Steuern & Banking für Selbständige & Freelancer

Selbstständigkeit

Was zu beachten ist, als Selbständiger diese typischen (juristischen) Fallen zu vermeiden

Nina Sickinger

Freelance Editor

8. Dez. 2021

Selbstständige wie beispielsweise Freiberufler oder Einzelunternehmer genießen viele Freiheiten und auch Vorteile gegenüber festangestellten Arbeitnehmern. Sie sind zeitlich sehr flexibel, können selbstbestimmt agieren, ohne dass Vorgesetzte sich einmischen und sind örtlich meist ungebunden. Das ist die eine Seite der Medaille, die in der Regel nicht goldener glänzen könnte. Die andere Seite allerdings leuchtet oftmals rot - zum Beispiel falls einzelne rechtliche oder fachliche Aspekte auf dem Weg in die Selbständigkeit und später als Unternehmer nicht beachtet werden.

Sich selbstständig zu machen und ein eigenes Unternehmen zu führen, ist definitiv ein wunderbares Unterfangen. Aber du musst sicher stellen, dass alle damit zusammenhängenden Fragen und Angelegenheiten exakt gehandhabt werden. Vor allem um nachträgliche Schwierigkeiten oder Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. 

Was du also auf deinem Weg beachten solltest, wollen wir im Folgenden etwas näher beleuchten. 

Wichtige Aspekte für dich als Unternehmer

Als erstes gilt: Erledige stets alle notwendigen Formalitäten im Rahmen deiner Unternehmerschaft gewissenhaft. Prüfe bereits im Vorfeld alle Anforderungen, die Behörden, Kammern, Berufsverbände etc. an dein Business stellen. Checke, für welche Bereiche deines Business  eventuell besondere Vorgaben gelten und wofür du gegebenenfalls (spezielle) Nachweise, behördliche Zulassungen oder Genehmigungen benötigst. Wenn du auf alle relevanten Punkte achtest und sie deinem Business entsprechend "erledigst", dürfte in diesem Zusammenhang eigentlich nichts schief gehen. 

Welche Aspekte sind unter anderem zu beachten:

- Rechtsform

- Anmeldung/Status Freiberufler oder Gewerbetreibender

- Registrierung

- Versicherungen

- Scheinselbständigkeit

- Datenschutzrichtlinie Webseiten

- uvm.

Im Detail bedeutet das:

  • Rechtsform - welche ist die richtige für mein Vorhaben?

Für Selbständige bieten sich unter anderem an: 

- Einzelunternehmen 

- Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

- Partnerschaftsgesellschaft (PartG, nur für Freiberufler)

- und weitere

Das Einzelunternehmen gilt als die am häufigsten gewählte Rechtsform für Selbständige bei uns in Deutschland. Gerade zum Einstieg ist es bestens geeignet, weil die Gründung so einfach ist. Für jede Rechtsform bestehen allerdings Vor- und Nachteile. Welche für dein zukünftiges Business am besten geeignet ist, hängt von bestimmten Faktoren ab, wie zum Beispiel Haftungs- und Risikoaspekte. Besprich dies am besten mit einem Fachmann bzw. lass dich hierzu eingehend beraten. 

  • Anmeldung - wo und wie muss ich meine Tätigkeit anmelden?

Zählt dein Beruf zu den so genannten Freien oder auch Katalogberufen - das sind Berufe, die im Einkommensteuergesetz in § 18 Abs. 1 als solche festgelegt sind - gilt dein Unternehmen als nicht-gewerbliches Unternehmen. Das heißt, du bist Freiberufler und brauchst keinen Gewerbeschein. Du wendest dich direkt ans Finanzamt und musst einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Wenn die Kriterien für die Freiberuflichkeit erfüllt sind, erhältst du eine Steuernummer und kannst loslegen.  

Gehst du einer gewerblichen Tätigkeit nach, musst du gegen Gebühr eine Gewerbeanmeldung (beim zuständigen Gewerbeamt) vornehmen. Dort füllst du das amtliche Gewerbe-Anmeldeformular mit den Angaben zu deiner Person und zur geplanten selbstständigen Tätigkeit aus. Welche weiteren Unterlagen du gegebenenfalls benötigst, findest du auf der entsprechenden Website deines Bezirks, deiner Stadt oder Gemeinde. Mittlerweile geht die Anmeldung in den meisten Fällen auch online.

Gut zu wissen: Wenn du ein Gewerbe anmeldest, brauchst du nicht noch extra zum Finanzamt gehen, denn die jeweiligen Informationen zu deiner Selbständigkeit werden automatisch an alle zuständigen Behörden und Kammern geschickt.

Mehr Infos zum Thema Freiberuflichkeit: Alles was du zu Freiberuflichkeit wissen solltest.

Du kannst natürlich auch als Freelancer oder freier Mitarbeiter tätig werden, für beides gelten bestimmte Kriterien. Zur leichteren Abgrenzung und Unterscheidung der verschiedenen Gruppen gibt dir unser Blogbeitrag "Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Selbständigen, Freiberuflern, Freelancern, freien Mitarbeitern & Co.?" wissenswerte Hinweise.

Zu beachten sind bei diesen Berufsgruppen beispielsweise die Verträge mit Auftraggebern. Beim Dienstvertrag beispielsweise gibt es durchaus Ähnlichkeiten zu einem (festen) Arbeitsvertrag, allerdings sind hier Selbstständige trotz Vertrag nicht weisungsgebunden, auch Arbeitnehmerschutz gilt für sie nicht. Im Dienstvertrag ist zum Beispiel festgelegt, in welchem Zeitraum eine bestimmte Leistung erbracht wird. Allerdings: Der Auftragnehmer ist hier nicht verpflichtet ein konkret messbares oder erfolgreiches Arbeitsergebnis abzuleisten. Denn in vielen Fällen ist dies gar nicht möglich:

Ein Coach, der für ein bestimmtes Training engagiert wird, sollte sich zwar unbedingt mit den Inhalten und den zu vermittelnden Sachverhalten auskennen, zu den angesetzten Zeiten am Veranstaltungsort anwesend sein, sein Training durchführen und den Teilnehmern die Inhalte nach bestem Wissen vermitteln. Jedoch ist er letztlich nicht dafür verantwortlich, dass die Teilnehmer die Inhalte lernen bzw. nach Beendigung des Trainings beherrschen. Das bedeutet, er erhält in jedem Falle das vereinbarte Honorar, wenn das Training abgeschlossen ist. Als Faustregel gilt: "Das Bemühen allein reicht aus". Beim  Werkvertrag dagegen schuldet der Dienstleister/Auftragnehmer dem Auftraggeber "die Herstellung des versprochenen Werkes/der versprochenen Dienstleistung in der vereinbarten Qualität". Er erhält sein Honorar erst dann, wenn der Auftraggeber zufrieden ist und das Ergebnis akzeptiert hat. 

  • Registrierung deines Unternehmens - was ist wichtig

Um ein Unternehmen, eine Marke oder einen Namen zu schützen, ist eine Eintragung wichtig. Das hat rechtliche, steuerliche und auch versicherungstechnische Gründe. Also, wenn du zum Beispiel verhindern möchtest, dass dein Firmen- oder Markenname von jemand anderem genutzt oder "geklaut" wird, solltest du ihn auf jeden Fall schützen lassen. Wenn du an dieser Stelle etwas versäumst, kann das gravierende Folgen, finanzieller oder rechtlicher Art, zur Folge haben. 

Da dies ein sehr umfangreiches Thema ist, das viele rechtliche Aspekte mit sich bringt, würde das hier den Rahmen sprengen. Der Wichtigkeit und der Vollständigkeit halber sollte es dennoch Erwähnung finden. Lass dich diesbezüglich professionell beraten. 

  • Versicherung - welche du abschließen solltest

Es gibt verschiedene Versicherungen, die für dich als Unternehmer in Frage kommen. Manche sind sicherlich unerlässlich, andere wiederum eher optional. Welche Versicherungen du wählen solltest, hängt auch immer von der Art der Tätigkeit und der Art, der von dir angebotenen (Dienst-) Leistungen ab. Bedenke auch: Du als Selbständiger wirst nicht durch einen Arbeitgeber sozialversichert, das heißt darum musst du dich gegebenenfalls selber kümmern. 

Welche Versicherungen gelten unter anderem als unerlässlich:

- Krankenversicherung

- Unfallversicherung

- Berufsunfähigkeitsversicherung

- Berufshaftpflichtversicherung 

- Betriebshaftpflichtversicherung

- Gewerblicher Rechtsschutz

- Geschäftsinhaltsversicherung

- Cyber-Versicherung - mehr zum Thema Versicherungen für Selbständige allgemein und speziell einer Cyber-Versicherung findest du in unseren beiden Blogbeiträgen hier: Versicherungen für deine Selbstständigkeit im Überblick und hier: Warum sich auch für Selbstständige eine Cyber-Versicherung lohnt.

Betreibst du ein eigenes Unternehmen, ist beispielsweise die Betriebshaftpflichtversicherung unter Umständen wirklich wichtig, weil du in bestimmten Haftungsfällen abgesichert bist. 

Auch der Altersvorsorge kommt natürlich eine zentrale Bedeutung zu, denn als Selbstständiger bist du unter Umständen nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung mitversichert. Was zwar wahrscheinlich keine juristischen Folgen hat, aber dennoch sehr wichtig ist. Hier lohnt es sich, die verschiedenen Möglichkeiten abzuklären, sich frühzeitig zu informieren und ggf. Maßnahmen zu treffen. Wenn du zum Beispiel in ganz bestimmten Bereichen tätig bist, kannst du dich über die Künstlersozialkasse (KSK) Die Künstlersozialkasse – Mein Erfahrungsbericht versichern. Hier zahlst du beispielsweise auch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. 

  • Die eigene Website - was hier zu beachten ist 

Mit Einführung der neuen Datenschutzverordnung, die seit Mai 2018 gilt, hat es einige Neuerungen bezüglich des Aufbaus und notwendiger Angaben auf der eigenen Website gegeben.

Die Datenschutzerklärung oder Datenschutzrichtlinie gemäß DSGVO ist eine der wichtigsten rechtlichen Anforderungen für Webseiten. Auch wenn du "nur" als Einzelunternehmer tätig bist oder eine Blogseite, ohne Einkommen damit zu generieren, betreibst, musst du gemäß der Datenschutzrichtlinie agieren. Wenn deine Webseite personenbezogene Daten sammelt, brauchst du zwingend eine Datenschutzerklärung, die deine Nutzer gemäß Datenschutz über diesen Aspekt informiert.

Und beachte: Beinahe alle Webseiten basieren auf der Anwendung von Cookies, das heißt es ist relativ wahrscheinlich, dass auch deine Webseite personenbezogene Daten sammelt. Im wesentlichen geht es beim Zweck der Datenschutzerklärung darum, darzulegen, welche persönlichen Daten von deinen Nutzern, zu welchem Zweck gesammelt werden und wie mit diesen Daten verfahren wird. Aus diesem Grund muss die Datenschutzrichtlinie für die Nutzer deiner Seite  dargelegt und „in klarer und einfacher Sprache“ formuliert sein.

 Zu den persönlichen Daten eines Nutzers zählen alle Informationen, über die eine Person zu identifizieren ist. Dazu gehören zum Beispiel Namen, Adressen, Lokalisierungen, IP-Adressen, Fotos oder auch Kontoinformationen. 

Unter anderem ist folgendes anzugeben:  

- dein Name/ Firmenname, Standort/Kontaktinformationen 

- welche Informationen werden gesammelt  

- wie und zu welchem Zweck werden Informationen gesammelt

- wie werden diese Informationen geschützt

- welche Dienste von Drittanbietern werden zum Sammeln, Verarbeiten oder Speichern der Informationen verwendet

  • Verträge - was zu beachten ist

Wenn zwischen Auftraggeber und Dienstleister/Selbständigen Verträge geschlossen werden, dann sind diese rechtsverbindlich. Das heißt, wenn eine der beiden Parteien sich nicht an festgelegte Klauseln halten, kann es schnell brenzlig werden. 

In einem Standardvertrag sind unter anderem diese Dingen geregelt: 

- zeitlicher Rahmen für die Auftragsabwicklung

- Ergebnis

- Honorar

- Eigentumsrechte / Urheberrechte

Verträge können je nach Sachverhalt und Auftrag individuell ausgefertigt werden. Wenn hier Unsicherheiten bestehen, kontaktiere sicherheitshalber einen Anwalt und lasse dich in allen rechtlichen Belangen beraten. Dieser wird auf Wunsch dann auch einen entsprechenden Vertrag,  mit dem du rechtlich abgesichert bist, für dich aufsetzen.

  • Scheinselbständigkeit - was das bedeutet

Bei einer Scheinselbstständigkeit geht man davon aus, dass eine Personen nur vorgibt, selbstständig tätig zu sein. Ob nun mit Absicht oder aus Unwissenheit sei mal dahingestellt. Wenn dies allerdings so ist, das heißt dass diese Person die Kriterien einer selbständigen Tätigkeit nicht erfüllt, entspräche es der Tätigkeit eines Arbeitnehmers. Deshalb würde in diesem Fall die Tätigkeit als sozialversicherungspflichtig eingestuft und die Person fällt unter die Scheinselbständigkeit.

Aspekte, die unter anderem für eine scheinselbständige Person sprechen: 

(wobei hier dann der Auftraggeber mit einem Arbeitgeber gleichzusetzen wäre)

- in den betrieblichen Ablauf einbezogen bzw. in den Betrieb eingebunden

- zeitlich, fachlich, örtlich weisungsgebunden (durch den Auftraggeber) 

- festes Entgelt und der Arbeitsumfang ist festgelegt

- besitzt keine Delegationsbefugnisse an andere "Angestellte"

- verfügt über keine Unternehmerinitiative und hat kein unternehmerisches Risiko

- hat Anspruch auf Urlaub 

- erhält eine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

- arbeitet nicht für mehrere Auftraggeber (Rechnungsstellung)

Es gibt keine eindeutige Regel, nach der eine Scheinselbständigkeit exakt einzuordnen ist. So wird eine Entscheidung letztlich immer nach der Prüfung aller Kriterien gefällt bzw. es findet eine Abwägung statt. Wenn beispielsweise lediglich ein oder zwei der oben genannten Punkte zutreffen, ist das noch kein automatisches Indiz für eine Scheinselbstständigkeit. Dennoch sollten selbständig Tätige hier besonders aufpassen. Wenn eine Scheinselbstständigkeit im nachhinein festgestellt werden würde, kann dies ziemlich teuer werden, da dann Sozialversicherungsbeiträge nachgezahlt werden müssten.

Zu vielen Themen, die im Rahmen der Unternehmensgründung und -führung auf dich zu kommen,  bieten unter anderem folgende Institutionen wichtige und interessante Lehrgänge, Workshops und Seminare an:  

  • Industrie- und Handelskammern 
  • Handwerkskammern
  • Technologie- und Gründerzentren
  • One-Stop-Shops, Starterzentren, Lotsendienste der Kommunen und Kammern
  • Branchenverbände, Berufsverbände, Gründungsinitiativen
  • Volkshochschulen
  • Agentur für Arbeit
  • Rationalisierungs- und Innovationszentren der Deutschen Wirtschaft

Übrigens, in der BMWi-Adressdatenbank (Bundesministerium für Wirtschaft) findest du circa 25.000 Adressen von öffentlichen Einrichtungen und Institutionen, die Informationen, Publikationen, Beratung, Weiterbildungskurse, Kontakte, Gründerwettbewerbe und vieles mehr anbieten.