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Selbstständigkeit

Wie du lernst als Chef zu handeln

Nina Sickinger

Freelance Editor

16. Dez. 2021

Für alle abhängig, also fest angestellten Beschäftigten gilt, dass sie sich rund um das Angestelltenverhältnis, wie zum Beispiel die Formalien, in der Regel wenig Gedanken machen müssen. Denn um das meiste kümmern sich andere im Unternehmen. Was die Arbeit an sich anbelangt, gibt es weitreichende Vorgaben und Ziele für Arbeitnehmer, die erreicht werden müssen. Genauso wie Kontrolle seitens der Vorgesetzten, ob diese Ziele und das Soll als Mitarbeiter auch wirklich erfüllt werden.

Außerdem müssen Angestellte eine bestimmte Anzahl an Arbeitsstunden, meist vor Ort im Unternehmen, ableisten. Das Maß an Freiheit ist also relativ eingeschränkt. Soweit so gut. Der Großteil der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland arbeitet unter diesen Voraussetzungen, die meisten wollen dies auch genau so und sind in der Regel zufrieden. Wenn ich es jetzt einmal wage, hier von einer erlernten Abhängigkeit zu sprechen, hat dies aber auch zur Folge, dass diejenigen, die sich irgendwann einmal dazu entscheiden, aus dieser Abhängigkeit heraus in eine Selbständigkeit zu gehen, häufig nur schwer klar kommen mit soviel neu gewonnener Freiheit, die eine Selbständigkeit mit sich bringt.

Ganz zu schweigen von den zahllosen Verpflichtungen und Aufgaben, die mit dem Führen eines eigenen Business dann entstehen. Manche werden sich zunächst überfordert fühlen oder auch hilflos. Und so manche Hürde verleitet eventuell auch zu dem Gedanken `was habe ich da nur getan`? 

Ich glaube in den meisten Fällen muss man wirklich lernen - egal ob aus einem Angestelltenverhältnis kommend oder als Selbständiger von vornherein -  wie man in einer Welt, in der der Großteil als Arbeitnehmer nie für sich selbst arbeitet, als eigener Chef agiert. Heute geben wir dir ein paar Fakten an die Hand, was auf dich zukommt, was du dir erlauben kannst, auf was du achten solltest, was du lernen und wo du umdenken musst, wenn du dein eigenes Unternehmen führst.

Wichtige Aspekte auf dem Weg zum Chef

Natürlich gelten die folgenden Anregungen für alle: für die neu in die Selbständigkeit starten beziehungsweise für die, die schon (länger) auf diesem Weg sind. Denn für jeden Unternehmer gibt es so einige Hürden zu nehmen. Für ehemals Angestellte bedeutet dies aber - auf Grund der oben aufgeführten Aspekte - meist eine noch größere Herausforderung. 

  • Sei dir bewusst: Du triffst deine Entscheidungen und löst deine Probleme allein

    Wenn du als Unternehmer, beispielsweise als Solopreneur tätig bist, triffst du alle Entscheidungen bezüglich deines Business allein und musst dir auch für alle auftauchenden Probleme Lösungen überlegen. Das hört sich zunächst nach einem gewaltigen Unterfangen an. Und anfangs ist es das bestimmt auch. Das heißt, du solltest dir so früh wie möglich die nötigen Skills zulegen, die über die bisher benötigten hinausgehen.

    Auch solltest du zu Hundert Prozent überzeugt davon sein, dass du dein Metier beherrscht. Wenn du dich auf die, für dein Business essentiellen Fähigkeiten voll und ganz verlassen kannst, geht dir der Rest auf jeden Fall leichter von der Hand. Denn sich gleichzeitig um die organisatorischen, formalen, steuerlichen, werbetechnischen Aufgaben und auch noch die Akquise zu kümmern, ist, was den Aufwand anbelangt, nicht zu verachten. Natürlich kannst du von Anfang an einige dieser Dinge auch delegieren beziehungsweise auslagern.

    Doch das verursacht Kosten, die du in der Gründungsphase eventuell noch gar nicht decken kannst. Ich denke hier ist ein objektives Abwägen nötig. Was kannst du alleine auf jeden Fall stemmen, was kannst du dir aneignen und wo brauchst du definitiv Hilfe. Diese solltest du dann auch annehmen. Allerdings mit der Zeit wirst du ja auch erfahrener und lernst Dinge dazu, so dass einiges im Verlauf von dir selbst erledigt werden kann. 

Tipp: Als selbständiger Unternehmer bist du jeden Tag mit neuen Dingen konfrontiert und musst gegebenenfalls schnell reagieren, Dinge entscheiden und Lösungen finden. Deswegen solltest du immer bereit sein: Bereit flexibel zu sein und offen mit den Herausforderungen umgehen. 

Das mit dem Entscheidungen treffen ist oft gar nicht so einfach - für ein paar Anregungen klick doch mal hier Entscheidungen treffen - ein kleiner Leitfaden für dein Business.

  • Sei dir bewusst: Du entscheidest, was du tust und vor allem wann du es tust

    Auch wenn eine Selbständigkeit ein hohes Maß an Verantwortung mit sich bringt, bietet sie dir auf der anderen Seite viel Freiheit, Unabhängigkeit und Flexibilität. Du hast es in der Hand (zumindest weitgehend), was, wann und wie viel du arbeitest. Dieser Umstand kann dich als ehemaligen Angestellten vielleicht überfordern. Denn von diesem Arbeitsverhältnis her bist du es wahrscheinlich gewöhnt, dass dir gesagt wird, was, wann und wie viel du arbeiten musst.
    Als Unternehmer geht es aber nicht nur um eine generell ganz andere Arbeitsweise, sondern auch darum, Prioritäten zu setzen und alles nach deinen Wünschen, Bedürfnissen und deinen Zielen entsprechend auszugestalten. Du als Chef kannst festlegen, wie viele Stunden pro Tag, pro Woche oder pro Monat du arbeiten möchtest. Du kannst dich für viel oder wenig Arbeitszeit entscheiden. Du kannst entscheiden, wie viel du verdienen möchtest (ist natürlich auch abhängig von den Arbeitsstunden) und so deine Honorare festsetzen. Du kannst dich auch dafür entscheiden, dich eine Zeit lang so richtig ins Zeug zu legen, um irgendwann dann kürzer zu treten oder eine längere Auszeit zu nehmen. Du kannst darüber bestimmen, wie viele Pausen nötig sind.
  • Und all das am besten natürlich ohne schlechtes Gewissen, dafür aber mit guter Planung, Vorbereitung und exakter Zielverfolgung. Denn das Schöne ist: Du hast die Wahl und entscheidest selbst über das Ergebnis. Und zwar dein Ergebnis und nicht das eines anderen (ehemaliger Chef). Noch ein wichtiger Punkt: Wenn du beispielsweise deinen festen Job gekündigt hast, weil du keine Erfüllung mehr darin gefunden hast oder du mit deinem Chef nicht mehr klar gekommen bist, aber dann in deinem neuen Business genauso weiter machst, stellst du dein Unternehmen auf ein wackliges Fundament. Denn du bist nun dein eigener Boss. Du kannst dein Business exakt nach deinen persönlichen Vorgaben und Vorlieben aufbauen und führen, und ohne dass dir jemand reinredet.

Tipp: Apropos Vorliebe - wer, wenn nicht du als Unternehmer kannst dich vollkommen darauf konzentrieren zu tun, was du liebst. Das ist die beste Voraussetzung dafür, auch langfristig erfolgreich zu sein und Erfüllung in deinem Job zu finden.

  • Sei dir bewusst: Auf deinen Selbstwert kommt es an

    Ein sensibles Thema, denn viele trauen sich selbst viel zu wenig zu. Der eigene Selbstwert ist maßgeblich dafür verantwortlich und das gilt natürlich für jeden arbeitenden Menschen und nicht nur für Selbständige. Doch da auf Unternehmern noch weit mehr lastet, als der Druck den eigenen Beruf zu beherrschen, ist es gerade für Freiberufler, Freelancer & Co. ungeheuer wichtig mit einem guten Selbstbewusstsein und stabilem Selbstwert ausgestattet zu sein.
    Das bedeutet also, wenn du für dich selbst arbeitest, musst du dir über deinen Wert im Klaren sein. Das bedeutet aber auch, dass du deinen Wert nach außen, also beispielsweise bei Honorarverhandlungen, auch vertreten und mit anderen Menschen, sei es Kunden, Auftraggebern, anderen Freiberuflern etc., über Geld zu sprechen kannst. 

Tipp: Stelle also dein Licht nicht unter den Scheffel. Du musst dich nicht verstecken. Traue dich deinen Wert zu behaupten. Wenn du hier Unterstützung brauchst, weil das mit der Selbstbehauptung noch nicht so gut klappt, ist ein entsprechendes Coaching durchaus empfehlenswert. Auch wenn dies zum Teil recht teuer ist, stellt es sicherlich eine gute Investition dar, die sich in der Zukunft für dich auszahlen wird.

  • Sei dir bewusst: Du legst zu weiten Teilen fest, was du verdienst

    Dieser Punkt schließt sich nahtlos an die beiden vorherigen an. Denn du bist zu 99 Prozent dafür verantwortlich, was du verdienst. Ein paar äußere Faktoren spielen zwar auch immer eine Rolle, aber du legst deine Honorare fest und dazu ist es wichtig, wie wir gerade gehört haben, dass du deinen Wert kennst. Außerdem musst du als Unternehmer natürlich auch alle Ausgaben und Kosten in deine Kalkulation mit einbeziehen, um alles, was zum Betrieb deines Unternehmens (und natürlich auch zu den privaten Kosten) gehört, abdecken zu können.
    Plus das, was dir als Gewinn vorschwebt. Ein Fehler, den gerade neue Selbständige, die aus einem Angestelltenverhältnis kommen, häufig machen, ist: Sie setzen Honorare an, die ihrem vorherigen Lohn- bzw. Gehaltsniveau entsprechen. Das ist allerdings falsch gerechnet, denn als Unternehmer reicht dies aus den eben oben angeführten Gründen nicht aus. Du musst ein Gespür dafür entwickeln, was mit deinem Unternehmen auf dich zukommt.  

    Tipp: Infomiere dich über branchenübliche Honorare und nehme hier auch unbedingt die Hilfe deines Steuerberaters in Anspruch.

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  • Sei dir bewusst: Ein eigenes Business bedeutet stetiges Lernen  

Um langfristig erfolgreich zu sein, musst du stets gut sein, in dem was du tust. Besser noch, du solltest versuchen, in allen Belangen deines Business immer dein Bestes zu geben. Dazu gehört in erster Linie nicht stehen zu bleiben, denn als Unternehmer musst du dich häufig komplett umorientieren. Es ist auch nötig, immer wieder zu überprüfen, ob du deine Ziele mit den aktuellen Maßnahmen erreichen kannst. Wenn nicht, musst du entweder deine Ziele oder die Maßnahmen anpassen.

Dafür ist es unerlässlich, dass du dich selbst auch weiterentwickelst, neue Dinge lernst, wenn neue Ziele oder Maßnahmen dies erfordern. Du hast es insofern in der Hand und kannst die Geschicke deines Unternehmens lenken.


Tipp: Wenn dir neue Entwicklungen Angst machen oder du mit unsicheren Situationen nicht gut umgehen kannst, wäre auch hier ein Coaching eventuell hilfreich. Angebote wie spezielle Unternehmens-Coachings sind genau auf diese Thematiken zugeschnitten.

  • Sei dir bewusst: Auf das richtige Zeitmanagement kommt es an

Viele Unternehmer haben besonders zu Beginn die Schwierigkeit, alles unter einen Hut zu bringen und den Arbeitstag strukturiert anzugehen. Hier kommst du um ein effektives Zeitmanagement nicht herum. Beispielsweise solltest du immer auf dem Schirm haben, worin deine wichtigsten Aufgaben bestehen und wo du Prioritäten setzt. Wenn du versuchst immer alles auf einmal und sofort zu erledigen, werden am Ende des Tages wichtige Dinge liegen bleiben.

Tipp: Reserviere dir neben dem Tagesgeschäft und deinem eigentlichen Job regelmäßig feste Zeiten, in denen du beispielsweise E-Mails beantwortest, Telefonate mit Kunden führst und Bürokram erledigst.  To-Do-Listen und Tools können dich dabei optimal unterstützen. 

Mehr zum Thema effektives Zeitmanagement findest du hier Wie funktioniert effektives Zeitmanagement?.

Fazit

Sein eigener Chef zu sein und nur für sich selbst zu arbeiten, ist wirklich etwas Großartiges. Auf der einen Seite sicherlich auch mit Höhen und Tiefen oder vielleicht sogar mit schlaflosen Nächten verbunden. Auf der anderen Seite aber auch mit tollen Erfahrungen, mit vielen Freiheiten und am Ende bestenfalls mit großem Erfolg.

Für mich zum Beispiel stand schon während meines Studiums fest, dass ich mir nichts anderes vorstellen kann als selbständig zu arbeiten. Die kurzzeitigen Versuche in ein festes Arbeitsverhältnis zu gehen, habe ich ganz schnell wieder aufgegeben. Es war mir alles zu starr, zu eng und am Ende wollte ich in meine eigene Tasche wirtschaften und nicht länger in die von jemand anderem. Für mich war es die richtige Entscheidung und für viele Millionen anderer Berufstätige ist es das auch.

Dennoch ist aber auch klar: Das Führen eines eigenen Business ist nicht für jedermann gemacht. Sicher gibt es die Naturtalente und die, die es schnell lernen. Aber auch einige, für die ein eigenes Unternehmen zu viel Verantwortung bedeutet als dass sie diese leicht tragen könnten. So geht es letztlich darum, für sich den richtigen Weg zu finden und dann den Schritt zu wagen. Und wenn du dir die heute beschriebenen Sachverhalte zutraust, dann sollte deinem eigenen Business eigentlich nichts im Wege stehen. 

Hier noch ein interessanter Artikel zum Thema Unternehmer sein: Wird man als Unternehmer geboren oder kann man das lernen?