facebook-pixel

Wird man als Unternehmer geboren oder kann man das lernen?

Du hast eine geniale Idee für ein Business und denkst, dass du damit Geld machen kannst? Du fragst dich aber, was es braucht, um das Ganze auch aufzuziehen und ob das überhaupt jeder so einfach kann?

Was macht die erfolgreichen Unternehmer der Geschichte eigentlich aus? Was haben und hatten Menschen wie Mark Zuckerberg, Cornelius Vanderbilt, Pablo Escobar und Gustav Schickedanz, was sie von anderen unterscheidet? Diese Leute sind schließlich nicht einfach wieder mit ihrer Idee in der Versenkung verschwunden und zurück zu ihrem öden Bürojob gekehrt.

Diese Fragen werden öfter gestellt. Ein ganzer Haufen Ökonomen und Genetiker hat sich hierüber schon Gedanken gemacht. Wir wollen uns also den Faktoren, die einen erfolgreichen Unternehmer ausmachen, widmen und hier eine Synthese der Erkenntnisse voranstellen. Vorwegzunehmen ist: Die Antwort auf die Frage, ob jemand als Unternehmer geboren wird, ist mit einem klaren "Jain" zu beantworten.

Der Faktor Familie

Luke Johnson (involviert in "Pizza Express", "Strada" und weitere Unternehmen) ist zum Beispiel der festen Auffassung, dass es mitentscheidend sei, ob jemand aus dem eigenen Umfeld selbstständig ist. Bei ihm ist es sein Vater, dem er offenkundig seine eigene Selbstständigkeit und seinen Erfolg verdankt. So argumentiert er, dass es sehr schwierig sein müsse, sich mit dem Gedanken an das eigene Business anzufreunden, wenn um einen herum nur Menschen in sicheren Arbeitsverhältnissen seien. Die Ängste, die Menschen vor der Selbstständigkeit verspüren seien also umso ausgeprägter, desto eher einem vermittelt wird, dass es sich um ein (nicht sicheres) Wagnis handle.

Rückenwind erhält die Argumentation von mindestens zwei Ökonomen. So argumentieren sowohl David Blanchflower als auch Andrew Oswald, dass die Rate an später selbstständigen Kindern bei selbstständigen Eltern schlicht höher sei - eine Beobachtung, die sich mehrfach hat bestätigen lassen.

Die angeborene Grundeinstellung

Auch genetisch wird auf diesem Feld argumentiert. So geht etwa der Business Coach Peter Ryding davon aus, dass 70 Prozent der typischen "Unternehmer-Charakteristik" vererbt seien, während 20 Prozent antrainiert wären und 10 Prozent auf die Erziehung zurückzuführen seien.

Das ist ohne Frage ein hartes Urteil für einen Großteil der Bevölkerung, denn der Umkehrschluss ist, dass Menschen, die einfach nicht zum Unternehmer geboren sind, dies auch nur schwer oder gar nicht schaffen können.

Du kannst dich jetzt durchaus fragen, was denn mit dem genetischen Faktor eigentlich gemeint ist. Nun: Das, was Ryding als genetischen Faktor bezeichnet, wird an anderer Stelle glücklicherweise benannt. So spielen das adaptive Denken und die positive Sicht auf die Dinge (und Herausforderungen) eine Rolle.

Limited time offer

Get 2% bonus on your tax reserves

Learn more

Das adaptive Denken bezeichnet zusammengefasst drei Fähigkeiten, die - einmal erkannt und verstanden - hoffentlich auch ohne genetische Prädisposition erlernbar sind:

  • Die Fähigkeit, die eigenen Impulse zu unterdrücken, wenn noch nicht genug Information für eine sinnvolle Entscheidungsfindung vorliegt;
  • Die Fähigkeit, das eigene Ego zugunsten eines Zieles zurückzustellen;
  • Die Fähigkeit, neugierig und unvoreingenommen zu bleiben.

Das sind Fähigkeiten, die wohl tatsächlich jeder gute Unternehmer hat. Wenn es nur um das eigene Ego ginge, wäre die Welt ja eine noch furchtbarere Ellenbogengesellschaft als sie es ohnehin schon ist. Stell dir also die Frage, ob du dieses Denken beherrschst.

Brian Morgen, ein Professor, der sich vor allem mit dem Unternehmertum befasst, spricht hingegen davon, dass wohl um die 40 Prozent genetisch seien. Die restlichen 60 Prozent seien erlernt. Er führt dies darauf zurück, dass das Unternehmertum sich ja nicht nur auf gute Ideen und Aufgaben stützt, sondern schlichtweg aus einer Menge Papierkram und Administration besteht.

Diese Fähigkeiten kannst du dir natürlich aneignen. Passende Studiengänge, Fortbildungen und deine eigene Erfahrung sind die besten Lehrmeister. Erfolgreiche Freelancer beherrschen ihre Rechnungsangelegenheiten gut und bleiben nur dann erfolgreich, wenn sie - keinen Bockmist mit ihrer Buchhaltung anstellen.

Die positive Sicht ist eine andere Sache. Es gibt von Natur aus optimistische und pessimistische Menschen. Während grenzenloser Optimismus schnell in Naivität übergeht, ist grenzenloser Pessimismus dazu geeignet, das eigene Handeln immer im Keim zu ersticken. Es muss also eine Balance herrschen, die eher in die Richtung geht, dass Wege und Möglichkeiten gesehen werden. Du musst dich an dieser Stelle selbst fragen, wie du dahingehend geeicht bist.

Abgeleitet aus der Organisationspsychologie hat Cary Cooper noch einen anderen Erklärungsansatz: So sei es bezeichnend, dass es häufig diejenigen zu erfolgreichen Unternehmern bringen, die in jungen Jahren Schicksalsschäge hinnehmen mussten. So hätten diese Leute am ehesten gelernt, dass es wieder Wege nach oben gibt und dass sich ein Aufstehen und Weiterkämpfen lohnt. Ein Blick auf die Geschichte vieler erfolgreicher Unternehmer gibt ihm hier recht: Das sprichwörtliche Schaffen aus dem Nichts, das die Quintessenz des American Dream darstellt, findet sich bei vielen historisch beschriebenen Unternehmern.

Die ökonomische Notwendigkeit

Die Arbeitswelt von heute ist flexibler als je zuvor. Zeitlich befristete Verträge, Firmenfusionen und wirtschaftliche Zusammenbrüche bedeuten einen Verlust von Sicherheit und Arbeitsplätzen. Es gab einmal eine Zeit, in der Menschen ihr Leben lang in einem Betrieb waren und anschließend sogar eine Betriebsrente bezogen. Doch diese Zeiten sind in der hochgradig globalisierten Welt schlichtweg vorbei.

Die Unsicherheit, die mit der Jobsuche einhergehen kann, sorgt für immer mehr Selbstständigkeit im Beruf. Das ist ein Umstand der - gemessen an dem immensen Wert eines positiven und selbstbestimmten Lebensgefühl - also auch positive Aspekte hat.

Doch wer sich für die Selbstständigkeit als Alternative entscheidet, muss sich ja ein Feld suchen, indem es ökonomisch sinnvoll ist, tätig zu sein. Oft stellt sich schon die Frage, was es überhaupt sein kann und was die Balance zwischen Selbstverwirklichung und einem finanziellen Auskommen leisten kann (dazu hier mehr: Geld verdienen vs. Leidenschaft im Beruf ).

Um noch einmal den angesprochenen Herrn Johnson zu bemühen: Er sagte einmal, dass es angesichts der sich verändernden Arbeitswelt manchmal einfach die bessere Wahl sei, selbstständig zu sein um wenigstens ein Stück weit die Kontrolle über das eigene Schicksal zu behalten. Zudem sei er selbst übrigens unanstellbar.

Es ergibt sich also, dass Selbstständigkeit oftmals deshalb in Angriff genommen wird, weil sich keine anderen Wege aufzutun scheinen. Aber das ist ja nun auch keine schlechte Nachricht für dich, denn so hast du mindestens zwei Gründe, Freelancer zu sein: Erstens, weil du es möchtest und kannst und zweitens, weil es eh nicht anders geht.

Die Lehre aus dem Vorangegangenen

Du hast also gelernt, dass es mehr oder minder ausgeprägte genetische Faktoren gibt, sich ein eher positiver Blick auf Herausforderungen lohnt und dass es manchmal einfach sinnvoller ist, sich für das eigenen Business zu entscheiden, als angestellt zu sein.

Nachdem mit genetischen Argumenten hantiert wurde, stellt sich für den geneigten Leser und Beobachter heraus, dass diese Frage nicht klar beantwortet werden kann. Schließlich ist eine ganz eindeutige genetische Komponente ja die Tatsache außer Acht lassend, dass der Mensch lernfähig ist.

Das ist genau das, wo du ansetzen kannst: Gerade das adaptive Denken, das im Übrigen eine auch sozial wertvolle Fähigkeit ist, scheint mit entscheidend zu sein. Wer seine Impulse kontrollieren kann und sich aufgrund seiner Neugier Wissen und Fertigkeiten aneignen kann, hat einen Vorteil gegenüber allen Menschen, die sehr blockiert darin sind, sich mit Argumenten und Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Kurzum: Wenn du ein Unternehmer sein willst, musst du erkennen, dass du nicht alles weißt und dass es manchmal Dinge gibt, die nicht schnell und einfach entschieden werden können. Du musst dann versuchen, sie zu verstehen. Du kannst aber auch nur so an diese Dinge herangehen, wenn du ihnen die Chance einräumst, Möglichkeiten darzustellen. Und wenn du an dir wächst und die Dinge mehr und mehr verstehst - dann kannst du auch schnell und gut beurteilen, was gut für dich und dein Business ist und was nicht.

Wenn du also nicht aus einem Unternehmerhaushalt kommst und du eine eher unbeschwerte Kindheit hattest, macht das nichts: Mit Fleiß, Selbstreflexion und fachlicher Kenntnis kannst auch du erfolgreich sein. Diszipliniere dich einfach selbst - Tag für Tag. Das beginnt schon mit dem frühen Aufstehen .

Denn letzten Endes haben alle erfolgreichen Unternehmer mindestens eines gemeinsam: Den festen Willen, etwas zu erreichen.