facebook-pixel

Freelancer oder Solopreneur? Pauschale vs. Stundensatz?

Im Juni dieses Jahres haben wir vom Kontist-Team eine Umfrage zur Administration von Selbstständigen durchgeführt. Dabei konnten wir nicht nur feststellen, dass Selbstständige rund einen Monat pro Jahr unbezahlt arbeiten – denn diese Zeit wenden sie für die Bürokratie auf. Wir wollten auch wissen, ob sie eine Pauschale oder einen Stundensatz für ihre Projekte berechnen. Erstaunlich war, dass 28 Prozent der Befragten Gründer und Selbstständigen gar nicht mehr per Stundensatz, sondern pauschal abrechnen.

Eine erstaunliche Entwicklung! Es entsteht der Eindruck, dass Selbständige sich früher mehr als Auftragnehmer verstanden und der Trend nun immer mehr in Richtung Solopreneure – mit allen Vor- und Nachteilen – geht. Und diese rechnen nun mal pauschal ab.

Was der Unterscheid zwischen einem Freelancer und einem Solopreneur ist, erfährst du in diesem Artikel. Ebenso beantworte ich dir die Frage, wie du deinen persönlichen Stundensatz berechnen und auf Basis desselben eine Pauschale berechnen kannst.

Pauschale oder Stundensatz: Der Trend geht zur Pauschale

Ob du Freelancer oder Solopreneur bist, hängt ganz von deiner Art zu arbeiten ab. Während bis vor wenigen Jahren die Arbeit als Freelancer üblich war, macht sich unter den Selbstständigen – gerade im Kreativbereich – der Trend zum Solopreneur breit. Diese arbeiten, anders als Freelancer, nicht direkt für ihre Kunden, sondern in erster Linie an eigenen Projekten. Klingt erst einmal seltsam, ist aber schnell erklärt.

Freelancer arbeiten mit Blick auf die Uhr

Wer selbstständig ist, arbeitet heute meist auf Projektbasis für verschiedenste Kunden. Dabei orientiert sich der Freelancer zeitlich an den Deadlines seiner Kunden und rechnet meist per Stundensatz ab. Es wird also Arbeitszeit gegen ein abgesprochenes Honorar verkauft – ein typisches Charakteristikum der Selbstständigkeit.

Die Selbstständigen, bei denen es besonders gut läuft, haben kaum noch Zeit für ihr Privatleben. Oder sie schaffen es, nur so viele Aufträge anzunehmen, dass sie eine gesunde Work-Life-Balance haben. Da Geld lacht, tendiert diese Arbeitsgruppe aber gerne dazu, lieber zu viel als zu wenig zu arbeiten. Finanzieller Segen und Fluch für das Privatleben zugleich.

Das Problem: Nicht nur das Abarbeiten der Aufträge kostet Zeit. Auch der bürokratische Aufwand verschlingt Ressourcen. Als Freelancer muss man sich um die Neukundenakquise, funktionierendes Arbeitsgerät, die Rechnungstellung, die Buchhaltung und die Steuer kümmern. Wenn man doch noch plant, Personal anzustellen, wird es umso verzwickter.

Solopreneure lassen ihr Werk für sich arbeiten

Solopreneure gleichen Freelancern in vielerlei Hinsicht. Auch sie arbeiten alleine (sofern der Freelancer keine Angestellten hat) und erledigen die bürokratischen Aufgaben selbstständig. Doch anders als bei Freelancern wird im Regelfall nicht per Stundensatz abgerechnet, sondern über eine Pauschale.

Der Grund liegt in der Art der Arbeit. Der Solopreneur entwickelt eine Idee bzw. ein Produkt, das er dann verkauft. Die Idee dahinter: Das eigene Business komplett automatisieren. Während Freelancer in der Regel für andere arbeiten, arbeiten Solopreneure für sich selbst.

Nehmen wir an, du schreibst ein Buch. Ist das Buch einmal fertig, kannst du dessen Vermarktung selbst in die Hand nehmen und es etwa als E-Book online verkaufen. Du verkaufst somit nicht die Stunden, die du an dem Buch gesessen hast, sondern das fertige Produkt – und generierst auf diese Weise ein passives Einkommen. Steht das Buch erst einmal zum Verkauf bereit, kommt das Geld quasi von ganz allein.

Der Clou: Der Solopreneur muss sich weder um die Kundenakquise kümmern noch seine Zeiten dokumentieren und hat ein skalierbares Geschäftsmodell.

Auch Freelancer können pauschal abrechnen

Wenn ich mich mit der Definition des Freelancers und des Solopreneurs vergleiche, falle ich definitiv in die erste Kategorie. Mit den meisten meiner Kunden rechne ich per Stundensatz ab. Aber nicht mit jedem. Denn viele Kunden wünschen sich die Abrechnung über eine Pauschale, um besser kalkulieren zu können.

Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Beide Seiten wissen, was am Ende des Tages für ein Honorar fällig wird. Der Nachteil für den Freelancer: Eine Fehlkalkulation kann einen enormen finanziellen Verlust bedeuten. Etwa wenn ein Projekt, für dessen Ausführung man mit vier Stunden Arbeitszeit gerechnet hat, plötzlich aufgeblähter ist als zuvor gedacht und es acht Stunden Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Andersrum kann man aber auch das Glück haben, dass das Projekt leichter von der Hand geht, als gedacht und die pauschale lukrativer ist, als der Stundensatz. Als Selbstständiger musst du dich also gar nicht entscheiden, ob Pauschale oder Stundensatz. Das kannst du je nach Auftraggeber und Projekt entscheiden.

Pauschale oder Stundensatz: So berechnest du dein Honorar

Wie du deinen Stundensatz berechnest

Einen realistischen Stundensatz zu berechnen, ist gar nicht so einfach. Als Freelancer möchte man gut verdienen – und sollte seinen Stundensatz daher nicht unrealistisch niedrig ansetzen. Denn sonst bemerkt man schnell, dass man als Freelancer keine Chance hat. Ist der Stundensatz dagegen zu hoch und entspricht nicht der Branche, ist es schwer, Kunden zu finden, die bereit sind, das gesteckte Honorar zu zahlen. Erst recht, wenn man neu am Markt ist und sich erst einmal etablieren muss.

Dennoch: Auch als Neuling ist ein vernünftig kalkulierter Stundensatz ein Muss. Sonst bleibt nach der Steuer und anderen Abzügen nicht genug zum Leben. Erst recht nicht, wenn man sich auch mal einen Urlaub und die ein oder andere Freude im Alltag gönnen möchte.

Stundensatz kalkulieren in drei Schritten

Schritt 1: Verfügbare Arbeitszeit festlegen

Im ersten Schritt musst du ermitteln, wie viele Tage im Jahr du tatsächlich arbeiten kannst und willst. Hierzu nimmst du erst einmal die jährlichen Kalendertage (365) und ziehst hiervon die Wochenenden (rund 100 Tage), deine geplanten Urlaubstage (30 Tage) und mögliche Fehlzeiten (15 Tage, etwa wegen Krankheit) ab. Ohne Berücksichtigung der gesetzlichen Feiertage bleiben nach dieser Rechnung noch 220 Arbeitstage übrig.

220 Tage, an denen du also arbeiten kannst. Gehen wir von einer durchschnittlichen Arbeitszeit von acht Stunden pro Tag aus, hast du pro Jahr 1760 Stunden Arbeitszeit zur Verfügung. Diese kannst du aber nicht 1:1 als Zeiten der Gewinnerzielung sehen. Denn in dieser Zeit musst du neben deiner eigentlichen Arbeit auch noch deine Buchhaltung machen, Kunden akquirieren und vieles mehr. Laut der Kontist-Umfrage im Juni dieses Jahres gehen dafür rund 25 Arbeitstage verloren. Bleiben also noch 195 Arbeitstage und somit 1560 Arbeitsstunden pro Jahr.

Schritt 2: Die eigenen Kosten ermitteln

Im zweiten Schritt musst du berechnen, wie hoch deine eigenen Kosten sind. Dazu gehören deine Miete, die Kfz-Kosten, die Steuer, die Beiträge für deine Versicherungen, Kosten für dein Arbeitsmaterial und natürlich für alles, was du für dein tägliches Leben brauchst, also Lebensmittel, Kleidung und Co. Alleine für deine Krankenversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die private Haftpflicht, das Auto, Telekommunikation, Nahrung, Kleidung und das Arbeitsmaterial kannst du 1.800 Euro pro Monat rechnen. Kommen noch Miete und Steuer dazu. Zahlst du beispielsweise 1.000 Euro warm, sind wir schon bei 2.800 Euro Fixkosten pro Monat . Pro Jahr sind das 33.600 Euro .

Schritt 3: Den persönlichen Stundensatz errechnen

Deinen Stundensatz berechnest du, indem du deine Kosten (33.600 Euro) durch die verfügbaren Stunden (1.560) teilst. Das macht einen Stundenpreis von 21,54 Euro. Da du aber auch Gewinn erzielen, und nicht auf null kommen möchtest, solltest du noch mindestens 10 bis 20 Prozent auf den Stundensatz aufschlagen. Macht 25,85 Euro pro Stunde. Was jetzt noch fehlt ist die Steuer. Der Steuersatz liegt zwischen 14 und 42 Prozent. Abhängig vom Einkommen. Gehen wir von einem Steuersatz von 40 Prozent aus, liegt der Stundensatz schon bei 36,18 Euro .

Natürlich kann der Stundensatz ja nach Lebensumständen auch deutlich höher ausfallen. Etwa, wenn du eine höhere Miete zahlst oder aufgrund deines Jobs besonders teures Arbeitsgerät brauchst. Laut unserer Umfrage liegt bei den meisten Freelancern der Stundenpreis zwischen 50 und 80 Euro .

Wie du eine Pauschale berechnest

Nicht immer sind Kunden mit der Abrechnung per Stundensatz einverstanden. Etwa, wenn sie ein festes Budget haben, das sie keinesfalls sprengen dürfen und deshalb mit genauen Zahlen kalkulieren müssen. In solch einem Fall musst du eine Pauschale anbieten.

Hast du deinen Stundensatz errechnet, kannst du auf dieser Basis deine Pauschale ermitteln. Dafür ist es jedoch unabdinglich, dass dir der Kunde im Vorhinein ein genaues Briefing gibt. Auf Basis dieses Briefings musst du dann entscheiden, wie hoch dein zeitlicher Aufwand für den Job sein wird. Dann ist die Rechnung einfach: Rechnest du mit 20 Arbeitsstunden für den Job, multiplizierst du diese mit deinem Stundensatz und hast dann deinen Pauschalpreis.

Ein Tipp: Wenn du deinem Kunden einen Pauschalpreis anbietest, solltest du dich unbedingt für den Fall von Korrekturschleifen absichern. Denn falls der Kunde nach getaner Arbeit noch mehrere Korrekturen verlangt, kann der zeitlich geschätzte Aufwand plötzlich viel größer werden. Für diesen Fall hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du kalkulierst mögliche Korrekturschleifen bereits in deinen Pauschalpreis mit ein (rechnest also statt den 20 Arbeitsstunden aus dem Beispiel mit 25). Oder du gehst ganz auf Nummer sicher und kommunizierst dem Kunden vor Annahme des Auftrags, dass du spätere Korrekturschleifen gemäß deines Stundensatzes abrechnen wirst.

Fazit: Pauschale oder Stundensatz- was ist nun besser?

Egal, ob du nun Freelancer oder Solopreneur bist, dich also für Stundensatz oder Pauschale entscheidest: Du solltest dir immer das Gehalt zahlen können, das du dir auch wünschst – und das deiner Arbeit angemessen ist. Gerade zu Beginn einer Selbstständigkeit verkaufen sich viele unter Wert. Das muss nicht sein. Wenn du deinen Stundensatz oder eine Pauschale für ein Projekt berechnet hast, stehe dazu. Und verteidige das Honorar vor deinem Kunden. Ist er mit deinem Preis nicht einverstanden und versucht ihn zu drücken, lass dich nicht unterkriegen. Seriöse Kunden sind immer bereit, fair für gute Arbeit zu zahlen. Sie zu finden und für sich zu gewinnen, muss dein Ziel sein.