Wenn ich eine Wette abschließen würde, wie viele Freelancer dieses Phänomen kennen und ich würde weiterhin mal behaupten, die Quote liegt bei knapp 100 Prozent – dann bin ich zu Hundert Prozent sicher, der Gewinn ist auf meiner Seite. Denn dieses Phänomen ist weit verbreitet. Man könnte schon beinahe behaupten, es ist die „Volkskrankheit“ unter den Freelancern . Ich spreche hier von dem Phänomen, nicht wirklich produktiv zu sein, in dem was du tust. Beziehungsweise ständig das Gefühl zu haben, die Arbeitstage nicht wirklich zu deinen machen zu können. Das kann sich in vielen unterschiedlichen, kleinen Ausprägungen zeigen, läuft aber immer auf das Gleiche hinaus.

Die Ausprägungen sind ähnlich – und jeder kennt sie. Hier ein paar Beispiele unter vielen

Du kommst morgens einfach nicht in die Gänge? Und dieser Zustand geht auch nach einem leckeren Frühstück nicht vorbei? Vielmehr zieht er sich bis zum Feierabend hin und du beendest den Tag frustriert? Oder du setzt dich morgens an deinen Schreibtisch, der Tag geht vorbei und am Nachmittag wunderst du dich, wo er denn nur geblieben ist? Und so richtig was erreicht, hast du auch nicht und wieder bist du frustriert? Du gehst in dein Büro, glaubst eigentlich voller Tatendrang zu sein, starrst dann aber auf deinen Bildschirm und denkst „und jetzt“? Du hast eine Deadline für ein Projekt, müsstest eigentlich unter Hochdruck arbeiten, schaffst es aber einfach nicht? Oder du hast das Gefühl, keine Power (mehr) zu haben und kannst keinen klaren Gedanken fassen?

Natürlich gibt es weit mehr Beispiele, und wie schon gesagt alle ähneln sich. Und Zeit, etwas zu ändern. Letztlich steckt meist das Gleiche dahinter. Diese Situationen können ein paar Stunden dauern oder auch mehrere Tage. Und egal ob du gerade frisch in deine Selbständigkeit startest, schon länger dabei bist oder bereits ein alter Hase – gerade wenn du selbständig arbeitest, geht es um Motivation, Selbstdisziplin und ein paar wichtige Regeln, die du dir zuliebe immer einhalten solltest. Fakt ist: Handelt es sich um ein kleines Tief, kannst du einiges dafür tun, um dich wieder aufwärts zu bewegen. Aber bitte: Falls dies ein länger anhaltender Zustand ist, aus dem du einfach nicht mehr herauskommst, solltest du dir ärztliche Hilfe suchen.

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Damit kannst du schon mal anfangen

Es ist einfach ein blödes Gefühl, auf der Stelle zu treten - vor allem wenn du dein eigener Chef bist und die Verantwortung, wie dein Business läuft, allein bei dir liegt. Falls du dich öfter, vielleicht sogar gerade in diesem Moment oder auch schon über einen längeren Zeitraum so richtig ausgebremst fühlst, es aber eigentlich so gar keinen richtigen Grund dafür gibt, ist das absolut kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Oder alles in Frage zu stellen. Denn es gibt immer Lösungen und die sind eigentlich nicht mal besonders kompliziert. Hier ein paar Anregungen für dich, die dir als Freelancer wieder auf die Sprünge helfen.

Gerade wenn du als Selbständiger im Homeoffice arbeitest, gibt es kleine, aber nicht unwichtige Dinge: Zum Beispiel ist es für mich wichtig, mich niemals im Bademantel oder direkt vom Bett aus an den Schreibtisch zu setzen – obwohl es mir leider immer wieder passiert. Aber wie soll dein Körper vom mitunter noch verschlafenen Morgenzustand in den Businessmodus umschalten, wenn er direkt vom Bett an den Schreibtisch katapultiert wird.

Also, handle hier genauso, als würdest du dich auf den Weg in ein Büro machen. Da fährst du ja auch nicht im Bademantel hin. Halte dich an deine To-do-Liste für den Tag und integriere Neuaufträge oder Anfragen so, dass deren Erledigung realistisch ist. Falls du feststellst, dass immer einige / viele Punkte auf deiner Liste unerledigt bleiben, überdenke und überarbeite dein Zeitmanagement. Es ist ein Zeichen, dass du dir entweder immer zu viel aufhalst oder dein Zeitmanagement nicht effektiv ist. Wie du dir ein optimales Zeitmanagement-System kreierst und erfolgreich damit arbeitest, erfährst du in unserem Blog Post “Zeitmanagement-Methoden”.

Obwohl du zuhause arbeitest, gehe raus, um den Tag zu beginnen. Wer immer allein in seinem stillen Kämmerlein (Homeoffice) vor sich hin arbeitet, braucht unbedingt Kontakt zur Welt. Ich liebe es zwar, dass ich immer ungestört und voll konzentriert (wär schön, wenn das immer so wäre…) arbeiten kann, keine Kollegen oder pausenlos klingelnden Telefone mich aus dem Konzept bringen. Aber nach nun doch schon ein paar Jährchen des Freelancer-Daseins bemerke ich mitunter ein paar Vereinsamungstendenzen.

Also, gehe am besten gleich morgens raus, trinke einen Kaffee in deinem Lieblingskaffee, lies die Zeitung oder was auch immer dir guttut. Und: wechsele ein paar Worte. Das sind vielleicht die letzten für diesen Tag. Setze dir ein Zeitlimit, das du auch einhältst. Sonst ist der halbe Vormittag rum und du sitzt immer noch nicht am Schreibtisch. Du kannst deinen „Draußen-Aufenthalt“ natürlich auch auf die Mittagspause verlegen. Nutze die Zeit, an die frische Luft zu gehen. Verlasse auf jeden Fall deinen Arbeitsplatz. Schaffe dir auch hier kleine Rituale, die dir helfen deinen Arbeitstag zu strukturieren. Wie du dir derartige Rituale schaffen kannst, erfährst du in unserem Blog Artikel “Rituale - wie Sie dir im Alltag helfen können.”

Wenn du zuhause arbeitest, vermeide jedwede Ablenkung. Verbanne den Fernseher aus deinem Büro. Bei Musik musst du selbst entscheiden. Es gibt Menschen, die stört das nicht. Ich zum Beispiel kann mit Musik nicht wirklich gut schreiben.

Arbeitest du als Angestellter oder in einem Büro außerhalb deines Zuhauses ist es, mal abgesehen von Überstunden, relativ leicht, deinen Arbeitstag zu beenden. Natürlich gibt es auch einige, denen das grundsätzlich schwer fällt, aber zumindest physisch lässt sich der Feierabend so ganz gut einläuten. Anders, wenn du dein Büro in der eigenen Wohnung hast. Dann zieht es einen doch immer wieder an den Rechner, den Aktenordner oder was auch immer dein Business ist. Die Gefahr, dass sich dein Arbeitstag so notorisch in die Länge zieht, ist mehr als groß.

Also, auch hier solltest du auf feste Rituale achten, mit denen du deinen Tag abschließt und in den Abend übergehst. Erlaubt ist alles, was dir dabei hilft und was dir Spaß macht: Sport, Freunde treffen, Zeit mit der Familie verbringen. Wenn dich deine Arbeit abends oft gedanklich beschäftigt, gibt es einige gute Methoden, wie zum Beispiel autogenes Training, um besser abschalten zu können. Falls du Tipps für den Feierabend benötigst, empfehlen wir den Blog Post “Wie ich als Selbständiger richtig Feierabend machen kann.”

Wenn du diese Punkte in deinen Arbeitsalltag integrieren kannst, bist du schon auf einem guten Weg. Aber das Arbeitsleben bringt immer wieder neue Anforderungen und Herausforderungen mit sich. Also, auch wenn du die oben genannten Dinge adaptierst, kann sich trotzdem eine Art Routine einschleichen, die dich wiederum lähmen kann. Der einzige Weg ist, von Zeit zu Zeit dein Freelancer-Leben auf den Prüfstand zu stellen. Stehen vielleicht wieder kleine Hemmschuhe vor der Tür? Hänge ich irgendwo fest? Es ist ein stetiger Prozess. Niemand funktioniert an 365 Tagen im Jahr gleich. Manchmal musst du spontan reagieren und deine Arbeitstage und quasi deine Funktionalität den äußeren Gegebenheiten anpassen. Du kannst dir die folgenden Fragen stellen und die Antworten regelmäßig mit deinem Ist-Zustand abgleichen:

Wenn du das Gefühl hast, für manche Dinge immer viel zu lang zu brauchen: Wie kann ich mehr in kürzerer Zeit schaffen? Was ist überflüssig oder wo hakt mein Zeitmanagement? Hast du genügend Freiraum, Kräfte zu tanken? Gibst du deinem Kopf auch mal Zeit für Ruhe oder für kreative Schaffenspausen. Gönnst du dir genug Freizeit? Gibst du dir die Zeit, mal den Kopf durchpusten zu lassen bzw. die Seele baumeln zu lassen?
Beendest du deine Arbeit abends wirklich, auch gedanklich und beginnst erst wieder am nächsten Tag damit?

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Was du tun kannst, um in Zukunft jeden Tag wirklich zu deinem zu machen

Zusätzlich zu den kleinen Veränderungen, die zu tun wir dir weiter oben empfohlen haben, gibt es weitere Tipps, die dir dabei helfen, produktiver, zufriedener und erfüllter zu werden – nicht nur was deine Arbeit anbelangt, sondern letztlich in deinem gesamten Leben. Denn beides gehört zusammen.

1. Lass Bewegung in dein Leben

Neben den oben genannten Morgenritualen solltest du deinen Körper aktiv verwöhnen. Egal ob das eine Runde Joggen ist oder Schwimmen oder ein spezielles Workout, dass dir Spaß macht. So kommst du auf jeden Fall in Schwung. Wenn dir das schwer fällt – mache den Vorsatz schon am Abend vorher. Lege dir die entsprechenden „Sport-Sachen“ parat, so dass du am Morgen keine Ausrede findest.

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2. Geh mit deinem Bio-Rhythmus

Es wird wenig Sinn machen, dass du dir vor lauter Enthusiasmus zukünftig den Wecker auf 6 Uhr morgens stellst, obwohl du eigentlich eine Nachteule bist. Außer du hast das vielleicht bisher nur gedacht (um dich auszutricksen – Anmerkung des inneren Schweinehunds) oder vorgeschoben, um lange schlafen zu können. Finde heraus, was dir entspricht und handle adäquat. Es soll dich ja schließlich unterstützen.

3. Der erste Gedanke des Tages

Dies soll jetzt keinesfalls unter dem Konto esoterischer Quatsch laufen, auch wenn das viele vielleicht denken. Aber der erste Gedanke des Tages hat Einfluss auf den gesamten Verlauf. Bist du miesepetrig und denkst schon nach dem Aufwachen an all die unerledigten oder eventuell unangenehmen Dinge, die dich heute erwarten, was meinst du, in welche Richtung deine Laune, dein Tag und alles, was damit zu tun hat, verlaufen wird? Probiere es einfach mal aus, denke morgens an etwas Positives, an all die guten Dinge, die dich erwarten – auch wenn die To-do-Liste lang ist und du vielleicht ein unangenehmes Kunden-Telefonat führen musst. Es ist nur ein kleiner Unterschied im Denken, der aber große Wirkung haben kann. Wenn du es schaffst, mit einem Lächeln auf den Lippen an diesen Kunden zu denken und dir vornimmst, dass das Gespräch zu deinen besten Konditionen verlaufen wird, du wirst sehen, es nimmt den Dampf aus dem Kessel und der Tag wird viel eher deiner. Aber: Es braucht eventuell ein bisschen Übung dafür.

4. Was ist das eine Ding, dass du heute erreichen möchtest

Anstatt sich ständig in Tausend kleinen, zu erledigenden Dingen zu verlieren und am Ende des Tages unverrichteter (oder zum Teil) Dinge frustriert aufzuhören, solltest du dir vornehmen, was du an diesem heutigen Tag erreichen möchtest. Vielleicht kümmerst du dich heute nur um deine Buchhaltung oder machst ein Kundenmailing, das schon so lange auf deiner Liste steht, das du immer wieder anfängst, aber nie fertig machst. Besser sich gut strukturiert um eine Sache kümmern, als mehrere gleichzeitig nie zu Ende bringen. Also, was möchtest du heute erreichen? Und noch ein kleiner Tipp: Öfter mal delegieren. Hilft wahre Wunder.

5. Halte klare Bürozeiten ein

Du kennst das als Freelancer – in Zeiten von Smartphone & Co. sind wir zu jeder Zeit, an jedem Ort erreichbar. Kunden können auch abends um 22 Uhr noch eine Anfrage schicken und wer es nicht gut drauf hat, das bis zum nächsten Morgen liegen zu lassen, ist bis weit in die Nacht oder den Sonntag hinein mit seinem Business beschäftigt. Auf Dauer ist das kontraproduktiv. Wir haben das schon beschrieben. Mache für dich ganz klare Bürozeiten, wann mache ich nur Orga? Wann hast du telefonische Sprechzeiten? Jedes Amt macht das so. Warum nicht du? Du kannst dir auch deine ganze Woche nach diesem Muster strukturieren, wann mache ich was? So wirst du auf Dauer einfach wesentlich produktiver und effektiver in deinem Business. Und du kannst lernen jeden Tag zu deinem zu machen.