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Bei Geld hört die Freundschaft auf - warum auch Freunde bezahlen müssen

Kleine Freundschaftsdienste sind normal. Schließlich hilft man sich unter Freunden gerne. Arbeitet man jedoch in einem kreativen Beruf und ist ein sogenannter „Kopf-Arbeiter“, wird aus der Hilfe beim Umzug oder dem Babysitten der Katze schnell der nächste Auftrag – nur ohne Bezahlung. Wann gehen Freundschaftsdienste zu weit und wie sagt man das seinem Gegenüber, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen?

Schreib doch mal schnell ein paar Sätze

„Du bist Texterin? Dann kannst du doch auch mal schnell ein paar Sätze für meine Homepage schreiben!“ Diesen Satz habe ich schon öfter gehört. Nachgekommen bin ich der versteckten Bitte – oder eher offenen Forderung - aber nur selten. Denn schließlich möchte und muss ich mit meiner Arbeit Geld verdienen.

Dennoch erwarten Freunde oder Bekannte von Kreativen öfter, dass man ihnen die eigenen Dienste kostenlos zur Verfügung stellt. Der Grafiker kann ja sicher mal schnell die Geburtstagskarte gestalten, die Modedesignerin näht natürlich gerne Kleider für jede einzelne Person in ihrem Freundeskreis und die Texterin ist die persönliche Redenschreiberin für jede Gelegenheit.

Dabei würden wir von unserem befreundeten Fliesenleger doch auch nicht erwarten, dass er an seinem freien Tag völlig unbezahlt für uns schuftet. Oder besser gesagt: echte Freunde würden doch wollen, dass wir mit unserer Arbeit auch etwas verdienen, oder nicht?

Auch der Kopf ist ein Handwerk

Hinzu kommt, dass Menschen, die mit ihrem Kopf und nicht mit ihren Händen arbeiten, oftmals schwere Arbeit abgesprochen wird. Wer den ganzen Tag nur vor dem PC sitzt, kann ja schließlich abends nicht so müde sein wie eine Verkäuferin, die ihre neun-Stunden-Schicht im Laden größtenteils stehend und laufend verbringt.

Dass kreative Arbeit anstrengend ist und PC-Arbeit genauso Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat, wird dabei oft vergessen. Tatsächlich sind Selbstständige, die ihr Geld mit ihrer eigenen Kreativität verdienen, oft einem großen Druck ausgesetzt. Denn wenn ihnen nicht die nächste tolle Idee einfällt, bleibt die Bezahlung aus. Und der Weg hin zum kreativen Erguss ist oft von langen Tagen und Nächten gesäumt, die weit über geregelte Arbeitszeiten hinausgeht. Schließlich kann der Kopf von überall arbeiten.

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„Du bist ja eh den ganzen Tag nur auf Facebook“

Dabei gibt es Berufsgruppen, die es schwerer haben, als andere, für ihre Arbeit ernst genommen zu werden und ihre Leistung anerkannt zu bekommen. So gut wie jeder Mensch, der sich beruflich mit Social Media auseinandersetzt, hat wahrscheinlich schon das ein oder andere Mal gehört, wie beneidenswert sein Job doch wäre, schließlich sei man ja „den ganzen Tag nur auf Facebook“. Dabei werden die komplexen und vielfältigen Aufgabenbereiche eines Social Media Experten auf die eigenen Erfahrungen mit den Plattformen reduziert.

1,9 Milliarden aktive Nutzer weltweit hat Facebook im vergangenen Jahr gemeldet. Davon werden sich zwar nur die wenigsten intensiv beruflich mit der Plattform auseinandersetzen, jedoch hat jeder dieser 1,9 Milliarden Menschen die Benutzeroberfläche von Facebook schon mal gesehen und höchstwahrscheinlich auch schon mal ein Posting abgesetzt. Das führt oft dazu, dass auch die Nutzer, die sich nicht tagtäglich mit der Kommunikation auf Facebook und der Auswertung von Zahlen und KPIs beschäftigen, meinen, sie hätten das Medium durchschaut, weil sie selbst in ihrem eigenen Alltag damit hin und wieder zu tun haben.

Dieses Phänomen trifft nicht nur auf den Social Media Manager zu. Sobald ein Aspekt der professionellen Arbeit etwas betrifft, was mehrere Menschen in ihrem täglichen Leben begleitet, wird aus passiven Konsumenten schnell ein Experte und die Arbeit als solche kann ja gar nicht so schwer sein.

Wertschätzung

Wertschätzung im Job ist wichtig. So wichtig sogar, dass bei einer repräsentativen Umfrage der Manpowergroup zur Jobzufriedenheit 49% der Befragten angegeben haben, dass das Aussprechen von Wertschätzung die für sie wichtigste Verhaltensweise ist, um ihre eigene Zufriedenheit zu steigern. Auch, wenn man als Selbstständiger keinen Vorgesetzten mehr hat, ist das Anerkennen der eigenen Leistung ein wichtiger Punkt, um die Motivation und Zufriedenheit mit dem Beruf zu fördern.

Wenn der eigene Freundeskreis nun aber deutlich zu verstehen gibt, dass die eigene Leistung für sie kostenlos sein sollte, hat das nicht mehr viel mit Wertschätzung für die Zeit und das Können, das in die Arbeit fließt, zu tun. Das ist insbesondere dann umso verletzender, wenn uns die Freunde bei der schwierigen Entscheidung, sichere Angestelltenverhältnisse aufzugeben und unseren Traum von selbstbestimmter Arbeit zu verwirklichen, begleitet und somit vielleicht sogar miterlebt haben, wie viel Arbeit allein der Weg zur Gründung eines eigenen Unternehmens ist.

Der lange Weg in die Selbstständigkeit

Schließlich machen sich nur die wenigsten Menschen völlig alleine selbstständig. Natürlich, auf dem Papier sind wir oft ein Ein-Mann-Unternehmen, doch bis wir dahin kommen, uns Selbstständig oder auch Freelancer nennen zu dürfen, haben wir sicher schon die ein oder andere Krise durchlebt, Träne verdrückt und Zweifel gehabt. Dabei ist es wichtig, einen Freundes- und Familienkreis oder einen Partner zu haben, der uns unterstützt und wiederaufbaut, wenn unser großer Traum zu platzen droht oder die vielen Formalitäten und bürokratischen Aufwände die Zeit klauen, die eigentlich für den Aufbau der eigenen Existenz so wichtig wäre.

Wer also den Weg von einer Idee zu einem handfesten Businessplan schon mal mitgemacht hat, wenn auch nur aus zweiter Reihe und beratend zur Seite stehend, der weiß, wie viel Arbeit da drin steckt. Viele Stunden, in denen man sich mit Steuerrecht, Versicherung, Abrechnungen und Rechtsverordnungen auseinandersetzen muss, noch bevor man überhaupt mit dem angefangen hat, weswegen man das ganze erst macht.

Aller Anfang ist schwer

Man sagt, dass es bis zu drei Jahre dauern kann, bis man sich als Freelancer etabliert hat. Das erste Jahr ist für das Gewinnen von Kunden und dem generellen Bekanntmachen des eigenen Könnens oder der angebotenen Dienstleistung. Das zweite Jahr ist oftmals weitaus schwieriger, weil erstmalige Kunden wegfallen können und man eine Balance zwischen der Pflege von guten Bestandskunden, aber auch der konstanten Akquise finden muss.

Gerade in dieser so wichtigen Anfangszeit sind viele Selbstständige noch bereit, kleinere Arbeiten auch kostenlos für Freunde durchzuführen. Die anfängliche Euphorie, jetzt der eigene Chef zu sein, und natürlich auch noch die Unerfahrenheit beim Einteilen der eigenen Ressourcen können dazu führen, dass gewinnbringende Aufträge und Freundschaftsdienste mit gleicher oder zumindest ähnlicher Priorität gehandhabt werden.

Hierbei muss man sich selbst disziplinieren und verstehen, dass Arbeitszeit gleichbedeutend mit dem eigenen Gewinn ist. Denn auch wenn gerade kein Auftrag eines zahlenden Kunden aussteht, sollte die dadurch freie Zeit für die Investition in die eigene berufliche Zukunft gesehen werden – sei es durch das Besuchen von Veranstaltungen, um zu Netzwerken und potentielle neue Kunden zu gewinnen oder durch die eigene Weiterbildung oder Realisation von Nebenprojekten. Auch wenn dadurch zuerst kein Geld eingespielt wird, ist es eine langfristige Anlage in das eigene Business. Nutzen wir diese Zeit jedoch, um Arbeiten für Freunde oder Bekannte durchzuführen, werden wir in keiner Weise entlohnt - weder finanziell, noch durch die Option auf weitere Aufträge.

Auch Freundschaft hat einen Preis

Gerade dann, wenn der Freundeskreis den langen und mühseligen Weg in die eigene Selbstständigkeit aus erster Hand mitbekommen hat, sollte die Bereitschaft, für die eigene Dienstleistung zu zahlen, eigentlich vorhanden sein. Falls trotz alledem erwartet wird, dass die Preisliste nur dann gilt, wenn man sich nicht kennt, ist es Zeit für ein Gespräch unter Freunden. Denn auch wenn Geld oft ein Tabu-Thema ist, kann es gerade in diesem Falle die einzige Lösung sein, die Erwartungen zu senken und mehr Verständnis für die eigene Situation zu schaffen. Oft hilft es bereits, wenn man dem Freund, der kostenlose Services erwartet, die eigene Kostenübersicht einmal offenlegt. Denn letztendlich nehmen Selbstständige nicht eins zu eins den Betrag unten auf der Rechnung mit nach Hause. Davon sind neben Steuern und Versicherungen auch die fixen Lebenshaltungskosten wie beispielsweise auch die Miete abzuziehen. Dort hinzu kommen feste Ausgaben für das eigene Gewerbe. Dazu können Mietpreise für Büroräume, Lohnkosten für Mitarbeiter aber auch das Gehalt für den Steuerberater zählen. Auch Hard- und Software muss man als Selbstständiger aus der eigenen Tasche bezahlen.

Zusätzlich darf bei alledem nicht vergessen werden, dass diese Übersicht zu den Einnahmen auf einer geschätzten Hochrechnung basiert. Als Selbstständiger ist man von der eigenen Auftragslage und Auslastung abhängig – und die kann sich manchmal sehr schnell verändern. Freunde, die in einer festen Anstellung ihr geregeltes Gehalt bekommen, kann es vielleicht nicht bewusst sein, dass man als Freelancer klug kalkulieren und seine finanzielle Lage immer wieder neu evaluieren sollte, um nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen.

Und auch die Zeit, die man vielleicht nicht mit der eigentlichen Arbeit verbringt, ist nicht umsonst. Neue Kunden wollen gewonnen, Rechnungen geschrieben und die Bücher adäquat geführt werden. Das kostet Zeit, in der man eben nicht an gewinnbringenden Aufträgen und bestehenden Kunden arbeiten kann. Auch diese unbezahlte Zeit sollte bestenfalls in die Preisstruktur miteingerechnet werden.

Dieser offene Prozess führt hoffentlich dazu, dass man auf mehr Verständnis dafür trifft, dass man seine Services und insbesondere seine Zeit nicht unbezahlt zur Verfügung stellen kann. Und wenn auch diese handfesten Argumente immer noch nicht greifen, ist es vielleicht an der Zeit sich zu überlegen, ob diese Freundschaft auf Dauer funktionieren kann.