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Die Rentenlücke – was du unbedingt beachten solltest

Das Thema Altersvorsorge beherrscht seit Jahren die Schlagzeilen und steht immer wieder in der Kritik. Die Verantwortlichen preschen von Zeit zu Zeit mit neuen Vorschlägen voran – aktuell die Rente mit 73 – aber so richtig praktikabel scheint keine der Ideen zu sein. Dass allerdings die Rente im Alter bei weitem nicht für alle reichen wird – ist ein Dilemma, dessen Ende nicht abzusehen ist. Ratschläge wie „Schließen Sie Ihre Versorgungslücke!“ helfen da auch nicht wirklich weiter. Denn die älteren Generationen haben schlicht nicht mehr genügend Zeit, um etwas rentabel anzusparen. Die Jüngeren verdienen oft zu wenig, um überhaupt etwas zur Seite zu legen. Dass vor allem die gesetzliche Rente auf ziemlich wackligen Beinen steht, dürfte mittlerweile in der breiten Öffentlichkeit mehr als angekommen zu sein. Die Niedrigzinspolitik macht aber auch die Privat-Anlagen nicht wirklich finanziell lukrativ. Dennoch muss sich jeder mit diesem Thema auseinandersetzen und die für sich beste Lösung finden.

An dieser Stelle möchten wir dir als Selbständigen und Freiberufler die wichtigsten Fakten zur Rentenvorsorge vorstellen

Als gesetzliche Rentenversicherung gilt die Pflichtversicherung für jeden Arbeitnehmer in Deutschland. Selbstständige und Freiberufler hingegen sind nur unter bestimmten Voraussetzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Generell können sich Freelancer hier aber auch freiwillig versichern. Die Zahl der Selbstständigen in Deutschland liegt bei ungefähr knapp 5 Millionen. Lediglich rund eine Million sind in der gesetzlichen Rente pflichtversichert oder über ein berufsständisches Versorgungswerk abgesichert. Dazu zählen unter anderem Handwerker, Künstler und Publizisten, Hebammen und freiberufliche Lehrer. Selbständige Künstler und Publizisten können sich über die Künstlersozialkasse versichern, das beinhaltet auch einen Anteil zur gesetzlichen Rentenversicherung. Alle andere haben die Wahl, ob sie der Rentenversicherung beitreten oder auf welche Weise sie für ihr Alter vorsorgen. Vor dem Hintergrund, dass aktuell ein Großteil der Selbstständigen (und nicht nur sie) von Altersarmut bedroht sind, ist das mehr als alarmierend. An erster Stelle stehen die Altersgruppen ab 55 Jahre und diejenigen, die ein so genanntes „Einzelgeschäft“ haben, also keine Angestellten beschäftigen. Um aber nicht Gefahr zu laufen, später von der Grundsicherung leben zu müssen, kannst du einiges tun. Hier kommt die private Vorsorge ins Spiel.

Kurz zur Erinnerung

Unser deutsches Rentensystem geht zurück auf den Anfang der 70er Jahre und nennt sich „Drei-Säulen-Modell“ , das sich aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge zusammensetzt. Die Altersvorsorge sollte so auf drei Bereiche verteilt werden – ein Sicherheitsfaktor. Denn schon damals gab es den Rat, sich nicht nur auf ein Standbein zu konzentrieren. Leider hatte das kaum Auswirkungen, denn die meisten haben sich vorwiegend auf die gesetzliche Absicherung verlassen. Als Grundlage der gesetzlichen Rentenversicherung gilt der Generationenvertrag, das heißt die heute Erwerbstätigen kommen mit ihren Beiträgen für die Rente der älteren Menschen auf. Damals perfekt – heute hat die Sache einen gewaltigen Haken: Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner finanzieren (demografischer Wandel). Früher lag das Verhältnis doch tatsächlich bei sagenhaften 1:1. Davon können wir mittlerweile nur noch träumen. Privat vorzusorgen ist demnach einfach unerlässlich. Denn die Versorgungslücke wird immer größer: Fällt mit Rentenbeginn das Einkommen weg, und reicht die gesetzliche und eventuell auch die bereits privat getroffene Vorsorge nicht aus, den Lebensstandard zu garantieren, klafft diese Lücke und bringt die Betroffenen in eine Notlage.

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Konkrete Tipps

Bei der Wahl der richtigen privaten Vorsorge sind einige wichtige Punkte zu beachten. Es gibt zwar kein allgemeingültiges Patentrezept – letztlich sollten immer die persönlichen Umstände und die individuelle Lebenssituation ausschlaggebend für die Planung sein:

  • Wie ist dein Einkommen bzw. welche Beitragshöhe ist für dich möglich? Das gilt natürlich auch für Einmalzahlungen in eine private Vorsorge (hast du vielleicht geerbt und kannst eine gewisse Summe anlegen?)
  • Bist du Single, verheiratet und/oder hast Kinder?
  • Oder hast du vor, eine Familie zu gründen, zu heiraten etc.
  • Wie alt bist du? Denn der Faktor Zeit ist ein wichtiger Aspekt. Je früher du mit einer privaten Vorsorge anfangen kannst, desto höher wird am Ende dein Ertrag sein.
  • Was bist du grundsätzlich für ein Anlage-Typ? Bevorzugst du eher die konservative Richtung (wenig Risiko) oder dürfen es auch Aktienanteile sein? Möchtest du eine sichere Anlage über einen längerfristigen Zeitraum, um die du dich nicht weiter kümmern musst? Denn bei Aktien ist es wichtig, die Anlage im Auge zu behalten bzw. einen guten Berater einzuschalten.
  • Hast du bereits etwas für deine Altersvorsorge abgeschlossen? Und wenn ja, was/welche Versicherungen bzw. Anlageformen hast du gewählt?
  • Wie hoch ist dein bisheriger Rentenanspruch, falls du gesetzlich pflichtversichert bist bzw. freiwillig einzahlst oder vor der Selbständigkeit fest angestellt warst?

Ganz wichtig bei der Einschätzung dieser Punkte ist allerdings, einige typische Fehler zu vermeiden:

Überschätze nie deine gesetzlichen Rentenansprüche, denn der Betrag laut aktuellem Rentenbescheid bedeutet nicht automatisch, dass er dann auch in dieser Höhe ausbezahlt wird (tendenziell sinken diese Beträge im Laufe der Zeit). Außerdem wirkt sich auch die Inflation auf den Auszahlbetrag aus, denn 100 Euro heute entsprechen sicher nicht mehr dem Wert von 100 Euro in 30 Jahren (Kaufkraftverlust).
Setze deine persönliche Lebenserwartung bzw. deine persönliche Rentenzeit nicht zu niedrig an (die Menschen werden immer älter). Achte auf einen gesunden Mix aus sicheren Vorsorgeprodukten und etwas dynamischeren Anlageformen, denn Sicherheit bedeutet immer auch eine geringere Rendite.

Wenn du eine private Altersvorsorge abschließen möchtest, solltest du darauf achten, dass diese drei Eckpfeiler in deinem Konzept auf jeden Fall berücksichtigt sind:

Sicherheit – Rentabilität - Liquidität

Die Rede ist hier vom so genannten magischen Dreieck . Konkret meint das:

dass die von dir gewählte Anlageform die Sicherheit bietet, die nötig ist, damit das angesparte Kapital im Alter auch sicher zur Verfügung steht. dass zu konservativ gewählte Anlageformen aber zu Lasten der Rentabilität gehen, also achte auf einen ausgewogenen Mix. dass ausreichende Liquidität vorhanden ist, das heißt in einer abgeschlossenen Vorsorge (welche Art auch immer) sollte es stets die Möglichkeit geben, auch vor Rentenbeginn über das Geld/einen Teil des Geldes verfügen zu können, um etwaige finanzielle Notlagen ausgleichen zu können.

Abschließend bleibt festzuhalten: Es ist die große Kunst ein privates Vorsorgekonzept zu entwickeln, in dem alle drei Punkte in einem optimalen Verhältnis zueinander stehen. Welches Verhältnis für dich optimal erscheint, hängt wie schon erwähnt von deinen persönlichen Voraussetzungen, den individuellen Anforderungen und natürlich auch davon, welche Anlageart aktuell gut läuft bzw. einen guten Ertrag einbringt, ab.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Der deutsche Finanzmarkt bietet eine große Palette an Vorsorge-Produkten. Leider ist dieser Markt mitunter sehr unübersichtlich, denn Banken, Versicherungen und Finanzberater versuchen sich gegenseitig die Kunden abzulocken und eifern mit vielversprechenden Angeboten um die Wette.

Grundsätzlich hast du die Wahl zwischen:

  • Investmentfonds/Fonds
  • Immobilien
  • festverzinslichen Wertpapieren (Rentenfonds)
  • Lebensversicherungen
  • privaten Rentenversicherungen

Kurz zusammengefasst

Investmentfonds/Fonds: Hier geht es um Sondervermögen einer Kapitalanlagegesellschaft (Investmentgesellschaft), das sich aus dem Geld zusammensetzt, das Anleger in den Fonds einbezahlen. Es wird von der Gesellschaft in verschiedene Bereiche investiert und durch so genannte Fondsmanager verwaltet. Für Anleger hat diese Form den Vorteil, dass sie auch kleine Beträge anlegen (Fondsanteile kaufen) können. Das Fondsvermögen (Sondervermögen) ist vom übrigen Kapital der Gesellschaft zu trennen, damit bei Insolvenz der Gesellschaft der Vermögenserhalt garantiert ist. Du kannst bei deiner Anlage zwischen Aktien-, Renten- (festverzinsliche Wertpapiere) oder Immobilienfonds wählen. Das Vermögen wird in mehrere ausgewählte länder- und/oder branchenspezifische Werte investiert, um das Risiko möglichst breit zu streuen, das ist strikte Voraussetzung bei Investmentfonds. Unter dem Begriff Risikomischung zusammengefasst, darf das Fondsvermögen nicht nur in einem Aktienwert, einer Immobilie oder in nur einer Branche investiert werden. Durch Streuung auf verschiedene Bereiche (Diversifikation) soll das Anlagerisiko reduziert werden. Dieser Grundsatz kann erstens nach verschiedenen Wertpapierarten als auch nach unterschiedlich Regionen, Ländern, Märkten oder Branchen eingehalten werden. Aktienfonds bestehen hauptsächlich aus Aktienwerten mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten: Die Wahl besteht hier zwischen Aktien einer Branche, eines Landes, bestimmter Regionen oder Aktien eines bestimmten Börsenindexes. Hier ist das Risiko auf Grund von möglichen Kursschwankungen natürlich sehr hoch. Allerdings kannst du bei guten Kursen auch hohe Renditen erzielen. Das erfordert Geschick und regelmäßiges Beobachten des Marktes. Rentenfonds bieten festverzinsliche Wertpapiere an. Das minimiert zwar das Risiko an Kursverlusten, die Renditen bewegen sich aber wesentlich geringer als bei Aktienfonds. Immobilienfonds sind Anlagefonds, die in Grundstücke oder in Beteiligungen an Immobiliengesellschaften investieren. Die Erträge resultieren aus den Mieteinnahmen bzw. aus dem Verkauf bei einer Wertsteigerung des Objekts. Reine Immobilien: Diese Variante ist selbsterklärend. Du kaufst eine Wohnung und generierst deinen Ertrag aus dem Mieteinnahmen oder späterem Verkauf. Die (Kapital-) Lebensversicherung ist eine Risikoversicherung über eine vertraglich festgelegte Summe, die entweder im Todesfall des Versicherten oder bei Ablauf des Vertrags ausbezahlt wird. Bezugsberechtigt ist derjenige, der im Vertrag steht, z.B. der Versicherte oder auch der Ehepartner. Wenn du dich hier an bestimmte Konditionen hältst, kannst du sogar Steuern sparen. Bei der privaten Rentenversicherung werden bestimmte, individuell gewählte Beiträge eingezahlt, und du bekommst zum vereinbarten Termin eine lebenslange, monatliche Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung. Grundsätzlich kannst du zwischen zwei Formen der privaten Rente wählen: Die so genannte Sofortrente beinhaltet eine Einmalzahlung (ein bestimmter Betrag) und nach Rentenbeginn erhältst du eine monatliche, lebenslange Rente. Empfehlenswert ist diese Form einerseits für diejenigen, die schon im Rentenalter sind, die Rente aber aufstocken möchten. Andererseits kommt sie aber für die in Frage, die bisher keine Rentenversicherung abgeschlossen haben. Dieses Modell funktioniert natürlich nur, wenn du entweder geerbt hast oder zum Beispiel Kapital aus einer Lebensversicherung bekommst, dann kannst du dieses Kapital in eine Sofortrente umwandeln. Die so genannte Ansparrente beinhaltet entweder einen Einmalbetrag oder monatliche Beiträge, der über einen vereinbarten Zeitraum angelegt wird. Nach dem individuell und vertraglich festgelegten Rentenbeginn kannst du frei wählen, ob du dir das angesparte Kapital als Gesamtsumme oder lieber als lebenslange, monatliche Rente auszahlen lassen möchtest. Dadurch erhältst du eine hohe Flexibilität, denn von diesem Wahlrecht kannst du in der Regel bis 3 Monate vor Rentenbeginn Gebrauch machen.

Eine abschließende Empfehlung: Nicht jeder kennt sich mit dem Thema Rente gut aus. Wer über ausreichend Kenntnisse verfügt, kann sich natürlich selber um eine optimale private Vorsorge und alle Rentenangelegenheiten kümmern. Wer nicht ausreichend im Thema steckt, der wird um einen Berater nicht herumkommen. Aber : Jeder Bank- oder Versicherungsberater wird immer vordergründig die Produkte seines Unternehmens verkaufen wollen. Achte darauf, einen unabhängigen Berater zu finden, der dir die gesamte Palette anbieten kann und das für dich beste Angebot heraussucht.