Welche guten Gründe sprechen eigentlich dafür, sich selbständig zu machen? | Kontist
Selbstständigkeit

Welche guten Gründe sprechen eigentlich dafür, sich selbständig zu machen?

Nina Sickinger

Freelance Editor

26. Juli 2021

Jaja, die Selbständigkeit - sicherlich eines der Themen, das zweifelsfrei ganz unterschiedliche Assoziationen auslöst. Für viele schon immer ein Traum, für andere mit wechselnden Gefühlen oder sogar Ängsten behaftet. Und trotzdem tun sie es und starten ihr eigenes Business. Gründe, diesen Schritt zu tun, gibt es zahlreiche. Die eine Personengruppe verfolgt diesen Plan schon seit der Schule und in Bezug auf die Berufstätigkeit kommt gar nichts anderes in Frage.

Die andere Gruppe kann sich das eventuell nicht vorstellen und geht erst einmal in die Festanstellung. Aber dann kommt irgendwann ein Zeitpunkt, an dem sie sich an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr wohl fühlen und sich doch noch entscheiden, in die Selbständigkeit zu gehen. Diese beiden Aspekte sind sicherlich die beiden Haupt-Motivationen fürs Unternehmertum (und nebenbei gibt es noch viele andere). 

Heute gehen wir etwas mehr ins Detail und beleuchten ein paar Aspekte genauer, warum sich jemand für die Selbständigkeit entscheidet oder zumindest darüber nachdenken sollte.

Allgemeines 

Ganz grundsätzlich gibt es zahlreiche Gründe, die im Ranking ganz oben stehen. Menschen machen sich selbständig, weil sie: 

  • an ihrem bisherigen Arbeitsplatz unzufrieden sind bzw. nicht mehr festangestellt arbeiten möchten
  • keinen Sinn mehr in ihrem Job sehen
  • eine eventuell (lange) Arbeitslosigkeit beenden möchten bzw. keinen neuen Job finden
  • mehr verdienen möchten
  • zeitlich flexibler arbeiten und ihre Arbeit insgesamt flexibler gestalten möchten
  • unabhängiger arbeiten möchten und um mehr Freiheiten zu haben
  • sich von einer Selbständigkeit/Freiberuflichkeit mehr Erfüllung und Freude versprechen
  • sich weiter entwickeln oder aus starren Routinen ausbrechen möchten
  • keine Dankbarkeit oder Anerkennung bekommen 
  • sich mehr Erfolg bzw. Prestige erhoffen
  • keine Lust mehr auf (nervige) Chefs und/oder Kollegen haben
  • etwas Eigenes aufbauen und damit etwas Bleibendes erschaffen möchten 
  • das bisherige Arbeitsfeld verlassen und etwas ganz Neues anfangen möchten (evtl. auch durch Umschulung, Weiterbildung etc.)
  • von einer bereits bestehenden Selbständigkeit im Nebenerwerb in eine komplette wechseln möchten
  • an ihrem Arbeitsplatz gemobbt werden, und dementsprechend das soziale Umfeld wechseln möchten
  • sich eine bessere Kombinierbarkeit von Familie und Beruf erhoffen

Das sind schon mal einige gute Gründe, und es gibt bestimmt noch einige mehr. Und, trifft eventuell ein oder sogar mehrere Punkte auf dich zu?  Dann wäre die Überlegung, ein eigenes Unternehmen zu gründen definitiv interessant für dich. Und da kommen wir schon direkt zu einem der wichtigsten Schritte auf dem Weg in die berufliche Unabhängigkeit:

Egal an welchem Punkt du stehst, du solltest dir immer über die genauen Beweggründe im Klaren sein. Denn es spielt eine große Rolle, dass der Gründungswillige seine Entscheidung und seine Ziele klar definiert. 

Der Weg in die Selbstständigkeit, egal von welcher Ausgangssituation du auch kommen magst, bringt immer eine Menge an Herausforderungen mit sich. Und falls du aus einer Festanstellung wechseln möchtest, auch eine völlig neue Lebenssituation. Darauf sollte sich jeder gut vorbereiten. Auf was du beim Selbständig machen achten solltest - das findest du in diesem Artikel mehr: Existenzgründung: Worauf du dich gefasst machen solltest.

Zu empfehlen ist auch unser Ratgeber zum Thema Selbständig machen mit dem ersten Guide für Selbständige.

Nun wird es konkret

In diesem Abschnitt vertiefen wir einige Aspekte aus der obigen Liste.  Das sind meine persönlichen Top`s im Rennen um die besten Anreize für ein eigenes Unternehmen.

  • Egal ob du am Anfang deiner beruflichen Karriere stehst oder bereits mitten drin bist - das was sich viele von ihrem (beruflichen) Leben erhoffen, ist, dass es sich um eine sinnvolle Aufgabe beziehungsweise einen sinnvollen Job handelt. Jahrein, jahraus lustlos immer den gleichen "9 to 5"- Job zu erledigen und nur auf die Wochenenden und den Jahresurlaub zu warten, ist auf Dauer wenig inspirierend und wahrscheinlich auch deprimierend. 

    Ist es nicht erstrebenswert, in seinem Beruf auch seine Berufung zu finden und etwas zu tun, was dem Ganzen einen Sinn gibt? Würde man eine Umfrage starten, ich bin mir sicher, die meisten würden das mit Ja beantworten und sich dafür entscheiden - wenn sie dürften - dass durch ihren Job unser Miteinander ein wenig besser wird, etwas für das es sich zu arbeiten wirklich lohnt.

    Dazu zählt auch, dass sie eine direkte Rückmeldung erfahren. Ist es in einer festen Anstellung meist der Chef, der die Wertschätzung der Kunden einheimst und das an seine Mitarbeiter vielleicht gar nicht weitergibt, bist es in der Selbständigkeit du selber, der im direkten Austausch mit den Kunden steht und (positives) Feedback und Anerkennung erhält. 
  • Wenn ich einmal von mir ausgehe, war für mich einer der Hauptgründe: Ich wollte keinen Chef. In meiner Anfangszeit habe ich es ein paar Mal versucht, nur um dann irgendwann zu dem Entschluss zu kommen, ich möchte mein eigener Chef sein. Auch wenn es anfangs gar nicht unbedingt zu meiner Mentalität passte - denn eigentlich bin ich eher ein Sicherheitsmensch und hatte die eine oder andere schlaflose Nacht - habe ich es nie bereut. Denn die Beispiele einem, den ganzen Tag Zeitung lesenden Chef, sein Luxusauto mitzufinanzieren, wollte ich so nie mehr erleben. Und eben so wenig mich mit unangenehmen Stimmungen rumschlagen zu müssen. 

    Auch wenn diese Gründe vielleicht zum Schmunzeln sind, können schlechte Laune, hohe Emotionalität, Reizbarkeit oder Hitzköpfigkeit eines Chefs das Arbeitsklima zur ziemlichen Belastung für die Angestellten werden lassen. Hier handelt es sich dann zwar eher um eine Flucht nach vorne, sollte das der Grund für dich sein. Aber der Wunsch, sein eigener Chef zu sein, hat auch noch eine andere Seite: Denn hinter dieser Entscheidung kann auch stehen, dass man all seine Kraft, Leidenschaft und sein Können in etwas Eigenes investiert und auch die Lorbeeren selber einsteckt. Du schaffst etwas, das du mit deinen eigenen Werten füllst und auf das du stolz sein kannst. Viele sagen auch, dass sie ein höheres Ansehen in ihrem Umfeld genießen. Selbständigen gegenüber wird auch heute häufig noch mehr Achtung entgegen gebracht.

  • Wenn andere Menschen Selbständige nach ihren individuellen Gründen fragen, findet sich eine Antwort definitiv häufig: Ich möchte unabhängig sein und mehr Freiheiten genießen. Die Vorstellung sich Tag für Tag in starren Strukturen und firmeneigenen Hierarchien wiederzufinden, ist für Berufstätige oft nicht erstrebenswert. In Unternehmen herrschen vielfach Bedingungen, in denen man sich nicht frei entfalten kann. Das können zum einen unflexible Arbeitszeiten sein, aber auch starre Routinen, Werte und Aufgabenbereiche, die keinerlei Freiraum ermöglichen und vor allem die eigene Selbstentfaltung verhindern. 

    Bist du selbständig, kannst du unabhängig agieren und selbst bestimmen - zumindest was das Unternehmertum an sich betrifft. Also, im besten Falle entscheidest und bestimmst du, wie du deine Zeit einteilst, wann du arbeitest, ob du einen Auftrag annimmst oder nicht und vieles mehr. 
  • Als ein Grund gilt für viele natürlich auch das liebe Geld. Denn obwohl Angestellte auch in ihrem festen Job gut verdienen können, versprechen sich manche von einer Selbstständigkeit noch mehr. Und ein Kopfnicken zu diesem Aspekt gibt es auf jeden Fall, denn wer sein"eigenes Ding" macht (also nicht für jemand anderen arbeitet) geht viel motivierter und engagierter an die Sache ran und unter dem Strich bringt das auch mehr Geld. Aber beachte bitte immer: Wenn du denkst als Selbständiger regnet es permanent "dicke Scheine" vom Himmel, dann sei dir darüber im Klaren, dass es auch Durststrecken geben kann, vor allem am Anfang und dass du unter anderem deine Motivation immer hoch halten musst. Aber das ist ein anderes Thema.
  • Ich denke, dieser Grund für ein eigenes Unternehmen trifft auf viele Angestellte zu: sie sind in ihrem Job unzufrieden, unglücklich oder - was oft der Fall ist - einfach unterfordert, sehen keine Karrierechancen, befinden sich quasi in einer Stagnation. Das kann man zwar mal eine Weile machen, doch auf Dauer wird das zu Frust und schlechter Laune führen. 

Nicht selten, werden die Menschen auch krank davon. Jeder möchte gefordert werden, beruflich weiterkommen und sich dadurch auch persönlich weiter entwickeln. Wenn das im bisherigen Job nicht geht, schwenken deswegen viele in die Selbständigkeit um. Denn da mangelt es sicherlich an einem nicht: an Herausforderungen. Außerdem hast du optimale Möglichkeiten, dich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen und auszuprobieren. 

Die Chancen in einer Selbständigkeit sind vielfältig, spannend und interessant. Und vielleicht lernst du sogar ganz neue Talente und Fähigkeiten an dir kennen, von denen du gar nicht wusstest, dass du sie besitzt. Also, die Möglichkeit (d)einer ganz neuen Potentialentfaltung. Auch nicht zu verachten ist natürlich, dass ein eigenes Business jede Menge an Abenteuern bereit hält.  

  • Und daran schließt sich direkt ein weiterer Punkt an: Du kannst dein Unternehmen genau nach deinen eigenen persönlichen Stärken und Fähigkeiten ausrichten. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die sich arbeitsmäßig dermaßen unter ihrem Potential einrichten müssen, weil es entweder den optimalen Job, der genau zu ihnen passt, nicht gibt oder weil es von den Vorgesetzten gar nicht gesehen oder erwünscht wird. Und dass das langfristig auf Kosten der Zufriedenheit und Motivation geht, versteht sich von selbst. 

    Im eigenen Business werden deine Stärken und Fähigkeiten jeden Tag gefordert, du kannst Grenzen überwinden, deine Ziele erreichen, dir ganz neue stecken, über dich hinauswachsen und dich immer wieder neu erfinden. Auch eine Portion Experimentierfreudigkeit ist jederzeit erlaubt. Mehr geht nicht. 
  • Nicht zu verachten ist auch ein Aspekt: Der direkte Kontakt zu Kunden und Dienstleistern und vor allem aber der zu Gleichgesinnten beziehungsweise anderen Unternehmern. Das ist unglaublich inspirierend und spannend. Du lernst immer wieder neue Menschen kennen. Interessante, und natürlich auch schwierige. Das ist mitunter ganz schön herausfordernd, aber dadurch lernst du kontinuierlich dazu und wirst immer selbstbewusster. 
  • Gerade nach einer beruflichen Pause, wie zum Beispiel nach der Babypause, nutzen Berufstätige eine Gründung für den Wiedereinstieg. Meist Frauen, aber auch bei Männern trifft dies zu. Das ist häufig ein Zeitpunkt, an dem man urplötzlich keine Lust mehr auf den alten Job hat, sich ein festes Angestelltenverhältnis nicht mehr vorstellen kann bzw. sich die Interessen, Perspektiven und Werte verändert haben. 

    Eine Gründung eignet sich zum Beispiel auch hervorragend, um erst einmal langsam, das heißt nebenberuflich, zu starten. Will heißen, man kehrt erst einmal in den alten, festen Job zurück, vielleicht nur in Teilzeit, und versucht den Aufbau des eigenen Unternehmens nebenbei - ein sehr gutes Sprungbrett. Das gleiche gilt auch für diejenigen, die (lange) arbeitslos waren und frustriert sind, weil sie keine passenden Angebote bekommen. Auch hier kann eine Existenzgründung genau das richtige sein. Außerdem gibt es gute Fördermöglichkeiten.

  • Als letzten Grund möchte ich die familiären Umstände nennen. Gerade mit Kindern ist die Vereinbarkeit von Job und Familie nicht immer einfach. Oft sind Unternehmen in dieser Beziehung auch äußerst unflexibel, nicht alle agieren familienfreundlich. Nicht selten gibt es dann die Überlegung für ein eigenes Business, weil man stärker über die eigene Zeit bestimmen und flexibler arbeiten kann. 

Zum Abschluss noch eine kleine Warnung  

Wenn du dich in den oben genannten Punkten wiederfindest und die Power, Motivation und das entsprechende Knowhow mitbringst, kannst du getrost über ein eigenes Unternehmen nachdenken und die ersten Schritte in die Wege leiten. Es gibt aber auch Menschen, die sich in ihren Überlegungen schnell mal verrennen und die Situation komplett falsch einschätzen. Es gibt also definitiv auch Gründe, die niemals den Entschluss, sich selbständig zu machen, zur Folge haben sollten. 

Wenn du also denkst,

  • selbständig sein ist doch easy 
  • den anderen werde ich es zeigen, das schaff ich doch mit links 
  • da gibt`s Geld vom Staat, das nehm` ich doch einfach mit 
  • da werde ich schnell steinreich / da kann ich mir jede Menge Luxusgüter anschaffen
  • cool, da lasse ich meine Angestellten für mich arbeiten
  • da kann ich ja alles absetzen, was ich mir kaufe und habe jede Menge Steuervorteile
  • und bestimmt noch einige mehr,

dann solltest du die Finger von einer Selbständigkeit lassen. Denn eine Gründung erfordert Mut, eine klare Selbsteinschätzung, Realismus, die Fähigkeit mit Herausforderungen umzugehen, aber auch Bescheidenheit, Bodenständigkeit und am besten wirtschaftliches Grundlagenwissen. 

Natürlich stößt man bei der Entscheidung für eine Selbständigkeit in seinem Umfeld oft auf Widerstände oder Ablehnung. Die Gründe für derartige Reaktionen sind vielfältig und haben häufig wahrscheinlich eher mit den Reagierenden zu tun als mit deinem persönlichen Plan. Dennoch: 

Jeder Existenzgründer sollte sich erst einmal selber zu Hundert Prozent im Klaren sein, was er will und wie er eine Gründung angehen möchte. Bei den vielen Schritten, die auf diesem Weg zu absolvieren sind, kannst du dir auch getrost Hilfe und Beratung holen. 

Am Schluss seien dir noch zwei weitere Blogartikel empfohlen: Hier liest du, was bei der Existenzgründung alles zählt Existenzgründung ist eine Frage des Mindsets und hier erfährst du etwas über die einzelnen Aspekte einer Selbständigkeit Mit welchen Aspekten du in deiner Selbständigkeit klar kommen musst - die einzelnen Phasen auf deinem Weg zum Erfolg