Gegensätze ziehen sich an - was Selbständige tun können, um sich für die Zukunft zu rüsten | Kontist
Selbstständigkeit

Gegensätze ziehen sich an - was Selbständige tun können, um sich für die Zukunft zu rüsten

Nina Sickinger

Freelance Editor

20. Okt. 2020

Wie geht es denn nun weiter? Diese Frage stellen sich Selbständige, Freelancer und Freiberufler wahrscheinlich gerade öfter denn je. Nach über 20-jähriger Selbständigkeit muss ich zugeben, so eine Situation habe ich während dieser Zeit auch noch nicht erlebt. Gut, Auftragsflauten, Sommerlöcher oder auch kreative Tiefs sind altbekannte Begleiter des freiberuflichen Arbeitens. Aber eine Phase wie diese Corona-Pandemie war vorher so noch nie da (und ist auch mit der Spanischen Grippe nicht wirklich vergleichbar, weil damals einfach eine ganz andere Zeit war). 

So sehen wir Arbeitenden uns mit Sorgen und Ängsten konfrontiert, deren Lösung momentan höchst ungewiss ist. Was also tun, wenn man auch weiterhin als Unternehmer (egal welcher Art und Größe) erfolgreich tätig sein möchte?

Vorab ein schneller Tipp: Wenn du glaubst, du brauchst zu dieser Frage eine professionelle Beratung - noch bis Ende des Jahres gibt es staatliche Förderungen bei Inanspruchnahme einer Unternehmensberatung. Hier liest du wie das geht Unternehmensberatung mit 100% staatlichem Kostenzuschuss für den Weg durch die Krise.

Kommen wir nun zurück zum Thema und der Frage, wie du trotz aller Widrigkeiten durch diese Zeit kommst. Dazu habe ich heute eine These für euch, die zunächst nach einem Widerspruch klingt, weil sie so zwei gegensätzliche Aspekte beinhaltet. Sie besagt: die heutige Zeit erfordert gleichermaßen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Wie das geht? Ein paar Anregungen....

Unsere (Arbeits-) Welt verändert sich gerade immens

Das Thema Arbeit ist in aller Munde. Vernachlässigen wir hier das andere große Thema, das unser Leben seit Monaten komplett beherrscht, müssen wir dennoch festhalten, dass beide zusammen gehören und dieser Virus unsere Arbeitswelt enorm beeinflusst. 

Auf die eine Art ziemlich negativ: Entlassungen, Kurzarbeit, Insolvenzen, Selbständige, die sich nicht mehr über Wasser halten können und so weiter und so weiter. Und der endgültige Schaden auf allen Ebenen ist ja noch gar nicht absehbar.

Auf andere Art birgt dies aber auch positive Aspekte, denn viele nutzen die derzeitige Krise auch, um neue Wege zu ergründen. Not macht erfinderisch, wie es so schön heißt. Und wenn es für viele Selbständige gerade leider an die Existenz geht - was sich durch alle Branchen zieht und wirklich fatal ist - gehen dennoch auch viele Türen auf. 

Alleine schon im Bereich Digitalisierung und technologischer Entwicklung. Hier finden große Veränderungen gerade noch schneller statt. Man denke nur an die rasante Zunahme an digitalen Meetings, Seminaren und Workshops zu Zeiten des Lockdown, als Reisen und Zusammenkünfte von Menschen auf engstem Raum nicht mehr möglich waren.

Aber auch im privaten Rahmen hat dies enorm zugenommen: wir bestellen die Dinge des täglichen Bedarfs online, können Arzttermine per Videochat buchen, alle Bankgeschäfte von zu Haue aus abwickeln und Konzerte digital besuchen. Segen oder Fluch? Ich denke, von beidem etwas. Es erschließen sich unendliche Möglichkeiten. Es macht aber auch vieles kaputt - Arbeitsplätze zum Beispiel. So werden derzeit zig Bankfilialen geschlossen und Arbeitsprozesse auf rasante Art automatisiert. Der Mensch wird ersetzt, das persönliche Gespräch auch. So macht es uns einsamer. Die Nähe und die Menschlichkeit gehen verloren. Aber das ist ein anderes Thema. 

Denn heute dreht es sich rein um die Arbeit und den eingangs erwähnten Aspekt zu Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Mal sehen, wie sich das nun untermauern lässt.

Eine Erklärung 

Wir müssen flexibel bleiben, damit wir uns jeder neuen Situation und jeder neuen Herausforderung immer bestens anpassen können. So wird ein Schuh daraus. Es bringt ja nichts, stur an alten Konzepten festzuhalten, die auf Grund äußerer Veränderungen gar nicht mehr durchführbar sind. 

So zum Beispiel mussten Unternehmer - die sich in der Vergangenheit strikt geweigert haben, ihren Mitarbeitern auch das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen - durch Corona zwangsläufig flexibel darauf reagieren und sich den neuen Gegebenheiten anpassen

Und siehe da, in den meisten Fällen haben die Chefs und Bosse dieser Welt gesehen (ich spreche jetzt bewusst von weltweit), dass Arbeitnehmer nicht immer jeden Tag von 9 bis 17 Uhr vor Ort in der Firma arbeiten müssen, sondern dass es auch prima und erfolgreich funktioniert, wenn sie dies im Homeoffice tun. 

Im Gegenzug konnten bisher fest angestellte Arbeitnehmer vielleicht die grandiose Erfahrung machen, wie toll und inspirierend es ist, selbständig zuhause zu arbeiten, obwohl sie selbst es eventuell vorher abgelehnt oder es sich nicht zugetraut hatten. Wie viele Anmeldungen neuer Gewerbe oder Freier Berufe hat dieser Fakt wohl die Tore geöffnet? Zu hoffen wäre, viele.   

Aber natürlich ist das Thema Arbeit nicht erst seit Corona ein so wichtiges. In der Geschichte gab es immer wieder Einschnitte. Man bedenke allein, wie sich unser Arbeiten über das letzte  Jahrhundert verändert hat. Von üblichen 45 Wochenstunden und mehr, Samstags-/Sonntagsarbeit und einer Anzahl an Urlaubstagen, die heute als lachhaft gilt. Schon immer haben sich Forscher, Wissenschaftler, Politiker etc. Gedanken darüber gemacht, wie es denn weiter geht. Das ist der Lauf der Dinge - und auch hier bleibt wieder festzuhalten: In jeder Phase der Geschichte erforderten Veränderungen sowohl Flexibilität als auch Anpassungsfähigkeit.

Aber lassen wir die Vergangenheit jetzt bei Seite und widmen uns der Zukunft, denn schon wieder stehen wir an so einer Stelle. Das wirft Fragen auf, wie zum Beispiel wie wir wohl in ein paar Jahren arbeiten werden? Hat das Modell mit einem einzigen bzw. dauerhaften Job oder einem einzigen bzw. dauerhaften Selbständigkeitsbereich überhaupt noch Bestand?

Arbeiten wir noch in Büros so wie es heute der Fall ist oder nimmt die Möglichkeit des Homeoffice immer mehr zu? Wie sieht es mit dem Bereich virtuelle Assistenten oder digitale Nomaden aus (gehen wir mal davon aus, dass wir bald wieder "normal" reisen dürfen)? Wie viele Job-Bereiche werden wohl noch wegfallen, weil sie durch Maschinen oder Computer ersetzt werden? 

Es gibt hierzu immer wieder Statistiken, die wirklich alarmierende Zahlen zeigen. Auch hier lässt sich wieder fragen, Segen oder Fluch? Und auch hier ist die Antwort - von beidem etwas. Denn auch wenn viele Jobs bedroht sind, kann man davon ausgehen, dass die Entwicklung genau so rasant fortschreitet, wie sie das die letzten 100 Jahre getan hat. 

Das heißt, es bleibt zu hoffen, dass auf Grund von Technisierung wegfallende Jobs durch ganz neue ersetzt werden. Einfach weil die Anforderungen an Technik und digitalen Fortschritt neue Sparten eröffnet und neue Spezialisten (sprich neue Jobs) erfordert. Jobs, von denen heute vielleicht noch niemand eine Ahnung hat bzw. die noch gar nicht erfunden sind. Deswegen sollten wir uns also nicht Sorgen machen, sondern viel mehr positiv gestimmt in die Zukunft schauen. Auch wenn es momentan wirklich schwer fällt. 

Was wir dazu brauchen

Die Menschen und die Unternehmen müssen mit der Zeit gehen und und sich für die neuen Möglichkeiten öffnen. Und wenn auch für viele ein Gräuel, wir können nicht mehr umhin, unsere digitale Kompetenz zu erhöhen. Es ist absolut nötig, dass wir uns damit befassen, auseinandersetzen, uns anfreunden, lernen und uns weiterbilden. 

Hier ist die Flexibilität im Kopf und im Handeln gefragt, so dass wir uns schnellstens an die Veränderungen anpassen. Ich glaube, an dieser Stelle behaupten zu müssen -:), auch wenn ich kein Freund harter Worte bin:

Wer da nicht mit macht, hat langfristig keine Chance (oder zumindest eine wesentlich schlechtere). Und das gilt generell für den Arbeitsmarkt, für Freelancer, freie Mitarbeiter, Selbständige, Freiberufler, Arbeitnehmer, sowie für die gesamte Wirtschaft.

Aber nicht nur digitale Kompetenz ist wichtig. Wir müssen uns darüber hinaus auch persönlich weiterentwickeln in unseren Fähigkeiten, Ressourcen und der Bereitschaft alte Pfade zu verlassen und neue einzuschlagen. Denn unvorbereitet in einer derartigen Zeit eines Umbruchs zu sein, ist kein guter Schachzug. Keiner weiß, wie lange uns der Virus noch in Atem hält, wie viel wirtschaftliche und finanzielle Einbußen wir noch verkraften müssen. 

Umso wichtiger sich vorzubereiten - auf alle Eventualitäten, auch wenn viele logischerweise jetzt sagen, das geht doch gar nicht. Wie soll man sich denn auf Unvorhersehbares vorbereiten? Klar, was passiert kann man nicht vorhersehen. Nun sind wir selber gefragt. Wir müssen uns selber vorbereiten, stärken und lernen, Vertrauen zu haben. 

Je flexibler wir sind und je besser wir uns viele kleine Möglichkeiten schaffen, um agil zu bleiben, um immer gut auf neue Herausforderungen reagieren und neue Wege einschlagen zu können, desto besser können wir mit dem aktuellen Geschehen mithalten. Und das erfordert nun wieder eine Form von Anpassungsfähigkeit. Vielleicht könnte man sagen eine flexible Anpassungsfähigkeit als eine Art neuer Begrifflichkeit.

Was du selber noch tun kannst, um als Selbständiger besser durch die Krise zu kommen und die Gefahr von Liquiditätsschwierigkeiten zu minimieren, liest du hier Liquiditätstipps ohne staatliche Hilfe für die Corona-Krise.

Wenn du Anregungen zum Thema staatliche Hilfe & Unterstützung in der Corona-Zeit lesen möchtest, klicke hier Staatliche Zuschüsse - Welche Soforthilfe-Programme gibt es?.