Bitcoin, Ethereum und Co.: Kryptos richtig versteuern | Kontist
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Bitcoin, Ethereum und Co.: Kryptos richtig versteuern

Marlon Thorjussen

Freelance Editor

9. Aug. 2021

Die Frage „Wo kann man Kryptowährungen kaufen?“ führt zwangsläufig zur Frage, wie Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen überhaupt versteuert werden. Diese Frage wollen wir gleich beantworten. Weiterhin gibt es hier einen Abriss davon, was Kryptowährungen eigentlich sind, wie sie im Groben funktionieren, wie du Bitcoin kaufen kannst (und natürlich andere digitale Währungen) und was zu beachten ist. 

Der Disclaimer an dieser Stelle: Der aufgeführte Text ist weder Steuer- noch Anlageberatung. Er ist rein informativer Natur. Der Autos selbst hält zum Zeitpunkt des Schreibens selbst keine Position in Kryptowährungen.

Was sind Kryptowährungen eigentlich?

Kryptowährungen sind nicht staatlich regulierte und auch nicht vom Staat ausgegebene Zahlungsmittel. Sie sind in Deutschland keine Währungen im rechtlichen Sinne. Bitcoin, Ethereum, Dogecoin und die vielen, vielen anderes Kryptos sind rechtlich eher mit Kunstgegenständen vergleichbar denn mit Geld. 

Technisch gesehen handelt es sich um digitale Einheiten. Einzelne Coins werden auch als Tokens bezeichnet. Die Besonderheit besteht in der Handhabung des Zahlungsverkehrs, des Nachweises von Besitzverhältnissen und in der Schaffung der Kryptowährungen. Hier kommen nämlich zuvorderst zwei Prinzipien zum Tragen:

- Die fehlende Kontrolle durch Institutionen: Kryptowährungen werden durch die die Währung Haltenden und Handelnden gewissermaßen kontrolliert. Zentrale Clearingstellen gibt es (anders als etwa am Aktienmarkt und bei Währungen allgemein) nicht.

- Das dezentrale Speichern: Kryptowährungen wie der Bitcoin sind untrennbar mit der Blockchain verbunden. Es handelt sich dabei – vereinfacht ausgedrückt – um eine Kette an Nachweisen der Transaktionen eines Stücks Währung. Die Blockchain wird zudem dezentral gespeichert und liefert Nachweise darüber, dass dieser eine Coin auch existiert. Die Informationen sind dabei verschlüsselt.

Selbstverständlich ist das alles etwas komplexer, aber entscheidend ist ja am Ende die Handhabung. Das Vertrauen in den Wert der digitalen Währungen wird durch die Teilnehmer am Währungssystem selbst generiert. Der Wert pro Stück ergibt sich unter anderem nach der Verfügbarkeit (die Menge an Coins pro Kryptowährung ist nicht zwingend statisch; nach oben ist die Menge teilweise begrenzt) und nach dem Handel mit der Währung selbst.

Das Erzeugen von neuen Einheiten ist etwa beim Bitcoin eine Frage der Rechenleistung von Serverfarmen. Entsprechend wird auch der Aspekt der Umweltschädlichkeit (Strom wird vielerorts unter hohen CO2-Emissionen gewonnen) etwas, das sich auf die Bewertung von Kryptowährungen auswirken kann. Zusätzlich sei erwähnt, dass Kryptos in ihrem Wert recht volatil sind. Teilweise reichen die Äußerungen gewisser Elektroautovisionäre aus, um Kursrutsche oder -steigerungen zu verursachen.

Das heißt auch: Wo die einen wirklich das Zahlungsmittel der Zukunft sehen, sehen andere ein Spekulationsvehikel. Und während das bloße Halten von Kryptowährungen steuerlich nahezu bedeutungsfrei sein kann (dazu gleich mehr), ist das aktive Handeln damit (also der Kauf und Verkauf von Kryptos) unter Umständen mit Steuern verbunden.

Der Handel mit Kryptowährungen hat also nicht zwingend etwas damit zu tun, ob man an das Konzept glaubt. Er resultiert oftmals auch einfach aus der Erwartungshaltung, dass die jeweilige Währung sich pro Einheit verteuert – weil sie mehr Menschen überzeugt oder weil sie anwendbarer wird etwa.

Zum Versteuern von Kryptowährungen musst du sie erst einmal haben

Wo kann man Kryptos kaufen? Und wie kann man Kryptowährungen kaufen? Musst du dafür verstehen, wie Kryptos funktionieren? Die Antwort auf die letzte Frage ist zumindest Nein.

Bitcoin zu kaufen, ist beispielsweise vergleichsweise einfach geworden. Was früher technisch wenig verständlich war, lässt sich heute mit wenig Aufwand lösen. Wichtig ist, insofern du selbst Kryptowährungen bei dir halten möchtest, eine Wallet. Das ist im Grunde der Aufbewahrungsort für deinen privaten Schlüssel, der es dir ermöglicht, auf den Speicherort des Coins (der wiederum im Protokoll der Währung und damit so ziemlich bei jedem Nutzer gespeichert ist) zuzugreifen.

In der Wallet ist also kein Geld, sondern eher ein Tresorschlüssel, wobei jeder wissen kann, wo dein Tresor steht. Aber keine Sorge: Insofern dir dein Schlüssel nicht abhanden kommt, kommt da keiner ran. Die Kombination aus Schlüssel und Speicherort verifiziert dich als Inhaber des Coins. Zusätzlich hat jede Wallet eine Adresse.

Kryptos können von digitalen Wallets in physische Wallets anhand der Adressen verschickt werden und können umgekehrt auch von deiner physischen Wallet an eine digitale Wallet einer Handelsplattform für Kryptowährungen geschickt werden. Wallets sind immer währungsspezifisch.

Das ganze Thema Kryto-Wallet ist natürlich noch etwas komplexer. Wichtig ist: Niemals gebrauchte Hardware-Wallets kaufen, da diese manipuliert sein könnten. Und außerdem könnte es sinnvoll sein, auf eine Offline-Wallet zu setzen (beispielsweise in Form eines Datenträgers, der bei Nichtgebrauch nicht am Computer ist.)

Mit einer Wallet kannst du Kryptos direkt über verschiedene Plattformen handeln. Die Bezahlung wird zumeist über ein angebundenes Girokonto erledigt. Weit häufiger (und einfacher) ist jedoch der Kryptohandel über Broker. Hier sind beispielsweise Coinbase, Bitpanda und eToro zu nennen, aber es kommen immer mehr Online-Broker hinzu, die ihr Angebot auch für Krypto-Interessierte ausweiten. Hier ist die Wallet dann digital und weniger umständlich. Im Grunde ist der Handel von Kryptos über solche Anbieter kaum noch vom gewöhnlichen Börsenhandel zu unterscheiden. 

Wenn du Kryptos kaufst, zahlst du in der Regel eine Gebühr. Bei Direkthandelsplattformen wird diese oftmals zwischen Käufer und Verkäufer geteilt, bei anderen Anbietern gestaltet sich dies unterschiedlich. Die Gebühr ist zumeist ein kleiner Bruchteil der Transaktionssumme.

Wie man Kryptowährungen versteuert

Versteuert wird, was dein Einkommen erhöht. Diese einfache Wahrheit gilt auch beim Handel mit Kryptowährungen. Zuerst einmal sei erwähnt, dass es hier zwei Dinge gibt, auf die es sich zu achten lohnt: Erstens sind Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften (genau das ist der Kryptohandel) nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Das heißt, wenn du am 20. März 2020 einen Bitcoin gekauft hast (circa 5.600 Euro) und ihn am 20. März 2021 verkauft hast (48.600 Euro), dann hast du dich sehr, sehr gefreut. Ansonsten erfolgt die Besteuerung von Gewinnen aus Kryptowährungen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz. 

Die zweite Wichtigkeit bezieht sich auf eine Freigrenze. Die Freigrenze für private Veräußerungsgeschäfte beträgt 600 Euro. Das heißt, wenn alle deine Gewinne aus solchen Geschäften weniger als 600 Euro binnen eines Jahres betragen, sind sie steuerfrei. Ab 601 Euro wird allerdings alles steuerpflichtig. Das liegt daran, dass es sich um eine Freigrenze handelt und nicht um einen Freibetrag – denn hier wird nur alles darüber hinaus besteuert. 

Merke: Gewinne durch Kryptowährungshandel sind mit dem Einkommensteuersatz zu versteuern, wenn sie nicht mindestens ein Jahr nach Anschaffung der Währung getätigt wurden und insgesamt mehr als 600 Euro (wobei sonstige private Veräußerungsgeschäfte mitzuzählen sind) betragen. 

Wie werden Verluste aus dem Kryptohandel versteuert?

Tatsächlich lassen sich Verluste aus dem Handel mit Kryptowährungen steuerlich immerhin noch etwas nutzen. Die Bedingung ist zuerst, dass der Verlust realisiert wurde, das heißt, du musst wirklich mit Verlust verkauft haben und dies nachweisen können. 

Dann hast du zwei Optionen:

- einen Verlustvortrag bilden: Verlust wird mit zukünftigen Gewinnen verrechnet

- den Verlust mit dem Vorjahresgewinn verrechnen lassen und damit den Gewinn schmälern und Steuern zurückerstattet bekommen

Auf Kryptos basierende Finanzprodukte richtig versteuern

Während der Handel mit Kryptowährungen im klassischen Sinne (also der Handel mit den wirklichen Coins) ein privates Veräußerungsgeschäft ist, fällt der Handel mit beispielsweise Zertifikaten auf bestimmte Kryptowährungen in den Einflussbereich der Kapitalertragssteuer. Die Kapitalertragssteuer ist das System, das Zinsgewinne, Dividenden, Aktiengewinne und ähnliches versteuert. Es handelt sich um ein vergleichsweise einfaches System, da die Faustregel lautet: 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Es gibt eben auch eine ganze Reihe an Finanzprodukten, mit denen du zwar von der Wertentwicklung bestimmter Kryptowährungen profitieren kannst, selbst aber gar keine Coins besitzt. Dies ist etwa bei Zertifikaten der Fall, die (oftmals gehebelt) die Wertentwicklung einer bestimmten Sache (etwa des Bitcoin) abbilden.

Diese Zertifikate können sehr unterschiedlich konstruiert sein und insgesamt ist der Zertifikate-Handel nicht das, was Börsenneulinge oder Krypto-Interessierte zuerst angehen sollten. Es sei der Vollständigkeit halber aber erwähnt. Genau so verhält es sich auch mit Gewinnen aus CFDs mit Krypto-Bezug und anderen Finanzprodukten, denen nicht tatsächlich Kryptowährungen zugrunde liegen, sondern die im Grunde Derivate sind. 

Ausnahmen bilden Krypto-ETN, die im Grunde Anteile eines tatsächlich vorhandenen Korbs aus Kryptowährungseinheiten sind. Hier wird in Deutschland derzeit diskutiert, ob diese nicht wie mit physischem Gold hinterlegte ETC behandelt werden sollten: Dies würde bedeuten, dass auch hier wieder die Freigrenze von 600 Euro sowie die Regelung, dass Gewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sind, greifen. 

Fazit:

Der Handel mit Kryptowährungen ist dank entsprechender Apps auch für Laien möglich. Die Besteuerung ist eigentlich simpel und verlangt nur, dass du dir darüber im Klaren bist, dass kurzfristiger Handel mit Gewinn zu Steuern führen kann, während das bloße Halten von Kryptos erst einmal kostenfrei ist. Der Handel mit Kryptowährungen wird genauso gehandhabt wie der mit Gold und anderen Vermögenswerten. Der Gewinn aus Finanzprodukten, die lediglich auf der Wertentwicklung einer digitalen Währung basieren (Derivate), wird hingegen mit der Kapitalertragssteuer versteuert.