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Wie du schlechte Angewohnheiten im Homeoffice aufdecken und verändern kannst

Nina Sickinger

Freelance Editor

15. März 2022

Durch Corona und die phasenweise geltende Homeoffice-Pflicht hat es Berufstätige in den letzten beiden Jahren an den heimischen Schreibtisch verschlagen. Was für viele ein neues Terrain bedeutete, ist für die Mehrheit der selbständig Tätigen allerdings gang und gäbe. Dennoch hat sich die Art und Weise, wie und wo die Menschen arbeiten, seit 2020 für alle Arbeitenden ziemlich verändert - vor allem, weil sie einfach viel mehr zuhause arbeiten, da sich auch Meetings und Co. ins Digitale verlagert haben. 

Beim Arbeiten im Homeoffice gelten allerdings ganz andere Gesetze als im externen Firmenbüro. Manche werden mit dem Arbeiten zuhause besser zurecht kommen als andere, denn es gehört ganz schön viel Disziplin, Organisationstalent und einiges mehr dazu, sich jeden Tag aufs Neue, fünf Tage die Woche, zu motivieren und konzentriert am Ball zu bleiben. Auch sich eine geordnete Arbeitsatmosphäre zu schaffen ist wichtig, wenn am Ende des Tages das Arbeitsergebnis stimmen soll. Und manchen geht dies eher nicht so leicht von der Hand oder es schleichen sich mit der Zeit auch schlechte Angewohnheiten ein, die es dann nur noch schwerer machen, organisiert und strukturiert im Arbeitsmodus zu bleiben. 

Zu den schlechten Angewohnheiten gehören unter anderem:

  • morgens nicht aus dem Bett kommen und den Start des Arbeitstages immer weiter nach hinten zu schieben
  • den Tag unorganisiert zu beginnen
  • zu erledigende Dinge immer weiter aufzuschieben
  • sich im Schlafanzug oder Bademantel an den Schreibtisch zu setzen
  • sich nicht an die Kernarbeitszeiten zu halten
  • auf gute, ergonomische Büromöbel zu verzichten
  • sich ständig ablenken zu lassen
  • für keine ruhige Arbeitsatmosphäre zu sorgen
  • sich zwischendurch nicht zu bewegen oder keine Pausen einzulegen
  • abends nach Feierabend nicht abschalten zu können

Das ist ein kleiner Auszug einer sicher ziemlich langen Liste. Klar, sich kurzfristig oder zwischendurch mit solch schlechten Gewohnheiten herumzuplagen, gehört bestimmt zum Arbeitsalltag eines jeden Selbständigen dazu. Allerdings sollten bei dir die Alarmglocken läuten, wenn du bemerkst, dass sich die eine oder andere (oder alle) dauerhaft in deinem Arbeitsalltag eingeschlichen haben. Denn dann wird es zu einer Routine, quasi einer Routine in schlechten Angewohnheiten und das tut deinem Business keinesfalls gut. Und dir selbst auch nicht. Denn hat sich der berühmte Schweinehund erst mal eingenistet und es sich bequem gemacht, wird man ihn so schnell nicht mehr los. Deswegen geht es heute ans Ausmisten deiner schlechten Angewohnheiten in deinem Arbeitsverhalten im Homeoffice.

Richtig Homeoffice - wie geht das?

Keine Sorge, es gibt ein paar hilfreiche Aspekte, die dir, wenn du sie dir zu Eigen machst, helfen können, das eigene Büro und alles, was damit zusammen hängt, erfolgreich zu gestalten. Allerdings möchte ich hier direkt anmerken:

Gute Tipps gibt es en masse und sicherlich steckt hinter allen auch stets ein profunder Hintergrund. Manche Anregungen arten aber auch zeitweise schnell mal in wahre "Hypes" aus und werden nur deswegen so krass propagiert, einfach weil es gerade so angesagt ist. Ich denke, wenn du bemerkst, dass Handlungsbedarf besteht, weil sich die "schlechten" Routinen eingenistet haben: ist es das Wichtigste, dass du die Entscheidung für Veränderung triffst, Struktur in deinen Arbeitstag bringst und ein paar grundlegende Dinge beachtest - wie und in welchem Maße musst du aber individuell für dich selbst herausfinden. 

Im folgenden findest du ein paar Ideen, die dir einerseits dabei helfen können schlechte Angewohnheiten abzuschalten und neue, gute in deinen Tag mitaufzunehmen. Dabei habe ich Beispiele aus der Liste oben gewählt: 

  • Deinen Tag starten

Es gibt ja bekanntlich Morgenmuffel oder frühe Vögel - will heißen, wie und wann du deinen Tag beginnst, hängt von deinen persönlichen Bedürfnissen ab. Tut dir eine kleine Joggingrunde zum Sonnenaufgang gut? Dann mach das. Willst du dich lieber gleich nach dem Aufstehen fertig herrichten, wie du das auch tun würdest, wenn du ins Büro fährst, dann ist das die Wahl. Ausreichend frühstücken oder nur ein Smoothie - erlaubt ist, was deinen Anforderungen entspricht. 

Also, kreiere eine Art roten Faden, der dir das Signal gibt, so und jetzt startet mein (Arbeits-) Tag.

  • Den Tag strukturieren und Prioritäten setzen
    Ob du dir eine tägliche To-do-Liste machst oder einen Wochenplan erstellst - egal, aber entwickle eine Strategie. Planlos in den Tag - das stellt eher die Weichen zum Scheitern, zumindest auf längere Sicht gesehen. Gerade wenn auch unliebsame Tätigkeiten anstehen, hilft dir ein Zeitplan dabei, diese auch wirklich anzugehen. Sonst läufst du schnell Gefahr allen möglichen Ablenkungen zum Opfer zu fallen. Social Media und Co. lassen grüßen. Und ehe du dich versiehst, ist der Arbeitstag rum und du hast nichts geschafft. 

Also, plane einen festen Tagesablauf mit Zeitplan, setze Prioritäten für deine anstehenden Aufgaben und habe den Willen, diese auch zu erledigen.

  • Pausen und Mahlzeiten einplanen
    Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen: Wie oft passiert es, dass man sich morgens an den Schreibtisch setzt, nur um beispielsweise mal eben die E-Mails zu checken und 6 Stunden später von einem wild vor sich hin knurrenden Magen, trockener Kehle und schmerzendem Nacken daran erinnert zu werden, dass man all diese Grundbedürfnisse (mal wieder) vergessen hat. In diese Falle tappen viele Selbständige im Homeoffice. 

Also, zieh dich an, vergiss dein Frühstück nicht, stelle dir immer Wasser auf den Tisch, bereite am Vortag etwas zum Lunch zu und baue kurze Pausen ein, in denen du dich bewegst oder dehnst. Wichtig auch: Sorge für gesunde Snacks für zwischendurch. Denn eine ganz schlechte Angewohnheit ist es, auf "gutes" Essen zu verzichten und sich stattdessen auf Junkfood oder ungesunde Snacks zu stürzen. 

  • Ausreichend trinken
    Obwohl oben schon kurz erwähnt, hier nochmal explizit: Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt, ist essentiell. Damit meine ich allerdings nicht Kaffee oder süße Säfte. Nein, Wasser ist die Devise. Am besten still, in ausreichender Menge. Auch Kräutertee oder Wasser mit ein paar Spritzern Zitrone erfüllen den Zweck. 

Also, gerade wenn du es immer wieder vergisst, installiere dir eine App aufs Smartphone, die dich daran erinnert, regelmäßig zu trinken oder aktiviere einfach deinen Timer.

  • Bewegen nicht vergessen
    Mehr oder wenig sinnige Sprichwörter gibt es viele, einer davon hat sich aber mittlerweile ziemlich fest etabliert: "Sitzen ist das neue Rauchen". Und da ist wirklich etwas dran. Denn Wissenschaftler und Mediziner sagen, dass das viele Sitzen in unserer heutigen Gesellschaft ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko darstellt. Zeitmangel dürfte hier kein Entschuldigungs-Grund sein, denn eigentlich musst du gar nicht so viel Zeit investieren. Allein schon 15 Minuten Bewegung täglich reichen aus, um einen positiven Effekt auf die Gesundheit zu erzielen. Und da ja auch die Zeit für den Arbeitsweg wegfällt, hast du sie für ein bisschen Sport und Bewegung gewonnen. 

Also, täglich Sport und Bewegung einzubauen, gilt generell. Aber auch während des Arbeitstages immer wieder Bewegungspausen einzubauen, ist ebenso wichtig. Du kannst dir zum Beispiel vornehmen, nach jeder Stunde Arbeit 5 Minuten Pause einzulegen, in der du aufstehst, dich streckst oder ein paar Lockerungsübungen machst. Auch hier kannst du deinen Timer auf dem Handy stellen, dass du immer zur rechten Zeit daran erinnerst wirst.

  • Entspannungsübungen einbauen - nicht nur in stressigen Zeiten
    Jeden Tag für etwas Entspannung zu sorgen, ist neben sportlicher Aktivität auch ein guter Rat. Denn nicht nur das Berufsleben kann ganz schön kräftezehrend sein, auch sich zusätzlich noch um die Familie zu kümmern, tut das Übrige dazu. Viele entscheiden sich dafür - wenn überhaupt - lediglich in stressigen Zeiten Entspannungsübungen oder ähnliches zu praktizieren. Dann ist es aber oft schon viel zu spät. 

Also, auch wenn du in "ruhigen" Zeiten regelmäßig etwas für dich tust, bist du gegenüber der nächsten Stresswelle viel besser gewappnet. Welche Art an Entspannungstechniken du wählst, bleibt deinen persönlichen Wünschen überlassen. Ob es eine Meditation ist, Yoga oder bestimmte Atemtechniken - erlaubt ist, was dir Spaß macht, was dir gut tut und was zu dir passt.

Auch Selbstreflexion kann dir dabei helfen, Schwachstellen im Business zu erkennen.

  • Ablenkungen vermeiden

Gerade wenn man zuhause arbeitet und einem niemand über die Schulter schaut oder überprüft, was du bis abends geschafft hast, ist es mitunter schwer, sich auf einem immer gleich hohen Level zu motivieren. Es gibt oft Tage, an denen man sich unkonzentriert oder schlapp fühlt. Dann wird man wahrscheinlich jede Ablenkung mit Kusshand annehmen. Ob die Wiederholung der Lieblingsserie im TV, der Social-Media-Kanal oder der Plausch mit der Nachbarin - Fallen gibt es überall. Wenn dich ein solcher Tag oder auch mal eine Phase trifft, schalte lieber einen Gang zurück und tue dir etwas Gutes. 

Also, nutze dies und gehe an die frische Luft, lege eine Extra-Einheit Sport ein, lass dich massieren oder suche eine Sauna auf. All das gibt dir Kraft und lässt dich später wieder fokussiert arbeiten. Ablenkungen via Medien tun zwar kurzfristig auch mal gut - auf lange Sicht ist es aber kontraproduktiv.

  • Richte dir einen adäquaten Arbeitsplatz ein

Was gehört zu einem Arbeitsplatz, an dem du konzentriert, strukturiert und gerne arbeitest? Als erstes solltest du auf ergonomische Büromöbel achten, die auf deine persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Darüber hinaus sollte dein Arbeitsplatz stets mit einer guten Lichtquelle ausgestattet sein und es sollte auch nicht an einem gewissen Maß an Behaglichkeit mangeln. Du sollst dich ja schließlich wohl fühlen, um produktiv arbeiten zu können. Du findest dazu viele Ratschläge im Internet, auch wie ergonomische Büromöbel beschaffen sein sollten und wie du deinen Arbeitsplatz damit am besten ausstattest. 

Noch eines: Wenn du eher der "unordentliche Typ" bist, ist es hilfreich, sich hier ein paar Anregungen zu Nutze zu machen. Oft scheint es einfach unmöglich zu sein, entstandene Unordnung zu beseitigen oder Ordnung zu halten, so dass man letztlich vermeidet, überhaupt anzufangen, weil man gar nicht weiß, womit. Damit bist du allerdings schlecht beraten, denn so wird das Chaos immer größer. 

Also, um den nötigen Elan aufzubringen, solltest du klein anfangen, denn wenn du in einem Anflug von "erst nichts, dann alles auf einmal" versuchst, eben alles auf einmal zu erledigen, wirst du wahrscheinlich ziemlich schnell kapitulieren. Beginne also in kleinen Schritten. Fange mit einer Ecke deines Büros oder einer Schublade deines Schreibtisches an, die du von Grund auf ausmistest und sortierst. Und dann weiter Schritt für Schritt. Du wirst sehen, das bringt dich voran. 

Übrigens, ein weiterer Tipp ist noch: Wenn du Feierabend machst, dann mach es richtig. Hier liest du, wie das geht.

Fazit


Indem du diese speziellen Anregungen befolgst und dein Homeoffice, deine Arbeits- und Verhaltensweisen so gestaltest, dass es der Erreichung deiner Ziele dient, kannst du deine schlechten Angewohnheiten aus der Vergangenheit nach und nach eliminieren. Und du darfst nie vergessen: Während sich festangestellte Mitarbeiter immer den äußeren Faktoren wie Kollegen, Chefs, fremden Büros, festen Arbeitszeiten und eventuell auch starren Strukturen anpassen müssen, bist du als Selbständiger relativ frei in der Gestaltung deines Arbeitstages und -umfeldes. Du kannst deine eigene Gesetze festlegen, deine eigenen Bedürfnisse berücksichtigen und die Umstände an deine eigenen Anforderungen anpassen. Das ist doch eine frohe Botschaft.

Und deswegen hast du es auch selbst in der Hand und kannst auch langfristig dafür sorgen, dass dir keine schlechten Angewohnheiten (mehr) dazwischenfunken. Wenn das allerdings nicht gleich auf Anhieb klappt - besonders bei Anfängern in der Selbständigkeit - sei bitte nachsichtig mit dir selbst.   Gut Ding braucht nämlich Weile. Und genauso wie schlechte Gewohnheiten zu einer Routine werden können, geht das auch mit guten Angewohnheiten. Aber alte Verhaltensweisen zu verändern, geht nicht über Nacht. Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel.