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Freelancer im Sommerloch?

Während ich just in diesem Moment an meinem Schreibtisch sitze (übrigens direkt am Fenster mit einem wunderschönen Ausblick auf das Münsterland) wird mir richtig warm ums Herz. Das Außenthermometer zeigt knackige 38 Grad. Und das ausgerechnet noch an der Nordseite des Hauses. Als ich bei der Überschrift dieses Textes an meine eigene Arbeit als Freelancer dachte, musste ich dementsprechend schon ein wenig schmunzeln. Denn über mangelnde Aufträge auch in den Sommermonaten kann ich mich als Texter nun wirklich nicht beklagen (obwohl ja ständig überall behauptet wird, das Texten sei eine total brotlose Kunst). Aber klar, es ist immer irgendwie schwierig von sich selbst auf die Situation bei anderen Kollegen zu schließen. Darum habe ich mir mal die Mühe gemacht, mich in der Runde umzuhören. Eines kann ich dir vorab schon sagen: Das berüchtigte Sommerloch ist auf jeden Fall nicht ganz so groß, wie du vielleicht denkst. Denn wie bereits zu erwarten war, sind zumindest die meisten mir bekannten hauptberuflichen Freelancer – und das sind nicht wenige – im ganzen Jahr über mit Aufträgen gut dabei. Übrigens gebe ich dir gleich noch den einen oder anderen Tipp, wie du als Freiberufler gut durch den Sommer kommst – selbst wenn es dann doch mal an Aufträgen mangelt.

Macht die Branche den Unterschied?

Um sich einfach vorzustellen, warum das Thema Sommerloch für Freelancer nicht unwichtig ist, lohnt sich ein Blick auf die Bereiche, in denen viele Kollegen tätig sind. Einige wirklich große Branchen sind zum Beispiel Software und IT sowie der eher kreativ-künstlerische Sektor, zu dem natürlich das Texten, aber auch Marketing, Design und Werbung gehört. Viele Freiberufler finden sich aber auch unter den Ingenieuren sowie klassischen ständischen Berufen (Ärzte, Architekten, Lehrer, Dolmetscher) usw. Wenn du dir einige dieser Berufe anschaust, wirst du schnell zum Schluss kommen, dass dort gerade im Sommer viel zu tun ist.

Los geht es zum Beispiel bei den Ärzten. Sport- und Freizeitunfälle haben nämlich statistisch gesehen zwischen Juli und August Konjunktur. Hochsaison ist im Sommer auf den Baustellen – da darf dann auch der Architekt nicht fehlen. Und vielleicht planst du in diesem Sommer sogar eine kulturelle Rundreise durch Italien? Es würde mich nicht wundern, wenn du dort einer Dolmetscherin begegnest, die mit den italienischen Übersetzungen für deutsche Touristen ebenfalls gut beschäftigt ist. Die Liste ließe sich noch unendlich fortsetzen, wir können aber sicher festhalten: Viele Selbstständige müssen insbesondere dann arbeiten, wenn Angestellte frei haben oder im Urlaub sind. Dennoch gibt es zumindest einige Branchen, bei denen in den Sommermonaten tatsächlich weniger los ist. In der Medien- und Kreativbranche zum Beispiel nutzen Angestellte häufig in den Monaten um Juni und Juli ihren Urlaub, worunter dann auch die Zusammenarbeit mit den Freelancern leiden kann.

Gleichwohl muss man allerdings auch sagen, dass in der Medienbranche natürlich auch in den Sommermonaten viel los ist. Zeitungen, Radiosendungen und TV-Programme müssen schließlich auch dann produziert werden – und das geschieht eben größtenteils durch die tatkräftige Unterstützung von Freiberuflern, welche in diesen Branchen den Großteil der Mitarbeiter stellen. Im Zweifelsfalle kann es sich durchaus lohnen, über ein zweites Standbein nachzudenken. Wer beispielsweise als Freelancer in der PR- und Kommunikation arbeitet, könnte beispielsweise in den Sommermonaten auch verstärkt journalistische bzw. Werbe- und Marketing-Aufträge wahrnehmen, da sich die Berufsbilder gar nicht unbedingt so stark unterscheiden.

Finanzielle Rücklagen bilden

Da du als Freelancer leider nicht über ein geregeltes monatliches Einkommen verfügst, kann es durchaus vorteilhaft sein, für diese Phasen rechtzeitig zu planen . Zunächst einmal ist es außerordentlich sinnvoll und wichtig, ein wenig Geld von deinem jährlichen Umsatz als „Notgroschen“ für solche Fälle zurückzulegen. Idealerweise natürlich nicht auf einem Girokonto, sondern auf einem Tagesgeld- oder Sparkonto. Wichtig ist, dass du jederzeit über dieses Geld verfügen kannst. Diese Rücklage sollte deine Fixkosten für zwei bis vier Monate decken. Generell ist es auch für Freiberufler sinnvoll, am Kapitalmarkt mit Wertpapieren für das Alter vorzusorgen. Wenn du zum Beispiel regelmäßig in Dividendenaktien investierst, bekommst du durch die Rendite jedes Quartal eine Art passives Einkommen . Das sind vielleicht bei einigen Tausend Euro Anlagesumme nur 30 bis 50 Euro im Monat – das genügt aber unter Umständen schon, um wenigstens die Strom- Gas und Handy/Internetrechnung zu zahlen. Solche Kleinigkeiten können bei Freiberuflern in auftragsschwachen Monaten durchaus eine ganz große Rolle spielen. Wenn tatsächlich alle Stricke reißen, kann es sinnvoll sein, einen Überbrückungskredit aufzunehmen. Es gibt in Deutschland einige Banken, die auch Freiberuflern entsprechende Produkte anbieten. Generell muss man hier aber festhalten, dass die Beantragung und Prüfung solcher Darlehen meist komplizierter als für Angestellte sind. Unter Umständen kann hier ein Peer to Peer-Kredit eine Alternative sein.

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Nutze die Zeit sinnvoll

Es gibt immer was zu tun. Das ist nicht nur der Werbeslogan eines bekannten Heimwerkermarktes, sondern sollte auch das Motto eines jeden Freelancers sein. Zum Beispiel bietet sich an, im Sommer die Dinge zu erledigen, für die du aufgrund von Auftragsdruck sonst wenig Zeit übrig hast. Du könntest dich zum Beispiel in neue Themenbereiche einarbeiten, die für deine Arbeit bzw. Kunden von großem Wert sind. Sinnvoll kann es auch sein, seine Ziele neu zu definieren. Vielleicht gibt es den einen oder anderen Punkt, den du nun bezüglich deiner Arbeitszeit, deinen Arbeitsinhalten oder des Einkommens ändern möchtest. In jedem Falle solltest du die Gelegenheit nutzen, deine Unterlagen wieder auf Vordermann zu bringen. Sicherlich hat sich in den Projektphasen der vergangenen Monate so einiger Papierkram und Dateien auf dem Computer angesammelt.

Was benötigst du noch und was kann entsorgt werden? Für Freiberufler ist es besonders wichtig, ihre Arbeit effizient zu organisieren, wozu natürlich auch die Strukturen und Abläufe im Büro gehören. Man mag es zwar gar nicht glauben, aber auch Freelancer benötigen hin und wieder mal etwas Urlaub . Da sich dieser jedoch schlecht in Zeiten buchen lässt, wenn die Aufträge gerade reihenweise auf dem Schreibtisch landen, kann sich ein Verschieben in die Sommerzeit durchaus lohnen. Dann ist höchstwahrscheinlich auch in den Büros deiner Auftraggeber nicht übermäßig viel los. Last but not Least gibt es natürlich eine Sache, die sich sowohl für Angestellte wie auch Freelancer immer lohnt: Nämlich sich um die eigene Fortbildung zu kümmern. Es gibt ganz bestimmt eine Reihe von Kenntnissen und Fähigkeiten, mit denen du deinen Wert für Auftraggeber steigern kannst. Vielleicht mit dem Erlernen einer weiteren Fremdsprache?

Nicht zu vergessen Marketingkurse oder das breite Thema Internet und Suchmaschinenoptimierung . Interessant sind besonders auch Fortbildungen, die deine Selbstständigkeit vereinfachen (Buchführung, BWL-Kurse, Eigenmarketing usw.)

Fazit: Ein richtiges Sommerloch existiert nicht

Ich, als Freiberufler, glaube nicht an ein Sommerloch. Irgendwie gibt es immer was zu tun, selbst wenn es nur die berufliche und private Planung betrifft. Geht es um saisonal bedingte Schwankungen der Auftragslage, machen sich die meisten Freelancer wohl auch weniger Sorgen um mangelnde Arbeit an sich – vermutlich sind viele sogar ganz froh, dass ihnen die Arbeit ausnahmsweise mal nicht bis zum Hals steht. Das Problem dürfte ganz klar die Sorge sein, in dieser Zeit seine Rechnungen nicht bezahlen zu können. Aus meiner Sicht vollkommen verständlich, doch sollte man an diesem Punkt ehrlich sein: Wenn deine Arbeit als Freelancer so knapp kalkuliert ist, dass dich bereits ein Monat ohne Einkommen komplett aus der Bahn wirft und das Ende der Selbstständigkeit droht, machst du was falsch. Jeder Freiberufler sollte in guten Zeiten – und die werden bei erfolgreichen Selbstständigen überwiegen – für ein paar schlechte Monate mit Rücklagen in Form von schnell verfügbarem Geld vorsorgen. Wenn du dich aber von Anfang an auf diese (zu erwartenden) Unwägbarkeiten einstellst, wird keine kurzfristige Auftragsflaute etwas an deinem Erfolg als Freiberufler ändern. Nutze einen eventuellen Leerlauf um mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Du hast einerseits Zeit dich selbst zu erholen und Aufgaben zu erledigen, die über das Jahr angefallen sind. Auch wenn du es in deiner Gründerphase noch nicht recht glauben magst, als erfahrener Freelancer kann ich dir aber eine Sache versichern:

Irgendwann wirst du auch mal froh sein, wenn sich die Aufträge nicht auf deinem Schreibtisch stapeln. Sollte es aber doch so sein – und da kommen wir jetzt wieder auf das Thema gutes Wetter vom Anfang zurück – hast du als Freiberufler immerhin einen unschlagbaren Vorteil. Denn während sich die Angestellten auch an diesen heißen Tagen im Büro quälen, kannst du dir auch mal selbst Hitzefrei geben (oder dich zumindest mit einem kühlen Softdrink und dem Notebook in den Schatten setzen und dort arbeiten). Und das hört sich doch auch nicht so schlecht an, oder?