Geschäftsausgaben eure Kontist Mastercard eifrig zu nutzt, denn so verdienen wir unser Geld (nicht von euch, vom Händler). Das beantwortet dann auch gleich die wahrscheinlich meist gestellte Frage an mich - die nach unserem Business Model.

In diesem Sinne einen guten Rutsch

Chris

P.S. Ich hatte dich gewarnt, es würde persönlich und detailreich. Aber ich bin beeindruckt, denn ich hätte nicht gedacht, dass du es bis hierher schaffst ;-)