Geldanlage: Über ETFs, Sparpläne und deine Möglichkeiten, AnlegerIn zu werden | Kontist
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Geldanlage: Über ETFs, Sparpläne und deine Möglichkeiten, AnlegerIn zu werden

Annemarie Cornus

Freelance Editor

26. Nov. 2020

Wertpapier-Sparplan, ETF & gemanagte Fonds

Was mache ich mit meinem Geld? Wie lege ich es an? Habe ich Vermögen, von dem ich nichts weiß? Und ab welchem monatlichen Betrag lohnt sich das Sparen überhaupt? 

Grundsätzlich lässt sich sagen: Jeder kann sparen. Und sollte es auch. Wer sein Geld mit Verstand anlegt, wirkt dem Wertverlust entgegen und kann sich mit den Jahren über einen beträchtlichen Zugewinn an Vermögen erfreuen. Doch wo fängst du am besten an?

In diesem Blogartikel erfährst du, wie du langfristig ein Vermögen aufbauen kannst und was du dabei berücksichtigen solltest.

Welchen Broker sollte ich wählen?

Damit du in Aktien und Fonds investieren kannst, brauchst du ein Wertpapierdepot. Das kannst du bei einer Bank oder einem Online-Broker eröffnen.

Online-Broker wie Smartbroker oder Trade Republic sind noch recht neu am Markt - und erleben bereits jetzt einen regelrechten Run. Ihr großer Vorteil gegenüber anderen Brokern sind ihre niedrigen Gebühren. In der Regel fallen keine Orderprovisionen und keine Depot-Gebühren an.

Wichtig: Einige dieser Gratis-Broker kannst du nur über eine App verwalten. Manchen AnlegerInnen ist das zu unübersichtlich. Für andere ist die App-Ansicht komplett ausreichend. Welcher Weg für dich der Beste ist, musst du entscheiden.

Vergleichen lohnt sich. Wähle einen Anbieter, dem du vertraust, und dessen Gebühren nicht deinen möglichen Gewinn auffressen.

Immobilien, Aktien, ETFs: In was sollte ich investieren?

Welche Anlagestrategie für dich die Richtige ist, kannst nur du entscheiden. Manche Anlegerinnen schwören auf Immobilien, andere auf Gold. Und wer sich in der Kunstwelt auskennt, handelt mit Gemälden.

Wir wollen uns an dieser Stelle auf den Vermögensaufbau mit Hilfe von Wertpapieren konzentrieren. 

ETFs

Für eine langfristige Investitionsstrategie und Vermögensaufbau empfiehlt die deutsche Finanzexpertin und Bloggerin Natascha Wegelin den Kauf von ETFs. Der große Vorteil im Vergleich zu Immobilien: ETFs kannst du jederzeit problemlos verkaufen. Ein Haus nicht. Ein zweites großes Plus: Bereits ab 25 Euro pro Monat lässt sich in ETFs investieren. Eine kleine Summe mit großem Impact.

Anmerkung: Kürzlich habe ich eine E-Mail der ING-DiBa erhalten, in der sparen mit ETFs ab 1 Euro pro Monat beworben wurde. Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Studentinnen und Studenten. In ETFs zu investieren ist also auch mit geringeren Summen möglich. Doch als Faustregel gilt: Ab 25 Euro im Monat lohnt es sich.

Doch was sind ETFs überhaupt? Exchange Traded Funds sind börsengehandelte Fonds, die - mit geringen Abweichungen - einen Index abbilden. Solche Indizes sind etwa der DAX oder der Weltaktienindex MSCI World. 

Mit einem ETF kannst du außerdem entscheiden, in welche Bereiche du investierst. So gibt es nicht nur Indizes-ETFs, sondern auch Rohstoff-, Branchen- und Länder-ETFs.  

Deine Vorteile beim Handel mit ETFs: Du streust dein Risiko (weil du nicht nur in ein Unternehmen investierst), du hast kein Emittentenrisiko und ETFs sind im Vergleich zu Investmentfonds meist günstiger, da sie passiv gehandelt werden.

Wenn du als Anlegerin langfristig denkst und investierst, ist die Zeit auf deiner Seite. Je früher du in ETFs investierst, desto größer dein Erfolg. Warum? Die Zeit ist ein entscheidender Faktor. Der Zinseszins wächst mit den Jahren mehr und mehr. Exponentielles Wachstum findet statt. Fazit: Ein langfristig großer Vermögensaufbau.

Keine Angst vor Krisen!

In Krisenzeiten Panik bekommen und Wertpapiere verkaufen? Bitte nicht. Krisenzeiten sind Chancen! Die Aktien sind unten. Die Preise ebenfalls. Deine Chance, mehr Anteile an einem Unternehmen oder ETF für das gleiche Geld zu bekommen.

Aktienfonds

Aktienfonds werden aktiv gemanagt. Während ein ETF automatisch agiert, trifft im Fall von Aktienfonds das Management für dich aktiv eine Entscheidung, ob eine Aktie gekauft wird, oder nicht. Dabei werden Fragen wie “Welche Unternehmen könnten im aktuellen Markttrend funktionieren?” und andere Faktoren berücksichtigt. 

Vorteile des aktiv gemanagten Aktienfonds: Er kann Cash halten und dir unter Umständen eine höhere Rendite bringen, als der passiv gemanagte ETF. Allerdings kosten solche Fonds auch eine entsprechende Gebühr. Ihre Performance ist umstritten.

Zum Vergleich: ETFs sind passive Fonds und beteiligen dich 1:1 an Branchen. Sie werden automatisch gesteuert und sind an Indexe gebunden. Deine Rendite hängt also vom DAX oder einzelnen Branchen ab. Alles läuft automatisiert. Es werden weniger Menschen benötigt, die den Fonds betreuen. Dadurch hast du niedrigere Kosten, als beim gemanagten Aktienfond. 

Definition DAX

Der DAX ist ein Index, der die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands abbildet. Er ist keine Aktie, sondern eine Sammlung von Aktien bzw. eine Anzeige dieser. Es gibt Fonds, die diese Indizes abbilden - etwa ein DAX-ETF. Bereits ab 25 Euro monatlich lohnt es sich zu investieren.

Wertpapier-Sparplan

Wenn du dauerhaft Geld anlegen und vermehren möchtest, ist der Wertpapier-Sparplan eine interessante Option für dich. Solltest du dich für dieses Produkt entscheiden, wird von deinem Konto in einem bestimmten Intervall ein festgesetzter Betrag abgebucht und durch deinen Broker in Fonds, Aktien und Zertifikate angelegt. Die Anlage geht dann direkt in dein Depot.

Das regelmäßige Investieren in Wertpapiere fällt mit einem Sparplan besonder leicht. Hast du einmal die Kriterien - wie die Investitionshöhe, das Ausführungsintervall, die Auswahl der Wertpapiere und die Laufzeit - festgelegt, läuft der Rest von ganz alleine. Das spart enorm viel Zeit.

Weitere Vorteile für dich: Die Investitionssumme kann niedrig gewählt werden. Bereits ab 25 Euro pro Monat lohnt sich die Investition in einen Wertpapier-Sparplan. Zudem ist ein Sparplan eine tolles Einsteigerprodukt. Er bietet dir die Möglichkeit, dich an Wertpapiere zu gewöhnen und dich mit ihrem Handel vertraut zu machen. Die hohe Flexibilität gibt dir beim Ausprobieren zusätzliche Sicherheit. Plus: Du kannst einen Sparplan jederzeit aussetzen.

Cost-Average-Effekt

Mit einem Sparplan profitierst du vom Durchschnittskosten-Effekt. Dieser ist ein profitabler Vorteil bei Sparplänen. Kurz gesagt: Du nutzt die Preisschwankungen an den Börsen. Mal erwirbst du Anteile zu einem günstigeren Kurs, dann mal wieder zu einem höheren Kurs. Im Durchschnitt zahlst du aber immer den günstigeren Anteil.

Die langfristige Anlage über einen Sparplan mindert dein Risiko. Dennoch solltest du den Kursverlauf im Auge behalten, um ein Gefühl für Wertpapiere zu entwickeln. Kleine Faustformel: Passe einmal jährlich dein Budget für den Sparplan an.

11 Tipps für Investment-AnfängerInnen

Su steigst gerade erst in die Welt des Investments ein? Sehr schön, denn das heißt, du möchtest deine Finanzen künftig selbst in die Hand nehmen. Und das ist gerade für Frauen sehr wichtig. 

Damit du entspannt als Anlegerin durchstarten kannst, kommen hier 11 Tipps, die du in jedem Fall beherzigen solltest.

1. Verstehe, in was du investierst

Wenn du in ein Unternehmen, einen Fond oder in irgendein anderes Wertpapier investierst, solltest du IMMER wissen, was du tust. 

Solltest du etwa in Einzelaktien investieren, lohnt es sich, einen Blick in den aktuellen Geschäftsbericht des betreffenden Unternehmens zu werfen und Analystenbewertungen zu checken. Bei Fonds und ETFs kannst du das Verkaufsprospekt lesen und natürlich Online-Recherche betreiben.

2. Lege ein Muster-Depot an 

Ein Muster-Depot kannst du dir kostenfrei anlegen. Mit solch einem Depot hast du die Möglichkeit, die Funktionen eines echten Depots nachzuspielen. Investiere einfach mal mit deinem Muster-Depot (das Geld ist natürlich nicht echt) und baue dir ein eigenes Portfolio auf. Dadurch bekommst du ein Gefühl für das Depot, die Börse und die natürlichen Kursschwankungen.

3. Diversifiziere deine Investments

Ganz wichtig: Setze niemals auf ein Pferd allein! Auch nicht, wenn du einen ‘heißen Tipp’ bekommen hast. Dann wärst du eine Spekulantin und keine Investorin. Gut, das muss dich nicht unbedingt stören.

Das größere Problem: Wenn du nur auf ein Unternehmen setzt, kann dich eine Fehlentscheidung allein dein gesamtes Depot kosten. 

Smarter ist es, das Risiko zu streuen. Etwa durch die Investition in ETFs. Manche Experten sind der Meinung, dass du in bis zu 2K Aktien investieren solltest. Mit ETFs kein Problem. Der größte ETF bildet derzeit etwa 1.800 einzelne Aktien ab. 

Wenn du also unkompliziert diversifizieren willst, investiere in Fonds. Statt mehrere Aktien zu kaufen, kannst du so günstig dein Risiko streuen.

4. Denke langfristig

Du hast das Ziel, langfristig zu investieren - und nicht kurzfristig zu spekulieren. Zumindest wenn du auf kontinuierlichen Vermögensaufbau aus bist.

Sicherlich kann eine Investition zeitweilig negativ rendieren. Zeige in solchen Situationen, dass du einen langen Atem hast. Investiere nicht in kurze Zeiträume, sondern denke langfristig. Und agiere auch so. 

5. Setze dir Ziele

Es fällt unfassbar schwer zu sparen, wenn man keine konkreten Ziele hat. Wenn du dir sagst: “Ich spare um mehr Geld zu haben” wirst du nicht so motiviert sein. Sagst du dir dagegen: “Wenn ich für 5 Jahre Summe X investiere, habe ich das Eigenkapital für meine Wunschimmobilie zusammen”.

Wenn du weißt, wofür du sparst und investierst, wirst du disziplinierter und motivierter an die Sache herangehen. Wichtig: Investiere niemals deinen Notgroschen und erst recht kein geliehenes Geld.

6. Ermittle deinen tatsächlichen Gewinn

Bei manchen Brokern siehst du direkt neben den angelegten Summen ein Plus mit deinem ‘Gewinn’. Diesen Gewinn kannst du allerdings nicht 1:1 als den Gewinn betrachten, der später auf deinem Konto landet. Denn: Die Transaktionskosten bzw. Broker-Gebühren sind in dieser Rechnung nicht berücksichtigt. Ebenso nicht die Steuer. 

Auf Zinsen, Dividenden und andere Kursgewinne zahlst du eine Abgeltungssteuer, die bei 25 % liegt. Tipp: Erteile deinem Broker einen Freistellungsauftrag. Das geht meist ganz einfach über die App oder das Online Banking-Portal. Du hast nämlich einen jährlichen Freibetrag von 801 Euro.

7. Denke an die Inflation

Die Inflation ist nicht zu stoppen - und einer der größten Feinde deiner Rendite. Was heute 100 Euro sind, sind in 10 Jahren keine 100 Euro mehr. Der Wert dieser Summe sinkt. Doch keine Sorge: Aus diesem Grund legst du ja Geld an und freust dich über die Gewinne. Wer sein Geld einfach nur unverzinst auf seinem Konto platziert, macht auf kurz oder lang Verlust.

8. Werde nicht nervös 

Die Kurse fallen. Viele AnlegerInnen bekommen Panik. Lass dich davon nicht anstecken. Sehe Krisen als Chancen.

Ein Beispiel: Mit dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie, fielen die Aktienkurse steil nach unten. Die Anleger verkauften fleißig ihre Anteile. Dieser Moment ist deine Chance, Aktien oder auch ETFs zu einem extrem günstigen Preis zu bekommen.

Natürlich heißt es auch in Krisenzeiten: Kopf einschalten. Wer denkt, dass ein etablierter deutscher Autobauer die Krise meistern und gestärkt aus ihr hervorgehen wird, sollte gerade jetzt in Anteile bei diesem Unternehmen investieren. Wenn dir die Sache zu heikel ist, lass es aber besser. Und solltest du Aktien halten, die vom Absturz betroffen sind: Bewahre Ruhe und überlege für dich, ob sich die Kurse nicht irgendwann wieder erholen könnten. Kurz gesagt: Lass dich nicht zu Impulskäufen oder -verkäufen animieren.

9. Rechne mit Verlusten

Sicherlich gibt es Möglichkeiten, das Risiko für Verluste an der Börse zu minimieren. Etwa durch die breite Streuung seiner Investitionen - zum Beispiel durch die Investition in ETFs. Dennoch gibt es keine Garantie dafür, dass du kein Geld verlieren wirst. Tipp: Lege einen Notgroschen in Höhe von mindestens drei Netto-Monatsgehältern zurück, auf den du in schwierigen Zeiten zurückgreifen kannst.

Lege immer nur Geld an, das du aktuell nicht zwingend benötigst und denke lieber langfristig als spekulativ. Denn: Rendite und Risiko gehören zusammen. Du kannst natürlich ein hohes Risiko fahren und so innerhalb kürzerer Zeit mehr Gewinn einfahren. 

Mit diesem Ansatz ist die Gefahr aber auch höher, das investierte Geld zu verlieren. Und weil es in dieser Reihe darum geht, wie du als Frau vorsorgst und dich vor der Altersarmut bewahrst, ist das sicherlich der falsche Ansatz.

10. Expertenmeinungen sind NICHT das Nonplusultra

Es ist eine gute Sache, wenn du dich regelmäßig über die Börse und ihre Entwicklungen informierst. Auch Expertenmeinungen zu lesen und mit deinem gesammelten Wissen Stück für Stück ein Portfolio aufzubauen bzw. eine Anlagestrategie zu erarbeiten, ist durchaus sinnvoll - und sicherlich besser, als ausschließlich auf das Bauchgefühl zu hören. ABER: Setze niemals nur auf Expertenmeinungen! Erst recht nicht, wenn du keine Ahnung von dem Es gibt täglich neue Prognosen, die nicht immer stimmen müssen. Nur weil ein Börsenguru empfiehlt, in russisches Saatgut zu investieren, heißt das nicht, dass das wirklich das große Geld bringt. 

11. Reinvestiere deine Gewinne

Du hast Gewinn gemacht? Super. Denn reinvestiere diese Gewinne und profitiere vom Zinseszins-Effekt. Du wirst sehen: Mit der Zeit kommt da eine Menge Geld zusammen.

Trau dich und fange an

Am besten traust du dich einfach und startest mit deiner ersten Investition. Taste dich vorsichtig an das Thema heran und versuche es mit einem ETF-Sparplan, in den du monatlich eine kleine Summe einzahlst, die dir nicht wehtut.

Mit der Zeit lernst du immer mehr dazu. Du wirst deine eigene Investment-Strategie entwickeln und ein Gefühl für die natürlichen Kursschwankungen bekommen. Jetzt heißt es nur noch: anfangen.

Im dritten Teil dieser Blogreihe soll es alleine um das Thema Altersvorsorge gehen. Das Rüstzeug dafür hast du bereits in Part I und II bekommen. Jetzt sollst du erfahren, wie du gezielt für das Alter vorsorgst und mit welchen Summen du während deiner Rente rechnen kannst. Bleib am Ball und entgehe der Altersarmut - von der bis zu 75 % der Frauen im Alter zwischen 35 und 50 Jahren bedroht sind.