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Wie du deine Rente berechnest und selber fĂĽr das Alter vorsorgen kannst (+ Tipps fĂĽr die Familienfinanzplanung)

Nachdem du in Part I ( Über finanzielle Unabhängigkeit, die Gender Pay Gap und was du als selbständige Frau tun kannst) und II ( Geldanlage: Über ETFs, Sparpläne und deine Möglichkeiten, AnlegerIn zu werden) dieser Reihe erfahren hast, wie du die Grundlage für eine erfolgreiche Anlage-Strategie schaffst und selbst zur Anlegerin wirst, soll es heute um ein Thema gehen, das viele von uns gerne vor sich herschieben: Die Altersvorsorge.

Vorweg einmal: Egal ob Festangestellte oder Selbstständige - die Rente wird nicht reichen. Die Renten unserer Großeltern und - je nachdem wie alt du bist - auch unserer Eltern, sind noch großzügig. Das wird sich ändern.

“Die Rente wird nicht reichen.” Das hast du bestimmt schon tausendfach gehört und es kommt dir aus den Ohren raus. Aber leider ist es so. Die Altersarmut droht. Insbesondere Frauen. Doch kein Grund zur Panik. Mit einem entsprechenden Grundlagenwissen kannst du eigenständig für das Alter vorsorgen. 

Habe keine Angst vor dem Thema, sondern sehe die Rentenvorsorge als machbare Herausforderung. Wir wissen heute, die Rente wird nicht reichen, also finden wir eine Lösung. Es ist dein Leben, du nimmst es in die Hand - und hast viele Möglichkeiten.

Wird die Rente reichen?

Hast du schon mal versucht, deine Rente auszurechnen und deine RentenlĂĽcke zu ermitteln? Und das ohne Online-Tool, sondern mit Stift, Papier und Taschenrechner? Nein? Dann wird es Zeit! Denn nur so begreifst du die Mathematik dahinter und durchblickst die Prozesse. Und so findest du heraus, was du ĂĽberhaupt monatlich fĂĽr die Zukunft zurĂĽcklegen musst.

Bevor wir mit der Rechnerei loslegen: Veranschauliche dir, worauf du hinarbeiten willst. Möchtest du im Rentenalter  jeden Vormittag aufwachen, erstmal in deinem Lieblingscafé frühstücken, danach im Garten deiner eigenen Immobilie werkeln und nebenher deine drei Hunde versorgen? Das ist natürlich nur ein Beispiel. Jeder hat ja seine eigenen Vorstellungen. Sie helfen dir aber dabei, deine Ziele zu verfolgen und am Ball zu bleiben. 

Was ist der Eckrentner? Der Eckrentner soll den Durchschnittsdeutschen abbilden. Er hat 45 Jahre in den Rentenkasse eingezahlt, immer das Durchschnittsgehalt aller Versicherten in Deutschland verdient (Beamte und Selbstständige außen vor), hat keinerlei Abschläge, keine Kinder, kein Sabbatical und von Anfang an das gleiche Einkommen.

Schritt 1: Die eigene Rente berechnen

Um deine Durchschnittsrente zu berechnen, musst du zunächst berechnen, wie viele Rentenpunkte du bereits gesammelt hast und wie viele du in Zukunft voraussichtlich sammeln wirst. Das ist allerdings nur relevant, wenn du in Festanstellung bist, jemals in Festanstellung warst oder planst, wieder in eine Festanstellung zu gehen. Auch Studenten- und Minijobs mit einem monatlichen Einkommen von mehr als 450 Euro müssen berücksichtigt werden.

Die Mathematik hinter den Rentenpunkten

Verdienst du das deutsche Durchschnittsgehalt (wir denken an den Eckrentner), bekommst du einen Rentenpunkt. Verdienst du die Hälfte des deutschen Durchschnittsgehalts, bekommst du einen halben Rentenpunkt. Verdienst du das Doppelte, bekommst du 2 Rentenpunkte. 2,01 Rentenpunkte sind das Maximum. Wer noch höher verdient, bekommt nicht mehr Rentenpunkte.

Nun berechnest du deine Rentenpunkte. Dazu nimmst du dein Jahreseinkommen und teilst es durch das deutsche Durchschnittseinkommen.

Jahreseinkommen / Durchschnittseinkommen = Rentenpunkte  

Wir gehen in diesem Beispiel von 50.000 Euro Jahreseinkommen aus. Das jährliche Durchschnittsentgelt West lag 2019 bei 38.901 Euro.

50.000 Jahreseinkommen : 38.901 Durchschnittseinkommen = 1,2853 Rentenpunkte in 2019

Der Einfachheit gehen wir in der weiteren Rechnung davon aus, dass du mit 25 Jahren angefangen hast, in Festanstellung zu arbeiten und bis zu einem Alter von 67 Jahren weiter in Festanstellung arbeitest. Zudem gehen wir davon aus, dass du immer 50.000 Euro jährlich verdienst.

Anmerkung: Wenn du deine Rente genau berechnen möchtest, musst du deinen Jahresverdienst durch das Durchschnittseinkommen des entsprechenden Jahres teilen. Und das für jedes Jahr in Festanstellung.

50.000 Jahreseinkommen : 38.901 Euro Durchschnittseinkommen = 1,2853 Rentenpunkte in 2019

50.000 Jahreseinkommen : 37.873 Euro Durchschnittseinkommen = 1,3202 Rentenpunkte in 2018

usw.

Rechne so lange weiter, bis zu dem Jahr, an dem du angefangen hast, in Festanstellung zu arbeiten. Jetzt weiĂźt du, wie viele Rentenpunkte du bis zum jetzigen Zeitpunkt gesammelt hast.

Tipp: Eine Tabelle mit dem deutschen Durchschnittsgehalt fĂĽr die Berechnung deiner Rentenpunkte, findest du zum Beispiel hier.

Nehmen wir weiter an, dass du nun 30 Jahre alt bist und bis zu einem Alter von 67 Jahren arbeiten wirst. Dann musst du noch 37 Jahre arbeiten. Um die Rentenpunkte zu ermitteln, die du noch in Zukunft sammeln wirst, multiplizieren wir diese 37 Jahre mit deinem bisher durchschnittlichen Rentenpunkt. Natürlich verändern sich die Rentenpunkte noch. Dein Einkommen wird wahrscheinlich steigen. Das Durchschnittseinkommen aber auch. Für eine grobe Kalkulation reicht das zunächst aus.

37 (Jahre, die du noch arbeiten wirst) x 1,3 (durchschnittliche Rentenpunkte) = 48,1 RP

Diese (zukĂĽnftigen) Rentenpunkte addierst du mit deinen bisher gesammelten Rentenpunkten. zum Beispiel 6,5.

Du wirst demnach bis zum Eintritt ins Rentenalter 54,6 Rentenpunkte gesammelt haben. 

Kurzer Exkurs: Was ist, wenn ich Kinder bekomme?

Was ist, wenn du Kinder bekommst und in Teilzeit oder Elternzeit gehst? 

Pro Kind bekommst du pauschal 3 Rentenpunkte. Zudem gibt es Kinderberücksichtigungszeiten. Hier kannst du nochmal zusätzlich 2 Rentenpunkte hinzuverdienen. 

Kinder solltest du unbedingt in deiner Rechnung berücksichtigen. Du bekommst durch sie zusätzliche Rentenpunkte, musst aber auch bedenken, dass du unter Umständen weniger verdienst. Etwa weil du beruflich pausierst oder in Teilzeit arbeiten musst.

Was sind deine Rentenpunkte wert? 

Der aktuelle Rentenwert West von 01.07.2020 – 30.06.2021 besagt, das 1 Rentenpunkt 34,19 Euro entspricht. Der Rentenwert steigt aber jährlich um etwa einen Prozent. Hier hilft ein Tool wie www.zinsen-berechnen.de.

Dort geben wir folgende Werte ein:

Anfangskapital: 34,19 Euro (aktueller Rentenwert)

Zinssatz: 1 %

Laufzeit: 37 Jahre

Endkapital: 49,41 Euro (zukĂĽnftiger Rentenwert, wenn du in Rente gehst)

54,6 Rentenpunkt x 49,41 Rentenwert = 2.697,786 Euro Rente / Monat

Diese Summe klingt ganz erfreulich. Doch leider macht uns die Inflation einen Strich durch die Rechnung. Dann was heute rund 2.670 Euro wert sind, werden sie in Zukunft nicht sein.

Schritt 2: Die eigene Inflation berechnen

Du kannst nun die statistische Inflation hinzuziehen. Oder besser: Deine persönliche Inflation berechnen. Suche dir 20-30 Dinge, auf die du niemals verzichten wirst. Etwa die Pizza Hawaii, den Kinobesuch, die Mitgliedschaft im Gym... Überprüfe nun, um wie viel Prozent die Preise für diese Dinge in den letzten Jahren gestiegen sind. Umso weiter du zurückgehst, desto zuverlässiger ist der Wert.

Berechne nun den durchschnittlichen Inflationswert all dieser Dinge. 

Tipp: Mache diese Rechnung öfter. Es lohnt sich, jährlich die Werte aufzuschreiben und den Inflationswert neu zu berechnen.

Wir gehen nun in der weiteren Rechnung von einer persönlichen Inflation in Höhe von 5% aus.

Für die weitere Rechnung brauchen wir deinen aktuellen Mindestbedarf. Der setzt sich in erster Linie aus deiner monatlichen Miete und deinen sonstigen monatlichen Fixkosten zusammen. Extras wie Urlaube oder Shopping-Trips gehören nicht in den Mindestbedarf. Strom, Wasser und Benzinkosten wiederum schon.

Nehmen wir an, dein aktueller Mindestbedarf liegt bei 1.800 Euro monatlich. Du bist aktuell 30 Jahre alt, arbeitest noch 37 Jahre und bekommst eine zukünftige Rente in Höhe von 2.697,786 Euro im Monat. 

Dann brauchen wir wieder unseren Zinsrechner und geben folgende Werte ein:

Anfangskapital: 2.697,786 Euro (monatliche Rente)

Zinssatz: - 5% (persönliche Inflation)

Laufzeit: 37 Jahre

Endkapital: 404,37 Euro (kaufwertmäßige Rente brutto)

Schritt 3: RentenlĂĽcke ermitteln und ausgleichen

Deine Rente wird also - sobald du dein Rentenalter erreicht hast - lediglich einen Kaufwert von rund 404 Euro haben. Dein Mindestbedarf liegt aber bei 1.800 Euro. Wir haben also eine RentenlĂĽcke von 1.396 Euro im monatlich.

Wir müssen also nach einer Lösung suchen, die dir hilft, deinen Mindestbedarf zu decken und dir dir deine Rente garantiert.

Eine Möglichkeit ist die Riester-Rente, die von Selbstständigen allerdings nur unter bestimmten Bedingungen abgeschlossen werden kann. Alternativ steht dir die Rürup-Rente zur Verfügung, die gerade für Selbstständige sehr interessant sein kann.

Mit diesen Renten hast du die Möglichkeit, die Rentenlücke auszugleichen. Zusätzlich steht dir die Möglichkeit der Geldanlage offen.

Du kannst natĂĽrlich auch nur auf die Geldanlage setzen. Mit dem Wissen aus Part II dieser Blogreihe (LINK) wird dir der Start leichter fallen.

Solltest du den Weg ĂĽber die Geldanlage gehen, rechnen wir wie folgt:

Nehmen wir an, du wirst 90 Jahre alt und gehst mit 67 in Rente.

Wir haben eine Rentenlücke von 1.396 Euro im monatlich ermittelt. Das macht einen jährlichen Bedarf von 16.752 Euro. Diese Summe brauchst du 23 Jahre lang (von 67 bis 90 Jahre).

16.752 (Euro jährlicher Bedarf) x 23 (Jahre, die du in Rente bist) = 385.296 Euro

Eigentlich müssten wir jetzt noch die Altersinflation von etwa 3 % berücksichtigen. Allerdings hast du ja deine ersparte Summe, die dir mindestens ebenso viel jährlich an Zinsen einbringt (zumindest, wenn du sie sinnvoll anlegst).

Kurzum: Du brauchst in diesem Beispiel rund 385.000 Euro, die du dann ĂĽber die 23 Jahre in Rente abschmelzen kannst.

Dein Ziel muss also sein, 385.000 Euro in 37 Jahren anzusparen (du bist aktuell 30 und planst, bis 67 Jahre zu arbeiten). Wir gehen davon aus, du hast noch nichts angespart und bist schuldenfrei.

Ăśberlege dir nun, wie viel du monatlich zurĂĽcklegen kannst. In diesem Beispiel gehen wir von 250 Euro pro Monat aus.

Im Ăśberblick:

Monatliche Sparrate: 250 Euro

Spardauer: 37 Jahre 

GewĂĽnschtes Endkapital: 385.000 Euro

Nun stellt sich die Frage, wie viel Dividende benötigt wird? Ich habe das alles über einen Zinseszinsrechner ausgerechnet und mich dem gewünschten Endkapital durch Variation des jährlichen Zinssatzes angenähert. Das Ergebnis: Um innerhalb von 37 Jahren mit einer monatlichen Sparrate von 250 Euro auf 385.000 Euro zu kommen, wird ein jährlicher Zinssatz von 5,77 % benötigt (genaugenommen landest du dann bei 385.427 Euro). Das ist ein wirklich realistisches Zinssatz, den du mit einer klugen Anlagestrategie erreichen kannst. 

Das Endergebnis von 385.427 Euro ist der Wahnsinn. Wer dir hier wirklich hilft, ist der Zinseszins. Der sorgt für diesen enormen Zugewinn. Zum Vergleich: Würdest du 37 Jahre lang 250 Euro pro Monat unverzinst in ein Sparschwein stecken, kämen nur 111.000 Euro dabei rum. 111.000 Euro im Vergleich zu 385.427 Euro! Deshalb ist eine sinnvolle Anlage deines Geldes so wichtig.

Am besten wartest du damit auch nicht länger. Je früher du anfängst vorzusorgen, desto einfach wird der Weg sein.

Tipps fĂĽr die Familien-Finanzplanung

Du hast in dieser Blogreihe viel gelernt. Du hast erfahren, warum es gerade als Frau so wichtig ist, vorzusorgen. Du hast Tipps bekommen, wie du eine erfolgreiche Anlegerin wirst. Und du weiĂźt nun, was du tun musst, um im Alter nicht in Armut leben zu mĂĽssen.

Zum Abschluss will ich dir noch ein paar Tipps fĂĽr die Finanzen als Ehepaar (mit und ohne Kindern) mitgeben.

Eine klare Empfehlung ist das Drei-Konten-Modell. Bei diesem Modell landen beide Gehälter auf einem gemeinsamen Konto. Davon wird alles bezahlt (etwa Miete, Urlaub etc.). Was übrig bleibt wird 50:50 auf die Partner verteilt.

Wenn du und dein Partner gemeinsam sparen wollt, setzt euch ein gemeinsames Ziel. Setzt eine Sparrate fest. Immer am 1. des Monats wandert die entsprechende Summe auf euer Sparkonto.

Und noch ein Tipp für Familien, die kein Geld übrig haben: Schlagt andere Wege ein und trefft harte Cut-Entscheidungen. Investiert etwa Zeit und Geld in eine Weiterbildung. Nur das Einkommen kann an eurer Situation etwas ändern. Einkommen und Ausgaben sind die Stellschrauben. Wenn eure Ausgaben schon ausgereizt sind, müsst ihr etwas an den Einnahmen ändern.

Do your thing, not your taxes