facebook-pixel

Was kann die Regierung für Selbstständige tun?

Die Zahl der Selbstständigen in der Bundesrepublik Deutschland wächst kontinuierlich an. Waren es vor zehn Jahren noch unter einer Million, sind es in 2017 bereits rund 1,4 Millionen. Eine Masse, die auch einen großen Beitrag zur finanziellen Lage unseres Landes leistet. So groß, dass man sich einige Fragen stellen muss: Was tut unsere Regierung eigentlich für die Selbstständigen? Und was könnte sie noch tun, um Gründern den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern? Denn eins ist klar: Gerade der bürokratische Aufwand, die Steuern, und die zum Teil hohen Kosten für Versicherungen und Co. lassen viele vor dem Schritt in die Selbstständigkeit zurückschrecken. So bleiben gute Ideen auf der Strecke und das Land der Dichter und Denker verliert nach und nach an Innovation.

Welchen bürokratischen Hürden und welchen Problemen man sich als Selbstständiger stellen muss und wie der Staat gerade angehende und junge Gründer unterstützt (und unterstützen könnte) erfährst du im heutigen Blogbeitrag.

Bürokratische Hürden können abschreckend sein

Erfolgsgeschichten junger Gründer können beflügeln. Da hat jemand eine tolle Idee. Eine, die vielleicht die Welt verändern könnte. Und macht sich schließlich selbstständig. Mit viel Fleiß und Kreativität wird die Idee in die Tat umgesetzt. Und nach kurzer Zeit feiert man die ersten (finanziellen) Erfolge.

Das klingt super, sieht in der Realität jedoch oft ganz anders aus. Denn bevor man die Ärmel hochkrempeln und loslegen kann, muss man eine Vielzahl an Formularen ausfüllen, sich Gedanken über die Absicherung der eigenen Zukunft machen, die Finanzierung sicherstellen und und und.

Gerade die Fragen zur Zukunftssicherung und zur Finanzierung müssen dringend geklärt werden, bevor man den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Jedoch vergehen oft mehrere Monate voller Arbeit und Frustration, bevor man endlich soweit ist, sich seiner eigenen Idee widmen zu können. Innerhalb dieser Monate muss man die meiste Zeit für den Besuch von Ämtern und für andere bürokratische Hürden aufwenden.

Es ist somit Aufgabe der Regierung, hier etwas zu ändern. Und dessen sind sich die großen Parteien auch bewusst. So hat sich etwa FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner in einem Interview mit dem Magazin Berlin Valley zur Problematik der Bürokratie, mit der Startups zu kämpfen haben, geäußert: „Startups brauchen keine Subventionen, sondern die richtigen Rahmenbedingungen: wenig Bürokratie, ein Steuerrecht, das Finanzierung ermöglicht, ein Einwanderungsrecht, das zur Fachkräftegewinnung beiträgt.“

Gerade die Bürokratie erschwert es vielen Gründern, ihrem Traum nachzugehen. Sie ist die Stellschraube, an der gedreht werden muss, um Prozesse zu vereinfachen, die digitalen Möglichkeiten weiter ausschöpfen und die Gründer noch besser zu unterstützen. Nur so nimmt man ihnen viel Last von den Schultern und fördert sie stärker darin, ihrer Passion nachzugehen – und im nächsten Schritt erfolgreich zu sein.

Altersvorsorge und Rente – Frühzeitig handeln

Für viele Gründer stellt sich die Frage nach der Altersvorsorge in den ersten Monaten oder gar Jahren ihrer selbstständigen Tätigkeit nicht. Ich kenne es selbst. Wer sich selbstständig macht, hat zunächst genügend andere Sorgen und Dinge im Kopf, die erledigt werden müssen. Altersvorsorge und Rente spielen dabei zunächst eine untergeordnete Rolle.

Und so verlockend es ist, sich erstmal nur auf die Arbeit zu fokussieren, so sehr sollte man sich doch mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen. Ein Großteil der Gründer kommt aus einem Arbeitnehmerverhältnis und hat fleißig in die Rentenkasse eingezahlt. Meist jedoch nicht bewusst, denn die Beiträge wurden Monat für Monat – quasi automatisch – vom Brutto-Verdienst abgezogen. Diese automatisierten Einzahlungen fallen in der Selbstständigkeit jedoch weg.

Jeder Selbstständige ist selbst dafür verantwortlich, für das Alter vorzusorgen. Für bestimmte Berufsgruppen gibt es zwar Ausnahmen (beispielsweise Journalisten, die über die Künstlersozialkasse in die gesetzliche Altersvorsorge einzahlen können). Für das Gros der Selbstständigen gibt es diese Möglichkeit jedoch nicht. Sie müssen in eine private Altersvorsorge investieren – mit zumeist hohen Beitragssätzen. Nur bei einer Form der Vorsorge, der sogenannten Rürup-Rente, unterstützt der Staat die Selbstständigen, indem er sie einen gewissen Teil der Beiträge steuerlich geltend machen lässt.

Doch wieso unterstützt der Staat Selbstständige bei dem Thema Rente so wenig? Gerade wenn es um das viel diskutierte Thema der Altersarmut geht, sollte der Staat auch den Selbstständigen eine höhere Aufmerksamkeit schenken, da Selbstständigkeit leider nicht immer gleich Erfolg und viel Geld bedeutet. Im Schnitt verdienen Selbstständige pro Jahr knapp 9.500 Euro. Das entspricht einem monatlichen Einkommen von nicht mal 800 Euro. Rechnet man alle Ausgaben ab, kann man sich vorstellen, wie viel Geld noch für eine private Altersvorsorge übrig ist.

Todo List

Kontist entwickelt für deine Selbstständigkeit genau so ein Geschäftskonto.

Erfahre jetzt mehr

Wenn der Staat die Krankheit fördert

Selbstständige haben oft eine hohe Eigenmotivation. Sie glauben an sich selbst, an ihr Produkt und würden fast alles dafür tun, um ihr Business weiter voranzutreiben. Diese Einstellung müssen sie auch haben. Sie ist der Grundstein für Erfolg.

Jedoch wissen auch Selbstständige, dass sie im Laufe ihres Arbeitslebens mit sehr hoher Sicherheit hin und wieder krank werden und es für sie unabdingbar ist, eine Krankenversicherung abzuschließen. Der Staat sieht das auch so – und lässt den deutschen Bürgern auch keine andere Wahl. Jede deutsche Bürgerin und jeder deutsche Bürger muss krankenversichert sein. Umso ironischer, dass Förderungen oder gesetzliche Regelungen zum Schutz von Selbstständigen beim Thema Krankenversicherung die Ausnahme zu sein scheinen. Vielmehr muss man als Selbstständiger so viel zahlen, dass ein Großteil des Einkommens bereits für die Krankenversicherung fällig wird. Ich kann ein Lied davon singen. Gerade zu Beginn meiner Selbstständigkeit hat mir der monatlich abgebuchte Krankenkassenbeitrag besonders wehgetan.

Was hat dies zur Folge? Die Selbstständigen arbeiten immer mehr, um sich alle Vorsorgen und Absicherungen leisten zu können. Daher trifft es der alte Spruch „Selbstständige arbeiten selbst und ständig!“ ziemlich gut. Die meisten Außenstehenden denken, dass Selbstständige so viel arbeiten, weil sie Workaholics sind und immer mehr Geld auf dem Konto haben wollen. Das mag auch bei dem ein oder anderen Fall zutreffen, allerdings muss auch viel gearbeitet werden, um die anfallenden Kosten tragen zu können und mit etwas Glück am Ende des Monats noch etwas Geld für andere Dinge übrig zu haben. Das Problem: Wer durcharbeitet steigert auch sein Risiko für eine Erkrankung. Und sei es eine mentale, wie ein Burn-out.

Doch gibt es auch gute Seiten. Die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung orientieren sich auch bei Selbstständigen an dem tatsächlichen Einkommen. Dieser Weg erscheint fair und hilft gerade jungen Gründern in der wenig profitablen Anfangsphase. Allerdings wird von den Krankenkassen ein Mindestbetrag angesetzt, der von jedem gezahlt werden muss. In der Regel wird ein Grundeinkommen von 2231,25 Euro vorausgesetzt.

Die Angst vor der Steuer

Für Arbeitnehmer ist die Steuer zumeist nur ein leidiges Thema: Bis Ende Mai müssen sie ihre Einkommenssteuererklärung beim zuständigen Finanzamt einreichen und bekommen dann, mit etwas Glück, ein paar Wochen oder Monate später eine Rückzahlung durch das Finanzamt. Bei Selbstständigen sieht das Ganze ein wenig anders aus. Steuer bedeutet für Selbstständige viel Planung, das Sammeln von Belegen sowie das rechtzeige Überweisen der Umsatzsteuer und der Einkommensteuer-Vorauszahlung an das Finanzamt, da sonst empfindliche Bußgelder drohen. Hierbei geht es in der Regel nicht um ein paar hundert, sondern vielmehr um ein paar tausend Euro – und teilweise sogar um die eigene Existenz.

Zudem tragen viele Selbstständige die stete Angst vor einer Steuerprüfung mit sich. Diese Angst begründet sich nicht dadurch, dass Selbstständige Geld am Staat vorbeischleusen möchten, sondern dass die Steuergesetze zum Teil so umfangreich und schwer verständlich sind, dass es schnell zu kleinen Fehlern in der Buchhaltung kommen kann. Diese kleinen Fehler kommen in einer Steuerprüfung zum Vorschein und können den Selbstständigen teuer zu stehen kommen. Es ist daher immer empfehlenswert, einen Steuerberater zu Rate zu ziehen. Doch auch dieser kostet Geld . Die gute Nachricht: Man kann einige Steuerberatungskosten steuerlich absetzen.

Idee vorhanden, aber das Geld fehlt

Ein weit verbreitetes Problem bei Gründern: Es gibt eine tolle Idee, jedoch kein Geld um sie umzusetzen. Oft bedarf es besonders hoher Anfangsinvestitionen, um das Geschäft oder die Produktion aufzunehmen.

Sicherlich gibt es für solche Fälle bereits einige, auch staatliche, Förderungsprogramme, doch manchmal reicht dieses Geld schlicht und ergreifend nicht aus und es wird mehr Kapital benötigt. An dieser Stelle treten oft Investoren auf. Investoren geben Gründern Geld in der Hoffnung, es innerhalb einer konkreten Zeitspanne zurückzubekommen. Doch auch Investoren investieren nicht immer. Insbesondere, wenn ihnen das Risiko zu groß erscheint, keinen Gewinn mit ihrer Investition zu erzielen.

Dies hat der Staat glücklicherweise bereits erkannt und geht dagegen vor. Im Jahr 2016 wurde ein Gesetzentwurf beschlossen, der Investoren einen steuerlichen Anreiz liefern soll zu investieren, da aufgelaufene Verluste in der frühen Phase eines Startups rückwirkend zum 01.01.2016 nun steuerlich absetzbar sind. Dies macht es besonders Investoren leichter, sich für eine Investition in junge, erfolgsversprechende Gründer zu entscheiden.

Der Staat unterstützt Selbstständige, kann aber noch mehr tun

Mit der letzten Anpassung des Steuergesetzes ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung getan. Ein Lichtblick, der Hoffnung macht, dass die Bundesregierung auch weiter daran arbeiten wird, den Weg in und durch die Selbstständigkeit zu erleichtern. Etwa, indem sie bürokratische Hürden abbaut und finanzielle Belastungen bis zu einem gewissen Grad mitträgt. Gerade bei den sozialen Absicherungen ist noch viel Optimierungspotential vorhanden.

Nur wenn das geschieht wird Deutschland auch weiterhin als Land der Dichter und Denker gelten und die Wirtschaft florieren. Denn eines darf man nicht vergessen: Die Selbstständigen tragen einen erheblichen Anteil am Erfolg unserer Wirtschaft. Dafür verdienen sie Unterstützung – und ich bin zuversichtlich, dass es sie auch weiterhin und zukünftig geben wird.