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Wie du am besten mit Misserfolgen umgehst

Nina Sickinger

Freelance Editor

25. Jan. 2022

Während die eine Gruppe von Berufstätigen sicherlich mit dem Statement aufgewachsen ist "Misserfolge oder Scheitern sind ein Ausdruck von Schwäche und sollten unbedingt vermieden werden", hat die andere vielleicht (bzw. hoffentlich) das Gegenteil zu hören bekommen: Aus Fehlern wird man klug. Aufgrund dieser so ganz anders lautenden Aussage dürfte diese Gruppe eher besser mit Misserfolgen umgehen als die erste.

Warum das wichtig ist? Einfach aus dem Grund weil Fehler, Höhen und Tiefen zu unserem Leben dazu gehören. Ohne Fehler würden wir irgendwann stagnieren oder uns in starrer Sicherheit wähnen. Fehler dagegen können uns antreiben und stärken, sie können uns neue Wege oder Alternativen aufzeigen. An dieser Stelle heute natürlich vorausgesetzt: sie halten sich im Rahmen und machen keine weitreichenden Aktionen nötig. 

Auf welche Art wir gelernt haben, mit Fehlern umzugehen, macht das Meistern derselben entweder leichter oder bereitet uns Schwierigkeiten. Aber dennoch: Auch den innerlich best aufgestellten Menschen in diesem Punkt können Misserfolge zusetzen. Wenn die missliche Lage eher nur von vorübergehender Dauer ist, gibt es heute ein paar Anregungen, wie du mit Fehlern am besten umgehen kannst. Mehr noch: Wie du sogar etwas Gutes daraus ziehen kannst. Die Devise könnte heute also lauten: Bleibe guten Mutes - auch bei Misserfolgen. 

Warum wir so unter Druck stehen und Angst vor Fehlern haben

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das heißt, wir alle sind heutzutage so auf Erfolg getrimmt, dass es für viele Menschen einer Katastrophe gleichkommt, wenn sie scheitern, Fehler machen und einen Misserfolg einfahren. Das gilt fürs Private ebenso wie fürs Berufliche. Und da es hier immer um den Beruf geht, möchte ich zu diesem Thema gleich mal vorneweg die Frage in den Raum werfen: "Vor was haben die Menschen, vor was hast du in diesem Zusammenhang am meisten Angst?"

Gerade Selbständige stehen unter einem enormen Druck, denn die alleinige Verantwortung fürs Unternehmen (und Angestellte) liegt in ihren Händen. Wenn nun ein Misserfolg droht, muss derjenige zuerst einmal mit den eigenen "inneren" Reaktionsmustern klar kommen. Das kocht schnell hoch, wie etwa Gefühle von Versagen, Unfähigkeit, Dummheit und einige andere mehr. Eine extreme Belastung, die den eigentlichen (beruflichen, wirtschaftlichen) Misserfolg noch verstärkt. Und zu diesem Gefühl persönlich gescheitert zu sein, kommt dann auch noch die äußere Komponente dazu: wie reagiert das Umfeld.

Viele haben am meisten Angst vor den hämischen Seitenhieben der anderen, aber ebenfalls vor negativen Konsequenzen, Anschuldigungen oder auch Mitleid. Man fühlt sich also nicht nur selbst als Versager, sondern auch die Umwelt bestätigt das durch die entsprechenden Reaktionen. Damit zurecht zu kommen, gleicht einem Kraftakt, den viele in einer derartigen Situation nur schwer bewältigen können. 

Wie oben schon erwähnt, Berufstätige messen sich meistens nicht nur selbst am Erfolg, auch von außen ist das so. Misserfolge sind nicht vorgesehen. Das wirst du vielleicht auch schon erfahren haben. Und das ist fatal und sehr schade. Denn wenn etwas nicht gut läuft oder sogar schief geht, kann das einerseits zwar ins Aus führen. Muss es andererseits aber nicht. Denn in Teilen liegt in einem Misserfolg, besser gesagt in Fehlern ein ungeheures Potential. Zum Beispiel wenn du einen Weg eingeschlagen hast, der irgendwie nicht funktioniert.

Oft verhält es sich so, dass man es zunächst vielleicht nicht wahrhaben will. Folgt aber eine reale Niederlage, kann die Einsicht wachsen, dass ein neue Ausrichtung wahrscheinlich das bessere Mittel ist. Du kannst daraus deine Lehren ziehen und den Weg frei machen für etwas Neues und Konstruktives. Das nennt man Fortschritt. Oder auch Weiterentwicklung. Denn kleine Niederlagen, eventuelle Rückschläge beziehungsweise Krisen gehören zum Berufsleben einfach dazu. 

Warum Fehler eigentlich "meistens" gar kein Grund zur Sorge sind

Da wir uns heute um das kleine Wörtchen "meistens" kümmern, sprich um kleinere Misserfolge oder Niederlagen, lässt sich getrost festhalten, dass es sich bei derartigen "Geschehnissen" ja eher um Moment- bzw. Situationsaufnahmen handelt. Und Momente sind nicht ewig in Stein gemeißelt. Weiter kann man also ebenso getrost festhalten: Jede derartige Situation birgt eine Möglichkeit für Wachstum, Weiterentwicklung, Veränderung oder Neuausrichtung in sich. Und das ist die eigentlich wichtigste Erkenntnis an der ganzen Sache. Allerdings gehören Mut, der Wille zur Selbstreflexion und unter Umständen auch eine gute Portion an Energie dazu. Aber wenn du das schaffst, bist du in Problemsituationen gut aufgestellt. 

Dazu ist es jedoch immens wichtig, sich von Krisen nicht gleich ins Bockshorn jagen zu lassen. Wie heißt es im Volksmund so schön: Hinfallen (scheitern) ist ok, du musst nur wieder aufstehen (weitermachen). 

Wie das in einer derartigen Situation aussehen könnte, ist natürlich von Mensch zu Mensch und von Situation zu Situation sehr unterschiedlich. Ein genereller Fahrplan durch eine Krise könnte  unter anderem sein:

  • gestehe dir wertfrei den/die Fehler ein - analysiere 
  • ziehe dich nicht frustriert in dein Schneckenhaus zurück - bleibe aktiv
  • verurteile dich nicht und verzichte auf Selbstvorwürfe - sei freundlich mit dir
  • finde den Grund und die Ursache - sei objektiv 
  • lasse auch deine Gefühle zu - sei ehrlich
  • gehe konstruktiv mit der Situation um - sei selbstbewusst
  • suche nach realistischen Alternativen - sei neugierig
  • setze dir neue Ziele - sei kreativ und selbstbewusst
  • schaue nach vorn und nicht zurück, gehe weiter - sei mutig

Das Eingestehen und die Analyse von Fehlern ist für die meisten wahrscheinlich der schwierigste Part. Wer sagt schon leicht von der Leber weg "ja hier bin ich gescheitert, sei`s drum". Wo wir wieder beim eingangs genannten Aspekt wären: es kommt auch darauf an, wie wir von klein auf gelernt haben, mit Fehlern umzugehen. Dennoch oft ist es sehr schmerzhaft, sich selbst und anderen einzugestehen, dass man einen Misserfolg eingefahren hat. Eine häufige Reaktion: Ins Schneckenhaus zurückziehen oder gleich aufgeben. Klar, manchmal ist die Krise zu groß und lässt keine andere Möglichkeit zu als die Selbständigkeit zu beenden.

Ansonsten handelt es sich aber in vielen Fällen um Fehler, die eher zeitweise auf der Bildfläche erscheinen, wenn du offen und ehrlich mit ihnen umgehst. Nicht jeder Fehler bedeutet also Ende Gelände. Aus diesem Grund ist auch die objektive Analyse des Ganzen so wichtig. Nur dann kannst du die Situation adäquat einordnen, nach vorne schauen und handeln. Wenn du den Mut aufbringst, dich nicht vor lauter Schuldgefühlen, Scham und Selbstvorwürfen zurückzuziehen, sondern weiter zu machen, dein Business den gegebenen Umständen anzupassen oder neu auszurichten, kannst du dir nach dem Meistern der Krise wahrhaftig auf die Schulter klopfen. Und dein Umfeld wird das vermutlich auch tun.

Halte dir immer vor Augen: Ein eigenes Unternehmen zu führen, ist kein Zuckerschlecken. Du als Selbstständiger musst über viele Fähigkeiten verfügen, alles im Blick behalten, die Risiken einkalkulieren und tragen und dich vielfach um alles alleine kümmern. Das ist eine Kraftanstrengung und ein Unterfangen, das immer Risiken in sich birgt und natürlich auch fehleranfällig ist. Toll, wenn du dies wagst. Und noch besser, wenn du bei Krisen mutig und selbstbewusst bleibst, um alle auftauchenden Stolpersteine zu meistern. 

Vergiss nie: Du bist der Pilot in deinem Cockpit. Du hast das Steuer in der Hand. Du kannst den Kurs ändern. Du kannst Turbulenzen umfliegen. Und halte dir immer vor Augen: Du hast (bis dahin) hart für deinen Erfolg gekämpft. Du hast dich auf deine Stärken fokussiert und das bestmögliche getan - und dennoch können Fehler passieren. Was dann wichtig ist? Im Sport hört man oft: Mund abputzen und weiter machen! Punkt!

Ein Coach sagte einmal zu mir: Glaubst du, Kinder würden jemals laufen lernen, wenn sie beim Hinfallen gleich aufgeben würden? Nein, natürlich nicht. Hast du schon mal ein Kleinkind beobachtet? Gefühlt fällt es bei den ersten Versuchen 100 Mal hin und steht jedes Mal wieder auf. Meist sogar mit einem Lächeln im Gesicht. Und wie stolz ist es, wenn es das erste Mal ein paar Schritte ohne Hilfe absolviert. Dieser Stolz sollte ein Motivations-Anreiz auch für dich sein. 

Aber damit natürlich nicht genug - verlassen wir das Kleinkind-Bild. Denn im Business geht es neben dem "Wiederaufstehen" auch darum, herauszufinden, warum es denn zu der Krise gekommen ist oder warum du diesen Fehler nicht vermeiden konntest. Denn es geht nicht um "business as usual", sondern den Fehler auch zu beheben. Also, gehe konstruktiv mit der Situation um, suche nach Lösungen oder Alternativen und setze dir gegebenenfalls gleich ganz neue Ziele.

Droht ein Unwetter auf deiner Route, musst du als Pilot reagieren: Eine Schleife drehen und das Unwetter vorüberziehen lassen, eine alternative Flugroute suchen, den Kurs ändern oder komplett einen neuen Flughafen ansteuern. Du hast es (meistens) selbst in der Hand. Und wenn mal etwas schief gegangen ist, trauere dem Vergangenen nicht hinterher. Schaue vielmehr selbstbewusst nach vorne und wähle einen neuen Kurs. 


Dennoch solltest du auch immer deine Grenzen kennen - hier findest du, was es damit auf sich hat: Die eigenen Grenzen aufzeigen und nutzen.

Wo du Hilfe finden kannst

Wenn du das Gefühl hast, du steckst in einer Sackgasse fest und bekommst das alleine nicht in den Griff: Nehme Hilfe und Unterstützung in Anspruch. Nichts ist schlimmer, sich als Einzelkämpfer festzubeißen beziehungsweise aus Angst vor "üblen" Reaktionen von außen, das Problem unter den Teppich zu kehren. Das macht es meist nur noch schlimmer. Wie gesagt, halte dir bitte immer vor Augen: Irren ist menschlich und um Hilfe bitten auch. Vielmehr noch: Es schützt dich vor eventuell noch schlimmeren Folgen.

Es gibt viele Anlaufstellen, wo du Hilfe finden und dich beraten lassen kannst. Zunächst ist es natürlich wichtig, dass du dich einer Krisensituation an vertraute Menschen in deinem Umfeld wendest. Nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Von der Seele reden hilft immer.  

Professionelle Hilfe findest du zum Beispiel auf den Seiten des Bundeswirtschaftsministeriums, sowie bei den Handwerks-, Industrie- und Handelskammern. Auch bei der KfW gibt`s Beratungsangebote. Manche Beratungsangebote werden sogar staatlich gefördert, vor allem für Gründer.

Auf den gängigen Social-Media und weiteren Plattformen findest du spezielle Foren und/oder Gruppen aus den verschiedensten Bereich, in denen du dich mit anderen austauschen, gezielt und nach deinen Bedürfnissen Rat und Unterstützung finden kannst. Aber auch professionelle Unternehmens-Coachings können sehr unterstützend in Krisenzeiten sein. 

Fazit

Ich kann es zum Schluss nur nochmal betonen: In Niederlagen & Co. liegen unglaubliche Chancen für dich. Wenn du also nach grundlegender Analyse und Ursachenforschung nicht zu dem Schluss gekommen bist, dein Unternehmen zu schließen, erhältst du neue Möglichkeiten. Du kannst dein Business beispielsweise betriebswirtschaftlich neu aufstellen, weil durch einen Fehler klar wurde, dass du nicht kostendeckend gearbeitet hast. Oder dass dein bisheriges Angebot nicht konkurrenzfähig ist oder dass der Fehler passiert ist, weil deine Fähigkeiten auf einem Gebiet noch aufpoliert werden sollten. Es gibt viele weitere Beispiele. 

Die Chance aus jeder Krise auch gestärkt hervorzugehen, solltest du dir nie nehmen lassen. Nur so entwickelst du dich weiter, gewinnst an Erfahrung und fühlst dich mit der Zeit in deinem Cockpit für neue Herausforderungen immer besser gewappnet.