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Was ist eigentlich Crowdlending?

Kredite sind für viele Unternehmen und Gründer ein wichtiges Instrument. Sie ermöglichen Investitionen, geben eine Zeit lang eine gewisse Form von finanzieller Sicherheit und dienen nicht zuletzt der Expansion. Bestimmte Güter (Maschinen, Räumlichkeiten, Fahrzeug etc.) sind teuer und in den meisten Fällen nicht nur durch die in einem Jahr erwirtschafteten Umsätze zu bezahlen. 

An dieser Stelle wird davon ausgegangen, dass dir die Funktion und der Wert eines Kredites bekannt ist. Und wenn du ein Freelancer beziehungsweise Gründer bist, dann wirst du eventuell auch wissen, dass Kredite gar nicht so leicht zu bekommen sind. Bei Banken spielen vor allem Sicherheiten und natürlich eine Menge Papierkram eine Rolle, wenn es um einen Unternehmenskredit geht. Und gut betuchte Bekannte und Familienangehörige anzupumpen, ist nicht immer die attraktivste Version. 

Das sogenannte Crowdlending ist für Kreditsuchende eine interessante Alternative. Grob zusammengefasst handelt es sich hierbei um von der Gemeinschaft gestellte Kredite. Du als Kreditnehmer (und dadurch Schuldner) schuldest nicht einem Institut oder einer Person Geld, sondern einer Kreditgebergemeinschaft. 

Was es mit Crowdlending auf sich hat, wie es funktioniert, was es finanziell bedeutet und was es vom klassischen Bankkredit unterscheidet, sollst du in diesem Artikel erfahren. 

Das Crowdlending erklärt

Als Selbstständiger einen Kredit aufzunehmen, ist mit Hürden verbunden. Allgemeines zur Thematik findest du hier und die Überlegungen bezüglich des Kreditrahmens sowie des Zeitraums sind beim gemeinschaftlich finanzierten Kredit in etwa die selben. 

Crowdlending (auch Lending-based Crowdfunding) ist ein Teilbereich des sogenannten Crowdfunding. Hierunter fallen Plattformen wie Kickstarter (Menschen investieren in konkrete Projekte oder Produkte und geben damit gemeinschaftlich einem Unternehmen die Chance, die ersten Produkte zu schaffen) und die Crowddonation, also das Spenden an Projekte. Letzteres spielt insbesondere zur Unterstützung von von Schicksalen betroffenen Menschen oder zur Finanzierung von politischen Projekten eine Rolle. 

Das Lending-based Crowdfunding ist im Grunde die Antwort der Plattformökonomie auf das Kreditwesen von Banken: Die Aufgaben (Kreditgeber sowie -vermittler) werden auf die Gemeinschaft und eine für jeden zugängliche Plattform ausgelagert. Die klassischen Abläufe, bei denen du für einen Kreditantrag Papier bei einer Bank ausfüllen musst und dich – je nach Hintergrund, Bank und Business – einem Prüfverfahren unterziehen musst, werden damit ersetzt. In den meisten Fällen ist die Beschaffung von Krediten bei Crowdlending-Plattformen mit sehr viel niedrigeren Hürden verbunden. Eine Bonitätsprüfung findet allerdings trotzdem statt. Hierfür werden deine Angaben sowie Algorithmen benutzt.

Gleichzeitig bist du als Kreditnehmer nicht Schuldner bei einem Institut, sondern bei einer Gemeinschaft. Diese haben vorher unterschiedlich hohe Beträge an die Plattform gegeben, die daraus wiederum (so zumindest in den meisten Fällen) größere Kreditsummen zusammenfasst. In der Regel treten Kreditnehmer also nicht an einzelne Kreditgeber heran (wie es beispielsweise oftmals bei Mikrokredit-Plattformen der Fall ist), sondern erhalten ein Angebot über einen Kredit seitens der Plattform. Vorher wird dieses Angebot entsprechend angefragt. 

Der Ablauf für dich, wenn du an einem Kredit interessiert bist, sieht dann in etwa folgendermaßen aus:

  • Registrierung bei entsprechender Plattform
  • Angaben zum Unternehmen und dir
  • Kreditanfrage stellen
  • Einige Minuten bis Stunden warten
  • Angebot erhalten

Selbstverständlich sind auch Crowdlending-Plattformen an gewissen Sicherheiten interessiert – und nicht jeder kommt infrage. Beispielsweise muss dein Unternehmen einen Mindestumsatz oder eine gewisse Bestandsdauer haben, damit du kreditwürdig bist. Allerdings ist zu erwähnen, dass die meisten Crowdlending-Plattformen für KMU gedacht sind. Ein kleines, recht junges Unternehmen, das einigermaßen floriert, hat also beste Chancen auf einen Kredit. 

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Zinsen und Erwartungen beim Crowdlending

Die Kreditlaufzeit sowie die Verzinsung unterscheiden sich bei Crowdlending-Plattformen in der Regel von denen bei einer Bank. Dank der aktuell noch andauernden Niedrigzinspolitik sind niedrig verzinste Kredite für Menschen mit hohen Sicherheiten (heißt: hohes Einkommen und eventuell auch vorhandene Werte) leicht zu haben. Bei Krediten für Privatausgaben sind die Zinsen in der Regel höher. Gleiches gilt bei Selbstständigen, da hier das Risiko für die Bank beispielsweise höher ist. 

Im Falle des Crowdlendings kommt hinzu, dass die Kreditausfallwahrscheinlichkeit naturgemäß höher ist. Denn die Schwelle, ab der ein Kredit vergeben wird, ist niedriger. Du musst nicht so viele Sicherheiten mitbringen wie für einen Bankkredit. Dies ist ein zweischneidiges Schwert: Du als Kreditnehmer hast den Vorteil, dass du leicht an einen Kredit herankommst. Die Kreditgeber haben allerdings ein höheres Risiko mit dir, weil

  • deine bisherige Zahlungsmoral weitestgehend nicht bekannt ist,
  • Unvorhergesehenes passieren kann
  • und die banküblichen Sicherheiten in der Regel nicht vorhanden sind.

Das Risiko wird durch zweierlei relativiert: Zum einen können Kreditgeber auch mit sehr kleinen Beiträgen arbeiten und beispielsweise an mehrere Menschen gleichzeitig Teile von Krediten vergeben. Und zum anderen sind die Zinssätze in der Regel höher. 

Die zu zahlenden Zinsen sind wie üblich von der Laufzeit, der Höhe sowie deinem finanziellen Hintergrund abhängig und können stark variieren. Geworben wird von mehreren Anbietern beispielsweise mit Krediten mit mehr als unter zwei Prozent Zinsen per Jahr (p. a.). Realistisch sind aber in den meisten Fällen durchweg um die sechs Prozent und mehr. Hierzu an dieser Stelle allgemeingültige Angaben zu machen, wäre tendenziell unseriös, weshalb noch mal auf hierauf verwiesen wird: Kredite von Crowdlending-Plattformen werden im Mittel höher verzinst als Bankkredite. 

Der Zinssatz orientiert sich stark am bisherigen Ausfallrisiko, an der Laufzeit sowie auch an der Summe. Kurzfristig gewährte Kredite mit langem Rückzahlungszeitraum bedeuten eine höhere Zinslast für dich. 

Der Vorteil besteht eben vor allem in der Möglichkeit, als Freelancer und Jungunternehmer leicht an einen Kredit heranzukommen. 

Der Vollständigkeit halber wird noch kurz angeschnitten, welchen Vorteil Kreditgeber haben. Denn ähnlich wie bei breit aufgestellten Investitionen (Aktien-Fonds beispielsweise), kann das Risiko gestreut werden. Kreditgeber können schon mit vergleichsweise kleinen Summen an mehreren Krediten mitwirken und eine Rendite einfahren. Insofern kann Crowdlending auch ein interessantes Instrument zur Vermehrung von Kapital darstellen. Außerdem spielt für viele Kreditgeber (und teilweise beteiligte Institute und Kreditgebergesellschaften) auch eine Rolle, dass mit Crowdlending vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie Privatpersonen begünstigt werden. 

Kosten beim Crowdlending

Als Kreditnehmer hast du bei Inanspruchnahme eines über die Gemeinschaft finanzierten Kredits mehrere Kosten. Diese variieren je nach Plattform. Beispielsweise gibt es Crowdlending-Plattformen, welche eine Vermittlungsgebühr verlangen, die in der Regel in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes der Nettokredithöhe (unverzinste Kreditsumme) fällig ist. Bei anderen Plattformen kommen pauschale Kosten für das Aufnehmen eines Kredites auf. Die Kosten orientieren sich allerdings fast immer an der Kreditsumme.

Das Volumen der Kredite beim Crowdlending und große Anbieter

Das Kreditvolumen variiert bei Corwdlending-Plattformen stark. Bei einigen sind Kredite bereits ab wenigen tausend Euro möglich, bei anderen wird die Mindestsumme fünfstellig. Gleichsam verhält es sich bei der maximalen Kredithöhe. Bei sechsstelligen Summen ist die Grenze aber spätestens erreicht (und ein Kredit von mehr als einer Million Euro ist ja ohnehin ein interessantes Wagnis, oder?).

Die Kunst besteht darin, den richtigen Anbieter für deine Bedürfnisse zu finden. Eine Auflistung der größeren Crowdlending-Plattformen soll dir deshalb hier geboten werden:

All diese Anbieter unterscheiden sich bezüglich möglicher Gebühren, den Laufzeiten sowie der Kredithöhe. Ein Vergleich ist angeraten.

Ist Crowdlending das Richtige für dich?

Angenommen, du benötigst Geld um zu investieren und möchtest nicht unbedingt im Detail alle Informationen über dich, deine Investitionsabsichten oder deine Geschäftszahlen im Detail bei der Bank ausbreiten. – In solchen Fällen ist dieses Finanzierungsmodell durchaus das Richtige. Wenn du zudem sehr sicher bist, dass es nicht zu Zahlungsausfällen kommen wird und deine bisherige Zahlungsmoral sehr gut war, stehen die Chancen für einen günstigen Kredit zudem sehr gut.

Hinzu kommt die Tatsache, dass für einige Menschen (für dich vielleicht auch) die Vergemeinschaftung von Geschäften und Finanzen ein erstrebenswertes Ideal ist. Beim Crowdlending sind es eben viele Mitmenschen, die deinen Kredit finanzieren und nicht nur ein Finanzinstitut, bei dem du im Zweifle ohnehin als Jungunternehmer abgewiesen wirst. Auch das kann eine Rolle spielen. 

Die flexiblen Laufzeiten, unterschiedliche Kreditvolumen sowie die verschiedenen Anbieter sind auf jeden Fall ein Grund, einmal ausführlich zu vergleichen (Crowdlending-Plattformen und Bankkredite), bevor du den Kredit endgültig aufnimmst.