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Alles Wissenswerte zur Betriebsunterbrechungs-Versicherung

Der trockenste Teil gleich mal vorneweg. Denn Definitionen, zumal im Versicherungsbereich, sprühen nicht gerade vor Geist und Wortwitz. Trotzdem gibt es jetzt erst mal eine kurze Definition, zumal wenn du dich gerade fragst, was eine Betriebsunterbrechungsversicherung – allein der Name ein Zungenbrecher – überhaupt ist:

Also, die Betriebsunterbrechungsversicherung, die gern auch als Ertragsausfallversicherung bezeichnet wird (obwohl das nicht ganz korrekt ist), ist ein Oberbegriff für einige Versicherungsarten der Schadenversicherung, die einen Versicherungsschutz für Umsatzeinbußen infolge einer Betriebsunterbrechung oder Beeinträchtigung in der betrieblichen Leistungserstellung und -verwertung durch einen Schaden gewähren. 

Puhhhh, irgendwie liebe ich Definitionen, die so kompliziert klingen, dass man ab dem dritten Wort schon die Lust verliert, sich überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen. Und ich glaube, damit bin ich nicht allein. Bevor ich eine etwas vereinfachte Erklärung hinterher schiebe, möchte ich euch trotzdem noch eine weitere Definition bieten, die oben im Zusammenhang erwähnt wurde - die Schadenversicherung:

Das ist eine der beiden wichtigen Versicherungsarten neben der Summenversicherung. Oberste Regel bei der Schadenversicherung ist, dass im Versicherungsfall die Geldleistungen des Versicherungsunternehmens an den Versicherungsnehmer, rein abhängig von der konkreten Schadenhöhe bestimmt wird. Das nennt sich auch „das Prinzip der konkreten Bedarfsdeckung“. Das bedeutet, dass die Versicherungsleistung nur den durch einen Schaden entstandenen Mittelbedarf abdeckt. Weiterhin bedeutet das, dass der Versicherungsnehmer sich durch eine erfolgte Entschädigung seitens der Versicherung nicht bereichern darf (gemäß Bereicherungsverbot, vgl. § 74 VVG).

Was und für wen die Betriebsunterbrechungsversicherung gut ist

Nun die versprochene vereinfachte Erklärung: Eine Betriebsunterbrechungsversicherung ist angeraten für Selbständige und Unternehmer, die sich entweder selbst und/oder auch ihr Unternehmen vor hohen finanziellen Risiken bzw. Einbußen nach bestimmten Schadensfällen schützen möchten. Zum Beispiel im Falle eines Brandes in den Büroräumen oder des Firmengebäudes oder bei Sturm- und Wetterschäden an demselben. Zwei unterschiedliche Fälle - was allerdings beiden gemein ist: Es ist mehr als wahrscheinlich, dass du deine Tätigkeit entweder nur noch eingeschränkt oder für einen längeren Zeitraum nicht mehr beziehungsweise schlimmstenfalls überhaupt nicht mehr ausüben kannst.

Daher kommt auch der Name Betriebsunterbrechung: denn auf Grund derartiger Ereignisse ist sprichwörtlich dein laufender Betrieb unterbrochen, was für dich und dein Unternehmen existenzbedrohend sein und sehr hohe finanzielle Belastungen nach sich ziehen kann. Mit dem passenden Versicherungsschutz und einer individuell auf dich und dein Unternehmen angepassten Betriebsunterbrechungsversicherung (kurz auch BU genannt) kannst du dich für die Zeit nach einem Schadensfall aber effektiv schützen, dich finanziell absichern, um die schlimmste Phase gut zu überstehen. Es gibt verschiedene Varianten einer BU: die so genannte „kleine BU“ als Teil einer Inhaltsversicherung sowie die „große BU“ als eigenständige Versicherung. Dazu später mehr.

Da die Betriebsunterbrechungsversicherung zur Gruppe der Ertragsausfallversicherungen gehört - manchmal werden beide Begriffe nicht ganz korrekterweise auch synonym verwendet - werden „Ertragsausfälle durch Schaden“ von der Versicherung getragen, beispielsweise Fixkosten wie Miete und weitere Kosten sowie Gehälter (wenn du Arbeitnehmer beschäftigst) und die planwidrig entstandenen Gewinneinbußen durch die Betriebsunterbrechung.  

Zu beachten: Es besteht hier jeweils die Möglichkeit, nur einzelne Gefahren oder ganze Gefahrengruppen in einer Police einzuschließen. Ganz allgemein werden zur Berechnung des Versicherungsbeitrags dein Umsatz, die Mitarbeiterzahl und die Höhe deiner gezahlten Gehälter sowie der Unternehmensstandort hinzugezogen. 

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Nochmal verdeutlicht: Die Ertragsausfallversicherung kommt im Wesentlichen bei den verschiedenen Arten einer Betriebsunterbrechung zum Einsatz. Es gibt aber auch weitere/andere Ertragsausfallversicherungen wie zum Beispiel eine Veranstaltungsausfallversicherung (Entertainmentversicherung) oder eine Filmausfallversicherung. Ich hoffe, jetzt sind auch die letzten Unklarheiten, wie eine BU mit einer Ertragsausfall-Versicherung in Verbindung steht, aus der Welt geschafft. 

Kleiner Exkurs zur Inhaltsversicherung: 

Die Dinge, die zum Betriebsinhalt gehören, können durch eine spezielle Inhaltsversicherung abgesichert werden, d.h. durch die Inhaltsversicherung lassen sich alle technischen und kaufmännischen Einrichtungsgegenstände (Inventar) deines Betriebes, alle Waren, Lagerbestände und Vorräte gegen diverse Risiken versichern. Mit eingeschlossen sind Waren oder Dinge, die du Dritten (z.B. Kunden) entgegennimmst. Dazu zählen Schneidereien, Wäschereien oder Reparaturwerkstätten.

Zu den möglichen Risiken zählen hier unter anderem Einbruch, Diebstahl, Vandalismus, Wasserschäden, Feuer, Sturm, Wasser, Hagel, Blitz, Erdbeben, Erdrutsche, Überschwemmung, Schäden am Inventar oder Technik, Glasbruch, Allgefahrendeckung (= unbenannte Gefahren). Wenn du detailliertere Infos zur Inhaltsversicherung und anderen wichtigen Versicherungen lesen möchtest, schau doch mal in unseren Blog-Artikel Wie du Risiken als Selbständiger oder im eigenen Unternehmen wirksam versicherst - betriebliche Versicherungen.

Fakt: Ist der Schaden, der zu einer Betriebsunterbrechung führt, allerdings so drastisch, vergleichbar mit einem Totalschaden, oder geht eine wichtige Maschine oder komplette Anlage kaputt, die aber Voraussetzung für den korrekten Betriebsablauf ist, musst du mit schwerwiegenderen  Einschränkungen rechnen. In diesen Fällen reicht dann eine Inhaltsversicherung vielfach nicht mehr aus, da Miete, Fixkosten, entgangene Gewinne und Gehälter nur von der Betriebsunterbrechungsversicherung getragen werden. 

Welche Arten der Betriebsunterbrechungsversicherung es gibt und was du damit absichern kannst

Einige Kriterien spielen bei der BU eine entscheidende Rolle, denn es gibt einen Unterschied zwischen 1) der kleinen, 2) der mittleren und 3) der großen Betriebsunterbrechungsversicherung: 

  • zu 1): Bei der so genannten kleinen BU werden dir/deinem Unternehmen der Ertragsausfall, der durch den beeinträchtigten oder unterbrochenen Geschäftsbetrieb infolge eines Schadens  entstanden ist, ersetzt. Hier ist die BU ein Bestandteil bzw. Zusatzbaustein einer Inhaltsversicherung. Der Ertragsausfall wird allerdings nur bei Schäden übernommen, die im Vertrag auch vereinbart wurden. Durch die kleine Betriebsunterbrechungsversicherung sind also bereits alle Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm/ Hagel und Einbruchdiebstahl versichert. Und weil diese Versicherung nur bei diesen Gefahren greift, wird sie „kleine“ Betriebsunterbrechung-Versicherung, kurz Klein-BU genannt. 
  • zu 2) & 3): Möchtest du einen eigenständigen Versicherungsvertrag (also nicht Teil einer Inhaltsversicherung) mit umfassenderem Schutz und einer höheren Versicherungssumme, ist die Wahl der mittleren bzw. großen  Betriebsunterbrechungsversicherung möglich. Eine Differenzierung zwischen beiden geschieht hinsichtlich dem Versicherungsumfang und der Versicherungssumme, d.h. mit diesen beiden sind – je nach Vertrag – unter anderem auch die Kosten für Überstundenzuschläge, mutwillige Sachbeschädigung oder Schichtarbeit, die aufgrund einer Betriebsunterbrechung nötig wird, abgedeckt.
    Desweiteren, und das ist vielleicht einer der gravierendsten Unterschiede zu 1), kommt die Versicherung auch bei Schäden auf, die nicht durch die vier Gefahrenarten der Inhaltsversicherung verursacht werden (so genannte „All-Risk-Basis“). 2) und 3)  unterscheiden sich vorrangig bezüglich der Höhe der vereinbarten Versicherungssumme. 

Wie die Versicherungsleistungen einer Betriebsunterbrechungsversicherung errechnet werden

Die Höhe der Versicherungsleistung einer BU ist von der Gewinn- und Verlustrechnung für das laufende Jahr bis zum Zeitpunkt der Betriebsunterbrechung abhängig. In manchen Fällen wird sogar das vorangegangene Jahr mit eingerechnet. Grundsätzlich gilt auch hier das bereits oben erwähnte Bereicherungsverbot nach § 74 VVG: Der Versicherungsnehmer darf nach dem Versicherungsfall nicht besser gestellt sein als davor – das bedeutet, dass immer nur der tatsächliche Wert erstattet werden darf. Darüber hinaus existiert die so genannte Höchsthaftungsdauer, häufig - leicht missverständlich - auch als Haftzeit bezeichnet. Diese dauert in der Regel ein Jahr.

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Noch zwei Begriffserklärungen:

Mit Deckungssumme ist der Maximal-Betrag gemeint, für den das Versicherungsunternehmen im Schadensfall aufkommt. Die Höhe wird im Versicherungsvertrag festgelegt, in deren Summe dann Personen- und Sachschäden versichert sind. Von Versicherung zu Versicherung (und Tarif zu Tarif)  können diese Maximal-Summen in den beiden genannten Schadensarten (Person/Sache) aber variieren. 

Die Möglichkeit einer Selbstbeteiligung oder Selbstbehalt (wie bei den meisten Versicherungen) kann der Versicherte frei wählen. Das ist ein gewählter Teil-Betrag, den der Versicherte im Schadensfall selbst übernehmen wird. Die Versicherung springt erst ein, wenn die Höhe des Schadens über dem Wert der Selbstbeteiligung liegt. Aber: Liegt die Summe der Kosten durch einen Schaden unter diesem Wert, trägst du als Versicherter diese finanziellen Belastungen allein. 

Was sonst noch wichtig ist 

Die Höhe der Kosten einer Betriebsunterbrechungsversicherung wird jeweils individuell nach den persönlichen Gegebenheiten, Umständen und Anforderungen berechnet. Wichtige Kriterien sind dabei: die Höhe der Deckungssumme, welche Gefahren abgesichert werden sollen und der  Leistungsumfang des Versicherungsschutzes. Im Gegensatz zu einigen anderen Versicherungen zählt vor allem die BU zu denjeinigen Produkten, für die ein auf dich individuell zugeschnittener Vertrag wichtig ist. Deswegen ist es nicht so leicht, an dieser Stelle eine klare Aussage über die exakten Kosten einer BU zu machen – zu viele Faktoren spielen da mit rein. 

Klar ist allerdings, einige Punkte im Vertrag wirken sich senkend auf die Kosten aus: 

  • Je niedriger du die Deckungssumme ansetzt, desto niedriger ist der Versicherungsbeitrag. Führe also am besten eine exakte Bedarfsanalyse der zu versichernden Teile deines   Betriebes und der Gefahren durch – so kannst du die für dich und dein Unternehmen beste Deckungssumme auswählen
  • Auch die Höhe einer Selbstbeteiligung im Schadensfall wirkt sich minimierend auf den Versicherungsbeitrag aus. Wähle die Höhe des Selbstbehalts auf jeden Fall realistisch nach den Kriterien, die für dich möglich sind, damit du diese Summe im Schadensfall auch wirklich tragen kannst. 
  • Manche Versicherungsunternehmen geben Rabatte und Nachlässe auf die Beiträge, je länger die Laufzeit eines Vertrags gewählt wird. Das kann die Kosten zum Teil erheblich senken. Bleibe aber auch hier realistisch. Rabatte sind sicherlich attraktiv – du solltest dich aber durch zu große Nachlässe niemals zu unvernünftigen Entscheidungen hinreißen lassen.  

Ein Tipp zum Schluss: Gerade der Versicherungsmarkt in Deutschland ist rappelvoll mit Angeboten, Versicherungsunternehmen und Maklern, die sich regelmäßig mit immer noch besseren oder günstigeren Verträgen überbieten. Mitunter verliert man in diesem Dschungel ganz schön den Überblick. Wer da nicht Profi ist oder bestens im Thema steckt, fühlt sich sicher schnell überfordert. Deswegen ist es empfehlenswert, einen unabhängigen Berater zu suchen, der dich individuell und stets nur nach deinen Bedürfnissen über alles aufklärt und dir dann ein entsprechendes Angebot macht.

Traust du dir das selber zu, lohnt sich erst einmal ein Versicherungsvergleich, zum Beispiel über die entsprechenden Portale im Internet. Obwohl ich weiter oben gesagt habe, dass ein Vergleich bei der BU schwierig ist, kannst du dich über ein Portal aber vorab über die wichtigsten Kriterien informieren und einen groben Überblick über Kosten und Leistungen gewinnen. Außerdem werden vielfach, auch auf den Seiten der Versicherer, Online-Preisrechner zur Verfügung gestellt. Vor der endgültigen Entscheidung kannst du dann trotzdem noch einen Makler einschalten. Wenn dich das interessiert, findest du alles zum Thema Versicherungsmakler in unserem Blog Artikel Brauche ich als Selbständiger einen Versicherungsmakler? nachlesen. 

Fazit

Eine Betriebsunterbrechungsversicherung abzuschließen, ist im Grunde für jeden Unternehmer empfehlenswert, vor allem wenn Gebäude und Inventar vorhanden und Mitarbeiter betroffen sind. Hierbei spielt weder die Branche noch die Unternehmensgröße eine große Rolle. Aber speziell für kleinere bzw. mittlere Unternehmen ist eine Betriebsunterbrechung häufig noch schlimmer, die Folgen noch gravierender. Für welche Art einer BU du dich letztlich entscheidest und welche Versicherungs- bzw. Deckungssumme du wählst, solltest du nach eingehender Prüfung deiner Anforderungen und Gegebenheiten festlegen.