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Workaway - Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Das 21. Jahrhundert gehört den digitalen Nomaden. Bewaffnet mit Laptops, Sonnenbrillen und Backpacks machen sie die Welt zu ihrem Büro und arbeiten von überall und nirgendwo. Ob in der Sonne Mexikos, an den Stränden Thailands oder in der Wüste Ägyptens: Wo immer es Zugang zu High-Speed-Internet gibt, lassen sich digitale Nomaden nieder um zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Diese Form des Arbeitens ist für Selbständige quasi wie geschaffen: Schließlich haben sie im Vergleich zu Arbeitnehmern die Möglichkeit ortsungebunden und flexibel zu arbeiten. Ideal um dabei die Chance ergreifen die Welt zu entdecken und erobern. Mehr zum Thema Digitale Nomaden inklusive der besten Spots in Europa findest du ürbigens in unserem Blog Post Die besten Nodes für Digital Nomads in Europa .

Neuer Trend: Volunteering

Ein Trend, der sich vor allem bei vielen „Langzeitreisenden“ durchgesetzt hat, ist das Reisen mit dem Prinzip der Freiwilligenarbeit zu kombinieren. Das sogenannte „Volunteering“ wendet sich dabei von der klassischen Lohnarbeit ab: Stattdessen wird gegen Unterkunft und Verpflegung gearbeitet. Volunteering bietet dabei eine Vielzahl an Vorteilen:

  • Finanzierung der Reise dadurch, dass keine Unterkunftskosten anfallen
  • Verschiedene Arbeitsmodelle, Kulturen und Menschen auf der ganzen Welt kennenlernen
  • Möglichkeit Volunteering mit der eigenen selbständigen Arbeit zu verbinden

Dabei macht es das Internet möglich sich ganz unkompliziert von zuhause einen Ort zum Volunteeren zu suchen und die eigene Reise zu planen. Denn mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Plattformen, über welche sich die „To-Be-Volunteers“ mit Projekten auf der ganzen Welt verknüpfen können.

Wie werde ich ein Volunteer?

Im Internet gibt es mehrere Portale über die sich Reisende mit sogenannten „Hosts“ auf der ganzen Welt verbinden können. Dabei haben die Portale lediglich die Aufgabe einer Schnittstelle über welche der Kontakt zwischen Reisenden und Hosts hergestellt werden kann. Eine Vermittlungsfunktion oder die tatsächliche Organisation und Planung des Freiwilligendienstes erfolgt hierbei nicht. Das Prinzip hinter den Freiwilligendiensten ist der Austausch von Arbeit gegen eine kostenlose Unterkunft und meist Verpflegung. Gearbeitet wird also nicht gegen Bezahlung. Dabei ist die Art und der Umfang der geleisteten Arbeit von Projekt zu Projekt unterschiedlich.

Sobald man sich auf einer oder mehreren der Vermittlungsplattformen registriert hat, kann ein Profil erstellt werden in dem sich selbst vorgestellt wird. Dabei wird auch das eigene Reisevorhaben sowie persönliche Interessen und berufliche Qualifizierungen vorgestellt. Anschließend kann in die riesigen Datenbanken der verschiedenen Anbieter eingetaucht werden und aktiv nach Hosts und Projekten gesucht werden. Die Profile der Hosts enthalten dabei nicht nur eine Vorstellung des Projektes, sondern bieten bereits Angaben zur Art und Umfang der Arbeit sowie Details zur Unterkunft, die gestellt wird. Gleichzeitig wird im Detail darauf eingegangen für welchen Zeitraum eine helfende Hand gesucht wird und ob dabei bestimmte berufliche Qualifikationen oder persönliche Interessen vom Vorteil sind. Bekannte und oft-genutzte Plattformen, die erfolgreich den Kontakt zwischen den beiden Parteien herstellen sind:

  • Workaway : Für eine Jahresgebühr von $34 USD können über 1000 Hosts in über 170 Ländern kontaktiert werden. Workaway hat dabei eine Übereinkunft mit den Hosts, welche festlegt, dass der Arbeitsumfang bei 4-5 Stunden/Tag bei 5 Tage/Woche liegen soll. Es finden sich Projekte aus verschiedensten Bereichen z.B. bei Hostels, auf Farmen oder bei kleineren lokalen Organisationen
  • WWOOF : WWOOF steht für „World Wide Opportunities on Organic Farms“ und der Name ist Programm. Die Organisation, die es seit den 1970ern gibt, richtet sich an alle, die Interesse daran haben bei der Arbeit auf einer Farm mitzuhelfen. Der Arbeitsumfang für Unterkunft und Verpflegung liegt dabei bei 4-6 Stunden/Tag. Anders als bei Workaway hat jedes der über 100 Länder seine eigene WWOOF-Organisation und für jede einzelne ist eine Mitgliedsgebühr notwendig. Diese liegt bei ca. $30 USD.

Finanzierung der Reise: Volunteering und die Selbständigkeit

Volunteering kann dadurch, dass unentgeltlich gearbeitet wird, sicherlich keine Reise finanzieren. Es können jedoch erhebliche Kosten eingespart werden: Denn je nach Reiseziel können die Kosten für Unterkunft und Verpflegung bereits den Großteil des Reisebudgets verbrauchen. Dadurch, dass die tägliche Arbeitszeit jedoch nur bei 4-6 Stunden am Tag bei einer normalen 5-Tage-Woche liegt, kann das Volunteering ganz einfach mit der Selbständigkeit und dem digitalen Nomadentum kombiniert werden. Somit kann die Reise zusätzlich finanziert werden, während weiterhin die Umgebung erkundet werden kann und das Urlaubsfeeling nicht ganz verloren geht. Besonders für Selbständige, bei denen das Reisen an sich im Vordergrund steht, die noch keine regelmäßigen größeren Projekte haben oder ganz einfach nur spontan nach Lust und Laune Aufträge annehmen wollen, ist Volunteering eine Option das Reisen mitzufinanzieren. Darüberhinaus bringt Freiwilligenarbeit eine Vielzahl an weiteren Vorteilen, die den „monetären Wert“ in den Hintergrund stellen.

Arbeitsmodelle, Kulturen und Menschen kennenlernen

Plattformen wie Workaway oder WWOOF verfügen über große Datenbanken mit einer Vielzahl an Projekten. Während sich die Plattform WWOOF dabei auf Freiwilligenarbeit bei organischen Farmen spezialisiert hat, bricht Workaway mit dem Klischee des „typischen Volunteer-Jobs“ als ErntehelferIn in Australien oder Neuseeland. Stattdessen gibt es bei Workaway eine Vielzahl an Volunteering-Projekten in Hotels oder Hostels bspw. an der Rezeption oder Bar, aber auch eine wachsende Anzahl an Projekten, die nach speziellen Qualifikationen fragen. So wird zunehmend nach „creative professionals“ wie Marketing-Gurus, Grafik-DesignerInnen, SEO-SpezialistInnen, BloggerInnen oder FotografInnen gesucht, die Projekte aus verschiedensten Branchen unterstützen können. Darunter befinden sich beispielsweise Unternehmen aus der Tourismusbranche, aber auch junge, dynamische Startups oder kleine, lokale NGOs. Dank Konzepten wie WWOOF oder Workaway besteht somit die Möglichkeit ein Projekt zu finden, das zu den eigenen Ansprüchen und Qualifikationen passt. Das kann bedeuten eine Auszeit von der eigentlichen Tätigkeit zuhause zunehmen und stattdessen eine komplett andere Art von Arbeit auf der anderen Seite der Welt kennenzulernen. Zeitgleich kann jedoch auch die Chance ergriffen werden in das eigene Arbeitsprofil in einem anderen Arbeitsumfeld reinzuschnuppern und z.B. einen Businessplan für ein nachhaltiges Kaffee-Startup in Kolumbien zu entwerfen oder für den Social Media Auftritt eines Hostels in Vietnam verantwortlich zu sein. Neue Arbeitsmodelle kennenzulernen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede von Arbeitsprozessen in anderen Ländern und Kulturen kennenzulernen steht dabei im Vordergrund und trägt dabei zum internationalen Austausch und lebenslangen Lernen bei.

Darüberhinaus bietet diese Form des „Volunteerings“ die Möglichkeit länger an einem Ort zu bleiben und sich somit eine Art „home away from home“ zu schaffen. So fordern viele Projekte beispielsweise eine Art Mindestaufenthalt, damit eine tatsächliche Integration in den Arbeitsalltag erfolgen kann. Es ist jedoch auch möglich nur für wenige Tage bei einem der Hosts reinzuschnuppern - dies kann immer individuell besprochen und verhandelt werden. Für alle Reisenden, die die Zeit haben länger an einem Ort und bei einem Projekt zu bleiben anstatt von Stadt zu Stadt, von Strand zu Strand und von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen, ergibt sich hier die Gelegenheit in einen Ort, die Menschen und somit die Kultur tiefer einzutauchen statt nur einen Eindruck zu bekommen. Dadurch kann sich zeitgleich auch mehr Zeit für sich selbst und eigene Freelance-Projekte genommen werden, denn es wird nichts verpasst, wenn mal ein paar Tage nichts unternommen und stattdessen gearbeitet wird.

Beim Reisen und/oder Volunteeren trifft man selbstverständlich auf eine Vielzahl von anderen Reisenden und die Chancen das darunter andere digitale Nomaden sind, stehen im 21. Jahrhundert hoch. Hieraus können sich nicht nur „Reisefreundschaften“ ergeben, sondern gleichzeitig auch networking betrieben werden und damit Kontakte geknüpft werden, die auch nach der Reise sowohl für das private als auch professionelle Leben relevant sein können. Warum der Austausch mit anderen FreelancerInnen so wichtig ist könnt ihr in diesem Blog Post lesen Schulterklopfen statt Ellenbogen - Warum der Austausch unter Freelancern so wichtig ist .

Aufgepasst: Volunteering ist kein Urlaub

Auch, wenn volunteeren an Traumstränden oder in idyllischen Kleinstädten zunächst nicht nach Arbeit klingt, sollte sich vorher stets vor Augen geführt werden, dass es sich trotz der besonderen Arbeitsbedingungen in gewisser Weise um einen Job handelt. Das bedeutet, dass die Arbeit (physisch) anstrengend sei kann, Stress dazugehören kann oder es manchmal einfach nicht nach Plan läuft und das Projekt nicht der Beschreibung oder den eigenen Vorstellung entspricht. Dies gehört zur Volunteering-Erfahrung dazu und kann immer passieren. Trotzdem ist hier Vorbereitung das A und O: Im Vorhinein sollten mit dem jeweiligen Host die gegenseitigen Erwartungen geklärt werden um zu gucken, ob diese erfüllt werden können. Dies bezieht sich nicht nur auf die Freiwilligenarbeit, sondern auch in Bezug auf die Unterkunft sowie Verpflegung, den Zugang zu High-Speed-Internet und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr - je mehr im Vorhinein kommuniziert und Erwartungen abgeglichen wurden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eine unvergessliche Freiwilligendienst-Erfahrung mitzunehmen und dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen.