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Wie du ein besserer Zuhörer wirst

Laut Forschungsergebnissen verbringen wir circa 60 % von der Zeit, in der wir kommunizieren, mit dem Zuhören. Allerdings behalten wir nur ungefähr 35 % von dem, was wir hören. Und zwei Monate danach erinnern wir uns nur noch an circa 25 %. Das mag erst einmal erstaunen, jedoch ist es nicht weiter verwunderlich:

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen beträgt nur acht Sekunden, was es tatsächlich schwer macht, eine hohe Konzentration beim Zuhören aufzubringen. Und in unseren Zeiten, in denen diese Aufmerksamkeit noch durch viele äußere Einflüsse gestört wird, zählt also Zuhören nicht unbedingt zu unseren ausgeprägten Qualitäten. Nicht weiter schlimm, werden jetzt vielleicht einige denken. Doch diejenigen muss ich leider enttäuschen, denn das Zuhören ist im Kommunikationsprozess genau so wichtig wie das Sprechen. Beides gehört definitiv zusammen.

Im geschäftlichen wie im privaten Bereich gehen immer wieder viele Gespräche nach hinten los, laufen ins Leere, enden in Missverständnissen oder im Streit - nicht nur weil wir uns vielleicht nicht gut äußern können, nein, auch weil wir nicht richtig zuhören können. Da bleibt in einem Gespräch das Verständnis füreinander ganz schnell auf der Strecke. Aber was tun?

Der Schlüssel lautet: Bewusstes Zuhören. Wenn wir also in Gesprächen voll präsent und anwesend sind, wenn wir wirklich zuhören, sind die Chancen, Missverständnisse und Verwirrung zu reduzieren bzw. zu vermeiden, erheblich größer. Das heißt wir verstehen uns besser – im doppelten Sinne. Und das funktioniert im Meeting ebenso wie Zuhause am Esstisch. Und das Beste daran: es wird unsere Kommunikationszeit qualitativ enorm verbessern. Gehen wir doch noch ein Stück weiter:

Egal ob der persönliche Termin mit einem neuen Auftraggeber oder Kunden, ob Gehalts- oder Honorarverhandlungen, das Gespräch mit dem Chef über ein abgeliefertes Projekt – auf alles kann dies angewendet werden: effektive Kommunikation durch aufrichtiges Sprechen und aufmerksames Zuhören. Im vorliegenden Artikel erfährst du etwas über effektive Kommunikation, warum wir nicht (mehr) wirklich zuhören können und wie du es (wieder) lernen kannst. Aber warum tun wir uns eigentlich so schwer damit?


Ein paar Faktoren, die uns das Zuhören so schwer machen bzw. warum wir es gar nicht gelernt haben 

1.  Bereits in der Schule liegt der Fokus auf anderen Dingen. Während wir fit gemacht werden, zu lesen und zu schreiben, wird dem Zuhören keine oder kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Zwar ließe sich der Eindruck gewinnen, dass wir in der Schule doch die meiste Zeit damit verbringen, Lehrern zuzuhören. Doch was bleibt im Endeffekt davon hängen? Und wie viel Enthusiasmus, Neugier und Freude sind mit von der Partie? Denn das würde aufmerksames Zuhören erheblich fördern.

Also, qualitatives Zuhören sieht definitiv anders aus. Wir können dann zwar gut schreiben und lesen und haben uns den Schulstoff kurzfristig eingeprägt, aber - wie eingangs schon erwähnt – es bleibt nicht wirklich viel hängen. Der größte Witz an der Geschichte aber ist, dass wir im späteren Leben tatsächlich mehr zuhören, als dass wir lesen. 

2. Würde man eine Umfrage machen, die meisten Menschen würden von sich behaupten, gute Zuhörer zu sein. Ich bin sicher, diese Antwort käme ganz spontan und überzeugt. Denn jeder Mensch kommuniziert, jeder Mensch führt Gespräche und setzt sich mit anderen auseinander. Doch ich muss jetzt leider mal dazwischenfunken: Denn meistens haben wir zwar den Eindruck, dass wir (gut) zuhören, aber größtenteils tun wird das nur oberflächlich und sind währenddessen mit ganz anderen Dingen beschäftigt.  Es geht jetzt hier nicht um Kritik, denn die wenigsten machen das bewusst oder mit Absicht. Diese Unaufmerksamkeit hat sich mit der Zeit in unser Verhalten eingeschlichen und es gibt einige Dinge, die uns tatsächlich immer wieder davon abhalten, genau zuzuhören:

  • Wir werden abgelenkt: Unsere schnelllebige Zeit ist voll von Ablenkungen. Es gibt so vieles, was unsere Aufmerksamkeit fordert: Smartphone, Telefon, Tablet, Computer sind nur ein Teil. Es gibt immer mehr Menschen, die etwas von uns wollen – der Chef, Kollegen, die Ehefrau, der Partner, die Kinder, Freunde oder Nachbarn. Es gibt immer mehr Autos, Flugzeuge etc. Unsere Welt wird immer lauter. Kein Wunder, dass es so schwer ist, sich nicht ablenken zu lassen. Das Ergebnis: Reizüberflutung. Die einzig natürliche Reaktion: wir schotten uns ab. Was eben auch dazu führt, dass wir nicht mehr richtig zuhören. Auch andere körperliche oder emotionale Probleme können dazu führen, dass es an Aufmerksamkeit mangelt, weil wir beispielsweise krank oder überlastet sind. Dann hat das „Nicht-Zuhören“ zwar einen plausiblen Grund und gut, wenn das Gegenüber dies versteht. Oft wird es jedoch so sein, dass der oder die Gesprächspartner/in dies als Desinteresse auffassen wird.

  • Wir haben keine Zeit mehr übrig: Ebenfalls ein Ergebnis unseres hektischen Lebens ist, dass wir immer schneller, produktiver und effektiver agieren müssen, um am Ball zu bleiben. Gerade auch wenn du selbständig bist. Aber es lässt sich im Prinzip auf alle Lebensbereiche übertragen. Also, um dieses Pensum zu schaffen, muss etwas anderes auf der Strecke bleiben. Wie zum Beispiel ausgiebige Gespräche zu führen – sprechen und zuhören.  Wir haben oft schlichtweg nicht die Zeit dafür und so können wir es uns gar nicht mehr leisten, bis zum Ende zuzuhören. Aber um zu verstehen und zu verinnerlichen, was dein Gegenüber zu sagen hat, brauchen wir nun einmal Zeit. Es ist offensichtlich, dass hier Handlungsbedarf besteht.  

  • Wir verhalten uns egoistisch: Ist es nicht so, dass wir Menschen uns oft zu sehr mit uns selbst beschäftigen? Dass wir uns zu sehr mit unseren eigenen Problemen befassen, so dass keine Aufmerksamkeit für andere bleibt?  Auch wenn wir als Zuhörer aufgesucht werden, weil der andere Hilfe braucht, können viele dem nicht Folge leisten. Vielleicht konzentrieren wir uns zu oft darauf, unser Selbstbild in den Vordergrund zu stellen und unseren eigenen Selbstwert zu fördern, anstatt zuzuhören und sich mal voll und ganz auf den anderen einzulassen.

  • Wir haben das richtige Kommunizieren und ein adäquates Miteinander verlernt: Wer kennt das nicht:  Du sitzt in einem Meeting, in einer Diskussionsrunde oder in einem privaten Gespräch, der andere erzählt, aber du hast Angst - wenn du zu lange zuhören musst, vergisst du, was du sagen willst. Deswegen verlagert sich der Fokus oft auf das, was wir zu sagen haben und nicht auf das, was der andere in diesem Moment erzählt. Das entzieht dem Zuhören die Aufmerksamkeit und du bekommst dann wahrscheinlich gar nicht mit, was der andere eigentlich mitteilen möchte. Wenn du dem anderen dann auch noch ins Wort fällst, um deine Meinung kundzutun, bringst du den anderen raus und drängelst dich in den Vordergrund. Das lässt sich auch prima einsetzen, um Gespräche dahingehend zu manipulieren, dass sie in deine persönliche Strategie passen. Harte Worte, aber sei mal ehrlich, wie oft hast du dich schon bei einem solchen Manöver ertappt?

  • Wir denken schneller, als wir reden:  In unseren Gedanken sind wir in Gesprächen immer schon einen Schritt voraus, oder wir sind schon mit einer Antwort beschäftigt, obwohl der andere noch gar nicht fertig ist. Und genau das ist der Moment, in dem wir anfangen, nicht mehr richtig zuzuhören. So sind wir mit dem, was wir sagen möchten, schon voraus geeilt, liegen aber mit dem, was uns gesagt wird, zurück. Und dann passiert das, was immer passiert: Die Botschaften des Gesprächspartners laufen aneinander vorbei und es kommt zu Missverständnissen. Zumindest wird das Gespräch schwierig verlaufen. 

Egal, welche oben genannten Punkte eventuell situativ auf dich zutreffen, es kann auch Zeiten geben, in denen du dich vollkommen überfordert fühlst. Das hat jetzt nicht explizit mit dem vorliegenden Thema zu tun. Aber es ist wichtig: gerade als Selbständiger prasseln häufig so viele verschiedene Dinge auf dich ein. Falls das der Fall sein sollte, empfehlen wir an dieser Stelle auch unseren Blogartikel Was Stress bei Selbständigen auslösen kann.

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Wie du ein besserer Zuhörer wirst

Klar, bei jedem Gespräch ist eines ganz wichtig: Konzentration. Das gilt sowohl für das Formulieren dessen, was du zu sagen hast, als auch beim Zuhören, was andere zu sagen haben. Wir widmen uns im Folgenden einigen Anregungen, wie du  ein besserer Zuhörer wirst und was dafür wichtig ist: 

Neugierde und echtes Interesse zeigen

Diese beiden kann man nicht spielen oder vorgaukeln. Wem es an Neugierde am Gespräch oder seinem Gegenüber mangelt, wird niemals aufmerksam zuhören können. Und wollen schon mal gar nicht. So bist du auch nicht offen fürs Gespräch oder für neue Perspektiven, die in einem solchen vielleicht gefunden werden könnten.  Aber neugierig oder auch wissbegierig zu sein, vermittelt dem anderen echtes Interesse – an ihm, an seinen Thesen und dem, was er zu sagen hat. Je neugieriger und interessierter du bist, desto mehr gibst du dem anderen das Gefühl, willkommen zu sein und er wird dir mehr anvertrauen. Gutes und interessiertes Zuhören gibt dem anderen immer ein gutes Gefühl und er wird es dir sicher danken. Du entwickelst ein Gespür für den anderen, in dem du dir das, was er dir anvertraut, in Ruhe anhörst und auf dich wirken lässt.

Sorgsames Nachfragen deinerseits – beispielsweise „Wie hast du dich dabei gefühlt?“ oder „Wie meinst du das genau?“ verhindert nicht nur, dass du in die Falle von Spekulationen tappst, indem du den anderen falsch verstehst. Es baut sich auch ein gegenseitiges, tiefes Gefühl von Einlassung, Interesse  und Engagement auf. Wenn du nachfragst, weil du gut zugehört hast, wird dein Gesprächspartner eher dazu neigen, tiefer gehende Dinge zu äußern, die er sonst vielleicht verschweigen würde. Allen Beteiligten kommt das letztlich zu Gute. Auch hier gilt: es betrifft alle Lebensbereiche.

Aktiv zuhören 

Eigentlich sind Gespräche dazu da, etwas zu klären, um sich mit einen Thema auseinander zu setzen, um Ideen zu entwickeln und so weiter. Und doch passiert oft genau das Gegenteil. Weiter oben haben wir schon beschrieben, dass das durch Ablenkungen, Krankheit, egoistischem Denken oder zu wenig Empathie geschehen kann. Aber letztlich wäre es ganz einfach: denn die Kraft des Verstehens fängt an mit der Fähigkeit zuzuhören. Und auch hier sind die Faktoren Neugier, Interesse und vor allem aber auch Geduld und Empathie immens wichtig. Wenn du an diesen Stellen eventuell Defizite spürst, kein Problem, denn all das lässt sich lernen, üben und trainieren. Eine perfekte und sehr einfache Übung dafür ist aktives Zuhören.

Wenn dir jemand etwas erzählt, höre bis zum Ende zu. Falle ihm nicht ins Wort. Dann wiederhole bzw. fasse zusammen, was du gehört hast, z.B. „Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du gesagt, dass …,  nicht wahr?“ Damit beweist du Geduld, denn du nimmst dir Zeit. Du bekundest zudem Interesse und Neugier, indem du dich mit dem Gesagten auseinandersetzt und es zusammenfasst. Du beweist Empathie, weil du dich auf dein gegenüber einlässt. Und es hilft Missverständnisse zu vermeiden, weil der andere sofort reagieren kann, wenn du eventuell etwas falsch verstanden hast. Du kannst auch selber nachhaken, z.B.  „Ich bin nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe? Könntest du das bitte wiederholen?“

Das verhindert spekulative Antworten oder subjektive Annahmen deinerseits. Aktives Zuhören sorgt für gegenseitiges Verständnis und Klarheit. Weil du nicht mehr mit Annahmen arbeitest, sondern mit Gewissheiten. Wie effektiv könnten wohl Meetings und private Gespräche gestaltet werden, wenn alle Beteiligten so agieren würden? 

Nonverbale Ermutigungen

Wenn du deinen Gesprächspartner nicht ins Leere laufen lassen möchtest, solltest du ihm auch zeigen, dass du wirklich zuhörst. Das bedeutet nicht, dass du permanent nachfragen sollst. Dies würde eher für Unruhe sorgen und den anderen leicht rausbringen. Nonverbale Zeichen oder Gesten sind dafür viel besser geeignet. Das kann zum Beispiel das Halten von Augenkontakt sein oder ein zustimmendes und unterstützendes Kopfnicken oder eines leisen, dezenten, zustimmenden Tons. Zum Beispiel ermutigst du damit einen neuen Mitarbeiter, der sein erstes Meeting oder seine erste Präsentation leitet und gibst ihm ein gutes Gefühl. 

Bis zum Ende zuhören, dann die Antwort finden

Es mag vielen am schwersten fallen, aber es ist so wichtig: Lass den anderen ausreden und höre wirklich bis zum letzten Satz aufmerksam zu. Erst dann hast du das Gesamtbild vor Augen und erst dann kannst du eine Antwort finden. Wenn du bereits an einer Antwort bastelst, während dein Gegenüber noch spricht, hörst du auf, zuzuhören und verpasst mit Sicherheit wichtige Informationen. Du bist ablenkt. Und wenn du dir schon vorher sicher zu sein scheinst, was der andere meint oder sagen will, wirst du voreingenommen reagieren. Dann ist man geneigt, im weiteren Verlauf des Gesprächs auch nur noch die Infos zu akzeptieren, die deiner schon „vorgefassten“ Meinung  entsprechen. 

Moral und Urteil vermeiden 

Anknüpfend an den vorangegangen Punkt wird es vielen ebenfalls sehr schwer fallen, bis zum Ende zuzuhören, speziell wenn es um Meinungen und Überzeugungen geht, die dann auch noch auseinander gehen. Da ist es für viele schwierig, sich zurückzuhalten. Aber wenn du jemanden unterbrichst, um gegen seinen Standpunkt zu argumentieren, verpasst du wichtige Botschaften, die dir neue Perspektiven eröffnen könnten. Besonders schwer wird es, wenn es nicht mehr um eine sachliche Diskussion geht, sondern wenn auch noch Ärger mit im Spiel ist. Einige Wahrheiten sind sicher nicht leicht zu sagen – dazu müssen manche ihren ganzen Mut zusammennehmen und es kostet sie einige Anstrengung. Das sollte man per se schon mal honorieren. Wenn sie dabei aber auch noch unterbrochen werden,  weil du mit deiner Reaktion nicht warten kannst bzw. moralische oder andere Urteile darüber hast, verunsicherst du dein Gegenüber und veranlasst es dazu, seine Botschaft abzumildern, zu verändern oder sogar zu korrigieren. Oder du wirst deinen Gesprächspartner derart verärgern, dass er in Zukunft nicht mehr bzw. nicht mehr offen mit dir sprechen wird. Ein Nachteil für beide Seiten. So schwer es auch fallen mag, lasse die andere Person immer ausreden. Höre ruhig, aufmerksam und vor allem vorurteils- und moralitätsfrei zu, auch wenn du anderer Meinung bist. Warte mit einer objektiven Beurteilung bis zum Ende. Versuche die Dinge zunächst aus der Perspektive des anderen zu sehen, erst dann teile deine mit. Das wird eine Win/Win Situation ergeben. 

Ein konstruktives Gespräch aus ausführlichem Kommunizieren und aktivem Zuhören lässt sich in eine einfache Formel bringen:

  • Achte auf und wertschätze die sprechende Person
  • Höre aufmerksam zu
  • Unterstütze durch nonverbale Ermutigung
  • Höre bis zum Ende zu
  • Fasse zusammen und frage nach
  • Dann formuliere deine Antwort

Tatsächlich erlaubt uns das Zuhören, vieles zu tun: wir zeigen Empathie, wir lassen das Gespräch voranschreiten, wir ermutigen unsere Gesprächspartner, mehr zu teilen, wir stärken Beziehungen, wir machen einen großen Schritt in Richtung Verständnis. Und das gegenseitige Verständnis ist ein Indikator für die Effektivität des Kommunikationsprozesses, den wir alle anstreben, sei es bei der Arbeit oder im Privatleben. Und wie schon erwähnt:  Um ein guter Zuhörer zu werden, müssen wir einiges beachten und sogar trainieren. Vielleicht sogar mit Unterstützung von außen – deswegen möchte ich euch zum Abschluss noch dieses Thema eines unserer Blog Posts ans Herz legen Warum sich gerade Selbstständige einen Coach nehmen sollten.