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Erwerbsminderungsrente und was man dabei beachten muss

Erwerbsminderungsrente als Selbstst√§ndiger ‚Äď was du beachten solltest

Selbstständige sind in der Regel optimistisch veranlagt und konzentrieren sich auf Chancen und Potentiale. Kein Wunder, schließlich braucht man viel Mut, Kreativität und einen frischen Geist, um den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen und Erfolg zu haben - notorische Schwarzseher werden wohl eher Angestellte oder Beamte.

Das ist grunds√§tzlich eine tolle Charaktereigenschaft und du solltest sie dir auch unbedingt erhalten. Allerdings l√§ufst du Gefahr, einige Risiken zu √ľbersehen, denen wir alle ausgesetzt sind.

Wusstest du, dass jeder vierte bis jeder dritte Deutsche berufsunf√§hig wird? Fast jeder Dritte ist im Laufe seines Lebens nicht mehr in der Lage seinen Beruf auszu√ľben und ist auf Zahlungen aus der Erwerbsminderungsrente oder Berufsunf√§higkeitsversicherung angewiesen.

Vor einem solch hohen Risiko solltest du nicht die Augen verschlie√üen und dich fr√ľhzeitig informieren. Dieser Artikel soll dir dabei helfen, das Thema Erwerbsminderungsrente etwas besser zu verstehen. Das Ziel ist es, dass du am Ende einen ersten √úberblick hast und dein pers√∂nliches Risiko besser einsch√§tzen kannst.

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Wie funktioniert die Erwerbsminderungsrente?

Erwerbsminderungsrente erhält man in Deutschland, wenn man nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten und seinen Lebensunterhalt mit seiner Arbeitskraft zu bestreiten. Es kann immer passieren, dass du durch einen schweren Unfall oder eine Erkrankung nicht mehr arbeiten kannst. In diesen Fällen springt die gesetzliche Rentenversicherung ein und zahlt eine sogenannte Erwerbsminderungsrente.

Wenn du voraussichtlich sechs Monate aus gesundheitlichen Gr√ľnden nicht mehr arbeiten kannst, kommt die Rentenversicherung ins Spiel und du bekommst unter Umst√§nden Erwerbsminderungsrente. Festgestellt wird die Berufsunf√§higkeit von einem Amtsarzt der deutschen Rentenversicherung.

Doch nicht jeder Arbeitsunf√§hige bekommt auch Erwerbsminderungsrente. Die Zahlungen der Rentenversicherung sind an folgende Voraussetzungen gekn√ľpft:

  1. Du kannst maximal sechs Stunden täglich arbeiten
  2. Du hast insgesamt mindestens f√ľnf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt
  3. In den letzten f√ľnf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung hast du mindestens drei Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt

T√§gliche Arbeitszeit : Wenn du vor 1961 geboren bist, reicht es, wenn du deinen erlernten Beruf (oder einen gleichwertigen Beruf) nicht mehr aus√ľben kannst. Alle J√ľngeren haben es deutlich schwerer, da sie die Erwerbsminderungsrente erst bekommen, wenn sie gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, irgendeiner T√§tigkeit nachzugehen.

Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist es fast immer m√∂glich, einige Stunden pro Tag Akten zu kopieren, Nachtschichten im Parkhaus zu √ľbernehmen oder im Call-Center zu arbeiten. Die Arbeit muss also nichts mit deinem eigentlichen Beruf zu tun haben, auch deine Qualifikationen oder dein aktuelles Gehaltsniveau werden nicht ber√ľcksichtigt.

Beitr√§ge in die gesetzliche Rentenversicherung : Dieser Punkt wiegt f√ľr Selbst√§ndige noch viel schwerer als die erzwungene berufliche Neuorientierung. Die wenigsten sind in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert, weshalb Selbst√§ndige Punkt 2 und 3 nur in Ausnahmef√§llen erf√ľllen.

Achtung : Als Berufseinsteiger hast du keine Chance auf eine Erwerbsminderungsrente, da du noch keine f√ľnf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hast. Wenn du dich also noch in den ersten Berufsjahren befindest oder direkt nach der Uni gegr√ľndet hast, gibt es f√ľr dich keine Erwerbsminderungsrente.

Befristung der Rentenzahlung

Die Erwerbsminderungsrente wird normalerweise nicht unbefristet gew√§hrt. In der Regel ist die Zahlung auf drei Jahre befristet. Wenn sich dein Gesundheitszustand in dieser Zeit gebessert hat, wird die Erwerbsminderungsrente entweder um die H√§lfte gek√ľrzt oder vollst√§ndig eingestellt.

Maximal kannst du die Rente bis zur Regelaltersgrenze erhalten, da du ab diesem Zeitpunkt die normale Altersrente erhältst.

Höhe der Erwerbsminderungsrente

Solltest du gen√ľgend Rentenversicherungsbeitr√§ge gezahlt haben und dazu nicht in der Lage sein mindestens sechs Stunden pro Tag einer Arbeit nachzugehen, bekommst du eine Erwerbsminderungsrente.

Doch nicht alle erhalten den vollen Rentenbetrag:

  • Volle Erwerbsminderungsrente ‚Äď Die volle Erwerbsminderungsrente erh√§ltst du, wenn du gesundheitlich nicht mehr in der Lage bist, mehr als drei Stunden t√§glich zu arbeiten.
  • Halbe Erwerbsminderungsrente ‚Äď Wenn du in der Lage bist, t√§glich drei bis sechs Stunden zu arbeiten, steht dir die halbe Erwerbsminderungsrente zu.

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente ist abhängig von deinem Einkommen und von den individuellen Versicherungsjahren. Laut der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Rentenhöhe bei voller Erwerbsminderung 2014 bei ca. 719 Euro pro Monat.

Normalerweise liegt die Rente bei knapp einem Drittel des letzten Bruttogehalts.

Wenn ein Angestellter bisher also ca. 1.500 Euro pro Monat ausgezahlt bekommen hat, entspricht das etwa einem Bruttogehalt von 2.300 Euro. Die monatliche Erwerbsminderungsrente liegt dann etwa bei 690 Euro.

Allerdings wird die volle Erwerbsminderungsrente meist nicht gewährt, da fast jeder gesundheitlich in der Lage ist, mindestens drei Stunden täglich einer Tätigkeit nachzugehen. Viel häufiger ist deshalb die halbe Erwerbsminderungsrente, bei der man nach einem Bruttogehalt von etwa 2.300 Euro noch etwa 345 Euro Rente erhält.

Achtung : Von dieser Erwerbsminderungsrente musst du noch deine Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung zahlen.

Nebenjob neben der Erwerbsminderungsrente

Neben der Erwerbsminderungsrente darfst du (selbstverständlich) nicht ohne Grenzen hinzuverdienen. Schließlich bekommst du die Rente, weil du gesundheitlich nicht in der Lage bist zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Wie viel du konkret verdienen darfst, ist sehr von deiner individuellen Situation abh√§ngig. Bei voller Erwerbsminderungsrente solltest du grunds√§tzlich immer bis zu 450 Euro pro Monat verdienen d√ľrfen, ohne mit K√ľrzungen der Rente rechnen zu m√ľssen. Verdienst du mehr als 450 Euro kommt es auf dein pers√∂nliches Leistungsverm√∂gen und die Gr√ľnde an, warum du die Rente erh√§ltst. Unter Umst√§nden wird die Rente dann in eine halbe Erwerbsminderungsrente ge√§ndert.

Solltest du eine halbe Erwerbsminderungsrente erhalten, gilt eine deutlich h√∂here Hinzuverdienstgrenze, die f√ľr dich individuell bestimmt wird. Den ersten Grenzwert findest du auf deinem Rentenbescheid. Da sich die Grenze aber mit der Zeit ver√§ndert, solltest du regelm√§√üig bei der Rentenversicherung nachfragen, wie der aktuelle Wert ist.

Deine Möglichkeiten als Selbständiger

F√ľr Selbst√§ndige sieht es d√ľster aus und du solltest nicht den Fehler machen, dich auf den Staat zu verlassen. Deine Arbeitskraft und deine Gesundheit sind das Wertvollste, was du besitzt und sind in der Regel unzureichend abgesichert.

Die meisten Selbständigen haben keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, da sie nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Solltest du zu den Ausnahmen geh√∂ren und Anspruch auf die Rente haben, wirst du gro√üe Einkommenseinbu√üen hinnehmen m√ľssen. Da du fast immer noch drei Stunden pro Tag irgendeiner T√§tigkeit nachgehen kannst, wirst du voraussichtlich nur die halbe Erwerbsminderungsrente bekommen, die etwa 15% deines bisherigen Einkommens entspricht. Davon wirst du nicht leben k√∂nnen.

Die L√∂sung k√∂nnte eine private Berufsunf√§higkeitsversicherung sein, die √ľbrigens auch vom Verbraucherschutz zu den wichtigsten Versicherungen gez√§hlt wird. Die Berufsunf√§higkeitsversicherung funktioniert im Wesentlichen sehr √§hnlich wie die Erwerbsminderungsrente mit dem Unterschied, dass du entscheiden kannst, wie viel deines Einkommens du absichern m√∂chtest und dass du nicht von der gesetzlichen Rentenversicherung abh√§ngig bist.

Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen

F√ľr Selbst√§ndige ist eine Berufsunf√§higkeitsversicherung absolut empfehlenswert, da Freelancer, Unternehmer und Co. in der Regel nicht so stark im System der deutschen Sozialversicherungen verankert sind.

Doch nicht alle Berufsunfähigkeitsversicherungen sind gleich und es gibt einige Punkte, auf die du achten solltest, bevor du einen Vertrag unterschreibst.

  1. Der Versicherer muss auf die abstrakte Verweisung verzichten - Abstrakte Verweisung bedeutet, dass das Versicherungsunternehmen von dir verlangen kann, dass du in einem anderen Beruf t√§tig wirst. Dieser Beruf muss nichts mit deinen Qualifikationen und deiner aktuellen Gehaltsstufe zu tun haben. Dieses Vorgehen, das bei der Erwerbsminderungsrente √ľblich ist, kannst du bei einer Berufsunf√§higkeitsversicherung explizit ausschlie√üen.
  2. Es sollte eine klar definierte Umorganisationsklausel vereinbart sein ‚Äď Die Versicherer k√∂nnen von dir verlangen, dass du deinen Betrieb umorganisierst, um auch weiterhin als Selbst√§ndiger arbeiten zu k√∂nnen (z.B. Heimarbeitsplatz, rollstuhlgerechte B√ľros etc.). Diese Umorganisation ist in der Regel mit Kosten verbunden, die du selbst tragen musst. Du solltest darauf achten, dass hier ein ganz konkreter Betrag genannt wird, damit der Versicherer sp√§ter keine zu hohen Investitionen verlangen kann.
  3. Die Prozessquote und die Prozessh√§ufigkeit des Versicherers sollten nicht zu hoch sein ‚Äď Bevor du einen Vertrag abschlie√üt, solltest du dich informieren, wie h√§ufig gegen das Versicherungsunternehmen wegen verweigerter Zahlungen geklagt wird und wie h√§ufig der Versicherer die Zahlungen zu Unrecht verweigert hat. So kannst du schon im Voraus pr√ľfen, wie gut die Zahlungsmoral des Versicherungsunternehmens ist.
  4. Die Versicherungsleistung sollte auch bei Fahrlässigkeit gezahlt werden.
  5. Die Versicherungsleistung sollte ab einer Berufsunfähigkeit von 50% gezahlt werden.
  6. Die Versicherungsleistung sollte ab dem ersten Monat gezahlt werden.

Um eine Versicherung abzuschlie√üen, solltest du verschiedene Angebote miteinander vergleichen und dir am besten von mehreren Versicherungen Angebote machen lassen. Neben dem Internet kann dir auch ein unabh√§ngiger Versicherungsberater dabei helfen, den g√ľnstigsten Tarif zu finden.