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Wann ist es Zeit, einen anstrengenden Kunden zu feuern?

Freelancer zu sein ist einfach der heiße Scheiß. Ganz ehrlich Leute, wir können uns aussuchen, für wen wir arbeiten. Geht’s eigentlich noch besser?! Angestellte können einem dagegen (in diesem Punkt) einfach nur leid tun. Sie bekommen einen neuen Chef vorgesetzt und müssen irgendwie mit ihm klarkommen. Sie werden von Kollegen gemobbt und müssen trotzdem jeden Tag im Büro erscheinen. Sie müssen ohne Extra-Entlohnung den Job von der seit Monaten unbesetzten Stelle mitmachen. Ja, Angestellte müssen sehr viel. Und das alles für ein bisschen Sicherheit. Wir Freelancer machen uns hingegen frei. Denn wir haben den lässigen Luxus, nein sagen zu können. Dafür sollten wir uns feiern.

Bevor wir jetzt allerdings losjubeln, gibt’s eine kleine Einschränkung zu bedenken. Einen nervigen Kunden zu feuern muss man sich wirtschaftlich erst mal leisten können. Also immer auch an die Zahlen denken, wenn ihr am liebsten eskalieren würdet. Denn: Im ersten Jahr der Selbstständigkeit ist vieles noch verdammt unsicher. Wie viel Geld muss ich überhaupt verdienen, um über die Runden zu kommen? Wie hoch darf mein Tagessatz sein, damit ich meine Kunden nicht verprelle? Kann ich überhaupt Wochenende und Urlaub machen? Fragen über Fragen. Im Laufe des ersten Jahres beantworten sich die meisten von selbst – man bekommt mit der Zeit und wachsender Erfahrung ein Gespür für sich und den Markt. Und ab dann weiß man auch recht genau, für welche Kunden man arbeiten möchte und von welchen man besser die Finger lässt. In diesem Blogbeitrag kannst du noch einmal nachlesen, wie du Stabilität in dein Dasein als Freelancer bekommst

Zugegeben, einen nervigen Kunden feuern – das klingt in den Ohren eines Freiberuflers erst einmal komplett crazy. Man ist ja froh über jeden Auftrag. Viele Freelancer haben sogar das miese Gefühl, in einer Art Bittsteller-Rolle zu sein und verhalten sich dem Kunden gegenüber unterwürfig. Sorry Freunde, aber das ist die komplett falsche Haltung! Die Firmen, Agenturen und Redaktionen da draußen brauchen euch! Ohne Freelancer geht ihr Geschäftsmodell schlichtweg nicht auf. Dementsprechend selbstbewusst (nicht zu verwechseln mit arrogant!) sollten wir auftreten und klare Grenzen ziehen, wenn der Kunde zum Pain in the A** wird. Aber wann ist es wirklich Zeit, einen anstrengenden Kunden zu feuern? Das sind die Anzeichen, an denen du merkst, dass die Zusammenarbeit keinen Sinn mehr macht:

Feuern wenn… der Kunde immer wieder Nachbesserungen verlangt

Keine Frage, eine Korrekturschleife ist immer drin, wir sind ja nicht kleinlich und wollen, dass der Auftraggeber mit dem Ergebnis happy ist. Aber wenn der Kunde notorisch immer wieder gratis Nachbesserungen verlangt, lohnt sich der Auftrag wirtschaftlich irgendwann nicht mehr. Freelancer müssen sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass es sich ein Fliesenleger auch bezahlen lässt, wenn er das Bad erst in weiß und später noch mal in beige fliesen soll. Also noch mal zum Mitschreiben: Kann man es dem Kunden auf Dauer nicht recht machen – oder lebt er seine Allmachtsfantasien an uns aus –, soll er sich schleunigst einen anderen suchen, der die Spielchen mitmacht.

Feuern wenn… das Briefing mies ist

Wo wir beim zweiten Punkt sind: Kunden wissen häufig gar nicht recht, was sie wollen. Bis sie ein Ergebnis in den Händen halten und sich dann daran abarbeiten. Nervig! Ganz schlechte Karten haben wir, wenn gleich mehrere ihren Senf dazugeben und am Ende überhaupt nicht klar ist, in welche Richtung es gehen soll. Gerade bei freien Journalisten kann das zum richtigen Problem werden. Nicht nur der zuständige Redakteur hat eine Meinung zum Text. Auch der Ressortleiter, Textchef, stellvertretende Chefredakteur und der Chefredakteur wollen ein Wörtchen mitreden. Da kann man schon mal wütend aus dem Raum rennen. Keine Frage, gute Briefings sind eine Kunst. Sie sparen Zeit und Nerven. Sie machen uns das Berufsleben schöner. Aber: Wenn ein Kunde immer wieder seine Aufträge vage formuliert und man das Produkt hinterher um die Ohren gehauen bekommt: feuern!

Feuern wenn… der Kunde dich zu viel Geld kostet

Ganz klar: Wenn sich der Auftrag wirtschaftlich nicht lohnt, sollte man ihn nicht annehmen. In der Realität gibt es aber trotzdem Gründe, den Job zu machen. Etwa, weil er gut fürs Renommee ist, man die Arbeitsprobe prima gebrauchen kann oder der Auftrag super viel Spaß verspricht. Dann nur zu. Aber bitte nur ein einziges Mal. Wir Freelancer vergessen oft, dass auch wir Rechnungen zu bezahlen haben – und dass wir alles andere als ein Non-Profit-Unternehmen sind. Und wenn der Kunde uns Geld kostet, weil er einfach nicht gut genug zahlt, dann sollten wir schleunigst in die Eigenverantwortung gehen und – ganz genau: den Kunden feuern.

Feuern wenn… der Kunde schlechte Manieren hat

Kennst du die schöne Redewendung „Wer f * will, muss freundlich sein“? Den sollten sich Auftraggeber ganz groß hinter die Ohren schreiben. Zeitdruck hin oder her: Ein freundliches Miteinander macht Arbeiten (und das andere auch) zu einer prima Sache. Wirklich niemand muss sich vom Kunden anpöbeln oder erniedrigen lassen. Wer uns Freelancer von oben herab behandelt, hat eine wichtige Sache nicht verstanden: Ihr braucht uns, Leute! Deshalb sollten wir kollegial behandelt werden. Auch dann, wenn wir mal etwas verbockt haben. Einfache Regel: Wer keine Kinderstube hat, für den arbeiten wir nicht.

Feuern wenn… der Kunde die Rechnungen nicht bezahlt

Es gibt nichts nervigeres, als seinen Rechnungen ewig hinterherzurennen. In der Zeit könnte man nämlich entweder an einem neuen Auftrag sitzen (mit dem man wiederum Geld verdient) oder mit einem Kaffee in der Sonne sitzen. Einen Freelancer auf sein Geld warten zu lassen, ist ganz mieser Stil. Mehr noch: Für so jemanden will kein klar denkender Mensch noch einmal arbeiten, weil es schlichtweg nicht kollegial ist. Wie du im ersten Schritt die Zahlungserinnerung einleitest, liest du hier: Was muss ich beachten, wenn ich eine Zahlungserinnerung an einen Kunden verschicke?

Feuern wenn… der Kunde dich bis in Schlaf verfolgt

Das alles sind gute Gründe, eine Zusammenarbeit zu beenden. Der wichtigste Grund ist aber: Wenn das Verhalten des Kunden dich bis in den Schlaf verfolgt. Dann ist es wirklich höchste Eisenbahn, einen Schlussstrich zu ziehen. Schließlich soll die Arbeit Spaß machen und nicht einen Psychoknacks hinterlassen. Wirst du also schlecht gebrieft, behandelt oder bezahlt und lässt dich der Gedanke daran nicht los, solltest du die Zusammenarbeit schleunigst beenden. Ein weiteres Alarmzeichen ist es, wenn dich im Zusammenhang mit deinem Kunden immer wieder Selbstzweifel einholen oder du an die Qualität deiner Arbeit nicht mehr glaubst. Dann stimmt etwas nicht und du solltest dir dringend überlegen, dir neue Auftraggeber zu suchen.

„Sorry Leute, macht euren Scheiß doch alleine“

Die Zusammenarbeit beenden – aber wie?!

Schlussmachen ist im Privaten ja nicht jedermanns Sache. Schlussmachen im Berufsleben hingegen kann eine wunderbare Genugtuung sein. In den allermeisten Fällen verschafft man sich Respekt, wenn man klare Kante zeigt. Logischerweise ist man nervös und angespannt, wenn man einem Kunden mitteilen möchte, dass es das jetzt war. Deshalb die Empfehlung, eine sachlich formulierte Mail zu schreiben. Nichts ist peinlicher, als wenn einem am Telefon die Stimme bricht, man vor Aufregung den Faden verliert oder vor Hilflosigkeit richtig laut wird. Die Mail könnte in etwa so formuliert sein:

"Lieber Kunde/liebe Kundin,

ich habe mir unser Telefonat von gestern noch einmal durch den Kopf gehen lassen und bin sorgfältig alle Punkte durchgegangen, die wir besprochen haben. Bei allem Verständnis für die Situation in Ihrer Abteilung/Redaktion/Agentur, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir so leider keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit haben. Für mich als freier Grafiker/Texter/Redakteur stellt es kein Geschäftsmodell dar, wenn ich meinen fertigen Auftrag immer und immer wieder überarbeiten muss – ohne den zusätzlichen Zeitaufwand in Rechnung stellen zu dürfen. Ich habe immer mit Freude für Sie gearbeitet. Aber die letzten Vorkommnisse zwingen mich leider dazu, die Zusammenarbeit zu beenden. Sie verstehen bestimmt, dass auch ich wirtschaftlich denken muss.

Mit besten Grüßen XY“

Wenn die Mail formuliert ist, sollte sie unbedingt eine Nacht lang liegengelassen werden. Am nächsten Morgen noch einmal lesen und überlegen, ob man sie falsch verstehen könnte (zu schnippisch? Zu unterwürfig? Den Sachverhalt genau erklärt?). Bist du dir nicht sicher, lässt du die Schlussmach-Mail von einem Kollegen gegenlesen. Bitte ihn oder sie um ehrliches Feedback. Es ist wichtig, dass du dir deinen Namen in der Branche nicht verbrennst. Auf der anderen Seite ist es aber dein gutes Recht, deine Gründe zu benennen. Und: Auch wenn du stinksauer bist, setz auf keinen Fall zwanzig Leute in cc, die mit der Sache nur am Rande etwas zu tun haben. Fair Play ist beim Feuern wichtig – das würden wir uns umgekehrt ja genauso wünschen.

Noch besser: einfach auslaufen lassen

Wer Angst vor Konsequenzen hat oder den direkten Konflikt scheut, kann die Sache einfach auslaufen lassen. Im zwischenmenschlichen Bereich keine feine Sache, im beruflichen absolut okay. Kommt ein nächster Auftrag vom stressigen Kunden rein, lehnt man ihn aus Zeitgründen ab. Entweder ist man schon voll ausgebucht oder fährt demnächst in den Urlaub und kann den Job deshalb nicht annehmen. Das geht ein paar Mal so hin und her. Irgendwann checken die meisten Kunden, dass man nicht mehr so recht will. Wirst du direkt darauf angesprochen, kannst du ruhig die Wahrheit sagen: „Ja, ich war in letzter Zeit viel beschäftigt. Aber ehrlich gesagt hatte ich auch nicht mehr so große Lust, für euch zu arbeiten, weil für mich der Umgangston nicht mehr gepasst hat.“ Klar kostet es Überwindung, so ehrlich zu sein. Auf der anderen Seite erarbeitet man sich so auch Respekt von den Kollegen. Und wer weiß, vielleicht bewirkt dein Blick von außen ja etwas beim Kunden. Wir würden es ihm wünschen!

Was ist mit Konsequenzen?

Keiner freut sich, wenn jemand Schluss macht. Und die meisten Branchen sind am Ende des Tages kleiner als man denkt. Deshalb solltest du dir im Vorfeld genau überlegen, ob du den Kunden tatsächlich feuerst oder die Zusammenarbeit einfach auslaufen lässt. Das kannst nur du selbst entscheiden, schließlich kennst du deine Auftraggeber und deine Branche am besten. Auf der anderen Seite haben die Leute Respekt vor dir, wenn du für dich selbst einstehst und dir nicht alles gefallen lässt. Konsequenzen drohen dir keine. Höchstens, dass der ehemalige Kunde dich nicht mehr bucht. Aber das wolltest du ja so, sonst hättest du ihn nicht gefeuert.