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Der Traum von der Selbständigkeit - bloß wann ist der richtige Zeitpunkt?

Grundsatzentscheidung oder Bauchgefühl? Ganz egal welches dieser beiden zutrifft - für viele kommt eine berufliche Selbständigkeit nicht in Frage. Weder nach der Ausbildung noch irgendwann anders während der beruflichen Karriere. Vielleicht mangelt es an Mut oder Zuversicht, an einen sicheren Job als Unternehmer zu glauben oder einfach an der richtigen Idee. Manche sagen auch, „ich bin einfach nicht der Typ dazu, so viel Verantwortung und Risiko zu tragen. Das ist mir zu anstrengend“. So die eine Seite. „Ich mach auf jeden Fall was eigenes und werde mich nie in eine berufliche Abhängigkeit begeben“ - so die andere. Denn den Traum selbständig zu sein bzw. frei zu arbeiten, träumen viele. Verspricht er doch vor allem Freiheit, Unabhängigkeit und finanzielle Ungebundenheit. Ob sich dieser Traum immer so realisieren lässt oder zum Albtraum wird, kann niemand vorhersagen. Denn es gibt viele Faktoren, die das beeinflussen. Eine unkalkulierbare Sache eben. Viele Faktoren sollten deshalb im Vorfeld ganz klar definiert werden. Einen wollen wir heute aber besonders hervorheben: Nämlich die Frage: Gibt es den einen, richtigen Zeitpunkt, an dem man sich selbständig machen sollte?

Viele Wege führen nach Rom

Wie schon gesagt, für die Einen ist es bereits früh klar, dass der Weg ins eigene „Unternehmen“ führt. Dann ist der Zeitpunkt meist klar vorgegeben: sie gehen ohne Umwege nach der Ausbildung oder dem Studium sofort in die Selbständigkeit. Vielleicht schieben sie auch ein kurze Periode in einem festen Job ein, um etwas Erfahrung zu sammeln. Bei anderen allerdings entwickelt sich diese Idee erst im Laufe des Berufslebens. Sei es aus Unzufriedenheit heraus, dem Wunsch den Fesseln eines festen und streng geregelten Arbeitsverhältnisses zu entfliehen oder aus einer Arbeitslosigkeit heraus. Die wesentlichsten Gründe, allerdings gibt es sicherlich noch mehr. Bei all diesen Aspekten ist der Zeitpunkt variabel und je nach Voraussetzung zu sehen. Die Gründe warum und die Wege in die Selbständigkeit sind deswegen sehr verschieden. Sie werden unter anderem auch von dem Glauben gesteuert, den manche vom persönlichen beruflichen Werdegang haben und der häufig, nach der Einschätzung vieler Festen, im Angestelltenverhältnis niemals realisiert werden oder eintreffen kann.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Nach weit verbreiteter Meinung ist die Selbständigkeit ein wahres Schlaraffenland. Wie schon erwähnt, hängt ihr der Mythos von grenzenloser Freiheit und Ungebundenheit an. Setzt man hier ganz großen Interpretationsspielraum an, stimmt das zu Teilen mit der Freiheit wohl sogar. Aber wenn du jetzt gerade vor der Entscheidung stehst, egal zu welchem Zeitpunkt deines beruflichen Weges, solltest du im Vorfeld einige Dinge klären. Sich kopflos in das Abenteuer Existenzgründung zu stürzen, oder davon auszugehen, dass es wirklich nur Freiheit bedeutet - davon ist an dieser Stelle eher abzuraten. Gut, eine Portion Idealismus und Enthusiasmus gehören immer dazu, aber ebenso sind eine gute Idee, ein strukturierter Plan, ein tragfähiges Konzept oder eindeutige Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet maßgeblich am Erfolg einer Selbständigkeit beteiligt. Die eigene berufliche Existenz bedeutet eben nicht nur, ausschließlich paradiesische Zustände mit unendlich vielen Möglichkeiten, sondern es erfordert Mut, Disziplin, Verantwortung und eine gehörige Portion Risikobereitschaft. Fakt ist: Ein gewisses Maß an Idealismus ist wichtig. Ein kühler Kopf und das Schaffen klarer Fakten umso wichtiger.

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Hier ein paar Fragen, die du dir vorher selber beantworten solltest

  • Hast du eine gute Geschäftsidee bzw. ein Spezialgebiet für deine freiberufliche Tätigkeit?
  • Kannst du damit Geld verdienen?
  • Hast du Startkapital bzw. kannst anfangs deine Kosten decken?
  • Wie ist deine (familiäre) Lebenssituation?
  • Von welcher beruflichen Position aus startest du in deine Selbständigkeit?
  • Was versprichst du dir von einer Selbständigkeit?
  • Glaubst du, der Typ dafür zu sein?

Wenn du hier realistische Antworten findest und alles für eine Selbständigkeit spricht, bleibt weiter eine wichtige Frage offen: Gibt es denn nun den richtigen Zeitpunkt?

Wir nehmen die Antwort jetzt einfach mal vorweg: Nein. Den gibt es nicht. Den kann es gar nicht geben. Denn jede Lebenssituation ist anders. Jeder Mensch ist anders. Jeder definiert Arbeit und die Rolle, die sie im Leben spielt auf unterschiedliche Weise. So sind vielmehr diese Voraussetzungen in der Entscheidung bedeutend, wann es günstig wäre mit einer Existenzgründung. Wir haben hier einige für dich zusammengestellt:

Erfüllung im Beruf & in der Beziehung: Gerade die berufliche Erfüllung ist für viele ein entscheidendes Kriterium, weil sie gleichzeitig auch das private Glück damit verbinden. Das heißt beides bedingt sich in großem Maße, denn bist du in deinem Job unglücklich, leidet häufig auch die Beziehung darunter. Außerdem definiert sich die persönliche Identität sehr oft über den Beruf bzw. die Aufgabe, die man zu erfüllen hat. Bist du herausgefordert, hast du Dinge zu tun, die etwas bewirken, kannst du all deine Fähigkeiten einbringen? Der Wert der eigenen Arbeitskraft hängt für viele genau von diesen Faktoren ab. Auch deswegen kommt der Zufriedenheit im Job eine große Bedeutung zu. Gleichermaßen gelten diese Aspekte natürlich auch für den festen Job und für viele, die sich unzufrieden oder unerfüllt fühlen, ist das ein Grund, eine Festanstellung aufzugeben und sich zukünftig „frei“ auf den Weg zu machen. Oder sie glauben von vornherein, dass sie diese Erfüllung nur mit einer Selbständigkeit erreichen können. Diese Faktoren definieren zum einen, den für jeden individuell gewählten Zeitpunkt.

Familiäre Situation / familiäres Umfeld: Dies ist ein weiterer, nicht unerheblicher Aspekt, der über den Zeitpunkt einer Existenzgründung bestimmt, die immer mehr oder weniger Risiken mit sich bringt, die sich nicht leicht kalkulieren lassen. Du musst hier klar unterscheiden, ob du dich in jungen Jahren, also direkt nach deiner Ausbildung oder dem Studium, ohne Kinder und Familie selbständig machst und demzufolge nur für deinen eigenen Unterhalt arbeiten musst. Das ist sicherlich wesentlich einfacher zu bewerkstelligen als noch gleichzeitig für eine Familie mit Kindern zu sorgen. Das erfordert ein höheres Maß an Einkommen, Verantwortung und wahrscheinlich auch mehr Arbeitsaufwand. Und du bist noch mehr auf schnellen Erfolg angewiesen – egal in welchem Bereich dein Unternehmen angesiedelt ist oder ob du als Freelancer arbeitest.

Finanzielle Mittel: Einige Existenzgründungen, wie zum Beispiel ein Start als freier Texter oder ähnliches, benötigen kein oder wenig Kapital und schon gar nicht in dem Maße wie zum Beispiel die Eröffnung eines Ladens oder Restaurants dies erforderlich machen würde. Klar, zu berücksichtigen ist auch für Freiberufler immer der Aspekt, ob man die ersten Monate auch ohne zahlreiche Aufträge über die Runden kommen kann. Und auch hier gibt es den Querverweis auf deine familiäre Situation. Hast du gleichzeitig eine Familie zu ernähren, musst du das in deine Kalkulation einbeziehen. Sonst bleiben nur Kredite oder die finanzielle Absicherung von anderer Seite, um die Anfangszeit überbrücken zu können und nicht in ein finanzielles Fiasko zu geraten. Auch hier ist für den gewählten Zeitpunkt immer individuell zu beurteilen, ob man sich einen eventuell hohen Kredit schon in jungen Jahren ans Bein binden will oder regelmäßige Raten zurückzahlen muss, wenn man gerade Nachwuchs bekommen hat. In diesem Zusammenhang gibt es kein Richtig oder Falsch. Du musst dir klar werden, was du stemmen willst und kannst. Wenn du dich unsicher fühlst, empfehlen wir ein Gespräch mit einem Steuerberater. Auch gibt es viele Stellen, die gute Beratungsangebote für Existenzgründer im Portfolio haben (zum Beispiel die Agentur für Arbeit, die IHK; empfehlenswerte Seite: Existenzgruenderhilfe . Und last but not least gibt es einige Möglichkeiten für finanzielle Hilfen und Zuschüssen, die du als Existenzgründer erhalten kannst. Allerdings sind diese meist mit Bedingungen verknüpft. Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, siehe dazu auch unseren Blog Artikel Gründungszuschuss beantragen - Ein Weg in die Selbstständigkeit .

Berufserfahrung: Ob Berufserfahrung ein entscheidendes Kriterium für den Start in die Selbständigkeit ist oder nicht – kann nicht allgemeingültig beantwortet werden. Es wird genauso viele Gründe geben, die für Berufserfahrung als günstige Voraussetzung sprechen, als auch solche, die dem keine sonderliche Wichtigkeit geben. In einem festen Arbeitsverhältnis gelten ganz andere Bedingungen und Grundsätze als in der freiberuflichen Tätigkeit oder als Besitzer eines Geschäftes. Dort sind ganz andere Qualitäten gefragt und ganz andere Anforderungen werden an den Unternehmer gestellt. Du wirst in ganz anderen Bereichen gefordert sein, die in einem festen Job niemals Thema sind. Ein Aspekt, der eventuell für das Sammeln von Berufserfahrung im Vorfeld sprechen würde, wäre, dass du als Angestellter zunächst „Berufsluft“ schnuppern kannst und eventuell auch deine speziellen Fähigkeiten vertiefen kannst. Aber es gibt unzählige Möglichkeiten, von welchem festen Job du in eine Selbständigkeit wechseln kannst – manche sind fest angestellt als Masseur unterwegs und entscheiden sich, ihrem Lebenstraum folgend, ein italienisches Restaurant zu eröffnen. Ob es dann Argumente gibt, die auf zehn Jahre Berufserfahrung als Masseur als gute Voraussetzung für eine Existenzgründung sprechen, sei einmal dahin gestellt. Wie dem auch sei, vielleicht gibt es dir ein sichereres Gefühl, wenn du einige Jahre in einer Firma tätig bist und noch „reifen“ kannst. Gerade wenn du früh Abitur gemacht und dein Studium schon in jungen Jahren absolviert hast. Vielleicht bist du aber auch mit der genügenden Portion Selbstvertrauen ausgestattet und hast ein cooles Konzept – warum nicht dann sofort in die Existenzgründung starten? Den Zeitpunkt bestimmst du!

Also, den perfekte Zeitpunk – gibt es ihn nun?

Wir bleiben beim Nein. Es gibt keinen perfekt getimten Moment, um in eine Selbständigkeit zu gehen. Wie wir gesehen haben, hängt es im wesentlichen von den eigenen, individuellen Umständen ab. Wenn du dich mit der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt verrückt machst, bringt dich das kaum weiter. Denn es wird sowohl immer Gründe geben, die dafür sprechen. Als auch andere dagegen. Ich wage hier mal einen Vergleich: Auch um ein Kind zu bekommen, wird es nie den perfekten Zeitpunkt geben. Und eine eigene Existenz ist ja schließlich auch so etwas wie ein Baby, das man zur Welt bringt.

Und ganz nebenbei, selbst wenn man einen perfekten Zeitpunkt herausfinden würde, ob er letztlich der Richtige gewesen ist oder nicht – das wird man abschließend immer erst im Nachhinein wissen. Denn zu allen Plänen kommt noch das Quäntchen Leben dazu, mit ganz eigener Note und vielleicht auch unvorhergesehenen Dingen.

Fazit: Deswegen würde ich behaupten, zu einem Großteil ist die Vorbereitung und ein strukturierter Plan von immenser Bedeutung. Manchmal muss man einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen, denn alles lässt sich nicht kalkulieren. Und in manches wird man erst mit der Zeit hineinwachsen – wie bei einem Kind, das auch bei der besten Vorbereitung der Eltern jeden Tag aufs Neue eine tolle Herausforderung ist.