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Warum Scheitern wichtig ist

Samuel Beckett sagte einmal: "Try again. Fail again. Fail better." (Zu Deutsch: "Versuche es noch einmal. Scheitere wieder. Scheitere besser.")

Und damit ist der Wert des Scheiterns auch schon beschrieben. Das Scheitern steht nämlich jedem Menschen auf seinem Lebensweg bevor, was das Scheitern ja auch so menschlich macht. Bevor du allerdings erfahren sollst, warum das Scheitern wirklich wichtig ist und dich persönlich voranbringen kann, soll mit der gängigen, negativen Auffassung des Scheiterns aufgeräumt werden.

Jeder Mensch scheitert gelegentlich. Die einzige Frage, die sich dann stellt, ist diese, wie damit umgegangen wird. Der beste Weg ist: du kannst aus deinen Fehlern lernen und besser werden. Du kannst auch einen völlig anderen Weg einschlagen oder du kannst dich zurückziehen und nur noch so handeln, dass du sicher weißt, dass du da nicht mehr scheitern wirst. Die letzte Option bedeutet in der Regel einen persönlichen Stillstand im Lebensweg. Es gibt viele Menschen, die genug Angst vor dem Scheitern haben und stattdessen lieber stehen bleiben. Du hingegen möchtest ja wissen, was du noch aus deinem Scheitern herausholen kannst, oder?

Die positiven Lehren aus dem Scheitern ziehen

Das Scheitern bedeutet immer, dass du mit deinem Vorhaben nicht erfolgreich warst, weil etwas nicht funktioniert hat. Welche verschiedenen Anlässe es zum Scheitern gibt, soll gleich noch behandelt werden. Meistens geht es darum, dass eine Erwartungshaltung ("Ich werde dieses und jenes auf diese und jene Art machen") durch die Realität ausgebremst wird und nicht gehalten werden kann. Und dann stehst du da und ärgerst dich. Die Definition des Scheiterns meint hier auch, dass du die Gründe für den Misserfolg bei dir suchen musst. Wer richtig scheitert, scheitert nämlich eigenverantwortlich.

Angenommen, du nimmst das Scheitern nicht zum Anlass für einen Rückzug, sondern setzt dich damit auseinander, dann wirst du vieles lernen. Zuallererst erlernst du nämlich zu scheitern. Was banal klingt, ist aber doch so wertvoll: Du erlernst Verzweiflung, Demütigungen, Wut auf dich selbst und Hilflosigkeit zu ertragen. Das sind Teile der Quintessenz allen menschlichen Seins! Das sind Emotionen, die dir überall wieder begegnen werden: Im Zwischenmenschlichen, im Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern und wenn du nach einem wenig erfolgreichen Tag das Grübeln beginnst. Es gehört einfach dazu.

Und wenn du lernst, mit deinen dunkleren Momenten gut umzugehen, weil du dich selbst im Scheitern erträgst, kannst du praktisch herangehen und aus dem Scheitern noch alles mitnehmen, was geht. Bei technischem Scheitern (du warst einfach nicht gut genug) kannst du analysieren, welche Kenntnisse dir fehlen. Bei anderen Arten des Scheitern, die eventuell objektiv nicht so messbar sind, ist das schon schwieriger. Wenn zum Beispiel Kreative plötzlich vor ihrer Arbeit stehen und keiner will sie mehr haben, ist das schwierig nachzuvollziehen. Vielleicht haben sie ihren Zenit überschritten oder die öffentliche Wahrnehmung hat sich geändert. Vielleicht genügen sie ihren Kunden auch grundlos nicht mehr. Auch das ist eine Form des Scheiterns, die dazu führen kann, wahre Sinnkrisen auszulösen. Manchmal ist das Scheitern nicht wirklich an einem Faktor festzumachen. Es ist einfach passiert.

Und dieses Scheitern verstehen zu wollen, ist auch eine Sache der emotionalen Belastbarkeit. Aus dem Grund wird auch gerne mal behauptet, dass jemand einfach Pech gehabt hätte. Meistens war es aber kein Pech (nicht beeinflussbare Faktoren waren verantwortlich), sondern jemand ist gescheitert (er selbst trug einen Teil zum Misserfolg bei).

Wenn du zum Beispiel schluderig mit deinen Steuern warst und du eine hübsche Nachzahlung zu erwarten hast, kann dies deinen Ruin bedeuten . Und da kannst du dann nicht behaupten, du hättest Pech gehabt. Du bist gescheitert - und zwar an deiner Unfähigkeit, dich richtig organisiert zu haben.

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Wichtig ist, dass du offen damit umgehst und auch darüber reden kannst. Nicht nur, dass du dich selbst nebenbei besser kennenlernst. Auch andere können dir so besser dabei helfen Fehltritte auszubügeln.

Scheitern: Das heißt, hinzufallen, wieder aufzustehen und dann auch noch die Scherben einsammeln zu müssen. Das ist nicht schön und kann unterschiedlich hart ausfallen. Und während das kleine Scheitern (einen Kundentermin verpatzt, einen schlechten Deal gemacht etc.) noch erträglich ist, ist das große Scheitern (Firmenpleite etc.) hart.

Im ersten Fall muss einfach nur beim nächsten Mal alles besser gemacht werden. Das zweite erfordert hingegen eine völlige Neuaufstellung deiner Person, insofern du nicht aufgeben willst.

Das große Scheitern assoziierst du gewiss auch mit geplatzten Existenzgründungen und versenktem Kapital. Wir erinnern uns an dieser Stelle einmal an den sexy FDP-Poster-Boy Lindner, dessen ganze Geschäftsidee (digitale Avatare, die Webseitenbesucher durch Webseiten führen und Nutzerdaten sammeln sollten) ein grandioses Scheitern zur Folge hatte. Und dennoch kann man von Lindner lernen. Und nicht nur von ihm: Auch von vielen anderen ehemaligen oder aktuellen Gründern und Selbstständigen erfährt man detailliertes Wissen darüber, wie man die Dinge besser nicht machen sollte.

Möglichkeiten für dich, mal etwas übers Scheitern zu lernen (ganz praxisnah, weil durchlebt), hast du zum Beispiel im Rahmen sogenannter FuckUp-Nights. Hier sprechen Gründer, die gescheitert sind und wieder etwas aufgebaut haben. Hier treffen sich junge Gründer und alte Hasen, um sich auszutauschen. Es gibt Vorträge, praktische Tipps und du kannst dich hier weiter vernetzen. Denn ein vernetzter Freelancer ist ja auch ein besserer Freelancer . FuckUp-Nights finden in vielen Großstädten statt. Frankfurt zum Beispiel hat zweimal im Jahr ein solches Event zu bieten. Aber auch in deinem Einzugsgebiet könnte es so etwas geben. Musst du einfach mal googlen.

Dass Menschen scheitern, mag aus marktwirtschaftlicher Sicht verpönt sein. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Arbeitsverhältnisse ändern. Die Nine-to-five-jobs sterben aus, die Menschen gründen mehr und immer mehr Wertschöpfung besteht aus Ideen und nicht aus konkreten Produkten. Das kommt allmählich auch in Deutschland an (wobei da noch einiges nachzuholen ist). Die FuckUp-Nights und ähnliche Veranstaltungen können dir zeigen, was eigentlich alles möglich ist. Da erlernst du auch ganz nebenbei, dass nicht immer ein perfekter Plan sowie eine makellose Durchführung desselben nötig sind, um erfolgreich zu sein. Manchmal ist es eben ein Weg, der sich nur durch die Fähigkeit, Probleme zu lösen und das eigene Scheitern zu überkommen, durchsetzen konnte.

Der Unfug mit dem festen Plan

Kaum ein Mensch - gerade ein solcher, der kreativ arbeitet - wird dir erzählen, dass bei ihm alles nach Plan gelaufen sei. Vielmehr sind es die ganzen Stolpersteine, die sich einem in den Weg stellen, die letzten Endes Perspektiven eröffnen. Es ist zwar gut, wenn du eine ungefähre Idee hast, wo du einmal hin möchtest. Aber du wirst ständig Misserfolge feiern dürfen, wenn du nur stur geradeaus läufst.

Es wird dir passieren, dass ein Schritt misslingt und dich aus der Bahn wirft. Dann musst du eine Kurve laufen oder einen anderen Weg finden. Wenn du scheiterst und es ist noch nicht alles vorbei, dann besteht automatisch Hoffnung. Wenn du einen Schritt verbockt hast, dann gehst du vielleicht erst einmal einen Schritt zurück und betrachtest das Problem. Wenn du meinst, es lösen zu können, dann tue das. Wenn du aber merkst, dass etwas so einfach nicht funktionieren kann, dann suche dir einen anderen Weg.

Du musst immer im Kopf behalten, dass das Scheitern auch persönlichen Wachstum bedeutet. Es geht im Business auch darum, eigene Grenzen kennenzulernen - und sie dann zu erweitern, wenn man besser geworden ist. Es geht natürlich darum, Fehler eingestehen zu können. Es geht vor allem aber auch darum, aus ihnen lernen zu wollen.

Erfolg generiert sich aus deiner Fähigkeit deine Talente und Kenntnisse umzusetzen. Doch wie genau du sie umsetzt, entscheidet sich meistens dadurch, welcher Weg für dich persönlich funktioniert. Alle andere Wege können zum Scheitern führen, weil sie dir nicht entsprechen.

Im schlimmsten Falle...

...scheiterst du endgültig. Business weg, Geld weg, ehemalige Kunden und Weggefährten weg. Was bedeutet das für dich?

Es bedeutet, dass du entweder von vorne anfangen kannst, etwas anderes beginnen kannst - oder aber den Weg der Selbstständigkeit verlässt. Das liegt an dir.