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Selbständig mit Kleinkind, mein Kind ist mein Boss

Kinder sind toll. Kinder sind unsere Zukunft. Kinder wachsen heran und erfreuen uns Eltern jeden Tag aufs Neue. Auch mein Zwerg (18 Monate alt) tut dies jeden Tag wieder.

Lass dir aber direkt gesagt sein: Für dich als Selbstständige/n ändert sich einiges, wenn so ein kleines Menschenwesen um dich herum ist. Die rein organisatorischen Sachen sind im Blog Artikel Wie verändert sich das Freelance Leben wenn Kinder kommen? schon einmal für dich festgehalten. Da geht es unter anderem um Mutterschutz und Elterngeld.

Wenn du dir aber die gleichen Fragen stellst, die ich mir auch schon gestellt habe und du vielleicht ein Kind erwartest oder schon eines hast, dann lies hier weiter.

Zwei Dinge sollen hier zu Anfang festgestellt werden: Der Luxus der Selbständigkeit - nämlich keinen Vorgesetzten zu haben - löst sich mit einem Kleinkind in Luft auf. Und zweitens ist jedes Kind unterschiedlich, weshalb die hier aufgeführten Erfahrungen nicht für alle sprechen können. Aber letzten Endes haben Kleinkinder ja doch Gemeinsamkeiten und so hilft dies hier hoffentlich den Freelancern, die in einer gleichen Situation sind.

Selbständig mit Kleinkind- Faktor Kind

Natürlich weiß man, dass ein Kleinkind viel Kraft kosten kann. Schließlich braucht so ein kleiner Wonneproppen uns jeden Tag und jede Stunde. Ausreden kann man da schlecht erfinden und verhandeln kann man mit Kleinkindern im Alter von anderthalb Jahren auch nicht wirklich. Gegen Gebrabbel und Geschrei bist du einfach machtlos und deswegen zum Handeln gezwungen.

Dein Kind wird deine Arbeit unterbrechen. Es wird nachts zu den unmöglichsten Zeiten wach und raubt dir den Schlaf und wenn es Hunger hat, hat es Hunger. So ein Kind ist - gerade in den ersten Lebensmonaten - noch nicht wirklich mit einem für uns sinnvollem Biorhythmus gesegnet. Es wird so sein, dass deine Arbeit sich nach deinem Kind richtet - und nicht umgekehrt.

Am besten ist bei Selbständigkeit mit Kind, im Home-Office zu arbeiten. Schließlich ist der Versorgung deines Kleinkindes am besten gewährleistet, wenn alles in Griffweite ist. Außerdem ist das Mitbringen des eigenen Kindes in Co-Working-Spaces oder Cafés nicht wirklich eine Option über mehrere Stunden.

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Das mit dem Home-Office ist, insofern du eigentlich woanders arbeitest, eine Übergangslösung. Schließlich kommt irgendwann der Punkt, an dem dein Kleines in den Kindergarten kann.

Erwähnte ich eigentlich schon die ständigen Unterbrechungen? Ich bin ja froh, dass mein Zwerg sich die meiste Zeit gut beschäftigen kann, aber ab und an möchte er dann doch etwas. Manchmal weiß man eben genau, was es ist - und manchmal leider nicht. Was auch immer du denkst und worin auch immer dein Kleinkind dich unterbricht: Mache nie den Fehler, nicht zu reagieren (es sei denn, du führst gerade eine Operation am offenen Herzen durch), denn das artet in mehr Aufmerksamkeitserregung seitens deines Kleinkindes aus.

Ich habe diesen Fehler ein paar Mal gemacht und habe gelernt, dass es besser ist, schnell zu reagieren. Es mag sein, dass du gelegentlich aus etwas herausgerissen wirst. Aber es ist leichter, mit Unterbrechungen umzugehen als einem Kind voller Bedürfnisse eine Wartezeit anzutun.

Sicherlich - ohne dass jetzt die große Erzieherkeule kommt - müssen auch Kinder irgendwann lernen, dass nicht immer alles sofort geht. Aber gefüllte Windeln, Schmerzen beim Zahnen, Hunger und Mückenstiche, sind ja nun nichts, was du oder dein Kind beeinflussen könnten.

Selbständig mit Kleinkind- Versuche nicht, das Unkontrollierbare zu kontrollieren

Das bringt uns auch schon zum nächsten Punkt. Während du mit Kindern ab einem gewissen Alter (wenn sie zur Selbstreflexion fähig sind und einigermaßen sprechen können) durchaus verbal kommunizieren kannst und entsprechend Regeln und Rhythmen gestalten kannst, geht dies bei den kleinen Krabblern einfach noch nicht. Du kannst ja mal versuchen, deinem Kind zu erklären, dass du noch zwei Stunden arbeiten musst und es dann die Windel gewechselt bekommt. Das wird dein Kleinkind wahrscheinlich wenig beeindrucken...

Selbständigkeit plus Kleinkind bedeutet ganz einfach, dass du damit leben musst, dass deine lieb gewonnen Rhythmen über den Haufen geworfen werden. Gut ist natürlich, wenn deine Arbeit sich ohnehin in kleine Schritte einteilen lässt. Du kannst nach einer gewissen Zeit immer "vorbeugend" versuchen, die Bedürfnisse deines Kindes zu befriedigen, wenn sie aufkommen. Aber auch das gelingt wohl nicht mit jedem Kind. Manch eines möchte nicht einmal gefüttert werden, wenn es noch keinen Hunger oder Appetit hat.

Wenn es Dinge gibt, die wirklich geplant werden müssen, dann mach dafür Termine. Dies gilt insbesondere für wichtige Termin mit Kunden (während derer du glänzen solltest: Das kleine 1x1 der Kundenkommunikation ). Aber stell dir einfach vor, dass dein Kleines ein Zufallsfaktor ist (wie etwa Nasenbluten bei dir oder eine defekte Telefon- und Internetleitung). Diese Dinge passieren und unterbrechen natürlich dein Tun.

Und ja: Es scheint immer so, als würde ein Kleinkind dich ständig und immer beanspruchen. Aber es ist ja auch so, dass es schläft, sich beschäftigt und so weiter. Es wirkt nur so überbordend, weil es eben so häufig zu den Unterbrechungen der Arbeit kommt.

In der Selbständigkeit mit Kind lernst du, mit dieser neuen Situation zu leben, wenn du dir nicht immer ausmalst, was du alles hättest tun können. Mach einfach anschließend da weiter, wo du aufgehört hast. Es geht.

Selbständig mit Kleinkind- Sinnkrisen überstehen

Die Zeit des Zahnens ist - gerade zu Beginn - grauenhaft. Mein Zwerg schrie und schreit ständig deshalb und das wohl völlig zurecht. Das Zahnen ist schließlich schmerzhaft, das Immunsystem wird geschwächt (Infektionen sind also leider wahrscheinlicher) und nachts findet das Kind keinen Schlaf. Dazu kommt, dass Kleinkinder erst ab einem gewissen Alter (so um die drei Jahre herum) wirklich "hirnreif" sind und erst dann meist durchschlafen. Davor ist der Schlaf - meist phasenweise - unterbrochen und resultiert auch oft im Schreien oder eben im Hunger.

Entsprechend wirst auch du weniger Schlaf finden, weil dein schreiendes Kleinkind dich braucht. Du wirst merken, dass dies an deinen Kräften zerrt und lass dir gesagt sein: Du fragst dich irgendwann, ob das alles so weitergehen kann. Du fragst dich, ob es nicht sinnvoller wäre, einfach aufzugeben, eine Auszeit zu nehmen oder etwas völlig anderes zu machen.

Stell dir diese Fragen ruhig, aber beantworte sie dir auch erst nach längerem Nachdenken.

Ja, es ist wahnsinnig anstrengend, die Selbständigkeit mit Kind zu managen. Schließlich wirst du vermehrt nachts arbeiten, oder eben nur dann, wenn dein Kind gerade schläft. Es kann auch sein, dass du völlig übermüdet bist. Du wirst merken, wie dein Kind und dein Job zusammen alles aus dir herausholen. Du wirst dich phasenweise fühlen, als sei dir der Tod durch den Körper gefahren.

Und wenn du richtig fertig mit der Welt bist, dann ertrage es. Und wenn der erste Sonnenstrahl wieder in dein Leben bricht, dann schau dir dein Kind an und schau dich an: Du hast es geschafft! Du hast ein Kind (oder mehrere) in die Welt gesetzt und du bist Freelancer. Du hast alles, was du hast, selbst geschafft. Und wenn du es jetzt noch schaffst, dass du diese schwere Kleinkind-Phase überstehst, dann bist du für alles gewappnet.

Dein Business, deine Selbständigkeit ist eine Sache, für die du dich mal entschieden hast und für die du eine Leidenschaft hast und dein Kleinkind wird sich entwickeln und dein ganzer Stolz sein. Dann erinnerst du dich später an die schlaflosen Nächte und wirst merken, dass du es ja trotzdem geschafft hast.